Simons Systemische Kehrwoche

Dummheit und Macht

Fritz B. Simon

Die Spitzelaffäre der Telekom scheint mir nicht so sehr deswegen bemerkenswert, weil hier offensichtlich ein Konzern gegen geltende Gesetze verstossen hat, sondern weil dies – da beißt die Maus keinen Faden ab – sicher nicht ohne Zustimmung der obersten Hierarchen erfolgt sein kann.

Und das lässt einen natürlich verzweifeln an unseren vermeintlichen Wirtschafts-”Eliten”. Dass man so dumm sein kann und als Individuum so hoch aufsteigen kann in solch einem Laden, ist das eigentlich Erschreckende. Erklärbar scheint mir dies nur als “erworbene Dummheit”. Wenn man längere Zeit der eigenen Macht ausgesetzt ist, verliert man seine Rationalität – d.h. das Gespür für angemessenes Verhalten. Man ist von Hofschranzen umgeben, die einem nach dem Munde reden und einem das Gefühl geben, “ganz toll” zu sein. Irgendwann sitzt man dem eigenen Heldenmythos auf und fühlt sich nicht mehr an die Regeln, die für andere, weltlichere Kreaturen gelten, gebunden. Und das Ergebnis ist dummes Verhalten.

Ein Leitsymptom von Dummheit scheint mir die Idee, man könne andere Menschen, ja, ein ganzes Unternehmen kontrollieren (“in den Griff bekommen”). Wer das denkt, für den muss es eine, die eigene Identität bedrohende Herausforderung sein, wenn er realisiert, dass es in seinem Laden “undichte Stellen” gibt (eine bezeichnenderweise mechanische Metapher). Und was macht man mit undichten Stellen als “verantwortungsvoller” Kapitän solch eines Hochseedampfers? Man dichtet sie ab, man versucht das “Leck” zu schließen.

Nebenbei erklärt diese Metapher, wie es zur “erworbenen Dummheit” von Top-Managern kommen kann (nicht muss – ich kenne auch andere). Wenn ein Leck abgedichtet wird, dann kommt von draußen nichts mehr rein. Man wird abgeschottet von Informationen, von der wahren Welt. Folge: das “Erich-Honecker-Syndrom”. Auch die DDR-Führung hat gar nicht gemerkt, dass ihr Staat zerbröselt war, weil es ihr keiner gesagt hat.

Nicht, dass ich hier dem Geheimnisverrat oder der Illoyalität von Mitarbeitern das Wort reden will. Aber anzunehmen, man könne sie durch Machtmittel beseitigen, ist naiv. Selbst im Krieg gelingt das nur sehr selten, und da hat man es mit klaren Freund-Feind-Unterscheidungen zu tun. Bei den Lecks in Unternehmen, sind es aber meist nicht diejenigen, die der Firma schaden wollen, sondern diejenigen, die Schaden von ihr abwenden wollen…

Hier scheint mir die Idee des postheroischen Managements noch nicht angekommen zu sein.

Was aber – wenn man Freude an Paradoxien hat – die ganze Telekomangelegenheit so pikant macht, ist m.E., dass hier krumme Dinger gedreht wurden, auf die man sich als intelligenter Mensch nur einlassen sollte, wenn man sicher sein kann, dass sie geheim bleiben. Aber das war ja gerade das Problem der Telekom: dass nichts geheim blieb. In einem Unternehmen, in dem nichts geheim bleibt, sich auf etwas einzulassen, was der absoluten Geheimhaltung bedarf, ist nun wirklich ziemlich dumm.

Dummheit ist an sich ja nicht schlimm, wenn es Mechanismen gibt, sie zu begrenzen. Die Macht von Top-Managern ist heute einfach zu wenig begrenzt. Die Begrenzung von individueller Macht ist ein Kennzeichen intelligenter Systeme. Insofern sind unsere (Groß-) Unternehmen leider nicht sonderlich intelligent organisiert. Ja, sie werden immer blöder, da der Trend besteht, die Macht von CEO’s nach dem amerikanischen Vorbild noch zu verstärken (siehe die vor Jahren durchgeführte Reform der Führungsstruktur der Deutschen Bank). Deswegen ist fast jede Woche von einem neuen Skandal zu lesen. Ob es die Schmiergeldzahlungen von Siemens sind, oder die Insider-Geschäfte von Herrn Forgeard…

Um es – falls das nicht aufgefallen sein sollte – zu betonen: Ich argumentiere hier nicht mit Moral, sondern mit Rationalität. Denn ich glaube, dass sie in dieser Angelegenheit das größere Veränderungspotential besitzt.

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12 Kommentare

  1. Das gefällt mir nun aber wieder.
    Obwohl es noch zu bescheiden ausfällt.
    Und auch, wenn man glauben könnte,
    daß Rationalistät mit Moral nüscht zu tun hätte.
    Aber wer weiß, was der Statusobermann gerade für Getränke zu sich nehmen mag.

    Ich hatte kürzlich mal die Frage gestellt, ob alles kommen muß, was vorstellbar ist.
    Wenn Schäuble wieder mal am Rad dreht bzw. sich mehr oder minder offiziell belichtet mit den hübschen René trifft, geht es doch eher um Erfahrungsaustausch in Sachen Big Brother is watching you. Was hat sich denn da so bewährt Kumpel?

    Daß die Typen noch dem anachronistsichen Wahn rationalistischer Konstrollierbarkeit von Kooperationsgeweben anhängen, führt zu diesen unnötig verfrühten paradoxen Schließungen bzw. Bauchlandungen organisationaler Entwicklung.
    Wenn die Metaphorik einer sozialen Struktur als Organismus, die Einsicht ob der begrenzten “Steuerbarkeit” organisationaler Kultursubstrate durch Bereitsstellen eines geeigneten Rahmens- wenn sich das mal herumgesprochen haben sollte auf den Schulen, an denen die heutigen Managereliten auf künstliche insofern planerisch eitle Szenarien hin geklont werden, also dann wird das sicherlich nicht zu früh sein, wie die Franzosen sagen.

    Obwohl mir dieser Beitrag darauf hinzudeuten scheint, daß man trotz dem Reizsturm, der in großen Städten mitsamt Ihrer monitorbespielten U – Bahnen herrschen muß, noch mitkriegt, was unserer aller Rahmen zunehmend bestimmen dürfte und nicht nur über Mattscheibenreflexe grübelt, muß ich heute höchstselbst gestehen, daß ich hypnotisiert worden bin.

    Deshalb jetzt Vorsicht!

    Vor mir steht eine Flasche.
    Aus Glas.
    Fast leer.
    Ähnlich wie Burn out kwasi.
    (Draußen gibt es noch weitere.)
    Auf dem Etikett … Obacht, jetzt kommt gleich das Schreckliche!
    Also da steht tatsächlich folgendes.
    Sind Sie mental wirklich schon soweit vorbereitet,
    das Folgende unbeschadet zu verdauen?
    Dann los!
    :
    Also:
    “Ein Duckstein ist immer ein Duckstein.”

    ???
    Na ja. Äh nu also. Genau!
    Ich mein, da kann man schon ins Grübeln kommen.
    “Ein Duckstein ist immer ein Duckstein.”
    Auf Aldi – Flaschen sollten die Werber derlei wohl tunlichst vermeiden, wenn sie keine populationsgefährenden Kurzschlüsse riskieren wollen.
    “Ein Duckstein ist immer ein Duckstein.”
    Nix von wegen endloser Schleife bei Gödel, Escher und Bach.
    Und auch nix von wegen dem gertrudischem “a rose is a rose is a rose is rose”. Nee. Sense.
    Ich bin da jetzt für ganz klare Ansagen.
    Postheroisches Dingsdabumms.
    “Ein Duckstein ist immer ein Duckstein.” verdammt noch mal!

    Damit nun aber keiner glaubt, daß es nicht auch konstruktive Konsequenzeh haben kann, wenn man schon vormittags auf Buchenholz gereiftes Rotblondes (!!!) Weizen säuft, schnell noch eine für beide sicher hilfreiche Anregung zum kürzlich zu beobachteten “Hier bist Du und da bin ich” bei Tante Taraba / Onkel Simon:

    http://www.dozenten-boerse.de/Fachartikel/details/Veraenderungskompetenz—Ist-der-Mensch-wandlungsfaehig/1907

    Hilft das weiter?
    Na ja, ich werd es wohl merken.

    Kommentar by Max Liebscht — 31. Mai, 2008 @ 11:15 Uhr

  2. Beim Durchscrollen der von Ihnen empfohlen Literatur dachte ich, dass es sich bei besagtem empfohlenen Inhalt wohl um Ihren eigenen Blinden Fleck handelt?

    Ich dachte daran, dass Sie sich auch in anderer Hinsicht der Situation, die Sie betrifft, öffnen könnten, indem Sie nämlich sich am informativen, unprätentiösen, schlichten Mitteilungsstil der Autorin ein Beispiel nehmen könnten, damit der Prozess von (“künstlicher”) Kommunikation im Blog gelingt, – die auf ihre Art ja auch eine Beziehung ist?

    Ihnen liegt wohl mehr am Nicht-Gelingen? Das ist o.k. Mich stört es nicht.

    Weiters dachte ich, dass eine Ego bedingte Unlust, persönliche Bindungen und damit Betroffenheit einzugehen, Leute übermäßig viel unproduktive Zeit beim Surfen im Netz verbringen lässt? Vielleicht irre ich mich da.

    Ein lesenswerter Text, ob er Ihnen weiterhilft?

    Kommentar by Sylvia Taraba — 31. Mai, 2008 @ 13:13 Uhr

  3. “… Was aber … die ganze Telekomangelegenheit so pikant macht, ist, dass hier krumme Dinger gedreht wurden, auf die man sich als intelligenter Mensch nur einlassen sollte, wenn man sicher sein kann, dass sie geheim bleiben….”

    Denkt man als Fernsprecher und aufmerksamer Zeitungleser oder als Handykäufer nicht sowieso, dass man es mit durchtriebenen Geschäftspraktikern in dieser Branche zu tun hat?
    Und spinnt man als intelligenter Mensch weiter, fällt auf, dass die Telekom durch Kleindruck bei der Geheimhaltung ihrer Geschäftsbedingungen ganz schön weit schon gekommen.

    Angesichts der Vielzahl der Verfehlungen (CDU, Lidl, Telekom, Siemens, Alsthom, Total, Zumwinkel, VW, Bayer, Stromkonzern, Hansen etc.) möchte man an Dummheit nicht mehr glauben, die Manager lernen das an irgendwelchen Eliteschulen.

    Kommentar by duscholux — 1. Juni, 2008 @ 20:09 Uhr

  4. “Schulen” sind wahrscheinlich dann besonders geeignet, Dummheit zu lehren, wenn sie sich für Eliteschulen halten… Wahrscheinlich ist ja die Idee der Elite schon ein Ausdruck von Dummheit.

    Kommentar by Fritz B. Simon — 1. Juni, 2008 @ 20:41 Uhr

  5. …irgendeiner jagt jetzt bestimmt wieder die sau der selbstverpflichtung durchs dorf – unser sparkassenpräsident wäre da z.b. bestens geeignet

    Kommentar by ingo scholz — 2. Juni, 2008 @ 11:15 Uhr

  6. Mit Ihrem Statement dokumentieren Sie natürlich Führungsanspruch. Ich muß ihn nicht anerkennen. Aber Sie drücken sich wenigstens mal nicht davor, das zu tun, was Sie tun können.

    Die kriegsfolgenbedingte Ideologie, “Führung” ließe sich umgehen, wäre nicht realisierbar e.t.c., halte ich für viel gefährlicher als den Machbarkeitswahn irgendwelcher organisationskompatibler Klone, die auf trivialisiert abgebildete Szenarien hin gezüchtet werden.
    Wir differenzieren ja wohl nicht umsonst zwischen dem Menschen in seiner Würde an sich, im Sinne von Gleichheit und seinem sehr wohl bewertbaren und entwickelbaren Verhalten.
    Mögen es nur die unentscheidbaren Fragen sein, die wir entscheiden können. Insoweit wir uns ungestraft einbilden dürfen, sie entscheiden zu können, sollten wir sie auch entscheiden.

    Die “Gleichheit” zwischen Menschen stellt sich dadurch her, daß natürliche Führer, welche durch die Eliteschule des Lebens gegangen sind, ihre Privilegien einzulösen haben gegenüber der sozialen Ökologie der sie u.a. intellektuell nährenden Sozialkörper, der sie ihre Koevolution schließlich mit zu verdanken haben.

    Daß Sie und durchaus auch ich selbst mäßig ehrgeizig bis minimalistisch unter den Möglichkeiten bleiben, was die Realisierung von Führung betrifft, mag zunächst ökologisch wirken. Irgendwo offenbart sich da womöglich auch fehlendes Mitgefühl. Für diesen Laden hier wird es sich en masse verheerend auswirken daß es uns beliebt verantwortungsscheu zu sein und den Aufstieg pathologischer Egomanen einmal mehr begünstigen. Dieses Unbehagen, Macht und die Möglichkeit von Führung konsequent zu denken und zu realisieren, führt in gesellschaftlichem Maßstab geradewegs zu dem, was sich schon individuell zeigt: Wer nicht weiß, was er will, für den weiß es sofort ein anderer. Wer auch immer das sein mag. Von Staatswegen bspw. inzwischen wieder die großen industriell – militärischen Komplexe. Letztlich ist in dem Ruf nach zu prüfenden Führern auch angesprochen, sich selbst zu verwirklichen statt unter seinen Möglichkeiten zu bleiben. Das Mögliche tun.

    Wenn Eliten, die nicht so schlau gewesen sind, dumm zu bleiben, ihre natürlich gewachsene Verantwortung nicht wahrnehmen, kommt es vermehrt zu freien Valenzen und Mitarbeiterüberforderung. Die Dynamik des Ganzen erzwingt letztlich um so vehementer, daß sich Leitstrukturen herausbilden. Warum dann nicht gleich zu den Funken schöner Götterfunken hin orientieren?
    Nicht nur das gruppendynamische Szenario ist ein Bsp. dafür, daß die Idee ohne Kampf siegen zu wollen, bestimmte Anforderungen and en Kontext stellt um sinnvoll sein zu können. So wie ein Kind überfordert sein kann, sich “frei” zwischen Affetheater und Kulturträgerverhalten zu entscheiden, so sind es auch Mitmenschen. Es ist ethisch geradezu fragwürdig, sich diesen, in seinen Möglichkeiten, Orientierung zu vermitteln, vorzuenthalten. Ökologische Orientierung allein bringt es sowenig wie Yin ohne Yang. In der Dialektik Führung – Ökologische Koexistenz wiederholt sich das Verhältnis Kunst – Natur (wobei diese Unterteilung letztlich schon künstlich d.h. vergänglich ist, denn was ist schon keine Natur, welche Entscheidung ist schon “nicht- ökoloisch”?).
    Irgendwo heißt es wohl nicht zuletzt “Lebensführung”.
    Zen erscheint mir durchaus nicht passend als Ideologie für die Leute in ihren modischen Kampfanzügen.

    Kommentar by Max Liebscht — 3. Juni, 2008 @ 01:06 Uhr

  7. Was mich hier wundert Herr Liebscht ist, – da dies ja Ihre Retourkutsche ist, weil indirekt moniert wurde, dass Sie, der Sie hier im Blog Eliten ausmachten, ja selbst zu den von Ihnen angegriffenen Eliten gehören – Sie nun wieder Eliten das Wort reden. Warum bauen Sie so ein Thema von Macht und Führung nicht einfach von vorn herein argumentativ positiv auf, ohne zu versuchen andere Standpunkte nieder zu machen?

    ZEN kann bitte keine Ideologie sein, da es ein individuelles, innengeführtes, nicht überprüfbares SEIN und TUN ist.

    Zum Thema Macht empfehle ich Literatur und Homepage von Christine Bauer Jelinek,

    http://www.macht-kompetenz.at/cms/index.php?option=com_frontpage&Itemid=1

    Kommentar by Sylvia Taraba — 3. Juni, 2008 @ 08:01 Uhr

  8. Es ist doch nicht alles andauernd eine Retourkutsche.
    Sie kreiseln.
    Können Sie Ihren Projektor mal weng ausschalten? Geht das?

    Mich wundert das selbst, dieses Unbehagen.
    Sicherleich, mein Vater zeigte erst spät Präsenz.
    Und sein Vater u.s.w.
    Wenn mal so tue, als könnte ich Gunthard Weber und Fritz Simon vergleichen, so mag Herr Weber womöglich nicht so raffiniert sein in Sachen intellektueller Spaßhaftigkeit.
    Er könnte vielleicht nicht gleich großartig was dazu sagen, aber er würde vermutlich wenig Zweifel daran lassen, daß es schwer angesagt ist, die Möglichkeit zu führen auch auszufüllen, sei es als Coach, Mentor, Sponsor e.t.c. (vgl. Dilts) oder eben als Dirigent. Als Führerpersönlichkeit ist er sehr wahrscheinlich klarer, intuitiv.
    Mir persönlich liegt die ewige Ambivalenz viel eher.
    Oft genug ist das aber Mist.
    Kurzentschlossene verzapfen ihn, während ich zaudere und zögere unterwegs zur perfekt abgestimmten Entscheidung.
    Für mich selbst es ja i.d.R. wurscht, ich kann mich arrangieren.
    Aber sonst – nun ja.
    Hintergrund ist sicherlich dieser Attributionsfehler.
    Am meisten Recht hat meistens der Schnellste.
    Wenn sich jemand schnell und eindeutig äußert, scheint das seit Urzeiten darauf hinzudeuten, daß Wissen bei ihm mental nicht mehr in Bewegung ist, arbeitet sondern in sich ruht.
    Wer so schnell reagieren kann, muß echt einen Plan haben.
    Zudem bedeutete es mehr oder weniger an Überleben, je schneller jemand fähig war, Gegenangriff, Flucht, Verteidigung, diplomatisches Nachgeben einer Horde möglichst rasch zu koordinieren. Wer sich als amerikanischer Geschworener durchsetzen will, setze sich ans Ende der Tafel und ergreife als erster das Wort.

    Dieses Rumgeeier, was klugen Gebrauch möglicher Macht anbelangt, führt uns doch um so mehr bekanntem Schlamassel zu.
    Früher hat man davon gesprochen, daß jemand sich von Gott berufen gefühlt hat, Verantwortung zu übernehmen.
    Damit düfte nicht unbedingt kindisch eitler Größenwahn gemeint gewsen sein.
    Vielmehr sind die Schriften wohl eher so zu übersetzen, daß jemand seiner Reife gewahr wurde, seinem vorsichtigem, Vorsicht gebietendem Eindruck Ausdruck verleihen wollte, daß er sich bereit fühle, richtungsweisend zu wirken.
    Ähnlich wie der berühmte Spruch von Coco Chanel bzgl. der Männer sollte es wohl auch sonst zu halten sein.
    Wenn sich die Menschen nach Übersichtlichkeit verheißenden Rudelstrukturen sehnen, würde ich sagen, man muß die Menschen nehmen wie sie sind, aber man muß sie nicht so lassen.
    Wahrscheinlich gibt es tatsächlich so etwas wie ein Handwerk der Machtausübung und eine Ethik, die sich einem im Zuge einer Reifung erschließen kann.
    Derzeit scheint es so zu sein, daß die einen über mächtig viel Handwerk verfügen und die anderen über mächtig viel Ethik.
    Könnte ich zaubern, zauberte ich, daß die Fritzen aus dem Sozialbereich die Wirtschaft übernehmen und die Rechenstreber den Bereich organisierte Hilflosigkeit, sprich die Funktionen im sog. sozialen Bereich übernehmen.

    Ich hab wenig Bedürfnis, Macht wahrzunehmen, es geht mir auf den Wecker, wenn mir das zugemutet wird.
    Intuitiv spüre ich, daß dies nicht richtig ist.
    Es ist nicht so, daß ich das nicht kann. “Wir können auch anders.”
    Aber es gibt da dieses Unbehagen. Und wenn man so will, ist da tatsächlich eine gewisse Arroganz drin enthalten, sich mit derlei nicht abzugeben und stattdessen lieber dem Milieuinzest zu frönen.
    Daß ich unter meinen Möglichkeiten bleibe und unter dem, was ich anderen schuldig bin, scheint evident. Einsicht – erster Weg …?
    Ich finde diese Geschichte sehr bezeichnend, von wegen, daß die ersten Könige z.T. wider Willen höher gesetzt wurden.
    Ich habe keinen Bock, Elite zu sein. Aber Fakt ist, ich bin es, mag mir das nun behagen oder nicht. Und klar, wer nix macht mit der Macht, die er qua Bildung und gesellschaftichem Privileg dazu zu kommen e.t.c. erworben hat, der macht auch nix verkehrt.
    Könnte man denken. Bildungserwerb als Spielerei, als Spaßprodukt, als Luxus, Selbstzweck und nicht etwa Ausdruck gesellschaftlicher Notwendigkeit.
    Es ist blöd, sich zu drücken, langfristig und gesamtgesellschaftlich gesehen.
    Die Schnellsten sind nicht unbedingt die hellsten.
    Aber sie werden vorgehen, wenn ich und Herr Simon + andere Besucher dieses Clubs vornehm tun, sich nicht echauffieren, sich nicht mit derlei abgeben mögen.
    Auch das ist wohl einzuordnen unter Degenerationserscheinung.
    Stellt einer den Strom ab, will sich unser Fressen klemmen und an den Liebsten vergehen, da sollen Sie mal sehen, wie stracks sich Herr Simon seiner Fähigkeiten Richtung zu geben besinnen wird.
    Und auch meine Wenigkeit wird solcherart geerded schwuppdiwupp alle vornehmen Zurückhaltung vergessen haben.
    Ein Bekannter von mir war Major und ein Schalk. Beim Elbehochwasser hat er seine Uniform angezogen und hundert Leute herumgeschickt.
    All die sozial Engagierten haben das so ausgelegt, als ob der Mann Komplexe hätte. Womöglich machtgeil u.s.w. Wenn er wirklich cool gewesen wäre, hätte er das ja wohl auch ohne Uniform hinkriegen können und überhaupt hat er wohl selbst nicht so zugefaßt, wie man sich das vorgestellt hätte.
    Sicherlich irgendwie Hauptmann von Köpenick u.s.w.
    ICH finde die Geschichte witzig.

    Ihr Link gefällt mir.

    Kommentar by Max Liebscht — 3. Juni, 2008 @ 21:08 Uhr

  9. Ach so, von innen her wird es vermutlich so sein, mit Ihrem Zen.
    Von außen her stellt sich das Ganze als eine Ideologie dar, welche eine Reihe von Entwicklungsschritten krönt.
    Wir können froh sein, daß die meisten dieses Level nie erreichen auf dem sich bestimmte Fragen erst stellen.
    Sonst müßten wir viel mehr tun statt weniger.

    Und eine Position, die ich sehr gut nachvollziehen kann, werde ich nicht niedermachen, gleichwohl ich sie nicht für richtig empfinde.

    Kommentar by Max Liebscht — 3. Juni, 2008 @ 21:13 Uhr

  10. Sehr verehrte Frau Philosophin,
    gesatten Sie mir schließlich noch einen Satz zu einem interessanten psychologischen Phänomen.

    Vielleicht kennen Sie ja die Müller- Lyer´sche Täuschung und andere charakteristische Fehler menschlicher Wahrnehmung. Eine wichtige Art von Attributionsfehler ist meines Wissens aber noch nicht gesondert beschrieben worden. Die TT!
    (Taraba´sche Täuschung) Ihrer Leistung zu Ehren möchte sie so nennen und verzichte auf das Eingehen in die Fachliteratur meiner Entdeckung wegen.

    Wenn Menschen anderen Menschen begegnen entsteht ja gleichsam wie eine Welt für sich. Infolge dieser andere Begegnungsmöglichkeiten ausblendenen Fokussiertheit aufeinander wird leicht vergessen, dass wir den anderen nur in einer Variante seiner selbst erleben. Eben in der Variante, welche sich in der Koevolution unserer Begegnung als die passendste herausgestellt hat. Da wir recht selten Aufnahmen sehen, in welchen der Andere mit versteckter Kamera beim Eingehen anderer Beziehungen gefilmt wurde, sind wir dann regelrecht verblüfft, wenn wir diesen Anderen in anderem sozialem Zusammenhang so ganz anders erleben. Dieses Absehen von der Pluralität möglicher Persönlichkeitszustände ist m.E. ein weit verbreiteter Attributionsfehler und findet sich so prompt auch hier. Da Sie in Ihrem Buch das Moment zwischenmenschlicher Begegnung meinem Verständnis nach stark thematisiert haben, erscheint es mir geradezu als Leistung, wenn Sie nun meinen, von der Seite her, wie ich es mir hier beliebt, mich zu zeigen, auf die Persönlichkeit und ihre sonstigen Möglichkeiten und Seinsweisen schließen zu können. Daher die Ehrung in Form der „TT“.

    Trotz Ihres Buches haben Sie es drei Jahre lang geschafft, zu übersehen, dass ich mich, soweit ich dazu komme, vorzüglich mit derart blinden Flecken u.a. im systemisch – konstruktivistischen Diskurs beschäftige und einige sich u.a. auch daraus ergebende Ideen zur Diskussion gestellt habe. Das Unbehagen an persönlicher Betroffenheit wird Sie ja wohl nicht gehindert haben.

    Bzgl. dessen Sie vielleicht irren: Nicht allein, dass auch ich mir Sorgen über das Lebens- und Arbeitszeit- versurfen und Ihr Engagement hier mache … aber so viel wie Sie auch schreiben, passen Sie eigentlich auch gar nicht hierher! Also echt jetzt. Sie formulieren völlig außerhalb von institutioneller Norm und Kultur und kriegen es trotz eindeutig anarchistischer Farbgebung nicht einmal mit.
    Ich mein´ das mit dem dummdreist war zwar schon ein bisschen saftig. Aber Sie üben ja auch schon ganz schön lange. Da muß mehr kommen! Zwischen den Zeilen ist bekanntlich am meisten Platz für Unaussprechliches und diese Möglichkeiten gilt es ernsthaft auszuloten. TransZenDance! Für ein irgendwo ja auch Carl Auer gewidmetes Forum formulieren Sie jedenfalls immer noch viel zu brav. Vielleicht gibt es bei Ihnen irgendwo eine Schule kreativen Schreibens dafür?

    Die Ansätze, in die Begriffswelt der analen Phase zu regredieren, erleben Sie just vielleicht als ausbaufähig.

    Wenn Sie es denn gar nicht anders hinkriegen, bin ich neugierig, ob bzw. was an Informativem, Unprätentiösem, Schlichtem, Substanziellem Ihnen im Anschluß an das Krisismanifest eben zu diesem Film Firewal einfällt. Falls Sie es nicht vorziehen, bisssel mehr das Ignorieren zu üben.

    Kommentar by Max Liebscht — 3. Juni, 2008 @ 23:43 Uhr

  11. 10 Firewal:

    Ich moechte hier auf die offensichtliche LaRouche connection verweisen.

    Kommentar by Duscholux — 5. Juni, 2008 @ 12:26 Uhr

  12. ???
    Ja was ist denn nun mit diesen Leuten? So was ähnliches wie atac?
    Neulich berichtete mir ein Kumpel aus einer großen Stadt, daß da so junge Leute herumlaufen und Leute agitieren. Irgendwie ist mir auch selber so als ob mir da auch schon welche begegnet seien und ein bißchen sektenmäßig gewirkt haben.
    Die Worte von dem Kumpel immerhin fand ich bemerkenswert.
    Intelligente Argumentationen. Aber kein Lachen, keinerlei Spur von Selbstironie. Würden wirken wie ausgebildet. Irgendwie so ist auch meine Erinnerung. Merkwürdige Dinge gibt es. Der Film immerhin hat mich als Phantasten aber durchaus angesprochen na ja und ziemlich beunruhigt.
    Den Link hab ich selbst von ´nem BWL-er, der meinte, daß man die aktuellen Entwickungen im Finanzsystem durchaus derart verstehen könne. Die Krise der ideellen Werte wird vermutlich am besten dadurch zu beenden sein, daß eine Krisis in der Versorgung der rwalen Werte eintritt. Butter, Wasser, Brot, Holz u.s.w.

    Kommentar by Max Liebscht — 7. Juni, 2008 @ 11:55 Uhr

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