Geld übrig?
Fritz B. Simon
Heute hat mich auf der Strasse eine Dame angesprochen. Sie war um die 40 Jahre alt, ihr Auftreten wirkte eher zurückhaltend und vornehm, sie war gut gekleidet und gepflegt:
“Haben Sie etwas Geld übrig?”
Es ist ja nicht das erste Mal in meinem Leben, dass ich auf der Strasse um Geld gebeten werde. Aber normalerweise klingt das eher so: “Hasste ma n’Euro?”, und der Fragende ist meist etwas weniger gut gekleidet…
Ich habe ihr Geld gegeben – was beweist, dass ich es übrig gehabt haben muss.
Dummerweise habe ich meine Neugier nicht gestillt und keine Fragen zum Hintergrund dieser Art der Geldbeschaffung gestellt.
(Wahrscheinlich war sie ja Teilnehmerin einer systemischen Ausbildungsgruppe und hatte die Aufgabe, betteln zu gehen, um neue Verhaltensweisen und Kommunikationsstrategien zu erproben.)
12 Kommentare
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Das nehme ich zum Anlass:
Hat noch jemand Geld übrig?
Wir suchen noch einen (mindestens) Sponsor für eine Tanztheater-Fotografie-Produktion. Es soll im Rahmen eines Festivals in Hamburg gezeigt werden.
Die Fotografin ist mit auf der Bühne und fotografiert die Tänzer live; die Bilder werden direkt auf eine Leinwand übertragen. Die Tänzer reagieren dann auf die Fotos. Das Publikum regiert auf alles… Ein netter kleiner zurkulärer Kreislauf…
Es ist jedoch unglaublich schwer, Sponsoren zu finden. Es ist ja weder Tanz, noch Theater, noch Fotografie. Da kann der Geist keinem bekannten Klischee folgen, scheint nicht gerade Anschlussfähig zu sein für Geldgeber…
Regie führt Dr. Hélène Harmat (meiner Frau), die Fotografin ist Anja Beutler. Wir müssen etwa 15.000€ auftreiben.
Für Hinweise oder direkte Teilnahme – auch mit Nebenwirkungen – bin ich sehr dankbar.
Herr Siemon, wenn sie das Thema “Geld übrig” nicht angeschnitten hätten, hätte ich dieses Thema wohl nicht hier ins Forum gebracht, aber so…
Einen lieben Gruß
Holger Huckfeldt
h.huckfeldt@gmx.net (Kontakt für die vielen potentiellen Sponsoren
Kommentar by Holger Huckfeldt — 28. Mai, 2009 @ 18:26 Uhr
Lieber Herr Huckfeld,
Das ist ein tolles und gescheites Projekt, das viel über Beobachtung und die Wirkung von Sehen und Gesehenwerden erklärt! Diverse Feedbackschleifen auf den verschiedensten Ebenen wurden auch schon in den 70er und 80er Jahren in der Kunst produziert. Meine Mann, Gottfried Bechtold der Bildhauer und Medien- und Konzeptkünstler ist, hat damit gearbeitet, was wieder mich sehr inspiriert hat, mich damit in der Logik zu beschäftigen. Leider hab ich kein Geld, aber ich wünsche Ihnen alles Gute und viel Erfolg! Schöne Grüße Sylvia Taraba
Kommentar by Sylvia Taraba — 29. Mai, 2009 @ 07:12 Uhr
Liebe Frau Taraba,
da schließen sich ja Kreise. Ich habe natürlich von Ihrem Mann gehört. Gerade in letzter Zeit hat er mit seinem 11/11 ja viel Aufmerksamkeit erregt.
Das Verhältniss zwischen Kunst und Theorie interessiert mich auch sehr. Ich war sogar schon auf dem Kunstfestival in Hellerau eingeladen, wo ich mit mit einer Aufstellung beworben hatte. Irgendein Verantwortlicher hat aber rechtzeitig Angst bekommen und mich wieder ausgeladen…
Aber gerade bei Künstlern ist das nich immer gern gesehen. Schon Rilke hatte ja Angst vor einer Therapie, er vermutete dass ihm seine Engel abhanden kommen wenn er seine Dämonen besiegt.
Ich benutze für gute Kunstwerke oft den Begriff der “stabilen Dissonanz”, den ich vor einigen Jahren erarbeitete. Ich meine damit ein System, das seine Grenzen bis an den Rand der Selbstauflösung dehnt, dort aber stabil stehen kann. Ein Schritt nach Forn wäre die Zerstörung (Chaos), einer nach Hinten würde die Spannung rausnehmen. Ich glaube, dass eine gute Fussballmanschaft so funktioniert. (Wer hat eigendlich gewonnen? Manu oder Barca)
Schauspieler und vor allem Miemen wissen dass (wie auch gute Vorträger) und versuchen, selten im Gleichgewicht zu sein. Das erhöht die Spannung fürs Publikum…
Man kann dieses Stück natürlich als Kommunikationssystem betrachten, in dem zwei verschiedene Kunstformen miteinander interagieren und so höher strukturiert ein neues Holon bilden…
Das fleißende, bewegte Tanzen und das erstarrende Foto. Als Bindeglied dazwischen ist der Moment des Fotografierens und die daran angeschlossenen Phänomene.
Vielen Dank für ihre guten Wünsche. Ich hoffe wirklich, dass wir einen Weg finden…
Kommentar by Holger Huckfeldt — 29. Mai, 2009 @ 08:44 Uhr
Viel Erfolg bei der Sponsorensuche…
Kommentar by Fritz B. Simon — 29. Mai, 2009 @ 09:08 Uhr
Danke.
Kommentar by Holger Huckfeldt — 29. Mai, 2009 @ 09:09 Uhr
Lieber Herr Huckfeld,
Schön, das alles von Ihnen zu hören!!! “Stabile Dissonanz” – ein interessanter Begriff – dürfte auch auf die psychische Dehnbarkeit, elastische Güte und paradoxe Zwillingsnatur von Personen anwendbar sein, danke, der Begriff gefällt mir wirklich gut, werd ich mir merken, trifft übrigens garantiert auf mich zu….
Was ist mit multiplen Auftritten? und Ansuchen bei diversen öffentlichen Stellen, die Gelder vergeben??? Als Multimedia-Performance weiter anbieten, (z.B. hier:Bregenzer Frühling – Tanzfestival oder bei Impulse) etc. – leider keine Ahnung – aber das tun Sie vermutlich eh schon alles….Ansuchen, immer lieber höher als zu bescheiden, bei mehreren Stellen gleichzeitig, Kommune, Stadt, Land, Bund usw. usf.
Wenn ich einen guten Tipp bekommen sollte, melde ich mich
Mein Mann ist über Ihre Wahrnehmung bestimmt angetan, wenn ich ihm das heute abend erzähle;
anbei >http://gottfriedbechtold.at/< – die Homepage-Baustelle meines Mannes (vor einigen Monaten erst eröffnet), die zu betreuen bzw. weiter aufzufüllen ich bisher leider nicht geschafft habe. … Nochmals alles Gute!!
Kommentar by Sylvia Taraba — 29. Mai, 2009 @ 11:30 Uhr
Frau Taraba,
nochmals vielen Dank für ihre Unterstützung. Sind Sie an genaueren Informationen interessiert? Wir haben eine kleine Mappe erstellt…
Kommentar by Holger Huckfeldt — 29. Mai, 2009 @ 11:56 Uhr
Ja. Ich schreibe Ihnen!
Kommentar by Sylvia Taraba — 29. Mai, 2009 @ 12:16 Uhr
Lieber Herr Huckfeldt,
könnten Sie nicht ganz schnell eine hübsche kleine Homepage oder ein Blog für das Projekt Ihrer Frau und der Fotografin basteln, einen Spenden-Button einbauen und den Link diskret hier im Blog platzieren? Vielleicht lässt sich dann der eine oder andere der vielen Leser mit einer kleinen Spende nicht lumpen…
Alle Parteien in unserem Land – wirklich alle (!)- sind so bedürftig, dass sie auf ihren Internetportalen zum Spenden auffordern. Kleinvieh macht auch Mist! Das hat uns der vormals arme Barack Obama mit seiner Wahl-Erfolgsgeschichte gezeigt…
Wenn Sie dann noch dafür sorgen würden, dass das Kunstprojekt z.B. auf ustream (www.ustream.tv) ins Internet gestellt wird und die verschiedenen Portale mit Twitter vernetzt werden (Herr Wölfelschneider hatte kürzlich auf Twitter verwiesen – und Twitter ist wirklich genial, weil ein Account in zehn Minuten erstellt und vielseitig informativ und aktiv nutzbar ist… und vor allem, mit wem man mit zwei drei Klicks in Kontakt treten kann, das ist schlichtweg unvorstellbar…), dann könnten Ihre kleinen und großen Sponsoren zur Belohnung sogar von überall auf der Welt aus der ersten Reihe zuschauen…
Wenn man in Berlin-Mitte wohnt und arbeitet, weiß man, dass viele (nicht alle) von den hier in den letzten zehn bis fünfzehn Jahren ansässig gewordenen (und es macht da keinen Unterschied ob Mann oder Frau, ob längst berühmt oder noch unbekannt) Künstlern, Galeristen, Agenturen, Designern, Modemachern usw. kein Zuckerschlecken haben. Und Hamburg ist ja nicht weit entfernt… Auch ich wünsche Ihnen alles Gute!
Kommentar by E. B. Far — 29. Mai, 2009 @ 17:41 Uhr
Diese drollige Frau Far is aber auch ein bißchen zynisch.
Kommentar by Max Liebscht — 31. Mai, 2009 @ 21:35 Uhr
Bei “Miemen” verdunkelt sich manche Miene in der Mine.
Kommentar by duscholux — 2. Juni, 2009 @ 19:20 Uhr
Auch nicht gerade schön,
dieser schöne Spruch.
Kommentar by Max Liebscht — 5. Juni, 2009 @ 15:54 Uhr