Evolution der Tonträger
Fritz B. Simon
In meinem Alter hat man ja schon viele technische Entwicklungen mitgemacht oder zumindest mit erlebt. Wie schnell sich Technologien überleben, ist gut an Schallplatten und anderen Tonträger zu beobachten.
Als ich noch (sehr) jung war – nicht so jung, dass ich mich nicht mehr daran erinnern würde – kaufte mein Bruder eine Plattenspieler, der für 78er Platten und 45er geeignet war. Man musste ihn noch mit einer Kurbel bedienen, was damals auch schon etwas veraltet war (aber billig). Die Platten (78er) waren alle sehr zerbrechlich, so dass die 45er der letzte Schrei waren, weil sie biegsam waren. Beim nächsten Gerät, das ins Haus kam, – ich hatte mir einen Dual-Plattenspieler zusammen gespart – gab es natürlich auch schon den 33er Gang, für Langspielplatten, die 78er konnte man nicht mehr abspielen.
Dann kamen die Tonbandkasseten. Mehrere Systeme konkurrierten auf dem Markt, ich hatte mich für das falsche entschieden (Telefunken). Ärgerlich. So ein schönes Gerät, aber ausser mir schien sich niemand für dieses Kassettenformat zu interessieren.
Danach gab es dann, wenn ich mich recht erinnere, auch bespielte Minidiscs (habe ich ausgelassen), doch die CD’s dominierten den Markt.
Jetzt lese ich gerade, dass die Firma Linn (Hersteller meines CD-Players) in Zukunft keine derartigen Geräte mehr herstellen wird, weil sie nur noch Streamer anbieten. Die digitalisierte Musik wird direkt auf eine Festplatte geladen, so dass keine mechanischen, sich drehenden oder sonst wie bewegten Tonträger mehr nötig sind.
Was bleibt, sind die Inhalte. Ich finde es einigermaßen beruhigend, dass immer noch dieselbe Musik (und natürlich neue dazu) gehört werden kann wie damals. Eigentlich braucht man sich nicht um die Entwicklung dieser Medien zu kümmern, sie kommen und gehen, wichtig ist nur der Inhalt, d.h. was man hören will, und dass man es überhaupt hören kann…
6 Kommentare
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Das Ende der Mechanik. Tonträger werden wieder zu Tontafeln. Der Kreis schließt sich. Ist damit das Ende des Codex Hammurapi eingeläutet oder die Wiederauferstehung?
Auch die Physiker (Ausfrauen ausgenommen) bewegen sich in elekrtomagnetischen Gedankenwelten. Wo liegt das nächste Brain Teaser Feld? Spannend!
Kommentar by es — 3. Dezember, 2009 @ 11:15 Uhr
Oft werden z.B. Informationsträger mit Information selbst verwechselt. Den Fehler habe z. B. Papiermacher begangen: “Papier wird es immer geben.” Information wird es immer geben, aber Papier?
Kommentar by Stephan List — 3. Dezember, 2009 @ 12:02 Uhr
Warten wir es ab, lieber Herr List, Papier ist geduldig.
Kommentar by Manfred Bögle — 3. Dezember, 2009 @ 12:50 Uhr
Agent K. zeigte Agent J. einen kleinen Kristall. “Dies wird die nächste Generation der Tonträger sein. Verdammt, dann muss ich mir das Weisse Album nochmal kaufen!”.
(Men in Black)
Kommentar by Tom — 3. Dezember, 2009 @ 19:34 Uhr
Interessant finde ich, dass in meinem Bekanntenkreis viele Menschen lieber eine “echte” CD kaufen und ins Regal stellen, statt Musik z.B. bei iTunes runterzuladen. Dem Gegenständlichen, der Form des Inhalts – Ton[i]träger[/i] ist ja auch ein netter Ausdruck in diesem Zusammenhang – wird offenbar ein größerer Wert beigemessen. Mir nehmen die ja eher zu viel Platz im Regal ein. Und hübsche Cover, Booklets usw. zeigt mir mein Abspielgerät auch an. Auch eine Verwechslung von Informationsträger mit Information selbst bzw. eine andere Zuschreibung von Wert(igkeit)?
Kommentar by Mathias Wölfelschneider — 4. Dezember, 2009 @ 09:23 Uhr
Vgl. Klaus Krippendorf: “Der verschwundene Bote – Metaphern der Kommunikation”
Kommentar by Max Liebscht — 6. Dezember, 2009 @ 09:20 Uhr