Simons Systemische Kehrwoche

Gruppendynamik-Training

Fritz B. Simon

In der kommenden Woche (ab morgen) werde ich hier nicht schreiben können, da ich im Wald sitze und mit einem Kollegen zusammen ein Gruppendynamik-Training durchführe. Wenn hier jemand einspringen würde (Auer-Autoren, hört Ihr mich?!), wäre ich dankbar…

Teilnehmer an diesem Training sind Wittener Studenten, und diese Veranstaltung findet jedes Jahr einmal statt. Sie erfreut sich einer gewissen Beliebtheit – was mich freut. Denn ich persönlich halte diese Form des Seminars für die effektivste Methode, etwas über soziale Systeme einerseits, über sich selbst andererseits, zu erfahren. Sie bietet die Chance, die Entwicklung sozialer Strukturen von der Geburt eines Systems bis zu seinem Ende, zu verfolgen und damit zu experimentieren, auf diese Entwicklung, die Strukturen, die sich herausbilden, die Normen, auf die man sich einigt, die Ziele, die man sich setzt usw. Einfluss zu nehmen.

Man kann erleben und – aus der Perspektive des Beobachters – analysieren. Ein einzigartiges Lehr- und Lernformat. Wenn die Trainer dann noch eine systemtheoretische Brille aufsetzen und entsprechend intervenieren, dann gibt es nix Besseres… (Ich habe jedenfalls, meine paar Hundert Stunden Psychoanalyse mitgerechnet, nirgends mehr gelernt als in solchen Trainings – sei es als Teilnehmer, sei es als Trainer).

Die Wittener Veranstaltung ist nur für Studenten, aber wir machen das noch einmal für jeden Interessenten im Herbst (www.simon-weber.de).

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4 Kommentare

  1. Sie haben die Veranstaltung letzten Herbst schonmal so ausgesprochen schmackhaft gemacht – bin seit Januar angemeldet für Nov. 2008. Gerade der “Selbsterfahrungsaspekt” klingt reizvoll.

    Kommentar by Mathias Wölfelschneider — 30. April, 2008 @ 16:47 Uhr

  2. Na denn: Hals und Beinbruch!

    Nachdem mir meine Schüler gestanden haben, daß sie Selbstgespräche führen, ärgere ich sie gerne mit der Frage, was sie sich denn eigentlich da so an Neuigkeiten zu erzählen hätten, daß sie sie nicht schon längst wüßten. Aber so ist das halt, wenn man zu denen gehört, die vom Land kommen.

    Kommentar by Max Liebscht — 1. Mai, 2008 @ 17:07 Uhr

  3. Und was antworten die dann auf die Frage?

    Kommentar by Mathias Wölfelschneider — 2. Mai, 2008 @ 08:50 Uhr

  4. I.d.R. drucksen sie rum, bringen alltagspsychologische Phrasen, wie sie heutzutage in allen Gazetten stehen. Ich kann dann den dicken Max machen mit meiner Show und gleich was zu den “konstruktivistischen” Funktionen von Körpersprache bringen. Je nachdem, wie sie so drauf sind, kann man auch die Billigvariante mit der Transaktionsanalyse verkaufen. Manchmal sind auch paar Spitzfindige dabei, die sich damit nicht sedieren lassen und dann kann man bis auf die u.a. rethorisch interessante “Anatomie” chronifizierter Persönlichkeitszustände eingehen. Bspw. auf der psychologischen Lernebene der Bedürfnisse, die wir Menschen miteinander gemein haben, kann man intra- bzw. interpersonelle Konflikte her leichter vermitteln als wenn bspw. Pro & Contra zu den Mohammed – Karikaturen zur Debatte stehen…

    Marco von Münchhausen von der Kartellaufsichtsbehörde des DVNLP hat es vorgemacht, wie man Arbeit mit Persönlichkeitsanteilen nah am Alltagssprachgebrauch der mal mehr mal weniger breiten Massen vermitteln kann. “Abnehmen mit dem inneren Schweinehund”, “Rauchen aufgeben mit dem inneren Schweinehund”, “Verkaufen mit dem i.SH.”, “Zeitmanagement mit dem i. SH” u.s.w. Nicht jedermanns Geschmack diese Kommerzschiene, zugegeben, vom Prinzip aber dennoch beispeilhaft, hypnotherapeutische bzw. systemische Konzepte derart volksnah zu vermitteln. Und so gelingt dies auch oft genug bei den Schülern.

    Gruppendynamik – Training ist einfach ein anderer Zugang mit anderen Vor- und Nachteilen und m.E. enormen Anforderungen an die Integrität des Gastgebers. Meine Erfahrungen diesbezüglich sind hanebüchen, von daher bitte die Ironien zu verzeihen.

    Zudem möchte i.d.R. kein Mensch sich selbst erfahren, wenn er nicht unbedingt muß, ebensowenig wie Menschen sich verändern wollen, Zeit gemanagt werden kann, bei sog. Beratungen beraten wird, während der Therapiestunde geheilt wird, Organisationen entwickelt und Supervisanden supervidiert werden wollen. Das ist natürlich nur mal mehr mal weniger harmloser Verkaufsetikettenschwindel, der freilich allgemein akzeptiert ist, ebenso wie wenn man hypnosystemisches Methodeninventar als Weiterentwickelte Psychoanalyse oder Verhaltentherapie auspreist und abrechnet.

    Was wir möchten, ist ein annehmbarer Kompromiß, etwas, das sich wie Grenzerfahrung anfühlt, aber selbstverständlich keine ist, die Begegnung mit netten und nicht gar zu garstigen Varianten unserer Selbst. Nehmen Sie den Film “Das Experiment” frei nach Zimbardo. Das wäre eine Selbsterfahrung für Charaktere. Allerdings eine, die niemand hat wollen können. Sehenswert auch “Die totale Therapie”. Wem seine bourgeoise Bigotterie zu sehr zum Halse heraushängt, der versteigt sich ausnahmsweise schon mal auf zuviel des Guten an Selbsterfahrung. Ich erinnere mich, als Anfang der neunziger Selbsterfahrungstrips in den Osten z.T. auch nach Yugoslawien angeboten wurden. Die SM – Variante im Tourismusbereich. Prinzipiell ergibt sich aber aus der Psychologik der Sache heraus dasselbe, was für alle sozialpsychologischen Experimente gilt: Eine neue Erfahrung gibt es nur, wenn was schief geht. Ein hochambivalente Angelegenheit also, weil man vom Bewerben her natürlich versichern muß, daß nichts schief gehen wird. Trotzdem wissen wir letztlich nicht, wie just in diesem Moment Prof. Simon (trotz seiner Vorliebe für lebendige Ambivalenz) aus sich rausgeht. Ähnlich wie bei Therapie ohne Therapie, bei Supervision ohne Supervision, bei dem reizvollen Gruselkrimi am Abend, dessen Grauen man nicht selbst zum Opfer fallen muß, geben die Leute für dieses Kunststück geglückter Balance dann immerhin auch am meisten Geld aus. Wer bin ich ? – was für ein Kick! Was glauben Sie, wer Sie sind? (+ Was glauben Sie, wo Sie hier sind?) Gerade als ob Sie jemand wären. Ich bin der ich sein könnte. Ganze Industrien leben von den Antwortversuchen auf Fragen, die an sich keinen Sinn haben pardon! machen können. Gibt es Gott? Gibt es Kunst? Liebt mich Heiderose? In jeder Gruppe wird eine andere Teilidentität aktualisiert. Von daher ist jede Begegnung (einschließlich die einer Variante Ihrer Selbst mit einer anderen Variante Ihrer Selbst zu sein, in Beziehung zu sein) ein Gruppendynamik – Training. Im Fall der bis jetzt stattfindenden Rezeption dieser Zeilen freilich ein verhältnismäßig kostengünstiges.

    Kommentar by Max Liebscht — 3. Mai, 2008 @ 16:03 Uhr

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