Simons Systemische Kehrwoche

Familienunternehmen

Fritz B. Simon

In den letzten Tagen fand an der Uni Witten/Herdecke wieder einmal der jährliche Kongress für Famlienunternehmen statt. Wie immer war ich beeindruckt von der Einstellung und dem Eigensinn der Unternehmer. Sie – zumindest die, die nach Witten kommen – stellen so etwas wie das Gegenbild der jetzt so viel (und teilweise zu recht) geschmähten Manager der Großkonzerne dar.

Das hat sich besonders in der Phase der Krise gezeigt. Denn auch die meisten Familienunternehmen waren/sind massiv von den Umsatzeinbrüchen betroffen. Aber ohne lange zu lamentieren oder nach dem Staat zu rufen, haben die meisten von ihnen relativ schnell – ohne langes falsches Hoffen auf Wunder – begonnen, ihre Hausaufgaben zu machen. Mit ihren Leuten haben sie sehr konkret und ohne alles Wunschdenken, aber – wie ich finde – mit viel Verantwortungsbewußtsein ihren Mitarbeitern gegenüber, ihre Unternehmen durchforstet, und geschaut, in welchen Teilbereichen und/oder Subsystemen die Krise welche Folgen hat. Dann haben sie – sehr punktgenau – Maßnahmen beschlossen: Von der Schließung von Einheiten, deren Geschäft weggebrochen und voraussichtlich nicht wiederbelebbar ist, bis zur Expansion, d.h. dem Investment in Bereiche, in denen sich aus der Krise neue Chancen ergeben.

Außerdem war ich natürlich begeistert, dass sich die von mir ja seit Jahren propagierte “positive Kraft des negativen Denkens” (s. “Radikale Marktwirtschaft”) fast überall bewährt: Man orientiert sich daran, was das Unternehmen sicher in den Abgrund bringen würde, vermeidet es (wie der Teufel das Weihwasser), und ist so in der Lage, sich auf die Unsicherheiten der Zukunft einzulassen…

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2 Kommentare »

  1. Wer nicht “systemisch” ist kümmert sich um sich selbst.

    Kommentar von es — 7. Februar, 2010 @ 13:01 Uhr

  2. Und ich hab schon befürchtet, die Mitarbeiter vom CAV hätten ihren chronisch ambivalenten Co – Häuptling gemobbt.

    Das Loblied, dass Sie immer wieder singen, würd ich gern genauer nachvollziehen. Sie selbst deuten an, dass sich u.U. eine statistische Verzerrung ergibt, dadurch Sie natürlich nur jene Unternehmer wahrnehmen, die nach Witten finden.
    Im Grunde wirtschaften die doch “nur” ausgewogener und beziehen “Humankapital” und nachhaltige Werte – ob nun kalkuliert oder unbewußt – als Kapitaläquivalent konsequenter mit ein.
    Prinzip Familie als Gegenüber zum Prinzip Kapitalismus.
    Familienunternehmen in gewisser Weise auch als Staat im Staate.
    Wer die ganze Zeit sozial unversichert unterwegs ist als Unternehmer, hat weniger Skrupel, nach “Vater Staat” zu rufen als ein im FU sozialisierter Wirtschafter, der dies als doppelt gemoppelt empfinden würde. Ehrensache.

    Ich selbst glaube einen ähnlichen Effekt im Bereich Supervision wahrzunehmen. Supervision ist meinem Eindruck immer eine ziemlich super Sache. Weil man eh nur zu den Leuten eingeladen wird, die ohnehin schon bereit und “auf dem Sprung” sind für Veränderung und Wandlung. In Black-Box- Organisationen, die einen als enfant terrible gar nicht reinlassen, steht es i.d.R. wiederum so schlimm, dass man schwerlich etwas bewegen könnte. Gerade im sog. “sozialen Bereich” müßten einige Läden schlicht dicht gemacht werden, derart übel, wie es da zugeht. Was böses Übel gerade in dem Bereich betrifft, sind mir leider durchaus auch schon Familienunternehmen begegnet.

    Positive Kraft des negativen Denkens gefällt mir! Sich bspw. darauf zu verlassen, dass sich mit symbolischen Werten (Geld) fortgesetzt weiterhin reale Werte erwerben lassen, scheint ein nicht sonderlich wertbeständiges Geschäftskalkül.

    Kommentar von Max Liebscht — 7. Februar, 2010 @ 17:02 Uhr

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