Simons Systemische Kehrwoche

Georgien

Fritz B. Simon

Es ist schon auffallend, wie schnell klar ist, wer der Gute und wer der Böse ist. Auf jeden Fall ist das im amerikanischen Fernsehen so. Die Georgier sind die armen und guten Verbündeten der USA, die Russen wollen das Zarenreich wieder herstellen.

Vielleicht stimmt das ja alles. Obwohl ich immer skeptisch bin, wenn so eindeutig zu sein scheint, wer der Schurke ist. Deshalb sind mir natürlich auch die zagen Hinweise, in Südossetien seien georgische Truppen einmarschiert und hätten mit Ethnic Cleansing begonnen, nicht entgangen. Und in einigen europäischen Zeitungen ist gar zu lesen, die Amerikaner hätten sie ermutigt.

Aber – wie gesagt – ich habe keine Ahnung, wie die Lage dort ist und was vorher war. Was mich aber – als jemanden, der sich ein paar Jahre mit dem Thema Krieg beschäftigt hat – am meisten beunruhigt,ist, dass hier die Politiker meinen, Schnelligkeit der Reaktion sei eine politische Qualität. Denn John McCain war sofort bei der Stelle, um die Russen zu verdammen etc., so als ob durch eine schnelle, harsche Reaktion Kriegshandlungen verhindert werden könnten. Obama äußerte sich erst zurückhalten, folgte dann aber schnell hinterher. Noch schlimmer sind m.E. Forderungen nach Kommunikationsabbruch. DAs ist nun wirklich tödlich.

Die blöde US-Öffentlichkeit hält Schnelligkeit wirklich für ein Zeichen politischer Potenz. Erschreckend. Nur zu hoffen, dass die Europäer hier aktiv werden/bleiben…

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7 Kommentare

  1. Erschreckend find ich, wie normal diese ganze Kriegstreiberei inzwischen schon wieder ist. Lichterketten bestenfalls noch zu Weihnachten.

    Relativ häufig treffe selbst ich nun zivil schwer zu integrierende junge Leute, die in Afganistan waren. Söldner sein is cool.

    Diese Reimerei der Geschichte stimmt ein wenig matt.

    Kommentar by Max Liebscht — 13. August, 2008 @ 17:47 Uhr

  2. Lieber Herr Simon,
    (Ich schreibe gerade einen Artikel zu systemisch-qualitativer Forschung für ein Handbuch) – und beschäftige mich darin u.a. mit der Frage, was das Spezifische für systemische Forschung ist. Mit Jürgen Kriz denke ich, dass es die Beschreibung/ Erkundung biopsychosozialer Rückkopplungsprozesse ist – nicht Kontextorientierung oder Fokussierung auf Reflexivität o.ä. (diese Aspekte erscheinen in systemischer Forschung prominent, aber eben nicht spezifisch). Rückkopplung bedeutet formal, dass eine Operation auf ihr eigenes Ergebnis angwendet wird. Ich frage mich, was dies wohl für Ihre Kehrwoche bedeuten würde: Wenn Sie etwa Ihre Einträge auf die Kommentare von Herrn Liebscht anwenden würden, dieser seine Kommentare wieder auf ihre Einträge hin verläßlich erstellt, etc. – wäre spannend, was für eine Art von Attraktor durch diese Rückkopplung emergieren würde… :-)
    Herzliche Grüße,
    M- Ochs

    Kommentar by Matthias Ochs — 13. August, 2008 @ 22:44 Uhr

  3. Ich empfehle allen, das Buch zum Krieg zu lesen:

    Fritz B. Simon
    Tödliche Konflikte
    Zur Selbstorganisation privater und öffentlicher Kriege
    319 Seiten
    2. erw. u. korr. Aufl. 2004, 24,90 €

    Kommentar by Beate Ch. Ulrich — 14. August, 2008 @ 10:24 Uhr

  4. Lieber Herr Ochs,

    Es gibt eine Art (un)bewusste Rückkopplung, namens Selbstschutz, wie eine Art abweisende Folie. Herr Simon macht eine Rückkopplung, die keine Rückkopplung ist.. im speziellen Fall: den angebotenen Konflikt oder Hype, den sein Eintrag provoziert, nicht annehmen, und ihn dadurch täglich zerstreuen. Ein Konflikt-Anbieter kann quasi darauf bauen, dass seine Angebote nicht angenommen werden, dass auf seine Rückkopplung quasi invers operiert wird und kann sich nach Herzenslust entblöden oder entleeren. Oder so ähnlich. Das ist, wenn es eine Netzkultur gibt, ihre Unkultur. Herzliche Grüße Sylvia Taraba

    Kommentar by Sylvia Taraba — 14. August, 2008 @ 11:22 Uhr

  5. Lieber Herr Ochs,

    wenn Ihre These richtig ist, dann brauchen Sie nicht Rückkopplung zu fordern, sondern sollten sie unterstellen. Wie heißt es so schön: Man kann nicht nicht kommunizieren?

    Beste Grüsse, FBS

    Kommentar by Fritz B. Simon — 14. August, 2008 @ 11:32 Uhr

  6. Liebe Frau Taraba, lieber Herr Simon,
    Vielen Dank für Ihre Kommentare – die dazu beigetragen haben, dass ich wieder ein klein wenig mehr von dem Phänomen Rückkopplung im Kontext lebender Systeme verstanden (zu) habe(n) (glaube)…
    Herzliche Grüße
    M. Ochs

    Kommentar by Matthias Ochs — 14. August, 2008 @ 13:50 Uhr

  7. Speziell auf diesen Kommentar eine fürwahr verblüffende Rückkopplung.

    Kommentar by Max Liebscht — 14. August, 2008 @ 16:31 Uhr

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