Simons Systemische Kehrwoche

Haiti

Fritz B. Simon

Über das Elend nach dem Erdbeben brauche ich hier nicht zu schreiben, die Nachristen sind voll davon, und die schrecklichen Bilder der Zerstörung, Leichenberge usw. hat jeder schon im Fernsehen gesehen.

Was mir von Interesse scheint, ist die Erklärung für die Katastrophe.

Pat Robertson, einer der einflussreichsten fundamentalistischen Fernsehprediger der USA hat nun verkündet, das Unglück Haitis habe seine Ursache darin, dass die Bevölkerung Haitis (d.h. die schwarzen Sklaven) Ende des 18. Jahrhunderts einen “Pakt mit dem Teufel” geschlossen hätten, um die französischen Kolonialherren zu verjagen. Deswegen seien sie nun mit einem Fluch beladen, für den die Nachkommen zu büssen hätten.

Und er empfiehlt beten.

13 Kommentare »

  1. Es ist doch vollkommen egal, warum das Erdbeben geschah. Es ist nun wichtig, dass den Menschen auf Haiti geholfen wird. An solche Geschichten glaube ich ohnehin nicht, weil sie nicht plausibel sind. Gisele Bündchen ist mit gutem Beispiel voran gegangen und hat 1,5 Millionen US Dollar gespendet. Ich hoffe es ziehen noch viele nach.

    Kommentar von Ina — 15. Januar, 2010 @ 10:28 Uhr

  2. Folgend dem Motto:
    wenn Du alles richtig (recht)machst, passiert Dir so etwas nicht.

    Kommentar von o.werner — 15. Januar, 2010 @ 10:46 Uhr

  3. Dann will ich sehr hoffen, dass mit den Spendenmillionen verantwortlich umgegangen wird und man z.B. in den Kauf von Ablassbriefen investiert.

    Kommentar von Mathias Wölfelschneider — 15. Januar, 2010 @ 12:27 Uhr

  4. Religion füllt eine dringend notwendige Lücke.

    Kommentar von Dorothea Jung — 15. Januar, 2010 @ 13:05 Uhr

  5. Ein weiterer Grund, weshalb ich mich nicht mit dem Fundamentalismus anfreunden kann.
    Solange die Spenden auch dort ankommen, wo sie gebraucht werden, ist es gute Sache und hilft den Betroffenen sicherlich.

    Kommentar von Siri — 15. Januar, 2010 @ 13:06 Uhr

  6. na ja, aber um die Rolle der diversen Religionen, die auf das tiefverankerte menschliche Gefühl einer reflexiven Rückgebundenheit auf ein Drittes zurückgehen, zu verstehen, muss ich mich doch nicht mit dem “Fundamentalismus” anfreunden? Wenn Religion heute auch nur noch eine “notwendige Lücke” füllt, dann doch nur deshalb, weil viele noch nicht mit dem Prinzip der aufgeklärten, globalistischen Beliebigkeit sich abfinden mögen und das unabweisbare Gefühl haben, sich bewusst auf das Dritte beziehen zu wollen, “unbewusst” kommen wir (WIR) gar nicht darum herum, weil das Dritte nun einmal nicht auszuschließen ist…..(Tertium datur!)

    Kommentar von Sylvia Taraba — 15. Januar, 2010 @ 13:30 Uhr

  7. PS pardon, ich hab mich verlesen…. o.k. wenn nun ein Fundamentalistenprediger ein Erdbeben als “Strafe” für dies oder jenes ansieht, und es Menschen gibt, die an solche Erklärungen (=Unterscheidungen) glauben, ja, dann existieren solche Menschen für uns. Jedenfalls unterscheiden wir sie von uns selbst, die wir nicht (mehr) solche unaufgeklärten Unterscheidungen treffen und uns deswegen offenbar fortschrittlicher vorkommen. Allerdings wäre es dann gut, wenn wir uns auch unsere eigenen Irrationalitäten bewusst machen würden und diese auch aufspüren wollen würden….

    Kommentar von Sylvia Taraba — 15. Januar, 2010 @ 13:39 Uhr

  8. …ja, und was den “Pakt mit dem Teufel” (Teufel = ein mögliches Drittes, auf das man sich bekanntlich durchaus effektvoll beziehen kann) betrifft, so müsste man eben untersuchen, ob Bevölkerungen in anderen Erdteilen, die verheerende Erdbeben zu erleiden hatten, auch irgendwelche “Pakte” geschlossen haben, ….um eine wissenschaftliche Antwort auf die Frage zu bekommen, ob das Dritte mit sich handeln lässt… in welcher Form man es wann anrufen muss, und in welcher Generation man mit einer Antwort rechnen kann….

    oder man kommt zu der Sicht, dass re-ligio, als Rückgebundenheit an die Gesetze der Form, in jedem Augenblick operativ über die re-entry der Form in die Form erfolgt und wir in dieser Form bestens aufgehoben sind…

    Kommentar von Sylvia Taraba — 15. Januar, 2010 @ 13:58 Uhr

  9. …und sie in uns…

    Kommentar von Sylvia Taraba — 15. Januar, 2010 @ 14:00 Uhr

  10. ….insofern, als auch unser Gehirn entsprechend den Gesetzen der Form funktioniert….

    Kommentar von Sylvia Taraba — 16. Januar, 2010 @ 14:13 Uhr

  11. Frau Taraba, es ist enorm interessant, die Historie Ihrer Beiträge zu studieren. Erkenntniss in Stufen.

    Danke, dass Sie uns an ihren Gedanken (und deren Entwicklung) so direkt teilhaben lassen.

    Kommentar von Holger Huckfeldt — 16. Januar, 2010 @ 14:43 Uhr

  12. Danke für Ihre besondere Beobachtung Herr Huckfeld.

    Ja. Abstrakt-reduktiv entwickelt sind diese “meine” Gedanken schon sehr, sehr lange. Ich habe sie dann in meinem Buch “Das Spiel..”, Band I, CAV 2005, erstmals umfassend formuliert, aber, - um folgende Unterscheidung zu treffen - , sie zu entfalten, das heißt sie in sich und an und für sich zunehmend umfassend anschlussfähig zu machen, das benötigt enorm viel Zeit des Nachdenkens und darüber im Detail Schreibens. Hier habe ich, bis zu einem gewissen Grad, die Gelegenheit dazu…..ich freu mich, dass Sie so direkt daran teilhaben…

    Kommentar von Sylvia Taraba — 16. Januar, 2010 @ 16:45 Uhr

  13. http://vimeo.com/8779846

    Kommentar von es — 20. Januar, 2010 @ 14:00 Uhr

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