Simons Systemische Kehrwoche

Feta

Fritz B. Simon

Bei meinem Versuch, Griechenland in der Euro-Zone zu halten, bin ich heute wieder einmal über meinen Schatten gesprungen: Ich stand vor dem Kühlregal im Biosupermarkt meines Vertrauens und wollte Schafskäse kaufen. Es gab mehrere Sorten. Am teuersten war der original griechische Feta. Es hat mich nur wenige Minuten der Ambivalenz (10 – 12) gekostet, und schon war der Feta gekauft… (bin halt in der Wolle gefärbter Europäer).

Noch ein paar Gedanken zu dem Referendums-Vorschlag von Papandreou: Offenbar hatte er ja die Wirkung, die anderen Europäischen Staatsoberhäupter dazu zu bringen, einzugestehen, dass es auch einen Plan B gibt, bei dem Griechenland die Euro-Zone verlässt (bzw. ganz schnell solch einen Plan B zu entwickeln). Und dadurch, dass sie das gezeigt haben (heute Nacht Sarkozy und Angela Merkel), hat sich offenbar die innenpolitische Lage in Griechenland bzw. die Einstellung der politischen Klasse dort verändert. Auf einmal bewegt sich die bislang nur zur Obstruktion bereite Opposition in Richtung einer Einheitsregierung.

Wenn es gelingen sollte, hier eine Regierung zu installieren, die innerhalb und außerhalb Griechenlands als dazu in der Lage angesehen wird, die alten Muster der Klientelpolitik zu durchbrechen, dann könnte das auch für Griechenland eine neue Perspektive eröffnen, die über das reine, von außen aufgezwungene Kaputtsparen hinausgeht…

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3 Kommentare

  1. Die Kehrwoche wäre endlich eine Kolumne in einer der großen Tageszeitungen wert, oder gleich in den Tagesthemen. Dort vermisst man diesen systemischen Blick einfach – also mehrfach. Aber wahrscheinlich wird die Kehrwoche regelmäßig von Tom Burow und KollegInnen gelesen. Warten wir auf die Wirkungen.

    Kommentar by Matthias Ohler — 4. November, 2011 @ 10:44 Uhr

  2. Also muss man aber doch bei alledem Herrn Papandreou dankbar sein, dass er diesen Vorstoß für ein Referendum gemacht hat. Damit hat er Reaktionen hervorgerufen und Plan B – Gedanken sichtbar werden lassen, die man vorher nur vermuten konnte. Zudem waren für mich alle Vorgänge rund um das Referendum ein Lehrstück im Sinne von “Denke auch immer das Unmögliche!”.

    Kommentar by Dave W. — 4. November, 2011 @ 16:13 Uhr

  3. http://de.wikipedia.org/wiki/Feta

    Nach der Verordnung der EU-Kommission VO(EG)1829/2002 darf seit dem 15. Oktober 2002 nur noch in Salzlake gereifter weißer Käse aus Schaf- und/oder Ziegenmilch, der auf dem griechischen Festland oder der Insel Lesbos hergestellt worden ist, den Namen Feta tragen. [...]

    Folgen der Begriffssicherung

    [...]
    Da der Begriff Feta nun nicht mehr auf Erzeugnisse anderer Regionen als der ursprünglichen, oder für Salzlakenkäse aus beliebiger Milch angewendet werden kann, werden Verpackungen mit griechisch-anmutenden Namen oder Illustrationen versehen. Auch werden sprachliche Ersatznamen erfunden, die imageträchtiger erscheinen als der richtige Begriff Salzlakenkäse.

    Umgehungskonstrukte für einen Ersatznamen sind: Käse (Feta-Art), Pheta, Balkankäse, Hirtenkäse, Käse nach Balkanart, Weißer Käse, Schipkakäse (unter diesem Namen war der bulgarische Salzlakenkäse in der DDR bekannt), Salatkäse nach griechischer Art und Deutscher Hirtenkäse nach traditioneller Art. Die Bezeichnungen Schafskäse, Schafkäse oder griechischer Käse verbieten sich wegen Irreführung der Kunden, falls der Käse nicht aus Schafmilch ist oder nicht aus Griechenland kommt.

    Kommentar by duscholux — 5. November, 2011 @ 10:00 Uhr

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