Gott des Gemetzels
Fritz B. Simon
Der Film o.g. Titels ist nach einem Theaterstück von Roman Polanski gedreht worden. Es geht um einen Nachmittag, an dem zwei Paare aufeinander treffen, nachdem deren Söhne einen Streit hatten. Und unvermeidbar kommt es zu einer verqueren Kommunikation, zu Konflikten, zu vorhersehbaren Mißverständnissen. Komisch, tragisch, alltäglich, lächerlich.
Wer sich ein wenig mit Kommunikationstheorie auskennt, ein systemischer Paartherapeut zum Beispiel, kann diesen Film nicht ansehen, ohne in jeder Sekunde genau analysieren zu können, was da gerade geschieht. Welche Auf- oder Abwertungsstrategien, welche den Konflikt verstärkenden oder auch vorübergehend beschwichtigenden Taktiken, welche Vermischungen von Inhalts- und Beziehungsaspekt der Kommunikation praktiziert werden. Alles dies sehr illustrativ, ein Film sicher nutzbar für Lehrzwecke…
Ich selbst kann solche Filme oder Theaterstücke nicht wirklich mit Vergnügen anschauen, muss ich gestehen. Das ist wahrscheinlich so, wie wenn ein Automechaniker im Kino einen Film über die Funktionsprinzipien von Autos anschaut. Alles etwas beklemmend, ja, auch langweilig und öde in seiner Überflüssigkeit, selbst wenn alle anderen sich vor Lachen ausschütten….
4 Kommentare
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Diese professionelle Wahrnehmung lässt mich so manchen alten mir bereits bekannten Film völlig anders erleben: Vom Winde verweht fand ich früher romantisch ….
Kommentar by o.werner — 6. Dezember, 2011 @ 15:30 Uhr
Vor Lachen ausschütten gibts da nichts, eher bleibt das Lachen im Halse stecken, wenn man sich bei der ganzen Geschichte über die eigene Schulter schaut.
Bei allen Verquert- und Schrägheiten unter dem sytemischen Scheinwerfer bleibt doch der Eindruck, dass gerade die kommunikations- und lösungsorientierte Bildungsschicht ihre eigenen Ansprüche nicht einlösen kann. Wird auch nur etwas an der Oberfläche des Selbstbildes, – was bekanntlich nicht das Selbst ist- gekratzt, fordert der “Gott des Gemetzels” seine Opfer.
Ein Ritual, das auch in diesem blog immer wieder erneuert wird.
Kommentar by ludwig — 7. Dezember, 2011 @ 12:51 Uhr
Das ist Chuzpe! Natürlich ist der Hintergedanke dabei, der Welt zu verkaufen, daß einige besondere Kulturinsassen allerdings die Welt so wahrnehmen können, wie sie wirklich ist. Irgendein Verkaufsargument braucht man ja immer.
Kommentar by es — 7. Dezember, 2011 @ 16:25 Uhr
Ich sage nur: “Liegt der Bauer tot im Zimmer, lebt er nimmer.” Ich habe diesen Spruch schon mind. 100xmal in meinem Leben gehört und durfte in diesem Film doch wieder erfahren, wie wichtig der Kontext ist, in dem etwas gesagt wird oder unterlassen wird.
beste Grüße,
C. Simon
Kommentar by Christoph Simon — 7. Dezember, 2011 @ 19:26 Uhr