Simons Systemische Kehrwoche

Heimatfilme

Fritz B. Simon

Heute habe ich gleich zwei Filme gesehen (Berlinale). Es waren Heimatfilme aus dem Iran (ich glaube, der persische hieß “Zeit des Zorns”) und aus der Türkei (“Bal”).

In dem iranischen Film wird ein Mann gezeigt, der als Sicherheitsmensch nachts in einer Fabrik arbeitet. Deswegen kann er sich nicht richtig um Frau und Kind kümmern, denn die sind tagsüber bei der Arbeit bzw. in der Schule. Seinem Wunsch, ebenfalls am Tage zu arbeiten, wird nicht stattgegeben, da er schon mal im Gefängnis war.

Teheran besteht in erster Linie aus Stadtautobahnen, auf denen ziemlich viele Autos fahren, und aus unattraktiven Wohnblocks, in denen Familien wohnen, die es zu Hause nicht sehr gemütlich haben. Deswegen geht der Mann, um den sich in diesem Film alles dreht, auch lieber in den Wald um zu jagen.

Eines Tages kommt er nach Hause und weder Frau noch Kind sind da. Ein Anruf zitiert ihn zur Polizei, wo man ihm eröffnet, seine Frau sei aus Versehen erschossen worden, als sie ins Kreuzfeuer zwischen Polizisten und “Insurgents” geriet (offenbar kurz vor der Wahl, in der Ahmadinedschad wieder “gewählt” wurde). Von seinem Kind weiss niemand was.

Er findet es schließlich, wie seine Frau, in der Leichenhalle.

Daraufhin erschießt er zwei zufällig auf einer der Stadtautobahnen in ihrem Streifenwagen fahrende Polizisten.

Nach einer Jadg auf ihn wird er von zwei anderen Polizisten, die sich gegenseitig nicht leiden können, gefaßt. Er erschießt den einen, der andere ihn…

Was mir bei dem Film auffiel, war die Ruhe dieses Mannes. Er zeigte keine Emotionen, von Zorn war nichts zu sehen. So sind sie nun mal, die äußerlich nicht aufmucksenden und angepaßten, innerlich vor Aggression platzenden Durchschnittsbürger, die sich gegen “das System” nicht wehren können. Und natürlich bleiben sie auf der Strecke, wenn sie es doch probieren.

In Bal geht es um einen Vater und sein Kind. Rührende Szenen. Der Junge mag keine Milch, die Mutter besteht darauf, der Vater trinkt die Milch heimlich. Und als der Vater vermißt wird, nicht nach Hause kommt, wahrscheinlich tot ist, da trinkt der Junge die Milch, um der Mutter zu gefallen, doch sie merkt es nicht einmal…

Darüberhinaus: Viele schöne Bilder aus dem ländlichen und bergigen Anatolien. Was beide Filme verbindet: Es regnet viel in der Gegend.

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3 Kommentare

  1. Mancher wird sich über den Regen freuen.

    Kommentar by Max Liebscht — 17. Februar, 2010 @ 23:33 Uhr

  2. und es macht einen Unterschied im Regen zu stehen oder dem Regen zuzuhören wie er von den Bäumen aufs Dach tropft…..

    Kommentar by o.werner — 18. Februar, 2010 @ 10:39 Uhr

  3. Heul doch!

    Kommentar by Max Liebscht — 18. Februar, 2010 @ 16:17 Uhr

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