Herman Cain – der Fake-Präsidentschaftskandidat
Fritz B. Simon
Wenn man die amerikanische Politszene beobachtet, so kommen einem ja immer wieder Zweifel an der Zurechnungsfähigkeit der dortigen Wähler bzw. der sie repräsentierenden Parteien (Regel: Jedes Land hat die Parteien, die es verdient).
Jetzt bemüht sich ein Mensch namens Herman Cain um die republikanische Präsidentschaftskandidatur. Er liegt in den Umfagen im Moment mit 23% an der Spitze im Rennen um die Kandidatur.
Dieser Mensch ist – wir sind ja unter uns und können es hier ganz privat und unter Ausschluss der Öffentlichkeit offen legen – Carl Auers “brother from another mother”.
Es liegt einfach in seiner DNA, dass er sich in seiner Kandidatur einer Vielzahl von Textbausteinen aus der Pop-Kultur bedient.
In einer Sendung letzte Woche hat Rachel Maddow (MSNBC) gezeigt, dass die Dichter-Zitate, die er in der Diskussion der Kandidaten verwendet, aus dem Film Pokemon stammen, dass sein Steuerplan (9-9-9) direkt aus Sim-City übernommen wurde, dass er wörtliche Zitate aus Eddie-Murphy-Filmen in Pressekonferenzen verwendet, wie er ganz offen zeigt, dass er keine Ahnung hat, wovon die Rede ist, wenn er über Israel und Palästina gefragt wird usw., Usbekkiebekkiestastastan? etc.
Maddows Schluss (und der scheint mir sehr plausibel): Herman Cain ist ein ArtProject. Es geht darum zu zeigen, wie die amerikanische Öffentlichkeit funktioniert.
Auch die jetzt zunehmend publizierten Anschuldigungen der sexuellen Belästigung gehören m.E. in diesen Bereich. Es soll gezeigt werden, bis wohin die Verleugnungsfähigkeit der Republikaner geht (nicht eine, nicht zwei, nicht drei, nein, vier Anklagen…).
Und es könnte gut sein, dass am Ende solch ein Kunstprojekt die Präsidentschaft erringt. Der Unterschied zwischen Kunst und Alltag hebt sich auf.
6 Kommentare
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Carl Auers “brother from another mother”:
http://www.stupidedia.org/stupi/Karl_Auer
http://www.karlaueristtot.de/?page_id=8
Kommentar by duscholux — 9. November, 2011 @ 19:42 Uhr
Sie zweifeln an der Zurechnungesfähigkeit der Wähler. Ich bin nur wenig wissend in der amerikanischen Politik: ist es dort nicht auch so, daß fast die Hälfte der Wähler erst garnicht zur Wahl gehen? Dann wäre dies für mich eher ein Signal, daß diese Amerikaner genug von solch einer Art des Auftritts des Präsidentschaftskandidaten und seinen Versprechen/seiner Politik haben. Aber wie gesagt, da kenne ich mich einfach zu wenig aus.
Kommentar by Petra Backes — 9. November, 2011 @ 21:18 Uhr
Das weiß die Arroganz selbstgekrönter intellektueller Eliten natürlich wieder mal nicht weiter. Die Dummen sind hat einfach schlau: Wenn Herman wirklich so unbedarft ist, haben Krethi und Plethi wenigstens einen nach oben gejubelt, von dem sie sich repräsentiert fühlen können. Wenn er hingegen schlauer ist als er tut, haben sie mit einer Wahl auch alles richtig gemacht, weil er dann nicht nur einfach gewitzt genug ist für Realpolitik sondern auch begriffen hat, dass man mit seiner Hauptwählerschaft empathisch in Kontakt bleiben sollte.
In Anbetracht dessen Eierköppe oft die einfachsten Dinge nicht verstehen, ist nachvollziehbar, weshalb Intellektuelle trotz bzw. wegen ihrer Intelligenz selten mehr gewesen sind in der Geschichte als die Nutten machtgeiler Soziopathen.
Kommentar by Max Liebscht — 9. November, 2011 @ 22:00 Uhr
http://www.youtube.com/watch?v=qAQrsA3m8Bg
Kommentar by Max Liebscht — 9. November, 2011 @ 22:12 Uhr
.
lieber Fritz,
da möchte ich hinzufügen, dass künstler die reale blödheit von politikern nie auch nur annähernd treffen werden können.
schau Dir mal das aktuelle video der presidential debate an – und Rick Perry’s statement
http://youtu.be/GUtSB92ThWo
sunshine!
Jan
Kommentar by Jan A. Poczynek | menschen teams organisationen — 11. November, 2011 @ 02:43 Uhr
commanders in chief / Oberbefehlshaber in spe
http://www.slate.com/articles/newsandpolitics/warstories/2011/11/doesmichelebachmannwanttheustobemorelikechina_.html
Kommentar by duscholux — 13. November, 2011 @ 15:16 Uhr