Herdprämie
Fritz B. Simon
Herr Seehofer und die CSU entwickeln sich m.E. immer mehr in Richtung der Republikanischen Partei in den USA. Das ist, um Mißverständnissen vorzubeugen, nicht als Kompliment gemeint.
Das neueste Beispiel ist das von der CSU durchgesetzte “Erziehungsgeld”. Frauen, die ihre Kinder in keine Kita geben, erhalten dafür eine Belohnung von ein paar Euro. Viel zu wenig, um wirklich eine Entschädigung für das Nicht-Arbeiten bzw. den dabei zu erzielenden Lohn bieten zu können. Aber eine nettes Taschengeld, wenn eine Frau eh zu Hause bleibt. Es kann ein paar Mal mehr ein Babysitter engagiert werden, wenn die Eltern in die Oper gehen.
Dass damit etwas für Kinder bzw. die Förderung ihrer Entwicklung oder die Kompensation der unterschiedlichen milieubedingten Chancen getan wird, glaubt wahrscheinlich ja nicht einmal Herr Seehofer. Es ist ein Wahlgeschenk an die eigene Klientel.
Meines Erachtens ist dies gesellschaftspolitisch dumm, denn das Geld könnte sehr viel besser in die Ausstattung von Einrichtungen gesteckt werden, die einer großen Zahl von Kindern neue Lern- und Erfahrungsmöglichkeiten eröffnen, die den Horizont der eigenen Familie überschreiten.
Es fehlen immer noch ca. 250 000 Kita-Plätze, um der gesetzlichen Auflage, jedem Kind einen Platz zur Verfügung zu stellen, zu erfüllen. Stattdessen wird das Geld – Bayern ist eben auch ein Land im Süden – den eigenen Spezies zugeschustert, auf Kosten der der Bildung der nächsten Generationen…
Ekelhaft.
8 Kommentare
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Und außerdem hat der Haushaltsausschuss des Bundestages letzte Ncht beschlossen, im kommenden Jahr 26 Milliarden € neue Schulden aufzunehmen, vier mehr als 2011. Die Dummheiten und Klientelopfer unserer Perspektivlospolitiker müssen bezahlt werden. Trotzdem reden sie ständig von ihren Sparbemühungen. Widerlich!
Kommentar by Horst Kasper — 11. November, 2011 @ 13:32 Uhr
Wenn man sich von Ganoven regieren läßt, ist man entweder dumm oder hat selbst etwas von der Beute.
Kommentar by Max Liebscht — 11. November, 2011 @ 18:44 Uhr
http://www.youtube.com/watch?v=9OcuxYlOdGY&feature=related
Kommentar by es — 11. November, 2011 @ 18:44 Uhr
Vielleicht hat es ja auch etwas damit zu tun, dass es versäumt wurde, den Job einer Erziehrin oder eines Erziehers attraktiv zu machen. Jetzt ist die Mesere des ErzieherInnenmangels da, nun gut, dann belohnen wir doch die Mütter, die das Problem lösen, indem sie keinen Anspruch auf Erziehung und Bildung in einer Institution erheben. Durchschaut?
Kommentar by S. Wilbrink — 11. November, 2011 @ 20:29 Uhr
@3: großartig!
Kommentar by Fritz B. Simon — 11. November, 2011 @ 22:44 Uhr
Die klügsten Kälber wählen die Versorger selber.
Kommentar by Matthias Ohler — 12. November, 2011 @ 08:46 Uhr
@6: Oder in einer anderen Version: Nur die allerdümmsten Kälber wählen ihre Metzger selber.
Kommentar by Horst Kasper — 12. November, 2011 @ 08:52 Uhr
Letztlich sind 26-Milliarden-Witze und Finanzkrise Symptome für übermäßigen politischen Erfolg. Eingeführt wurde der Euro ja um die Geschäfte für privilegierte Entscheider zu vereinfachen (Betrügen, Stehlen, Hehlen und da man sich alles aber auch so ziemlich alles kaufen kann, dann eben noch das Kicks vermittelnde feierabendliche oder berufsmäßige Zocken mit anvertrautem Geld). Diese Art von “Zur Sache, Baby!” ist offenbar über mehrere Jahre immer besser geglückt – soweit, dass die Fraßspuren kaum noch mit massenmedialer Kosmetik zu beheben sind. Dadurch dass Kriminalität von Staats wegen immer effizienter wurde, geriet das Ganze zur Sportveranstaltung: höher, schneller, weiter – bei der die Griechen uns bloß den Spiegel vorhalten. Inzwischen greift der selbstgezüchtete Hausschwamm auch die tragenden Kontruktionselemente an. Spätere Einricht: Die Hoheit über die Geldpressen gehört als eine der wichtigsten Formen der Gewaltenteilung weit weg aus der Reichweite der Verfügungsgewalten der freien Wirtschaft. Wölfen vorzuwerfen, dass sie nicht mit Gummibären und Keksen zufrieden sind, kriegen nur Pädagogen fertig.
Es kann also – soweit als “systemische” Einsicht – durchaus nützlich sein, wenn eine Funktion nicht ganz so stark rationalisiert ist.
Kommentar by Max Liebscht — 13. November, 2011 @ 20:32 Uhr