Glück
Fritz B. Simon
Glücksforschung erfreut sich einer gewissen Beliegtheit. In Butan – Vorbild aller westlichen Nationen – wird das Bruttosozialprodukt durch das Bruttoglücksprodukt ersetzt (keine schlechte Idee).
Heute sind die Zeitungen angefüllt mit Berichten über den deutschen Glücksatlas. Lassen wir die kleinkarierte (aber natürlich trotzdem sehr interessante) Frage, wie man Glück messen kann, mal beiseite.
Hamburg ist der Gewinner.
Hier sind die Menschen im Durchschnitt am glücklichsten.
Was macht Menschen glücklich?
Eine auch systemisch relevante Frage.
Die Antwort (d.h. meine Antwort): Mangel an Unterschieden.
Es geht ja nicht darum, ob man ein Haus, eine Auto, oder ein Schiff sein eigen nennen kann. Denn diese Dinge (!) sind in Bezug auf das individuelle Glück oder die Zufridenheit nur dann von Bedeutung, wenn ihr Besitz mit dem von anderen verglichen wird
Wenn alle kein Auto haben, dann macht es auch nicht unglücklich, keine Auto zu haben usw. Wenn alle ein Haus haben, dann ist offenbar die Voraussetzung für das eigenen Glück, auch eines zu haben.
Abschied vom Absoluten.
Meine Eltern erzählten immer von der Nachkriegszeit, als alle nichts hatten. In der Zeit waren alle zufrieden und glücklich (so klang es zumindest), weil keiner mehr als die anderen hatte und man das Wenige, was irgendwer ergatterte (eine Flasche Schnaps z.B.) teilte.
Eigentlich eine ganz ermutigende “Mechanik” des Glücks…
Nicht ganz kompatibel mit der Idealisierung des Wettbewerbs und der Konkurrenz.
8 Kommentare
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… und deshalb wird mein Buch – wenn es je erscheinen sollte – mit den Kindheitserinnerungen auch heißen: “Schöne Kindheit in der Schlechten Zeit”. Tatsächlich habe ich als Kind auf dem Dorf keinen Mangel gespürt, erst in der Stadt im Gymnasium gab es dann Familien mit und ohne Autos oder Klavierstunde oder eben keine. Ab Ende der fünfziger hießen die unmittelbaren Nachkriegsjahre dann zwar die “Schlechte Zeit” und trotzdem haben sie alle geschwärmt genau wie Fritz Simon’s Eltern.
Kommentar by Andreas von Bernstorff — 20. September, 2011 @ 21:56 Uhr
Glück = “Don´t draw a distinction!”
Kommentar by Rainer Isermann — 21. September, 2011 @ 07:54 Uhr
There can be no distinction without motive, and there can be no motive unless contents are seen to differ value.
Kommentar by es — 21. September, 2011 @ 13:50 Uhr
….”Heute sind die Zeitungen angefüllt mit Berichten über ..etc etc …”
Neben der systemischen Betrachtung des Themas ist es -meiner Meinng nach- mindestens ebenso interessant, wer die Blätter der Republik mit solchen Meldungen füttert, woher die Daten stammen, wer diese aufbereitet und wer letztendlich das Ganze finanziert. Qui bono?
In Zeiten sinkender Nettoeinkommen, fehlender Mindestlöhne und Rente ab 67 gibt es ein starkes neoliberales Interesse die Botschaft “Wir sind glücklich ..” unters Volk zu bringen.
Und Prof. Raffelhüschen, der diese “Studie” im ZDF vorstellte ,ist Insidern als die Figur bekannt, welcher maßgeblich an der medialen Vebreitung der sogenannten “Rentenangst” sowie der Kampagne für eine kapitalgedeckte, sprich private Altersvorsorge, beteiligt war.
Nähere Infos zu speziell dieser sogenannten “Glücksstudie” unter
http://www.nachdenkseiten.de/?p=10783
Kommentar by Rolf Rämmele — 21. September, 2011 @ 14:58 Uhr
“neoliberal” verkleistert, worum es geht.
Neofeudalismus, das ist es,
worauf wir uns einzustellen haben werden.
(Selbst schuld!, muss man natürlich ergänzen.
-> Wehe, Ihr seid nicht glücklich!)
Kommentar by Max Liebscht — 21. September, 2011 @ 18:02 Uhr
Angenehmere Glücksforscher sind die Leute vom Fortschrittszentrum Frankfurt, ich such noch mal die Adresse raus
Kommentar by Andreas von Bernstorff — 22. September, 2011 @ 00:11 Uhr
besser gesagt, Ermittler von Wohlfahrtsindices, heissen wirklich http://www.fortschrittszentrum.de, Stefan Bergheim u Koll
Kommentar by Andreas von Bernstorff — 22. September, 2011 @ 00:18 Uhr
Bin perplex.
“Vorwärts zu Solidarität und Völkerverständigung!”
Demnächst wird bestimmt eine Allee der Aktivisten veröffentlicht.
Kommentar by Max Liebscht — 22. September, 2011 @ 00:59 Uhr