Herr Sinn, die Juden und die Manager
Fritz B. Simon
Hans-Werner Sinn, der Chef des IFO-Instituts, hat sich dagegen verwahrt, die Manager zu Schuldigen der gegenwärtigen Wirtschaftskrise zu erklären. Sie würden zu Sündenböcken gemacht wie in der Weltwirtschaftskrise nach dem Börsencrash 1929 die Juden.
Vergleiche mit Juden sind in Deutschland immer problematisch, und wer ein wenig bei Sinnen ist, vermeidet sie. Das ist wirklich eine Frage des guten Geschmacks (und es bestehen Zweifel, dass Herr Sinn ihn besitzt – man muss sich nur seine Bart anschauen).
Womit er recht hat, ist, dass es zu einfach ist, die Ursachen für einen systemischen Effekt einer Personengruppe zuzuschreiben. Es sind die Regeln des Systems, nicht die Manager, die hier ursächlich sind/waren. Und für die sind im Zweifel eher Politiker zuständig als Manager, die dafür bezahlt werden, Partikularinteressen durchzusetzen. Dass Politiker sich von Ideologen, die teilweise unter dem Label der Wirtschaftswissenschaften firmieren, dazu verleiten lassen, sinnvolle Regulierungen herunter zu fahren, ist eigentlich das Problem. Es geht nicht um die Alles-oder-nichts-Frage “Regulierung ja oder nein?”, sondern um eine Form von Regeln, die das freie Wirtschaften zivilisieren können und müssen.
Das alles ändert nichts an der Tatsache, dass es nicht angemessen ist, die Sündenbockrolle von Juden und Managern zu vergleichen. Da liegen ja Welten dazwischen, und es bezeugt ein sehr beschränktes Geschichtsverständnis des Herrn Professors.
Ich persönlich habe eine ganz interessante Erfahrung mit Herrn Sinn gemacht, und er hat sich da vorbildlich verhalten. Wir waren Mitglieder unterschiedlicher Teams bei einer Schnitzeljagd in Palma de Mallorca. Wir hatten lustige Baseball-Kappen unterschiedlicher Brauereien auf und mussten unseren Weg durch die Stadt zu einem Lokal suchen, wo wir dann beköstigt und mit frisch gezapftem Bier versorgt werden sollten. Meine Mannschaft hat verloren, unter anderem deswegen, weil ich gleich den Weg zu der Kneipe eingeschlagen habe. Baseball-Kappen stehen mir einfach nicht…
9 Kommentare
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Lieber Herr Simon,
…das tut mir jetzt leid, ich hatte gehofft, Sie würden sich über das Bild freuen:
http://i37.tinypic.com/vh55k0.jpg
Alles Gute zum 60sten und die besten Wünsche! Vielen Dank für die vielen Anregungen zum Um- und Querdenken, sowie die Ideen und Implikationen für meine Arbeit, die ich durch die Lektüre dieses Weblogs und Ihrer Veröffentlichungen schon bekommen habe.
Kommentar by Mathias Wölfelschneider — 27. Oktober, 2008 @ 15:02 Uhr
Nachtrag:
Quelle: http://systemagazin.de/serendipity/index.php?/archives/993-Fritz-B.-Simon-zum-60sten.html
Sie nehmen mir meinen Baseball-Cap-Kalauer nicht übel, oder? Herr Eder schreibt, es gehöre sich nicht in diesem Zusammenhang zu kalauern…
Kommentar by Mathias Wölfelschneider — 27. Oktober, 2008 @ 17:25 Uhr
Lieber Herr Simon,
gerade noch rechtzeitig, ehe der Jubeltag sinkt, möchte ich mich in die Reihe der Gratulanten einreihen und Ihnen von Herzen weiterhin viel Freude am Schreiben und überhaupt alles Gute wünschen.
Dank an Herrn Wölfelschneider für die freundlichen Hinweise!
Herzlichen Gruß,
Horst Kasper
Kommentar by Horst Kasper — 27. Oktober, 2008 @ 19:28 Uhr
Danke für die guten Wünsche! Auch für die Baseball-Kappe. Auch wenn sie mir nicht sonderlich gut stehen dürfte… schon wegen der Zahl drauf!
Kommentar by Fritz B. Simon — 28. Oktober, 2008 @ 10:42 Uhr
Lieber Herr Simon,
ich schließe mich, leider etwas verspätet, allen guten Wünschen an! Und auch wenn dieses Onogramm leider nur teilweise passt:
http://www.onomastik.com/Vornamen-Lexikon/name250Fritz.html
Kommentar by Ewald Dietrich — 28. Oktober, 2008 @ 11:10 Uhr
Jean Ziegler setzt also “die Banker” mit den “Nationalsozialisten” gleich.
Und in Deutschland setzt der Ökonom Hans-Werner Sinn die “Banker” mit “den Juden” gleich.
Also: “Nazis” sind dasselbe wie “Juden” sind dasselbe wie die “internationale Weltfinanz” sind dasselbe wie die “Banker”.
Hört doch mal mit diesem ganzen Schwachsinn auf: es gibt weder “Banker” noch “Juden” noch “Nazis”, sondern immer nur Individuen wie Hans-Werner Sinn, Jean Ziegler, Adolf Hitler, Charlotte Knobloch, Joe Ackermann, etc.
An so einen Blödsinn wie “die Banker” oder “die Juden” glauben ja nur noch “die Banker” (inkl. Jean Ziegler) und “die Juden” (inkl. Hans-Werner Sinn) selber… (und darum sieht es ja immer noch so schlecht aus überall…).
Überall nur Stereotypen und Geldabzockerei (auch Jean Ziegler und Hans-Werner Sinn haben ja noch Geld für ihren Unsinn gekriegt).
Kommentar by gerda — 28. Oktober, 2008 @ 21:00 Uhr
Sinnliche Omnipotenz
Einige Wochen vor dem Jubeltag des FBS (Herzlichen Glückwunsch nachträglich) hat Herr Sinn sinngemäss zum Besten gegeben, er habe die Krise schon 1977 in seiner Dissertation prognostiziert und zwischenzeitlich nur geschwiegen, um den Kollaps nicht herbeizureden.
Hätte er doch nie den Mund aufgemacht! Die Milliarden waeren vielleicht anders verteilt worden.
Kommentar by duscholux — 30. Oktober, 2008 @ 11:01 Uhr
Nu gugge an! Die Provokation im silbergrauen Rahmen wird 60 Lenze jung. Und bleibt hoffentlich hübsch unruhig.
Das folgende wird Ihnen, denk ich, gefallen;
http://de.youtube.com/watch?v=BqvrSGStKFc&feature=related
Zumal Sie gegen Ende auch gefilmt worden sind.
Nachträglich herzlichen Glückwunsch !
Kommentar by M.M.M. Liebscht — 1. November, 2008 @ 13:46 Uhr
FBS: „Es geht nicht um die Alles-oder-nichts-Frage “Regulierung ja oder nein?”, sondern um eine Form von Regeln, die das freie Wirtschaften zivilisieren können und müssen.“
Freies Wirtschaften gibt es natürlich nicht. Wirtschaften als Rearrangement dessen, was gegeben (Anerkennen “dessen was ist”, wie B. Hellinger sagen würde) und Freiheit von und zu schließen einander aus. Jede Psychologik, jede Logik eines Unternehmensaufbaus ergibt sich aus der Ökologik. Auf welchen Wirklichkeitsausschnitt man sich nun auch immer fokussieren mag. Für mindestens drei Bereichen, zwischen denen man als Unternehmung alternativ vermitteln möchte, muß man sich entscheiden. Verwaltungen oder Unternehmen wie Mehdorn Mobile können natürlich den Blick auf die Kunden vernachlässigen und sich in ihren Entscheidungsprämissen vorzüglich an der Umwelt vitalen Eigeninteresses orientieren. Saurier sterben aber auch mal wieder, sobald sie sich zu viel Ignoranz leisten, was geringfügig erscheinende aber womöglich überlebensrelevante Parameter ihres Lebens- bzw. Lernumfeldes betrifft. In jedem Fall gilt:
a) Braucht man Unternehmen nicht vorzuwerfen, wenn sie sich von den Umwelten, deren Angebot – und Nachfrage – Situation sie sich verdanken, emanzipieren wollen. Das ist ja gerade ihr fast vornehmster Zweck. Aus der Abhängigkeit heraus sich weitestmöglich unabhängig zu machen. Ebenso könnte man Jugendliche kriminalisieren, weil sie sich phasenweise asozial verhalten, ihren Eltern gegenüber. Bezogene Individuation.
b) Soziale d.h. juristische Umwelten müssen von vornherein so gestaltet werden, daß sich die Frage frei / unfrei so gar nicht stellt. „Frei“ könnte dann immer nur heißen: im Rahmen des als sozial verträglich Erkannten und daher machtpolitisch zu Vertretenden.
Da Organisationsformen von vornherein (“2 Menschen wollen durch 1 Tür”) paradox angelegt sind (?) wird Politik sich immer damit zu beschäftigen haben, den juristisch definierten Spielraum gegenüber den starken Angriffen von Seiten der Diktatur des variabel konstellierten Kapitals, also gegenüber den Staaten im Staate zu gewährleisten. Sie muß einerseits Brot und Spiele gewährleisten solange man den „Pleps“ noch nicht outsourcen kann und andererseits die hierarchisch hohen Entscheider vor ihrer eigenen menschlichen Unzulänglichkeit schützen. Letzteres leisten zu können, davon ist sie, unsere Politik, nach 6o Jahren Binnenfrieden Lichtjahre entfernt. Die in Form von Gesetzen kondensierte nachträgliche Selbstkritik staatstragender Entscheider ist in ihrem Sinn und Wert einfach ausgefressen. In dem Maße es keine Werte mehr gibt, auf welche hin man sich als Entscheider zu kaprizieren hätte, um das Wohlwollen der halbwegs aufmerksamen Wahlfolks nicht zu versemmeln, in dem Maße ist die Bahn frei für Menschen, die trotz Frühstörung und kleinstkindlich narzistischer Befindlichkeit die Filtersysteme von gesellschaftlicher Hierarchie durchlaufen haben.
Diesbezüglich degeneriert eine Organisationsform leicht, wenn sie so erfolgreich geworden ist, daß sie sich von der Umwelt weitestgehend emanzipieren kann, deren Substrat sie sich ursprünglich verdankt. Leute an der Spitze dürften weitestgehend Narrenfreiheit genießen bzgl. dem, was sie äußern, solange es bspw. in ein Klischee wie das vom gierigen Manager paßt. Und der Herr Sinn hätte statt eitlem Unsinn auch einen Furz ablassen können – es hätte Geld gebracht. In bestimmten Positionen steht man einfach jenseits jeden Zweifels. Sie äußern zwar auch manchmal
peinliche Ansichten aber Sie leben das nicht als Einbahnstraße,
vereiteln so auf sportliche Weise die vorzeitige Verblödung.
Aber zurück zur Struktur gewordenen ökologischen Sensibilität bzw. Ignoranz:
FBS: „Denn das ist ja der wesentliche Vorteil von Organisationen, dass sie die Abhängigkeit von konkreten Personen dadurch relativieren, dass sie Stellen und Rollen und Funktionen und Strukturen schaffen, die für die Austauschbarkeit der einzelnen Akteure sorgen.“
Es kann sozial höchst sinnvoll sein, ein über sich selbst hinaus wachsendes Unternehmen nicht zu erfolgreich werden zu lassen. Das mag nur kaum einer denken geschweige gesetzlich realisieren. Obwohl es gegenüber den kleineren Wettbewerbern hierzuland ja von Staats wegen auf kommunaler Ebene gelebt wird. Monopolismus als Pendant zur faschistischen Diktatur – nur eben in dem Fall über die auf den Monopolisten angewiesenen Kunden.
Spannend ist das überhaupt: In den Staaten gibt es soziale Absicherung und Kontrolle (wennschon eher gemäß „Philosophie des Als ob“) nicht in dem Maße wie bei „uns“. Aber gleichsam als Ausgleich dafür sind die Freiräume für Initiative i.d.R. auch größer als hier (?) so daß Leute sich qua Eigeninitiative selber weiter helfen können ohne gegen allzu viel Bestimmungen anrennen zu müssen.
Wenn wir jetzt hübsch weitermachen darin, amerikanische Verhältnisse einführen, dann wird das wohl zu unglücklichen Effekten führen. Wer hier Initiative zeigt, wird durch Reglements nämlich weiter stark behindert werden. Wenn sich in Folge dessen nicht viel Neues entwickelt, wird es für die Opfer schnarchnasiger Verhältnisse aber keinen Schutz, keine Auffangvorrichtungen mehr geben so wie bislang. Amerikanische Verhältnisse statt „sozialer Marktwirtschaft“ eben – nur eben ohne die Möglichkeiten, sich als ein kleines Unternehmen zu entwickeln. Wer drüben was aufbauen will, ist schon von der Werteorientierung her willkommen. Hierzuland macht man sich mit Initiative hingegen verdächtig. Die Freiheit der statusmäßig großmächtigen Entscheider nimmt zu und die nach wie vor eher zunehmende Kontrolle läßt kleineren Initiativen kaum Luft und Licht sich zu entwickeln. Monokultur – so wie in der deutschen Forstwirtschaft wird es bzgl. Unternehmungen aussehen. Wer was will und kann, muß außerhalb der dunklen Zone gehen, um nicht zu ersticken zwischen entfesselter Arbeitgeberwillkür und instrumentalisierbarem staatsbürokratischem “Unkraut”- Ex.
Abgesehen davon ist in Görlitz der Krieg ausgebrochen. Klein Scherz. Männer mit Maschinenpistolen und Granate am Gürtel rennen schreiend bei mir am Haus vorbei. Dunkelgrüne Uniformen, die ich weder Bundeswehr, Security Skins noch polnischem Grenzschutz zuordnen kann. Fallschirmjäger, die von einer fremden Macht abgeworfen worden sind? Die Sprache, in der herumgeschrieen wird, klingt so ähnlich wie englisch. Die braunen Plakate, die ans einfallende Nachbarhaus angeklebt wurden, sind wohl in italienisch. Geschützkracher und Gewehrfeuer. Zerschossene Autos stehen auf dem Untermarkt. Manche Bereiche sind abgesperrt. Junge Männer mit wichtigen Mienen kontrollieren, wer passieren darf. Der Sprache nach Kollaborateure. Leute stehen vor dem Fenster und gaffen mit offenen Mündern.
Wenn ich als alte Frau heute morgen wie gewohnt aus dem Fenster gesehen und dieses Kriegsszenario gesehen hätte, ohne zu wissen, daß dies nur zu Unterhaltungszwecken dient … unheimlich.
Wegen diesem verdammten Herumgekrache nehm ich lieber die Anregung von Giokonda Simon auf und höre Musik wie sie nicht jedem paßt:
http://de.youtube.com/watch?v=Kg6X2hsl52E
Kommentar by M.M.M. Liebscht — 1. November, 2008 @ 16:50 Uhr