Herostraten-Taten
Fritz B. Simon
Eines der Motive des Massenmörders von Norwegen, dessen Namen ich mir – da schützt mich mein Unbewußtes – nicht merken kann, ist, “unsterblich” zu werden.
Herostratos war derjenige, der als erstes auf die Idee kam, durch destruktive Interaktion in die Weltgeschichte einzugehen. Er zündete den Artemis-Tempel in Ephesos ein, damit sein Name nie vergessen werde.
Das Problem ist, dass diese Strategie funktioniert. Destruktion, Aggression, Gewalt, die man anderen antut, sind Kommunikationsangebote, die sich nicht ignorieren lassen. Wenn sich irgendein Würstchen wichtig macht, dann kann man es mit Nichtbeachtung bestrafen. Wenn es einem das Haus anzündet, es in die Luft sprengt, oder einem eine Kugel in den Leib jagt, dann kann man nicht sagen: Interessiert mich nicht.
Es gibt keine instruktive Interaktion, aber destruktive Interaktion kann zumindest die Idee der eigenen Macht aufrechterhalten. Die eigene Wichtigkeit und Einzigartigkeit beweist sie allemal…
Vielleicht sollte man Menschen, die unsterblich werden wollen, generell unter Beobachtung stellen. Denn nur durch terroristische Aktionen können sie das autonom erreichen, ohne dazu die Zustimmung und Bestätigung anderer zu benötigen
6 Kommentare
RSS Feed für Kommentare zu diesem Artikel.
Entschuldige, das Kommentarformular ist zurzeit geschlossen.











Ich würde noch eine Sorte hinzufügen: Menschen mit Größenwahn und Allmachtsphantasien. Was die alles so anrichten können, durfte ich gerade selbst erfahren…
Kommentar by Petra Backes — 25. Juli, 2011 @ 20:49 Uhr
Was meinen Sie, wollen wir nicht zusammen die Delphinpartei ins Leben rufen?
Delphinstrategien sind immerhin schon mal urst systemisch.
Kommentar by Max Liebscht — 26. Juli, 2011 @ 23:28 Uhr
Ist es Ihnen tatsächlich gelungen, auch nach Tagen – trotz der dauernden Nennung dieses Namens in allen Medien – diesen nicht zu “lernen”, lieber Herr Simon? Dann wäre Ihre “Kunst, nicht zu lernen” wirklich weit entwickelt. Ein kleines Wunder angesichts der Feststellungen der Hirnforscher, wonach der Mensch gar nicht anders könne als zu lernen, ja das lernende Wesen schlechthin sei. Ich will ihn auch hier nicht nennen, nur für mich feststellen, dass sich mir sofort der zweite Vorname “Behring” eingeprägt hat, weil er mich sofort und ohne mein Zutun an den hierzulande verbreiteten Namen Behringer (z.B. Melanie, die Fußballnationalspielerin)erinnert hat.
Kommentar by Horst Kasper — 27. Juli, 2011 @ 10:39 Uhr
Eben mal kurz im Büro herum gefragt. Die meisten wissen “irgendwie mit B”. Ein Andrew wusste Andrew, mehr nicht. Scandinavier kamen auf “Anders”. Niemand wusste den richtigen Namen.
Behringer, nie gehört oder wahr genommen. Boehringer schon eher, wg. Dioxin/Agent Orange und Weizsäcker.
Kasper hiess mein Deutschlehrer.
Kommentar by duscholux — 27. Juli, 2011 @ 12:11 Uhr
“Es gibt keine instruktive Interaktion” könnte mit den Jahren doch mal etwas differenzierter gefaßt, geframt werden. Am Ende glaubt es noch einer und handelt danach, gefährlicherweise.
Dutschke hieß mein Lehrer in Staatsbürgerkunde.
Kommentar by Max Liebscht — 31. Juli, 2011 @ 16:31 Uhr
Selbstverwirklichung ist das Ideal von Vollidioten
B.Brock
Kommentar by es — 4. August, 2011 @ 09:53 Uhr