Simons Systemische Kehrwoche

Elite?

Fritz B. Simon

Eine Buchempfehlung:

Julia Friedrichs: “Gestatten: Elite. Auf den Spuren der Mächtigen von morgen.” Heyne Verlag.

Die Autorin ist eine junge Journalistin, die durch das erfolgreiche Bestehen der Aufnahme-Tests bei McKinsey – 67 ooo Euro Anfangsgehalt – mit der Frage konfrontiert wurde, was denn eigentlich unter “Elite” zu verstehen ist. Denn die Meckies, die sie da kennen lernte, sahen sich als Elite, und diejenigen, die von ihnen angeheuert wurden, auch. Sie nahm den Job nicht an, sondern begann ihre Recherche zum Thema “Elite” in privaten Business-Schools, Nobelinternaten usw., die sich allesamt mit diesem Etikett schmücken.

Was dabei heraus kam, ist erhellend und erschreckend zugleich, wenn auch nicht wirklich überraschend. Mit dem Begriff “Elite” schmücken sich vor allem diejenigen, die es in unserer Gesellschaft nach oben – und das ist finanziell definiert – geschafft haben. Das haben sie nicht immer bzw. nur in seltenen Fällen allein geschafft, sondern sie sind bereits in diese Schichten hinein geboren worden. Jetzt werden zunehmend – m.E. oft fragwürdige – Erziehungsanstalten für den Nachwuchs dieses Geldadels geschaffen, um die Grenzen deutlich und dicht zu machen. Von “Leistungs-” oder “Verantwortungselite”, wie es so gern in den Prospekten heißt, die Internate bewerben, deren Jahresgebühr 30000 Euro beträgt, kann dabei in der Regel nicht die Rede sein.

Lesenswert.

Ich fühle mich auf jeden darin Fall bestätigt: Elite wird auch weiterhin nicht zu dem von mir normalerweise (d.h. ausser, wenn ich hier schreibe) gebrauchten Wortschatz gehören. Die meisten Leute, die von Elite sprechen, meinen sich selbst und wollen auf diese Weise ihren Privilegien eine Legitimation verleihen, die jenseits des Geldes liegt. Das aber ist einfach Quatsch.

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8 Kommentare

  1. Hier noch eine kritische Stimme zur Elite-Diskussion. Ein SWR2-Radio-Beitrag von Josef Kraus: Alles Elite oder was? http://www.swr.de/swr2/programm/sendungen/wissen/-/id=660374/nid=660374/did=4190672/13wegd4/index.html

    Kommentar by Gerhard Östermann — 27. Juni, 2009 @ 12:37 Uhr

  2. Dazu gibt es ja auch einiges von Michael Hartmann, z.B. das hier: http://xrl.in/2kh7.

    Kommentar by Stephan List — 27. Juni, 2009 @ 15:48 Uhr

  3. Duo cum faciunt idem, non est idem.

    Kommentar by es — 27. Juni, 2009 @ 15:55 Uhr

  4. Nachtrag: in einem Film über den Völkermord in Ruanda 1994 erzählt eine Lehrerin: Der Kommandant kam zu mir in die Klasse. Die Hutumädchen sollten sich in die eine und die Tutsimädchen in die andere Ecke des Klassenzimmers stellen. Die Mädchen gehorchten ihm nicht. Eines sagte: Wir sind alle Schwestern! Da erschoss er sie alle!

    Kommentar by es — 27. Juni, 2009 @ 16:16 Uhr

  5. p.s. Es handelte sich um eine Grundschule.

    Kommentar by es — 27. Juni, 2009 @ 16:26 Uhr

  6. FBS = PR – Opfer? M.E. kann er das Wort getrost wieder in seinen Wortschatz aufnehmen.

    Die abgehobenen Seppls sind mit Sicherheit alles finanziell mögliche – aber keine Elite.
    Was aber nicht heißt, daß es so etwas nicht gibt.
    Die Elite, um die es wohl eigentlich geht, die lebt gefährlich.
    Das Burgenbauen ist eher ein Zeichen, daß man ahnt, daß das eigene Verfallsdatum abgelaufen ist. Adel im Untergang. Kulturelle und biologische Degenerationsprobleme trotz Sklaverei.

    Die Legitimation der eigenen Machtfülle läßt sich vorzüglich aus kulturellen Verwicklungen erklären.
    Die Autorität müßte sich aber aus den Erfordernissen “humaner” Koexistenz mit dem Rest der Welt herleiten können. Das aber ist zunehmend Geschichte. Der Up Grade auf die aktuellen Systemvoraussetzungen hin erfolgt offenbar zyklisch.
    Um so mehr wir es versabbeln, rechtzeitig die Kurvenanfahrt selber mit zu steuern, desto natürlicher wird es uns gen x tragen.

    Kommentar by Max Liebscht — 27. Juni, 2009 @ 17:40 Uhr

  7. elite? Ist das nicht diese Eigenmarke von Kaufhof? Kaufhof – das ist doch dieses Kaufhaus, wo man alles unter einem Dach findet. Ist angeblich ja (auch) ein Auslaufmodell.

    Kommentar by Anno Stockem — 29. Juni, 2009 @ 08:46 Uhr

  8. Eliten haben (soziale) Antworten.
    z.T. auch schon auf (ökologische) Fragen, welche die Nicht – Elite noch nicht als relevant erkennt.
    Antworten haben eine begrenzte Gültigkeit bzw. Brauchbarkeit.
    Eliten auch.

    Kommentar by Max Liebscht — 29. Juni, 2009 @ 16:22 Uhr

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