Gomorrha
Fritz B. Simon
Ein Film über Neapel bzw. die Camorra. Endlich mal eine Story, die nicht irgendwelche Gangster als Helden darstellt (siehe “Der Pate”, Teil 1 – 75). Hier spielen keine Schauspieler mit großem Fankreis wie Marlon Brando die Unterweltgrößen, sondern Laiendarsteller. Sie zeigen, warum kriminelle Karrieren um Schoße solcher Vereinigungen gerade für Würstchen aller Art – also Anti-Helden – besonders attraktiv ist. Die Zugehörigkeit zu einer solchen Organisation (und es gibt derer immer mehrere, die im Krieg miteinander liegen), sichert nicht nur den Lebensunterhalt (wenn auch manchmal nur schlecht und recht), sondern sie verleiht auch Status und Identität.
Beides außerhalb auf eigene Faust oder gar gegen die Organisation zu suchen – wie dies im Film zwei rührend großtuerische junge Männer versuchen – hat wenig Chancen. Doch der Besitz von Waffen führt zur Illusion der eigenen Macht. Wer nicht merkt, dass diese Macht nur sehr auf den Augenblick – zum Beispiel: eines Überfalls – begrenzt ist und sich nicht unterordnet, der wird zur Ordnung gerufen. Das heißt: Nach ein oder zwei mehr oder weniger unfreundlichen Warnungen wird er umgebracht. Ordnung muss sein.
Aber auch das reguläre Geschäftsleben verläuft nach ähnlichen Prinzipien. Jeder kann geschmiert werden. Der Müll wird in ohne alle Bedenken in die Umwelt gekarrt, und nur sehr junge und emotional nicht richtig belastbare Menschen machen da nicht mit.
Ein desillusionierender und anstrengender Film, weit weg von jeder Italienromantik. Obwohl er keine richtige Geschichte erzählt sehenswert. Aber wohl eher für den, der etwas über Italien und italienische Verhältnisse erfahren will, als für den, der sich unterhalten lassen will.
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Das utopische Potential begrenzter Einsicht scheint sich in der Tat mit den Jahren zu verflüchtigen. Dialektik der Generationen, insofern diese Naivität als Rohstoff für soziales Konstruieren ja auch gebraucht wird? Hormonbedingt?
“Weisheit ist ein raffinierter Schwanz, der seit 20 Jahren nicht mehr steht.”
Ob der ausgiebige Konsum und Genuß arrangierter Bilder alters- bzw. lebenserfahrungsbedingten Fatalismus aufzuhalten vermag?
PS: Die Identität transformiert sich, individuiert sich, bricht sich in ihrer jeweiligen Allgemeingültigkeit, ähnlich Fraktal zu Fraktal. Nicht etwa, daß sie unvermittelt entstünde durch neue Zugehörigkeit. Sie wächst im Wachsen anderer.
(Nur damit hoffnungsvolle Talente wie Sie auch mal bissel Bescheid bekommen darüber.)
Kommentar by M.M.M. Liebscht — 26. September, 2008 @ 03:50 Uhr