DSM-5
Fritz B. Simon
Dass die Main-Stream-Psychiatrie fast vollkommen in der Hand der Pharmaindustrie ist und die meisten Psychiatrie-Ordinarien nicht viel mehr als habilitierte Pharma-Vertreter sind, habe ich hier ja schon öfter bedauert.
Durch die systematische finanzielle Förderung der biopsychiatrischen Forschung durch die Industrie werden psychiatrische Karrieren fast zwangsläufig in diesen Bereich geleitet, so dass für Berufungen kaum mehr Alternativen zur Verfügung stehen. In der Folge werden dann Hunderte von werdenden Psychiater in dieser – dem Fach leider in keiner Weise gerecht werdenden Weise – zu einer medizinisierten Psychatrie hin ausgebildet. Hier braucht man keine Verschwörungstheorien, um den Siegeszug der Psychopharma-Industrie erklären zu können.
Dieser Trend ist international zu beobachten. Die für 2013 geplante Neuausgabe des Diagnostical and Statistical Manuals (DSM-5) der American Psychiatric Association ist, wenn man den bislang bekannten Entwürfen glauben kann, ein Katalog neuer “Krankheiten”, die eine noch weitere und flächendeckendere Medikation erlauben.
Hier muss früh Widerstand angemeldet werden,noch bevor das Ding gedruckt und auf dem Markt ist. Das passiert schon gelegentlich. Für alle, die sich hier weiter informieren wollen – und eventuell auch Initiativen in Deutschland, Österreich oder der Schweiz starten wollen, hier wieder mal ein ganz aufschlussreicher Artikel zum Thema:
http://www.salon.com/2011/12/27/therapistsrevoltagainstpsychiatrysbible/
5 Kommentare
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Erst so was …
http://www.skaichannel.de/wp-content/uploads/24142822906857044302710000019657937811499833074326o-440×600.jpg
… und dann Revolution von unten oben rechts vorn links hinten predigen!
Im Hinblick auf primären, sekundären, tertiären Symptomgewinn des kritisierten Geschäftsmodells würde das sehr viel Licht in den Köpfen e.t.c. voraussetzen- jetzt mal als Gelegenheitssystemiker gedacht. Weil: nahezu flächendeckend sind die meisten Leute doch längst in Behandlung. Von daher naheliegnd; wem´s nicht paßt, der soll doch nach Russland gehen, oder so ähnlich!
http://www.titanic-magazin.de/uploads/pics/mwschl_ge.jpg
Kommentar by Max Liebscht — 29. Dezember, 2011 @ 08:33 Uhr
Jetzt noch richtiger:
http://kurzurl.net/nxzcB
http://kurzurl.net/HlUEi
Und mit (((metaphorisch gemeinter))) Musikuntermalung:
http://www.youtube.com/watch?v=E93WE9KBGzM&feature=related
http://vimeo.com/20461921
Kommentar by Max Liebscht — 29. Dezember, 2011 @ 08:40 Uhr
Leider wieder das alte Problem, dass der Link nicht stimmt, weil Unterstriche als Formatierungsregel für Kursivdruck interpretiert werden.
Zum Thema: Zum Glück ist ja nicht ganz Gallien von Römern besetzt. Dummerweise sind die nicht-pharmahörigen Psychiater, die ich kenne, dannsehr dem Gedanken der Sozialpsychiatrie und deren Invalidenmodell verbunden, was im Hinblick auf Chronifizierungsmuster nicht eben viel besser ist. Aber ohne die offiziellen Würden ist es schwer, in Institutionen diesbezüglich Veränderung anzustoßen, zumal ohne unmittelbare “Verbündete”. Anpassung an die bestehenden Sicht- und Handelsweisen zum Erwerb dieser Würden schmeckt mir auch nicht besonders. Meine Frau meinte neulich zu mir: “Du taugst halt nicht zum Arbeitnehmer”. Da hat sie, wenn man’s systemisch sieht, sogar recht.
Hier gibt es jedenfalls seit einiger Zeit wesentliche Texte von Thomas Szasz offiziell frei online:
http://www.szasz-texte.de/
Kommentar by Mathias Klinkerfuß — 29. Dezember, 2011 @ 13:21 Uhr
Hier noch der Link von FBS als Kurz-Url, da fallen die Unterstriche weg:
http://goo.gl/3WYSq
Kommentar by Mathias Klinkerfuß — 29. Dezember, 2011 @ 13:25 Uhr
Was die Positionen von “Wessen Brot ich fress, dessen Lied ich sing” und ebenso inventarisierenden “Warte mal (mit Deiner Entwicklung), ich helf Dir!”-”Invalidenmodell” verbindet, ist, dass Beobachter / Beschreiber/ Bewerter sich bei beiden Doktrinen mit ihren eigenen Existenzsicherungsinteressen massiv in die Prämissen einbringen und von daher prächtige Ernte in Sachen selbst gelegte Ostereier einfahren. Die Nazis wiederum haben sich von vornherein nicht auf diese Debatte eingelassen und die rudeldynamische Tendenz zur Insider/Outsider-Dichotomisierung radikal instrumentalisiert. So breit wie die breite Masse inzwischen wieder ist, gibt es für derlei rhetorische Schemata schon wieder jede Menge Abnehmer. Jenseits dieser drei Verlegenheiten freilich wird uns keine noch so ausgeklügelte Medikamentenzuordnung und keine noch so lösungsorientierte Handlungsdiagnostik helfen sondern nichts weniger als eine neue (oder wenigstens runderneuerte) Form von Gesellschaft. Sobald jemand versucht, derlei im Kleinen zu iniitiieren, wird er sehr schnell und i.d.R. massiv merken, dass die Frage “verrückt” oder “aktuell in besonderer Lebenslage” eine extrem politische ist.
Kommentar by Max Liebscht — 2. Januar, 2012 @ 22:32 Uhr