Simons Systemische Kehrwoche

Heimwerker

Fritz B. Simon

Es sind ja nicht nur die Keller, die eine Verbindung des Falls Kampusch und des Falls Amstetten nahe legen. In beiden Fällen haben wir es bei den Tätern mit offensichtlich begnadeten Heimwerkern zu tun. Sie waren in der Lage, ihre Keller so auszustatten, dass sie den Ansprüchen an Hochsicherheitstrakte gerecht wurden.

Vielleicht sollten wir mehr über Heimwerker nachdenken…

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4 Kommentare

  1. Hallo Herr Liebscht, Ihre Kommentare zum gestrigen und heutigen Thema sind mir Ihre eindrücklichsten. Weiter so!

    Kommentar by Sophia Hefar — 29. April, 2008 @ 15:16 Uhr

  2. “Worüber man nicht sprechen kann …”

    Kommentar by Max Liebscht — 29. April, 2008 @ 18:03 Uhr

  3. Ich bin erstaunt, auf welch niedriges Niveau sich selbst die serioesere Presse bei diesem Fall begibt. Die FAZ beispielsweise laesst nichts aus (Fotos, Spekulationen, Volkspsychologie, unangemessene Sprache) und schrappt haarscharf am Boulevard vorbei.

    Besonders ennttaeuschend die Psychologen, die sich erlaeuternd zu Wort kommen lassen. Da leist man Statements, die haette meine Tante Emma in ihrem Zigarrenladen dem Reporter auch in den Senoblock diktiern können.

    Gab es denn Zeiten, in denen man Dr.-Psych. werden konnte, ohne Wittgenstein und Herrn Liebscht zu kennen?

    Oder wenigstens A. M. Numminen.

    Kommentar by duscholux — 30. April, 2008 @ 16:28 Uhr

  4. Psychologen sind keine Pädagogen und leider auch keine Theologen. Obwohl sie das meinem Kenntnisstand nach stets auch noch mit sein müßten. Mir scheint es geradezu charakteristisch für ressourcenorientierte d.h. marktwirtschaftlich ausgerichtete Psychologen zu sein, daß sie klientenzentriert arbeiten. Wenn die werten Kollegen auf die Glaubensvorstellungen, Wertehorizonte und Klischees Ihrer Interviewpartner derart eingehen, sich sozusagen auf das gesunde Volksempfinden einpacen, bleiben sie einfach in ihrer gewohnten, professionell rationalisierten Rolle.

    Insofern es mir a) von Haus aus beliebt und b) meinermuttersohn sich durch die anarchistische Farbgebung der CAV – Site animiert fühlen mag den gutbürgerlichen Ton zu verfehlen, mag sich gelegentlich der Eindruck breitmachen, der Typ habe seinen Job verfehlt. Meinethalben. Der Frank Farrelly hat das nach seinem Coming Out sicher auch manchmal über sich gedacht. Mitunter bringt ein kleiner Tritt in den Allerwertesten das pädagogische Selbstverständnis doch ein Stück weiter. Aber bestimmt ist das nur bei mir so.

    Mal abgesehen davon, daß das Ganze sowieo zum Kotzen ist, ob nun in Österreich oder in Kolumbien, mal abgesehen davon, daß es Barbarei hier sowohl vor als auch nach und sogar im Namen unserer schönen rationalistischen Aufklärung gegeben hat, mal abgesehen davon, daß Systemtheorie eben nicht umsonst SystemTHEORIE heißt und man dazu verurteilt bleibt, sich praktisch für diese oder jene Verantwortung in der konkreten zwischenmenschlichen Begegnung zu entscheiden, wenn man von all den Sebstverständlichkeiten also mal absehen möchte, interessieren wenigstens mich justamente zwei Fragen:

    1.) Glauben wir, daß alles, was vorstellbar ist, auch irgendwo in Szene gesetzt wird (Die Gauß’sche Normalverteilung bspw. von Rationalisierbarkeit zwischenmenschlicher Geschäfte, sexueller Erniedrigung Gewalte.t.c. läßt grüßen)? Muß der Möglichkeitsraum mögicher Kombinationen bis zu den “Rändern” des Vorstellbaren ausgeschöpft werden?

    2.) Gibt es systemtheoretisch ableitbare Belege, Hoffnungszeichen also, welche gegen die “Jahreszeitenhypothese” sprechen?

    Was ich Jahreszeitenhypothese nenne, ist letztlich eine Neuauflage der Thesen, welche u.a. Oswald Spengler vertreten hat. Nur daß das statt mit den 1000 Jahren inzwischen etwas fixer zu gehen scheint. Leben ist bekanntermaßen ja nun mal nix anderes als die Begegnung eines Menschen mit sich selbst. Und diese ulkige Erscheinung namens Mensch wiederum ist also weniger das, was er ist, als vielmehr das, was er werden könnte. Wenn Organisationsformen normalerweise also auch bloß so was wie Menschen sind (Projektion und paradoxe Verfaßtheit nicht als pathologischer Sonderfall sondern Norm der Selbstwahrnehmung) kommen wir auf die Geschichte mit Frühling, Sommer, Herbst und Winterruhe / Steppenbrand. Ich selbst bin alles andere als glücklich mit dieser Jahreszeitenhypothese, finde sie bis dato aber recht überzeugend. Wir finden diese Zyklen von Aufbau und Abbau in allen möglichen evolutionären Regularitäten obliegenden Beziehungsentwicklungen, vorzüglich aber in der Wirtschaft. Generation und Degeneration lautet das Thema nicht nur bei der Unternehmensnachfolge. Die Anthroposophen geben Beziehungen pro Phase 7 Jahre Gnadenfrist.

    Meinem Eindruck sind wir etwa Ende September angekommen, was den Stand der jahreszeitlichen Entwicklung unserer aktuellen Gesellschaftsform anbetrifft. Geschichte wiederholt sich nicht, aber sie reimt sich. Soweit ich in meinem Elfenbeintrum was mitkriege von dem Irrsinn um mich herum, erinnert mich dies an die Geschichten, die mir mein sarkastischer Großvater erzählt hat über die Vorkriegsjahre. Die sich bis zur Kriegsgeilheit aufschwingende Orientierungslosigkeit der von Albernheiten faszinierten gemeinen Leute in ihrem Military look, der ungebremste Herrschaftszynismus der an ihrer künstlichen Abgehobenheit privat verzweifelnden Eliten, die Entsolidarisierung infolge rationalisierter Vermassung – welche u.a. solche faszinierenden Kellerexistenzen mitten unter uns ermöglichst – die laut Marx wesensmäßig zum entfesselnden Raubtierkapitalismus gehörende Bigotterie borgeoiser Selbstinszenierung, die Amnesie des kollektiven Unbewußten für die fragilen ökologischen Voraussetzungen der aktuellen Organisationskultur u.s.w. all das hatten wir (zumindest ich + mein Großvater) doch erst neulich.

    Herr Simon will mit meiner Wenigkeit leider erst wieder reden (als ob wir das je hätten) wenn ich für den Nobelpreis in Frage komme (was aus meiner Sicht aus etwas anderen Gründen längst der Fall ist.). Von daher könnten wir einander immerhin schreiben zu diesen mich interessierenden Themen. Denn d a s ist meiner Meinung nach des Nobelpreises würdig, wenn jemand systemtheoretisch oder besser strukturanthropologisch solide, über Wunschdenken hinausweisende Gründe gegen dieses unsympathische “Von Zeit zu Zeit braucht es eben eine große Reinigung” aufweisen würde.

    Aber leider drückt er sich mal wieder vor seiner Psychosystemanalyse und haut zwecks mehr oder weniger ekstatischer Selbsterfahrung lieber ab zu irgendwelchen gruppendynamischen Trainings. Ich hoffe nicht, daß es da so abgeht wie in irgendwelchen Kellern (ein äußerst liebenswürdiger schwuler Kumpel von mir baute Anfang der 90- er so was mal in München auf und ist dann leider unter ungeklärten Umständen ums Leben gekommen.) finde es aber suspekt, daß man sich, wenn man solche Sachen machen will, im Wald verstecken muß. (Anläßlich meiner NLP – Seminare warnte mich einer meiner Profs in – wie ich heute finde – rührender Weise vor Scientologie. Vielleicht sind die Systemiker, die meinen, auf dem Systems Peak angekommen zu sein, ja auch so eine Art freimaurermäßiger Sekte?)
    Gruppendynamik ist doch überall zu studieren, sogar hier, wie Frau Hefar gleich in ihrem ersten Beitrag vielsagend festgestellt hat. Außerdem meinte ich bislang, daß die “Leitung” (der Begriff ist schon drollig) gruppendynamischer Laboratorien (in der SM – Szene sind das die “Studios”) bloß was für Narzisten und Schizoide sind. Dabei hätte ich hätte ihn infolge fehlender Aufmerksamkeit durch wenig präsentes maskulines Vorbild eher für ein bißchen histrionisch gehalten. The dark Side of Fritz Simon, der nun in irgendeinem Wald Grenzerfahrungen in Sachen Gruppendynamik anregend findet: Wird also – siehe Frage 1 – alles möglich, was vorstellbar erscheint?

    Und 2 nochmal: Obliegen die Koevolutionen von Beziehungen zwangsläufig jahreszeitlichen Zyklen von Aufbau und degenerativem Formverlußt?

    Aber wahrscheinlich sind die frommen Systemiker samt emanzipierter Systemikerinnen ja doch alle mit dem Bollerwagen unterwegs um ihre konfliktuöse Selbsterfahrung alkoholisch zu befrieden.

    Für Duscholux: Mir hat mal einer erzählt, in der Hessischen Landordnung hätte bis vor 150 jahren noch dringestanden, daß der Vater als erstes ein “Recht” auf seine Tochter habe…

    Kommentar by Max Liebscht — 1. Mai, 2008 @ 17:02 Uhr

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