Helene Hegemann
Fritz B. Simon
Gestern war Helene Hegemann bei Harald Schmidt zu sehen. Welch erfrischender Auftritt. Sie war schlagfertig und hat über sich als 17-Jährige mit der Distanz einer wohlmeinden, 35 Jahre alten Sozialarbeiterin gesprochen.
Zu den Vorwürfen, sie habe in ihrem Roman (den Titel kann ich mir nicht merken) bei anderen abgeschrieben, blieb sie gelassen und ließ sich weder in die Defensive noch in die Offensive bringen.
Ich habe mir in einer Zeitung die Sätze angeschaut, die sie bei anderen geklaut hat. Es sind ca. 50. Wenn ich bedenke, wie viele Sätze von mir ich schon bei Kollegen in deren Büchern gelesen habe, ohne dass ich zitiert worden bin, dann sind das wirklich Peanuts.
Auf jeden Fall ist Helene ein Gewinn, meine ich.
(Und das nicht nur, weil ihr Vater Mitglied des wissenschaftlichen Beirats des von mir einst begründeten “Depressionsbarometers” war.)
12 Kommentare »
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Auch dass über Romane noch gesprochen wird, ist irgendwo schön.
Kommentar von Max Liebscht — 12. Februar, 2010 @ 11:04 Uhr
26 Buchstaben
Es soll Kulturinsassen geben, die mit der Psyche der Vollstrecker ihr Netz weben, um mit wölfischer Schläue “Gedankendieben” auf die Spur zu kommen.
26 Buchstaben
Gedanken sind Kulturgut. Kein Denken ohne Kopie.
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Nicht der, der einen Gedanken das als erster hatte, ist Gewinner, sondern der, der diesen Gedanken am besten verkauft.
26 Buchstaben
Manchmal habe ich einen richtig guten Gedanken. Ich drehe und wende ihn, freue mich an seiner Klarheit und Prägnanz, schreibe ihn auf, um nicht zu vergessen.
Irgendwann, in irgendeiner Publikation, lese ich dann “meinen” Gedanken. Schöner, prägnanter oder platter.
(Was für Ihre These spricht, nicht zu viel zu lesen!)
26 Buchstaben
Programme durchforsten die Bibel, auf der Suche nach Codierungen.
26 Buchstaben
Wer suchet der findet.
Kommentar von es — 12. Februar, 2010 @ 12:47 Uhr
@es
Dafür, dass andere möglicherweise schon vor einem selbst einen guten Gedanken gedacht und zu Papier gebracht haben, gibt es einen Fachausdruck: “antizipatorisches Plagiat”.
Die Literatur ist voll davon…
Kommentar von Fritz B. Simon — 12. Februar, 2010 @ 13:06 Uhr
helene hegemann – noch nie war das föitong amüsanter als diese woche. i love it! und das berghain als faz-feuilleton-aufmacherbild, riesig, auf einem unscharfen schwarzweissbild, auf dem es wirkt wie architekturgewordener genozid by albert speer dem älteren (obwohl, stimmt ja auch, hehe…). dazu ein gespräch mit dem b…eklauten blogger, blamabel (für ihn). herrlich herrlich…
und schöner blogbeitrag von dir.
j xx
Kommentar von justus köhncke — 12. Februar, 2010 @ 13:51 Uhr
Termini Technici (sic!) konsternieren primär subprivilegierte Partizipanten.
(geklaut!!)
Danke.
Kommentar von es — 12. Februar, 2010 @ 15:51 Uhr
Extraordinärpervertes Gruppaldilobosum!
Immerhin scheint der Kolbenklemmer im Blogflow damit ja mal wieder behoben.
Ab und an komme ich selbst in die Verlegenheit,
die mentalen Landschaften möglicher Vorstellungen und Kurzschlüsse durchkämmen zu sollen.
Wenn Gründer einen Namen für ihre Firma suchen und sich trotz Kreativitätstechniken und ähnlichen Krämpfen irgendwo verhakelt haben. Ehrlich gesagt, macht mir das ziemlichen Spaß, die Ausnahme von der Regel zu finden bzw. mich von außerordentlichen Einfällen heimsuchen zu lassen. Auf die ca ersten 10 Superideen sind die anderen Geister samt Maschinen i.d.R. auch schon gekommen. Dann wird es erst recht spannend, etwas zu finden, was den anderen Scouts trotz automatisierter Suchroutinen und Kombinationsalgorithmen durch die technischen Lappen gegangen ist. Wie ein Mäuslein an den holographischen Strebungen und hypertextmäßigen Verästellungen nur scheinbar chaotisch geordneter Assoziationsketten entlang zu balancieren, um zu äugen, wo die fetten Ratten ein deliziöses Stück Käse übersehen haben… das hat einerseits was Sportliches und trotz, bzw. gerade wegen der Vorgaben durch Branchenbedingte Standards, Zielgruppenklischees e.t.c. andererseits auch was Künstlerisches. Das Orientieren an einer Ordnung, die nicht rekonstruierbar aber spürbar eben doch irgendwo da und zu respektieren ist, bringt dann eine gewisse religiöse Dimension mit ein. Wahrscheinlich ist diese Trias auch genau die Mischung, welche die Zocker an der Börse dermaßen kickt.
Auch in anderen Bereichen macht es Laune, ein bißchen durch den Wald mögicher Vorstellungen zu spazieren.
Noch vorletztes Jahr habe ich mich gefragt, wieso noch keiner eine “Psychologie des Bösen” geschrieben hat. Inzwischen hat sich Herr Zimbardo aber an seine größten Erfolge erinnert.
Bspw. die meinenteils hier schon öfter thematisierte Idee, die Dimensionen der Selbstgewahrsamkeit von “Systemen” konsequenter zu systematisieren, um deutlich angemessener diagnostizieren und intervenieren zu können, hat offenbar selbst in Deutschland schon eine längere Tradition als meinermuttersohn klar gewesen:
http://www.amazon.de/Resonanzebenen-Selbstorganisation-Theodor-Dierk-Petzold/dp/3981201248/ref=sr14?ie=UTF8&s=books&qid=1266054017&sr=1-4
http://www.salutogenese-zentrum.de/cms/main/symposium-fuer-salutogenese/symposium-2010/
Spannend und im Grunde genommen erfreulich, wie die Ideen so gleichsam “in der Luft” liegen. Voraussetzung, um das so “sehen” zu können, ist, dass wir die Brille auf haben (vgl. Robert Axelrod), welche den Kooperationsaspekt und Gemeinschaftssinn stärker denn den Kompetitionsaspekt und Abgrenzungsaspekt hervortreten läßt.
Kommentar von Max Liebscht — 13. Februar, 2010 @ 10:50 Uhr
Björk knows
http://www.youtube.com/watch?v=1a1bfbk_yQU&feature=related
Kommentar von es — 13. Februar, 2010 @ 17:16 Uhr
Häßlicher Westover läßt eben kein Happy End zu.
Kommentar von Max Liebscht — 14. Februar, 2010 @ 01:21 Uhr
Ich warte schon längst darauf, dass im Jahre 2012 ein wissenschaftlicher Aufsatz erscheint, der exakt (wortwörtlich identisch) schon um 1893 geschrieben wurde — aber der Autor von 2012 dies gar nicht bemerkt hat, weil er nicht mehr weiss, was schon alles publiziert worden ist.
- Darum: nur der Google-Roboter wird dann im Jahre 2012 wissen, dass es fast nichts neues unter der Sonne gibt…
- Zwar nimmt der Papierausstoss gigantisch zu (Publikationswut), aber leider erscheint ja keine neue wissenschaftliche Idee (nur immer neue Techniken: iPhone, iPad, Google Books, etc.)…
Kommentar von helene — 15. Februar, 2010 @ 14:58 Uhr
Nee, ganz so ist das ja nun auch nicht.
Ich glaub eher, dem Kurzschluss liegt ein Beobachtungsartefakt zugrunde.
Neue wissenschaftliche Ideen gibt es schon.
Bloß … wer sieht das und inwieweit ist das anschlussfähig.
Solange in den Komfortzoenen die alten Muster noch hinreichend rund laufen, gibt es nicht die kritische Masse an Aufmerksamkeit für Befremdliches.
Kommentar von Max Liebscht — 17. Februar, 2010 @ 10:15 Uhr
@Helene
Sorry, sollte ich mich in der Adresse geirrt haben,
falls nicht, dann Glückwunsch zum 18. (Geburtstag)!!
http://bit.ly/acwBZa
Kommentar von E.B. Far — 19. Februar, 2010 @ 11:15 Uhr
@Helene
‚Heute‘, beklagte sich Herr K., ‚gibt es Unzählige, die sich öffentlich rühmen, ganz allein große Bücher verfassen zu können, und dies wird allgemein gebilligt.
Der chinesische Philosoph Dschuang Dsi verfaßte noch im Mannesalter ein Buch von hunderttausend Wörtern, das zu neun Zehnteln aus Zitaten bestand. Solche Bücher können bei uns nicht mehr geschrieben werden, da der Geist fehlt.
Infolgedessen werden Gedanken nur in eigner Werkstatt hergestellt, indem sich der faul vorkommt, der nicht genug davon fertigbringt. Freilich gibt es dann auch
keinen Gedanken, der übernommen werden, und auch keine Formulierung eines Gedankens, die zitiert werden könnte. Wie wenig brauchen diese alle zu ihrer Tätigkeit! Ein Federhalter und etwas Papier ist das einzige, was sie vorweisen
können! Und ohne jede Hilfe, nur mit dem kümmerlichen Material, das ein einzelner auf seinen Armen herbeischaffen kann, errichten sie ihre Hütten!
Größere Gebäude kennen sie nicht als solche, die ein einziger zu bauen imstande ist!‘
Brecht
Kommentar von es — 16. März, 2010 @ 12:17 Uhr