Simons Systemische Kehrwoche

Goldmann Sachs

Fritz B. Simon

Im “Rolling Stone” (Nr. 1082-83) hat Matt Taibbi eine Artikel mit dem Titel “The Great American Bubble Machine” über die Investmentbank Goldmann Sachs publiziert, der mit bemerkenswert erscheint. Hier ein Ausschnitt:

“The first thing you need to know about Goldman Sachs is that it’s everywhere. The world’s most powerful investment bank is a great vampire squid wrapped around the face of humanity, relentlessly jamming its blood funnel into anything that smells like money.

Any attempt to construct a narrative around all the former Goldmanites in influential positions quickly becomes an absurd and pointless exercise, like trying to make a list of everything. What you need to know is the big picture: If America is circling the drain, Goldman Sachs has found a way to be that drain — an extremely unfortunate loophole in the system of Western democratic capitalism, which never foresaw that in a society governed passively by free markets and free elections, organized greed always defeats disorganized democracy.

They achieve this using the same playbook over and over again. The formula is relatively simple: Goldman positions itself in the middle of a speculative bubble, selling investments they know are crap. Then they hoover up vast sums from the middle and lower floors of society with the aid of a crippled and corrupt state that allows it to rewrite the rules in exchange for the relative pennies the bank throws at political patronage. Finally, when it all goes bust, leaving millions of ordinary citizens broke and starving, they begin the entire process over again, riding in to rescue us all by lending us back our own money at interest, selling themselves as men above greed, just a bunch of really smart guys keeping the wheels greased. They’ve been pulling this same stunt over and over since the 1920s — and now they’re preparing to do it again, creating what may be the biggest and most audacious bubble yet.”

Goldmann Sachs macht übrigens schon wieder guten Gewinn und schüttet großzügige Boni an seine Mitarbeiter aus, liest man…

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8 Kommentare

  1. Es scheint, erste Kreditgeber bieten ihr Kapital im Netz an Interessenten an. In Teilen der Republik zahlen Menschen mit z.B. dem “Chiemgauer”. Guru Malik spricht vom Umbruch des Systems. Wir leben in interessanten Zeiten.(Chinesicher Fluch)

    Kommentar by es — 14. Juli, 2009 @ 11:10 Uhr

  2. Lieber Herr Simon,

    bezgl. Ihrer China-Vorbereitungen ist mir noch ein Stück Literatur eingefallen:
    Chang Tung-Sun, Chinesen denken anders in “Wort und Wirklichkeit”
    Hintergrund ist die Grammatik als Basis der Logik.

    Kommentar by Es — 14. Juli, 2009 @ 12:09 Uhr

  3. Back to Wörgl?!

    Kommentar by Max Liebscht — 15. Juli, 2009 @ 12:14 Uhr

  4. Hin zum Lausitzer!?

    Kommentar by es — 15. Juli, 2009 @ 12:58 Uhr

  5. Ja, die murkeln hier auch an so was.
    Aber wie leider bei den meisten Fördermittel- aufgepusteten Sachen scheint wohl nicht wirklich viel herauskommen dabei außer Projektkoordinatorenspesen. Die Leute sind leider zu schnarchnasig und utopiephobisch dafür, um ausgerechnet hier so etwas wirklich auf die Beine zu bringen. Kulturproblem. Aufgrund der FöMi – von denen in erster Linie die als Entscheider profilierten Funktionäre in ihren Positionen profitiert haben – also die DDR hat hier nie wirklich aufgehört.

    Ich find den Andreas Clauss zwar etwas … nun ja … “populistisch” sagt man wohl. Aber der Unterschied zwischen physischer Ökonomie und verbrieften Casinophantasien, den find ich wie eh und je am interessantesten. Auf die Währungseinheiten, auf welche man in solchen Zeiten noch das meiste Vertrauen setzt, hat uns Herr Kasper ja hingewiesen: Käse, Schinken, Fisch bzw. Fischereirechte, aber eben auch sauberes Wasser, Strom, Wald, Zugangsmöglichkeiten bzw. Rechte, um Geothermie zu nutzen … selbst eine alte Kate, wie die, in der ich gerade sitz: Reale Werte. Da uns der Sinn dafür ein wenig abhanden gekommen zu sein scheint, ist so ein bißchen Erinnerungshilfe von Seiten der Zahlenjongleure sicherlich nicht nur von übel sondern vielleicht nützlich im Sinne von Immunkraftbildung gegenüber ihren virtuos designten Angriffen auf Recht und Vertrauen als ab einem bestimmten kritischen Punkt nicht zu verhandelndem Kapitaläquivalent.

    Kommentar by Max Liebscht — 15. Juli, 2009 @ 13:33 Uhr

  6. Auf die Frage weshalb Goldman Sachs so gut dasteht, antwortete ein Manager in etwa: “Wir haben die beste und schnellste EDV. Gewinnen kann man in Finanzmärkten nur mit Schnelligkeit. Das hat nichts mit Wissen zu tun.”
    Leider wurde vom Nachgereichtensender nicht mitgeteilt, welche Funktion der Manager ausfüllt.

    Kommentar by es — 15. Juli, 2009 @ 13:48 Uhr

  7. Auch hier also: “Am meisten recht hat meistens
    der Schnellste.” (Carl Auer)

    Kommentar by Max Liebscht — 15. Juli, 2009 @ 15:21 Uhr

  8. Zum Thema Goldman Sachs hier der Kommentar einer seriösen Quelle (SZ), ohne jegliche Verschwörungstheorie o.ä

    quote
    Frühere Goldman-Mitarbeiter besetzen wichtige Posten in allen Bereichen der US-Wirtschaft. Sie dienen als Unternehmensberater und Medienexperten, vor allem aber tummeln sie sich in Washington. Bill Clintons marktliberaler Finanzminister Robert Rubin hatte 26 Jahre lang bei Goldman Karriere gemacht. George W. Bushs Finanzminister Henry Paulson hatte es sogar zum Chef der Investmentbank gebracht.

    Auch die Regierung von Präsident Barack Obama hat Dutzende sogenannter Goldman-Graduierte in ihren Reihen. Einer von ihnen, Phil Murphy, soll Botschafter in Deutschland werden. Andere prominente Goldmänner in der Obama-Regierung sind: Robert Hormats, vorgesehen als Staatssekretär für Ökonomie und Landwirtschaft, Gary Gensler, Chef der Wertpapier-Kontrollbehörde Commodity Futures Trading Commission, und Mark Patterson, der Stabschef des neuen Finanzministers Timothy Geithner.

    Goldman-Mitarbeiter spendeten fast eine Million Dollar für Obamas Wahlkampf. Kein anderes Unternehmen gab dem amerikanischen Hoffnungsträger so viel Geld wie der Branchenprimus der Wall Street. Goldman ist überall.

    Suspekte Verflechtungen
    Die personelle und finanzielle Verflechtung zwischen Washington und New York ist vielen Amerikanern suspekt. Während die Regierung Banken rettet, gehen Tausende Mittelständler pleite, und Millionen Arbeiter verlieren ihre Jobs. Der konservative Kommentator David Brooks ätzt: “Innerhalb der vergangenen Jahre haben Goldman-Leute die Kontrolle über große Teile des Regierungssystems übernommen. Bald könnte ihnen das ganze verflixte Ding gehören.” Der eher linksgerichtete Journalist Alexander Cockburn stimmt zu: “Washington wandelt sich in eine 100-prozentige Unternehmenstochter Goldmans.”

    Auch Wissenschaftler nehmen sich des Themas an. Der frühere Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds und heutige MIT-Professor Simon Johnson sieht in der Kumpanei zwischen Staat und Finanzsektor gar den eigentlichen Grund der Rezession. Er spricht von einem stillen Coup. Die Wall Street habe Washington gekapert und stelle nun sicher, dass die Banken nicht verstaatlicht und zerschlagen würden, obwohl dies der beste Weg aus dem Krise sei.

    Die Kritik an Goldman Sachs eint die sonst politisch so zerstrittenen Amerikaner. Die Bank spürt, dass ihr die Debatte gefährlich werden könnte. Und so reagierte sie selbst auf die Brandschrift im Rolling Stone, wenn auch nur mit beißendem Spott. Allein für die Ermordung der Präsidenten Lincoln und Kennedy habe das Magazin die Bank nicht verantwortlich gemacht, höhnte ein Goldman-Sprecher im Fernsehen.
    unquote

    Kommentar by Rolf Rämmele — 16. Juli, 2009 @ 12:55 Uhr

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