Simons Systemische Kehrwoche

Hegel lesen?

Fritz B. Simon

Die letzte Woche habe ich fast vollständig mit dem Versuch verbracht, Hegel zu lesen und über Hegel zu lesen.

Ich bin gescheitert.

Nicht, dass mich die Themen, die ihn interessieren, nicht interessieren würden (z.B. die “Phänomenologie des Geistes”). Er beschäftigt sich mit der Frage nach Erkenntnis und Rationalität – alles Fragen, die mich ebenfalls interessieren. Aber die Prämissen, von denen er ausgeht, sind nicht meine Prämissen. Mich auf sie einzulassen, würde erfordern, mich in seine Zeit, die damaligen Lebensumstände, die “Wahrheiten” und Glaubenssätze, die zu seiner Zeit unumstritten waren usw. einzufühlen bzw., da das wahrscheinlich ja nicht geht, einzuarbeiten. Dann kommt noch hinzu, dass er Begriffe verwendet, die für mich keine Bedeutung haben (z.B. das “Absolute”). Auch hier müsste ich unendlichen intellektuellen Aufwand betreiben, um seine Schriften lesen zu können, den ich nicht zu leisten bereit bin. Vor allem aber: Die Lektüre – auch die Sekundärliteratur, die ich gelesen habe – vermittelt mir nicht die Phantasie, dass mich seine Schriften “weiter” bringen könnten (in welche Richtung auch immer).

Bei Schriftstellern, die Romane schreiben, Theaterstücke, Dramen, Tragödien etc. fällt es mir nicht schwer, auch wenn ihre Werke schon Jahrhunderte alt sind, einen Gewinn aus der Lektüre zu ziehen (natürlich ist das auch nicht bei allen der Fall, aber doch bei vielen).

Offenbar ist Literatur haltbarer als Theorie. Sie zeigt und erklärt nicht. Das Problem ist nicht, dass die Phänomene sich so geändert haben, sondern die Erklärungen.

Einige Dinge habe ich aber aus der Beschäftigung mit Hegel mitgenommen, die mir bemerkenswert erscheinen: (1) Er denkt in Prozessen (dialektischen), die strukturelle Ähnlichkeit mit der Dynamik von Prozessen haben, die sich – nach unserer heutigen Terminologie – im Medium Sinn entfalten. Hier könnte mal jemand genauer hinschauen – auch wenn ich es sicher nicht sein werde. (2) Die bekannte Definition des Dreischritts von These, Antithese und Synthese stammt nicht von Hegel, sondern von Schelling. (3) Zeitgenössische Philosophen sind deswegen oft so wenig hilfreich mit ihren Aussagen, weil sie wahrscheinlich einen großen Teil ihres Studiums damit verbringen, die Konzepte von Denkern zu verstehen zu versuchen, die in einem anderen historischen Kontext entstanden sind und daher ihre Relevanz für die Gegenwart zu einem guten Teil verloren haben dürften.

Und mir fällt schließlich noch Horst Mahler, der RAF-Aktivist, der zum NPD-Propagandisten wurde, ein. Er hat im Gefängnis Hegel gelesen – Otto Schily hat ihm sämtliche Werke geschenkt – und sieht darin die Ursache für seine Wandlung. Offenbar ist es Mahler gelungen, Hegel zu verstehen. Deswegen folgt er jetzt wahrscheinlich politischen Strategien, die vor 200 Jahren (vielleicht) nützlich gewesen wären.

(Aber ich rede letztlich als Blinder von der Farbe.)

Bookmarken bei
Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • Facebook
  • TwitThis
  • Colivia
  • MisterWong
  • Y!GG
  • Webnews
  • Digg
  • del.icio.us
  • StumbleUpon
  • Reddit
  • Wikio DE

23 Kommentare

  1. Wer möchte schon in irgendein Gefängnis?
    Und Hegel scheint ja wirklich gefährlich zu sein.
    Was wohl die Aikidoka dazu sagen wird?
    Mit Hegeln hat sie es…

    Kommentar by Max Liebscht — 29. November, 2009 @ 12:07 Uhr

  2. Das Problem bei der Beschäftigung mit der Philosophie ist – das bemerke ich als “junge Philosophin” immer wieder: die Kluft zwischen der damaligen Zeit und der Moderne ist einfach zu groß.
    Bei Hegel und anderen – vor allem aber deutlich erkennbar bei Kant – werden oft Ausdrücke benutzt (wie oben genannt “das Absolute”) oder Begriffe, die man heute nicht kennt oder die einfach eine ganz andere Bedeutung eingeschlagen haben. Man denke nur daran, wie sich der Begriff “Ethik” über die Zeit hinweg verändert hat.

    “Offenbar ist Literatur haltbarer als Theorie. Sie zeigt und erklärt nicht.”

    Das ist einerseits gut, denn Theorien aufzuzeigen ist schon mal ein Anfang. Leider merke ich gerade während des Studiums, dass diese Theoriehaftigkeit – gerade in der Philosophie – dazu führt, dass sich die Philosophierenden in ihren Gesprächen und Diskussionen schließlich im Kreis drehen und kein richtiges Resumee zustande kommt. Ich erwarte kein eindeutiges Ergenbis von unseren philosophischen Forderungen, aber manchmal wäre ein quasi-Fazit ganz gut.

    (Man merkt, ich bin da noch ein bisschen “neu” auf den Gebieten; wollte aber trotzdem gerne mal “mitmischen”; denn das kann für mich ja nur neue Erfahrungen bringen;)

    Kommentar by Siri — 30. November, 2009 @ 08:53 Uhr

  3. Die Erwartungen, aus denen heraus wir uns den Vordenkern anzunähern suchen, sind vergleichbarer, ewig – menschlicher als die Kontext-gebundenen Zeiten, denen sie / wir unsere mehr oder weniger tödlichen Erhellungen verdanken.
    Indes: Mißverständniss ist die Voraussetzung für Erkenntnis.

    Was wohl Orakel Simons Bedürfnis der Annäherung an Hegel bestimmt haben mag?

    Kommentar by Max Liebscht — 30. November, 2009 @ 11:37 Uhr

  4. Es schneit plötzlich. Ein wenig wundere ich mich schon. Nicht darüber, dass Sie nach erst einer Woche Lektüre „gescheitert“ sind, sondern wegen der von Ihnen angeführten Gründe, die aus Ihrer Sicht gegen eine Hegel Lektüre sprechen.

    Hegel ist ganz bestimmt eine Pflichtlektüre, wenn man vorhat ihn zu zitieren oder man ihn gar schon zitiert hat. (…) Weiters, wenn man Spencer Brown’s Mathematik (Algebra), seinen Begriff der re-entry logisch fundiert erfassen, sowie auch geistesgeschichtlich verstehen will.

    „Das Absolute“ ist mehr oder weniger gleich gut zu verstehen wie „Die Evolution“ oder das „Medium Sinn.“

    Wenn wir, wegen des besseren Verständnisses unserer Konstruktionen, von der Welt als einer Beobachtung zeitlicher Schichtungen ausgehen, müssen wir doch zugeben, dass Die Welt nicht erst in den letzten 30 Jahren erfunden wurde. Wenn wir Theorien nachvollziehen, beziehen wir uns doch auf den Reichtum des Denkens, der dem gegenwärtigen vorausgeht. Sich damit zu befassen, hat nicht nur etwas mit Entschleunigung zu tun, sondern mit Be- und Verwunderung, was alles gedacht werden konnte. Die Welt zu beobachten, zu unterscheiden, zu verstehen (oder zu kreieren) braucht … Zeit.

    Hegels „Phänomenologie des Geistes“ und seine „Wissenschaft der Logik“ ist als eine (transzendentale) Bewusstseinstheorie zu verstehen, die offenbar erst noch verstanden werden muss. Bei Hegel ist diese noch rein spekulativ. Durch Spencer Browns Mathematik wird nun gerade Hegels philosophische Spekulation ident bezeugt und bestätigt. Sie ist also keineswegs „veraltet.“

    Nach nur einer Woche Hegel glaube ich gern an Ihr Scheitern. Es wundert mich aber, da er ja Ihr Interesse weckte. Man braucht allein eine Woche intensiver Lektüre, um sich überhaupt in seine Sprache einzulesen. Diese bedeutet weder Extravaganz noch Schwerfälligkeit, sondern sie bringt sprachlich zum Ausdruck, wie schwierig es ist – mittels der Sprache der klassischen Logik – das Paradoxe von Prozessen zum Ausdruck und zum Verstehen zu bringen.

    Ich lese Hegel seit 20 Jahren und bin jedes mal erstaunt, was „damals“ (oder noch „früher“) gedacht werden konnte.

    Meine Begleitliteratur war anfangs Kojeve und Taylor. Dann vor allem Gotthard Günther, dessen Werk auf Hegel gründet, und der Hegel auf der Basis seiner eigenen kybernetischen Ambitionen analysiert und Hegels Logik mit der Kybernetik zweiter und dritter Ordnung kurz- und lang schließt. Über Günther und über diverse interdisziplinäre Diskurse floss Hegels Denken quasi anonym in den kybernetischen Diskurs ein…

    Später entdeckte ich, dass Luhmann, ein wirklich profunder Hegelkenner war. Luhmann hielt sich nicht bei den Oberflächlichkeiten auf und ließ sich auch nicht durch Hegels zeitgenössische Bezüge irreführen. Er hat es verstanden, dessen Tiefen auszuloten und sie überaus wertschätzend in seine Erklärungen und seine Theorie einfließen zu lassen.

    Die „Phänomenologie des Geistes“ erschien 1807 mit dem Untertitel und Programm als eines „Systems der Wissenschaft.“ PHG und die „Wissenschaft der Logik“ erstellen eine tiefenstrukturelle Analyse und eine Theorie des Bewusstseins. Es sind Hegels zentrale Werke, die alles beinhalten, was später in Abwandlungen und auch in Kombination mit zeitgenössischen Inhalten wiederholt wird.

    Die Kernaussagen über vermittelte Prozessierungen der Begriffe in diesen drei Bänden sind das, was weiterhin Gültigkeit hat – und sich im Medium Sinn entfaltet – da „schaue ich seit vielen Jahren hin“, – dieses Themas habe ich mich seit etlichen Jahren theoretisch und praktisch angenommen…..Danke deshalb für die Ermutigung!

    Man muss heute von der klaren Unterscheidung des „zeitgenössischen“ und des „zeitlosen“ Hegel ausgehen.

    Zu komplex ist allein schon Hegels Unterscheidung zwischen privilegierter „Erkenntnis“ und individuellem „Erkennen“, – mit dem er sich von Kant’s vollkommen statischem Erkenntnisbegriff radikal abgrenzt.

    Auf den Punkt gebracht spricht Kant von einer „Allgemeingültigkeit der Erkenntnis“ während Hegel von einer sozial-dynamischen „Allgemeinheit des Erkennens“ ausgeht. Das ist ein Unterschied, der einen Unterschied macht. Allerdings vermutlich auch erst dann einen erkennbaren Unterschied, wenn man sich auf das Studium des Prozesses und seiner Begriffe eingelassen hat.

    Aus Hegels Philosophie des Rechts, der Geschichte, der Ästhetik, und der Naturwissenschaften kann jeder herauslesen was er will. Nicht umsonst die umfangreiche „links“, „rechts“ usw. divergierende Hegelliteratur. Nicht umsonst spaltet sich nach seinem Tod die Anhängerschaft in Links- und Rechtshegelianer. Ich denke keiner dieser polarisierenden „Gründungsväter“ hat Hegel verstanden, aber ihn für seine philosophischen oder politischen Zwecke interpretiert.

    Doch Hegels PHG und LOGIK gehen im Kern von der Analyse der klassischen Logik aus. Hegel löst – das ist seine zentrale, noch kaum erkannte, bzw. gewertschätzte Errungenschaft – das klassische Problem der Paradoxien bzw. der Kreisförmigkeit von Bewusstseinsprozessen (Kant’s Antinomien-Problem) indem er diese (die Paradoxie) als Lösung nimmt. (sic!)

    Hegels Anspruch und Kipppunkt liegt klar in der Mitte – im Prozess des „Übergehens“ , des „Werdens“ – davon handelt seine zentrale Theorie des Begriffs der Vermittlung. Angearbeitet mit der Gleichsetzung von Alles/Nichts

    These, Antithese und Synthese entsprechen nicht ganz Hegels Denkstrukturen. Hegel arbeitet viel grundsätzlicher. Er leistet die „Arbeit am Begriff“ zeigt die dialektische Bewegung – die Bewegung des „philosophischen Satzes“ auf. (Siehe dazu die Vorrede zur PHG – NUR 60 Seiten – das wirkliche Verstehen dieser Lektüre hängt von der jeweiligen einschlägigen Vorbildung und dem Wiederholungsgrad ab)

    Hegels Dialektik beschreibt nicht wie fälschlich interpretiert einen „Fortschritt“ im Sinne einer gradlinigen (zick-zack) Bewegung (z.B. den Fortschritt der Geschichte) sondern einen eng geführten Prozess von je rekursiven Triaden, mit je einer re-enry auf der je höheren Bewusstseins-Ebene.
    Alles sehr grob gesagt. Zwischen Tür und Angel und in Eile lässt sich wenig über Hegel sagen.

    Was ich betonen will ist, dass Hegel seine Relevanz für die Gegenwart nicht verloren hat, im Gegenteil sein Werk ja überhaupt nur in der Gegenwart existiert und in der Gegenwart rezipiert werden kann. Die Mühe ihn zu erschließen, muss man sich allerdings gern machen, was sich bei der Tiefe der Betrachtungen des Prozesses des WERDENS mehr als lohnt. Mit politischen Strategien haben Hegels PHG und LOGIK entschieden nichts zu tun.

    PHG und LOGIK ist eine spekulative Bewusstseinstheorie, die durch Spencer Browns Kalkül und seine re-entry konsistent untermauert wird, – dort erfasst und prozessiert durch die imaginäre Zahl i – und somit nicht mehr spekulativ, sondern mathematisch konsistent nachvollziehbar. Viel ließe sich darüber sagen, man kann es in meinem Buch nachlesen. (Sylvia Taraba, „Das Spiel das nur zu zweit geht. Die Seltsame Schleife von Sex und Logik. Band I Logik. Eine Logologik der Gesetze der Form von George Spencer Brown.“ Carl Auer Verlag für systemische Forschung 2005. Band II und III sind (…) in Vorbereitung)

    Kommentar by Sylvia Taraba — 30. November, 2009 @ 15:32 Uhr

  5. Bei Hegel werden höheres Bewußtseinsstufen also quasi durch eine Art triadisches Verhäkeln rekonstruiert.
    Na das ist doch mal ein Beitrag, der neugierig macht!

    Kommentar by Max Liebscht — 30. November, 2009 @ 18:59 Uhr

  6. Am Ende geht die Power to the people- Strategie des hiesigen Gruppenführers doch noch auf?

    Kommentar by Max Liebscht — 30. November, 2009 @ 19:03 Uhr

  7. Habe Hegel noch nie zitiert, werde das aller Voraussicht nach auch in Zukunft nicht tun können… Spencer-Brown zu lesen macht m.E. allerdings auch ohne Hegel-Lektüre Sinn, denn den habe ich oft genug gelesen, ohne Hegel zu kennen… aber vielleicht habe ich ja eh alles missverstanden, was ich keineswegs ausschliessen will.

    Kommentar by Fritz B. Simon — 30. November, 2009 @ 23:24 Uhr

  8. Einer muss sich quälen – der Leser oder der Autor (Wolf Schneider)

    Kommentar by Olaf Hinz — 1. Dezember, 2009 @ 15:49 Uhr

  9. Lieber Herr Hinz, das von Ihnen beigesteuerte Bonmot – ein bisschen eine oberflächliche Betrachtung, finden Sie nicht?

    Lieber Herr Liebscht, nicht re-konstruiert, sondern konstruiert. Meine Auffassung ist, dass wir konstruieren, nicht re-konstruieren. Ein Drittes ist nicht nur immer und in jedem Fall gegeben, sondern notwendig: ist je und jäh die Bedingung der Möglichkeit für Bewusstsein.

    Lieber Herr Simon, das sollte kein „Angriff“, sondern eine “Einführung” aus meiner spezifischen Sicht sein, und darstellen in welcher Hinsicht ich Hegel als mehr als modern, ja „zukunftweisend“, bzw. als noch keinesfalls ausgelotet, verstehe und ihn daher für tiefenstrukturelle Betrachtungen als überaus ergiebig und relevant erachte.

    Na klar kann Spencer Brown’s mathematischer Kalkül auch ohne Hegellektüre einleuchten. Aber die von GSB „erfundene“ re-entry, ist bereits zentrales Moment in Gestalt von Hegels Triadik der Vermittlung und der Triplizität von Existenz ganz allgemein:

    Als kleines Beispiel die Definition des Begriffs „Existenz“ aus zwei zweihundert Jahre auseinander liegenden Blickwinkeln:

    Zitat: „Für das Sein, welches vermittelt ist, werden wir den Ausdruck Existenz aufbehalten.“ (Hegel,Logik I, S 96)

    Dem analog GSB: „Wir“ erzeugen eine Existenz, indem wir die Elemente einer dreifachen Identität auseinander nehmen.“ Die Existenz erlischt, wenn wir Sie wieder zusammenfügen.“ (Spencer Brown, Laws, xviii; Vorwort von 1994)

    Man kann auch sagen, GSB „beweist“ mit seinem Kalkül und seiner re-entry die Konsistenz der Spekulation der Hegelschen triadischen Logik und seines rekursiven Begriffs der Vermittlung (natürlich auch die rekursive Triadik von Pierce!).

    „Jede Kennzeichnung impliziert Dualität, wir können kein Ding produzieren ohne Koproduktion dessen, was es nicht ist und jede Dualität impliziert Triplizität: Was das Ding ist, was es nicht ist und die Grenze dazwischen.“ (GSB Vorwort 1994)

    Ich bin mir bewusst, dass mein „Insiderwissen“ (schließlich bin nur ich mir vollständig bewusst, womit ich mich befasse) nicht unbedingt Verständnis fördernd sein muss.

    Die Bemerkung über Hegel-Zitate war bestimmt nicht auf Sie gemünzt, so blöde würde ich Sie nie anreden. Ich wollte Sie auch nicht belehren, nur mit meiner Darstellung dagegenhalten, Hegel zum intellektuellen Müll zu werfen. Also quasi, jemand, der sich so schwer verständlich und antiquiert ausdrückt, wird uns gegenwärtig nicht viel zu sagen haben – wozu sich „quälen“ – wie Ihnen Herr Hinz eifrig zur Seite springt. Wie steht’s da mit Spencer Brown?

    Ich bin übrigens vollkommen überzeugt, dass Sie die Laws verstanden haben, (ob in ihrer vollen logischen Konsequenz, bin ich mir allerdings nicht ganz sicher….obwohl….Ihr Revue-Interview gewisse Schlüsse zulässt, dass Sie ihn immer besser verstehen).

    Aus meiner Sicht, gibt es bei Spencer Brown wesentlich mehr zu verstehen, als den Kalkül und die Versuche seiner mannigfaltigen Nutzung. Im Einschluss der re-entry liegt der Aufschluss der Laws, das bestätigte sich schon bei Hegel, der die Paradoxie als Lösung des Kantschen Antinomien-Problems nimmt…..was ja Spencer Brown mit der Einsetzung der Gleichung zweiten Grades (der Herleitungsformel der zahl i) – einer Gleichung die zwei Lösungen hat – mathematisch gelingt.

    Dieses logische Bewusstwerden des Bewusstseins ist noch bei weitem nicht ausgelotet. Das interessiert mich, daran arbeite ich. Die neue Hirnforschung und die Quanteninformationstheorie, arbeiten diesem wachsenden Bewusstsein zu. Leider habe ich in den letzten Jahren kaum Zeit für diese Forschung. Aber das wird sich bald ändern.

    Kommentar by Sylvia Taraba — 1. Dezember, 2009 @ 19:25 Uhr

  10. …heißt natürlich…Bedingung der Möglichkeit von Bewusstsein….

    Kommentar by Sylvia Taraba — 1. Dezember, 2009 @ 19:26 Uhr

  11. Liebe Frau Taraba,

    ich habe mich in keiner Weise angegriffen gefühlt. Den Hinweis, dass man nur zitieren sollte, was man gelesen hat, kann ich ja vollkommen unterstreichen. Deswegen zitiere ich Hegel ja nicht.

    Auch George Spencer-Brown gehört ja zu den viel zitierten und wenig gelesenen Autoren. Dass ich ihn jetzt besser verstehe als früher – wie Sie denken -, glaube ich allerdings nicht (s. Unterschiede, die Unterschiede machen). Aber ich lesen ihn alle paar Jahre neu und merke dann immer, was ich alles schon vergessen habe von dem, was ich schon mal verstanden hatte (bzw. glaubte, verstanden zu haben). Und natürlich (er)finde ich auch ganz neue Aspekte.

    Das mit dem i scheint mir übrigens auch zentral.

    Bei Hegel scheint mir – so wenig ich gelesen habe -, dass er permanent die Position des Beobachters 1. und 2. Ordnung wechselt – was allerdings für GSB, der logische Hierarchisierungen ja ablehnt, auch kein Argument wäre. Mir hilft diese Unterscheidung aber ein wenig…

    Schreiben Sie weiter und bringen Sie Hegel und GSB zusammen. Auch die Paradoxie-Entfaltungen Luhmanns harren der Untersuchung aus einer solchen Perspektive.

    Den Verlag, der das drucken würde, kennen Sie ja.

    Kommentar by Fritz B. Simon — 1. Dezember, 2009 @ 19:59 Uhr

  12. Unterschiede, die Unterschiede machen gehörten ab 1994 u.a. zu meiner Sekundärliteratur. Doch meine ganz persönliche „Erleuchtung“ bezüglich der Laws, bescherte mir die minutiöse Beschäftigung mit der Mathematik und den vielfältigen erhellenden Implikationen der Imaginären Zahl i (siehe ausführlich in: Sylvia Taraba „Das Spiel…“) sowie im Anschluss daran, neben der zähen Kost des ausgeführten Kalküls, der Analyse der diversen Vorwörter, Anmerkungen, Anhängen und Fußnoten von GSB

    Ja, Hegel wechselt, – wie wir das ja auch tun -, zwischen der Position des Beobachters 1. Ordnung (subjektives Wissen) und 2. Ordnung (objektives Wissen), – aber – immer aus der Sicht der Beobachtung 3. Ordnung (absolutes Wissen). Das Dritte ist das Absolute, – DER Beobachter selbst – als der, der die Unterscheidungen trifft und – SELBDRITT aber in Millliarden Ausführungen – Bewusstsein IST nicht „hat“ – davon handelt Hegel.
    .
    Selbstredend mit den dafür notwendigen Bewusstseins-Filtern, notwendiger Selektion und jenem Blindem Fleck (der dem Faktum geschuldet ist, dass das Spiel nur zu zweit geht). Ein wie gesagt mittlerweile in Milliarden Facetten spielende Doppel-Wesen der ersten Unterscheidung, die ja selbst schon in sich eine dreifache Unterscheidung ist…

    Dass GSB logische Hierarchisierung ablehnt, geht aus den zwei Gesetzen und zwei Lösungen hervor, aus der (logo)logischen Gleichberechtigung von Tautologie (Gesetz des Nennens resp. klassische Logik) und Antonomie. (Gesetz der Aufhebung resp. der Logologik©)).

    Dualität resp. ihre notwendige Triplizität bedeutet weder bei Hegel noch bei Spencer Brown eine logische Hierarchisierung, vielmehr gilt eine rekursiv operierende logologische Herterarchie aller DREI Zustände. Sie bezeichnet den jeweiligen Standpunkt des Beobachters – als “Grenze dazwischen” nämlich dessen, was er in sich unterscheidet – „was das Ding ist und was es nicht ist“ (s.o.) – GSB’s Definition von „Existenz“

    • wollte ich noch anmerken….
    • ja, und danke für die Ermutigung und den Tipp, an genau jenen Verlag hatte ich eh schon mal erfolgreich gedacht…..

    Kommentar by Sylvia Taraba — 1. Dezember, 2009 @ 21:24 Uhr

  13. wer Wolf Schneider kennt, wird dies bei einem Zitat von Ihm wohl nicht vermuten, Frau T.
    Ich denke, wer gutwillig ist, wird auch in nur einem Satz einen scope erkennen – und dann reizt es mich noch zu einem Bonmont “Tiefe, wenn Sie nur um Ihrer Selbst inszeniert wird, erscheint meist oberflächlich wenn der Gegenstand von der gegenüberliegenden Position betrachtet wird”…

    …aber ansonsten will ich auch nicht weiter stören und schau mit jetzt Privatfernsehen an, gell Fritz :-)

    Kommentar by Olaf Hinz — 1. Dezember, 2009 @ 21:56 Uhr

  14. Privatfernsehen ist doch auch nicht mehr das, was es mal war, seit es kein Tutti frutti mehr gibt, Olaf…

    Kommentar by Fritz B. Simon — 1. Dezember, 2009 @ 22:42 Uhr

  15. lol – stimmt Fritz, jetzt gibt es statt sex and crime nur noch crime. Deshalb hab ich ja auch Fussball geschaut….

    Kommentar by Olaf Hinz — 2. Dezember, 2009 @ 08:03 Uhr

  16. … ein Überbleibsel der alten Fernsehkultur möchte man fast sagen… heutzutage ist ja kaum mehr etwas “sehenswert”.

    Kommentar by Siri — 2. Dezember, 2009 @ 08:37 Uhr

  17. Da ich Wolf Schneider leider nicht kenne, halte ich mich lieber an den “scope” Ihrer Gutwilligkeit Herr H. und nehme deshalb nicht an, dass Sie mir nahelegen wollen “Tiefe um Ihrer selbst willen zu inszenieren”, sondern eher, dass Sie ein wenig gereizt waren.

    Kommentar by Sylvia Taraba — 2. Dezember, 2009 @ 08:43 Uhr

  18. was mir bei vielen Re-posts von 2 Vielbloggern hier ja öfter passiert

    Kommentar by Olaf Hinz — 2. Dezember, 2009 @ 13:55 Uhr

  19. Oh, da tun Sie mir leid als Wenigblogger.

    Kommentar by Sylvia Taraba — 2. Dezember, 2009 @ 17:17 Uhr

  20. re-re-entry

    Kommentar by es — 3. Dezember, 2009 @ 10:58 Uhr

  21. Lieber Herr Simon,

    versuchen Sie es doch mit Herrschaft – Knechtschaft aus der Phänomenologie. Auch aus systemischer Sicht unter dem Aspekt interessant, dass Herrschaft & Knechtschaft durch ein “ungleiches Anerkennen” entstehen. Hält sich durch bis in heutige Organisationen.
    Beste Grüße
    stephan fedler

    Kommentar by stephan fedler — 4. Dezember, 2009 @ 14:14 Uhr

  22. Aus zeitlichen und Reise-Gründen komme ich hier zeitlich nicht mehr mit. Trotzdem jetzt Aufarbeitung:

    Herr/Knecht: die Hegelsche gegenseitige Anerkennung hat insofern einen „gleichberechtigten“ Ausgangspunkt, als hier Anerkennung notwendigerweise einen Kampf auf Leben und Tod voraussetzt. Erst der Einsatz des Lebens kann Freiheit erwirken. Es geht um Freiheit oder Tod.

    Der (spätere) Herr geht in diesen Kampf, indem er seinerseits das Leben verachtet und den Tod nicht scheut: um der Freiheit Willen nimmt er den Tod in Kauf.

    Umgekehrt der, der der (spätere) Knecht sein wird: er fürchtet den Tod und Freiheit bedeutet ihm nichts. Er ergibt sich im Kampf, um des Lebens, beziehungsweise um seines Hängens am Leben willen und nimmt seine Unfreiheit in Kauf.

    Daher „ungleiche“ (unsymmetrische) Anerkennung bei Hegel und gleichermaßen „Asymmetrie“ im Kalkül der Form:

    Die „Ungleichheit“ bei Hegel ist der (klassisch) logisch notwendigen Asymmetrie geschuldet: bei Hegel also gleichermaßen, wie im Kalkül der Form. Die re-entry hebt jede Ungleichheit im selben Augenblick wieder auf. Die Gleichung hat logologisch zwei Lösungen. In der klassischen Logik gibt es nur eine Lösung. Jedoch: Schubumkehr ist möglich, wenn das dialektische Pendel wieder in die andere Richtung geht….

    Kommentar by Sylvia Taraba — 9. Dezember, 2009 @ 18:01 Uhr

  23. Armut heißt also arm an Mut. Georg Schramm hätte wieder mal recht.

    Kommentar by Max Liebscht — 10. Dezember, 2009 @ 13:12 Uhr

RSS Feed für Kommentare zu diesem Artikel.

Entschuldige, das Kommentarformular ist zurzeit geschlossen.

Mai 2012
M D M D F S S
« Apr    
 123456
78910111213
14151617181920
21222324252627
28293031  
Systemische Kehrwoche

nach Stichwort
Carl-Auer LebensLustCarl-Auer CompactCarls Klassiker-BibliothekCoachingFamilientherapie und FamilienforschungHypnose und HypnotherapieKinder- und JugendlichentherapieManagement / OrganisationsberatungOrganisations- und StrukturaufstellungenPaartherapiePhilosophie / Systemtheorie / GesellschaftPsychiatriePsychologie/PsychotherapieSystemaufstellungenSystemische MedizinSystemische PädagogikSystemische Soziale ArbeitSystemische TherapieTherapie und HumorVerlag für Systemische Forschung
HörBarLesBarBuchBar
AnsprechpartnerCarl Auer – Geist or Ghost?Jobs & PraktikaVerlag für Systemische ForschungSo finden Sie uns
Für AutorenBuchhandelPartnerbuchhandlungVeranstaltungenLinksProspektanforderungNewsletterGeschenkgutscheinE-Cards
AktuellesRezensionsexemplareUnsere VorschauVerlagsgeschichte