Simons Systemische Kehrwoche

Holzhammer

Fritz B. Simon

Gestern war ich im Theater. Es gab ein Stück aus dem Alltag einer Familie – die meisten Theaterstücke handeln von Familien, offenbar ist das der Stoff, aus dem die Träume sind (Albträume inbegriffen). Es ging um die Beziehung eines Sohnes zu seiner Mutter und zu seinem Vater, eine Tante spielte auch noch eine Rolle, und eine Frau, die es auf ihn abgesehen hatte und schließlich mit ihm davon zog.

Am Ende des Abends hatte auch der letzte Dödel im Publikum begriffen, dass junge Menschen ihren eigenen Weg gehen sollten und Mama und Papa sich besser darauf einstellen sollten…

Da ich den Regisseur persönlich kenne und mag, nenne ich hier keine Namen. Aber ich finde, dass ein Stück bzw. eine Inszenierung, bei denen nicht wenigstens ein Drittel der Zuschauer den Saal verlässt und sich fragt: “Was wollten uns Autor und Regisseur eigentlich damit sagen?”, irgendwie verfehlt ist… – auch, wenn, wie in diesem Fall, alle Schauspieler großartig waren. Aber auch für die muss es wenig angenehm sein, ihre Botschaften mit dem Holzhammer zu verteilen. Und, was die Zuschauer betrifft (wobei ich von mir aus hochrechne): Wer will schon belehrt werden, wenn er ins Theater geht?

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5 Kommentare

  1. schade, dass der Eintrag vom 16.9.2009 (“nokia”) plötzlich verschwunden ist.

    Kommentar by Thomas Lindbergh — 20. September, 2009 @ 18:06 Uhr

  2. Was war da für ein Eintrag? Ich habe ihn nicht gesehen und ich wüsste auch nicht, wer ihn da weggenommen haben sollte – vor allem nicht warum (denn ich habe ihn ja nicht gesehen). Aber neugierig wäre ich schon…

    Kommentar by Fritz B. Simon — 20. September, 2009 @ 18:13 Uhr

  3. scheinbar ein technisches Versehen. Wurde am mittwoch, 16.9.2009 vormittags auf meinem PC kurzfristig zum Eintrag

    Der Nokia-Boykott
    Fritz B. Simon
    Donnerstag, 17. Januar, 2008

    verlinkt.

    Aus dem Archiv verschwindet nichts (Gott sei dank).

    Kommentar by Thomas Lindbergh — 21. September, 2009 @ 08:56 Uhr

  4. Wenn ich mir als Zuschauer die Frage “Was wollten uns Autor und Regisseur eigentlich damit sagen?” nach einem Theaterbesuch stellen muss, dann hat die Belehrung schon angefangen.
    Aber scheinbar beharrt die deutsche Meinung darauf, Kunstwerke (und dazu zählen auch Theateraufführungen) durch ihren begreifbaren Sinn zu sehen. Brecht => Politik!

    Kaum ein Plakat einer Theaterwerbung, auf dem nicht ein blutiges Messer zu sehen ist oder Gewalt in welcher Form auch immer. Mittlerweile sind wir eher auf Sozialkritik.

    Gerade so, als gäbe es eine “monokausale” Aussage, die der Regisseur / Autor darin verpacken könnte.

    Ich habe das Glück, gerade eine (Tanz-)Theaterproduktion aus nächster Nähe mitzuerleben. Die Darsteller (3 Tänzer und eine Fotografin) und die Regisseurin (meine Frau!). Ach ja, SPENDENAUFRUF!!!!
    Es ist ein Prozes, der an allen Beteiligten hängt, eine Eigendynamik. So komplex und fantastisch, dass es garantiert keine “Aussage” nachher geben kann. Ich sehe es eher so: Ein gutes Stück (was als Kunstwerk sowiese schon mal “absolut” ist) bietet den Zuschauern eine Kontaktfläche. Und je weniger diese Fläche schon mit Moral vorbelegt ist, desto besser kann der Zuschauer mit dem System interagieren und wird so zu einem Beteiligten.

    Natürlich gibt es ein Thema, einen roten Faden, systemtheoretische Überlegungen und Analysen, klar. Die Bilder der Fotografin, die während der Aufstellung mit auf der Bühne ist, werden live projiziert. Es sind dann zwei Beobachter. Die Zuschauer beobachten das Stück und den Beobachter des Stückes. Erste und zweite Ordnung, Seite an Seite…

    Was wäre, wenn ein Theaterbesuch realitätsändernd wirken würde, gerade wie eine Aufstellung? Ich persönlich kenne diesen Effekt. Nach einem Fellini sind die Bäume etwas grüner, die Menschen witziger…

    Zum Schluss noch eine konkrete Frage: Ihre Beschreibung hört sich nach Tchekow an. Ach ja, in dem von mir beschriebenen Stück geht es nicht um eine Familie.

    Kommentar by Holger Huckfeldt — 21. September, 2009 @ 12:54 Uhr

  5. Nein, kein Cechow, Tchekow und auch nicht so ähnlich…

    Kommentar by Fritz B. Simon — 21. September, 2009 @ 22:45 Uhr

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