Simons Systemische Kehrwoche

H.E. Richter Gedenkfeier

Fritz B. Simon

Über Horst-Eberhard Richter und seine Bedeutung für die Entwicklung der Psychotherapie in Deutschland habe ich in den Tagen unmittelbar nach seinem Tod hier schon geschrieben. Gestern war ich bei einer Gedenkveranstaltung zu seinen Ehren in Berlin.

Obwohl ich keine nähere Beziehung zu Richter hatte, schien es mir angemesen, ihn und seine Leistung zu ehren – deswegen bin ich da hin gegangen. Eine persönliche Demonstration, sozusagen (auch wenn ich vermute, dass er nicht so viel davon mitbekommt – man geht ja eher um der eigenen Prinzipien willen zu solchen Veranstaltungen).

Es ist in letzter Zeit still um Horst-Eberhard Richter geworden, sagte jemand eine der Rednerinnen. Er ist mehr oder weniger vergessen. Und das zeigte sich auch bei der Veranstaltung.

Ein voller Saal, aber 85% der Teilnehmer hatten weisse/graue Haare, von den übrigen 15% hatten 12% ihre Haare gefärbt, die eigentlich grau/weiss waren, und die restlichen 3 % mit den dunklen Haaren wirkten verloren wie die aufrechten jungen Pfleger und Pflegerinnen oder ZDLer in einer größeren Pflegeeinrichtung.

Auch die Redner waren nicht die Jüngsten, einige – ich will hier keine Namen nennen – waren offensichtlich froh, dass sie mal wieder reden durften, und sprachen vor allem über sich selbst, unterbrochen von ein paar Wortfindungsstörungen.

Trotzdem: Einige interessante Sätze waren zu hören. Rita Süssmuth, ehemalige Ministerin im Kabinett Kohl und später Bundestagspräsidentin, sagte zum Ausstieg aus der Atomenergie sinngemäß: Wir hätten es schon nach Tschernoby tun sollen.

Politiker, die nicht mehr im Amt sind, sagen öfters ziemlich Vernünftiges. Vielleicht sollte man nur noch Leute in ein politisches Amt lassen, die nicht mehr im Amt sind. Wenn sie nicht mehr in der formalen Verantwortung stehen, zeigen sich Politiker (oft) verantwortlicher, weil sie sich nicht mehr parteipolitischem Kalkül unterordnen müssen.

Ein zweiter bemerkenswerter Satz stammte von Hans-Peter Dürr, Atomphysiker, früher auch einer der Vorkämpfer für die Abrüstung. Er zitierte einen tibetanischen Spruch, der mir gut gefallen hat:

“Ein fallender Baum macht mehr Krach als ein wachsender Wald.”

Horst-Eberhard Richter macht keine Krach mehr, ein gefallener Baum. Aber er hat sicher an der einen oder anderen Stelle dazu beigetragen, dass der Wald anders wächst. Wahrscheinlich auch dadurch, dass er nicht still war und nicht still gehalten hat…

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2 Kommentare »

  1. Ja.

    Kommentar by Ewald Dietrich — 23. Januar, 2012 @ 10:21 Uhr

  2. Tote Bäume die im Wege rumliegen, daran entzünden sich die Geister.
    Is man endlich Humus geworden, spricht man freundlicher- kaum dass man noch zu benennen wüßte, wem man sich so und nicht anders verdankt.

    Kommentar by Max Liebscht — 23. Januar, 2012 @ 23:48 Uhr

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