Elektronischer Fingerabdruck
Fritz B. Simon
Der Browser, mit dem man durchs Netz surft, erzeugt Spuren, legt Fährten. Auf diese Weise hinterlässt sein Nutzer so etwas wie einen Fingerabdruck, der es ermöglicht, ihn zu identifizieren.
Auf der Seite www.panopticlick.com kann man testen, wie einzigartig (und damit identifizeierbar) der eigene Browserabdruck ist. In meinem Fall: Er ist einzigartig unter den bis dahin getesteten 287.000.
Beunruhigend.
Nachdem ich Java, Java-Script und die Cookies deaktiviert habe, sagt man mir, dass es noch einen weiteren Browser unter 22.000 getesteten gibt, der meinem entspricht.
Endlich verwechselbar. Ein Schritt zurück zur Anonymität. Incognito ergo sum.
10 Kommentare »
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diese technische nachvollziehbarkeit unserer handlungen und bewegungen mag beunruhigend wirken.
die summe unseres handelns nennen einige leeren seit über 2500 jahren karma.
vielleicht bringt das internet soetwas wie “digitales karma” mit sich, das sich AUCH NICHT abschütteln oder täuschen lässt.
sunshine!
Jan A. Poczynek
Kommentar von Jan A. Poczynek | menschen teams organisationen — 4. Februar, 2010 @ 01:50 Uhr
Individualität hat eindeutig Nachteile.
Kommentar von Max Liebscht — 4. Februar, 2010 @ 08:51 Uhr
Interessant auch, dass der Fingerabdruck die Netzaktivitäten zeitlich verdichtet. Was mich vor einem halben Jahr im Web interessiert hat, hat heute möglicherweise nicht mehr viel mit mir zu tun – und umgekehrt. Diese Privacy-Diskussionen erinnern mich immer an den Vortrag eines Physikers im 2. Semester meines Medizinstudiums. Es ging um verschiedene Strahlungstypen (alpha, beta, gamma). Die “harte” Alphastrahlung ist ziemlich gefährlich, weil bei den “großen” Heliumbrocken, die da durch die Gegend schwirren, eine gewisse Wahrscheinlichkeit besteht, dass menschliche DNA oder sonstige Zellkernbestandteile davon “getroffen” werden. Dafür ist die Reichweite eines Alphastrahlers ziemlich gering (einen halben Meter oder so).
Der Physiker sprach nachdenklich zum Plenum: “Wenn sie also von einem Unfall erfahren, bei dem radioaktive Alphastrahlung freigeworden ist [Pause] Gehen sie doch einfach nicht da hin!”.
Im Internet kann man – selbst wenn man nur “mitliest” und nicht mit Text, Photos, Videos usw. sichtbar wird – nicht nicht kommunizieren. Ich schließe mich aber doch auch nicht im Keller ein, weil jemand sehen könnte, welche Haarfarbe oder Schuhgröße ich habe, sobald ich das Haus verlasse. Ich überlege mir allerdings sehr wohl, ob ich möchte, dass man auf der Strasse sieht, welche Unterwäsche ich trage.
Kommentar von Mathias Wölfelschneider — 4. Februar, 2010 @ 09:43 Uhr
Man kann seine Anonymität schützen:
http://www.torproject.org/index.html.de
Das geht natürlich nur solange, bis der “Gegner” eine Lücke gefunden hat, wiederum Tor zu umgehen. Also muss man immer mal wieder schauen, was es Neues gibt…
Ich bin im Juni/Juli letzten Jahres auf diese Seite gestoßen, als im Iran im Zusammenhang mit den Wahlen die Grüne Revolution losging und die ersten im Netz aktiven Oppositionellen (die meine absolute Solidarität haben) vom Geheimdienst rausgefischt wurden. Damals wurde im Netz dazu aufgerufen, über Tor und peer to peer die IP’s der Aktiven dort zu verschleiern und sie damit zu schützen. Das funktioniert.
Kommentar von E.B. Far — 4. Februar, 2010 @ 10:42 Uhr
Schnell fertig ist die Jugend mit dem Wort,
das schwer sich handhabt, wie des Messers Schneide.
Aus ihrem heißen Kopfe nimmt sie keck
der Dinge Maß, die nur sich selber richten.
Gleich heißt ihr alles schändlich oder würdig,
Bös oder gut – und was die Einbildung
phantastisch schleppt in diesen dunkeln Namen,
das bürdet sie den Sachen auf und Wesen.
Schiller (Wallenstein)
Kommentar von es — 4. Februar, 2010 @ 10:49 Uhr
sehr schön !
Kommentar von o.werner — 4. Februar, 2010 @ 17:13 Uhr
Adé, Du schöne Jugend!
Kommentar von Max Liebscht — 4. Februar, 2010 @ 17:52 Uhr
die vermeintliche identifizierbarkeit die diese seite unterstellt (adresse ist übrigens panopticlick.eff.org) mag im ersten moment erschreckend wirken (meine konfiguration ist einmalig unter bisher getesteten 569,155), allerdings liegt auch dort die schwachstelle. denn es benötigt nur einer kleinen änderung im system (firefox update oder eines der plugins; zusätzlich installierte schriftarten), um wieder ein abweichendes ergebnis zu erzielen. mit cookies lassen sich user weitaus einfacher identifizieren, und das ist auch der gängige weg. diese lassen sich aber auch sehr leicht entfernen, falls man einer webseite als unbekannt erscheinen möchte.
wesentlich beunruhigender wirken auf mich da dinge wie gewisse lücken im gsm und isdn protokoll, die es ermöglichen, handys und telefone (ohne vorherige manipulation des geräts) als wanzen zu missbrauchen, oder gespräche zu belauschen.
einzig sinnvolle konsequenz: trotzdem keine paranoia. so interessant ist das eigene leben ja in der regel auch nicht.
Kommentar von pascal — 4. Februar, 2010 @ 19:02 Uhr
http://anon.inf.tu-dresden.de/
ist eine deutsche Institution, die ähnlich wie das unter #4 genannte Torprojekt.
Kommentar von duscholux — 4. Februar, 2010 @ 20:51 Uhr
Kaum beginnt die Menschheit ein Medium kollektiven Selbstbewußtseins zu entwickeln, schon stellen sich Risiken und Nebenwirkungen ein.
Kommentar von Max Liebscht — 5. Februar, 2010 @ 08:19 Uhr