Simons Systemische Kehrwoche

Hunger in Afrika

Fritz B. Simon

Heute stand im Tagesspiegel ein Artikel von Jean Ziegler, dem Hungerbeauftragten der UN (oder so ähnlich), in dem er sehr schlüssig darstellt, wie Europa – genauer gesagt: die EU – durch ihre 340 Milliarden Euro, mit denen sie die Landwirtschaft in Europa und deren Export fördert, systematisch die afrikanischen langwirtschaftlichen Infrastrukturen kaputt macht bzw. schon gemacht hat.

Die einzige Chance für diese Länder, so stellt es sich dar, ist, die Grenzen dicht zu machen und zu versuchen, ein gewisses Mass an Autarkie zurück zu gewinnen.

Auch die Fischerei ist inzwischen an afrikanischen Küsten fest in der Hand europäischer Fabrikschiffe, die im Auftrag von Konzernen, die die Fischereirechte käuflich erworben haben, geschickt werden. Den Einheimischen bleibt nicht viel, als die Boote zu nutzen, um zu versuchen, damit nach Europa zu kommen. Das wiederum wird von (als Unternehmen organisierten) Sicherheitstruppen im Auftrag der EU verhindert…

Alles ziemlich zum Kotzen… (findet Herr Ziegler auch).

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2 Kommentare

  1. Aber das liegt natürlich doch daran, dass Europa sich vor allem als Machtblock=Wirtschaftsbastion versteht und der Beitritt und seine Befürwortung durch die einzelnen Länder nur unter dem Aspekt von Sachzwängen und faulen wirtschaftlichen Versprechen über die Bühne ging. Darüber kann ich nicht froh sein. Einen sinnvollen, die Mit-(Um)-Welt autark-integrierenden Prozess – jenseits von “Entwicklungshilfe” – zuzulassen, statt ihn durch leere Versprechen (innerhalb Europas) zu beschleunigen, hätte zwar länger gedauert, wäre ethisch aber vermutlich stimmiger und nachhaltiger.

    Mich persönlich interessiert es natürlich von Beispielen zu hören und zu lesen, wo so etwas schon funktioniert in Afrika. Wo erfolgreich unternommen wird, Autarkie zu gewinnen. Davon weiß ich gar nichts. Das wird es aber sicher geben.

    Kommentar by Sylvia Taraba — 27. April, 2008 @ 19:03 Uhr

  2. Das ist das Fatale. Gesellschaften, die sich ökologisch arrangiert haben, einen Kompromiß á la Leben und Leben lassen mit der Mitwelt gefunden haben, sind nicht so aggressiv unterwegs, kommen nicht so expansiv rüber. Unsere Altvorderen hat ganz schön der Teufel geritten. Mein Urgroßvater war stolz darauf, den Boxeraufstand mit niedergeschlagen zu haben.
    Wären die mal besser alle zu Hause geblieben! Chinesische Nudeln und gegrillte Jagdwurst kriegt man auch mit Culinaria hin. Gegrillter Karpfen statt Flugbarsch. Nun fällt uns der Mist hier auf die Füße und den anderen Kollegen Menschen, wie da unten in Afrika, eine Wirtschaftweise samt schlecht “machbarer” “Unternehmenskultur” auf den Kopf, die da nicht gewachsen ist, dort nicht in die Gegend paßt.

    Nehme an, meine Kinder werden auch so unzufrieden sein mit mir und meinen Beiträgen zur Verbesserung der Weltsituation. Nun sind wir aber da. Als ob wir da was verloren hätten. Und verramschen die Gegend. Und andere Kollegen richten sich hier, so gut es halt geht, im Rahmen zweitbester Lösung ein. Aber okay. Blick in die Zukunft. Wenn wir es nicht begreifen uns ökologisch zu arrangieren, wird die Ökologie uns begreifen.

    Ich glaube auch, daß alles, was wir sonstwo verzapfen, um unsere Chose bis zum Ende hier möglichst billig durchziehen zu können, daß uns all das einholen wird. In welcher Form auch immer. Ob nun aus Afrika oder Asien oder aus Kolumbien, wo Kumpels von dem Uribe sich daran aufgeilen, andere Leute mit Kettensägen zu massakrieren. Das kommt alles zurück und das tausendjährige Reich, von dem Bosch und Hitler phantasierten, wird zum Entsetzen deutscher Denkmalbehörden verbratzeln wie irgendso ein phantastischer Tempel im Dschungel. Daß wir dergleichen kaum vor die mentale Optik kriegen, scheint mir ein Beleg zu sein, daß die menschliche Intelligenz mehr mit der von staatenbildenden Insekten zu tun hat als man sich das als aufgeklärter Eurokaner so vorstellen kann.

    Immerhin, um Armut zu erleben, muß man auch hier nicht weit gehen. Hier in Görlitz sind die Leute genervt, weil etliche polnische Kollegen einpacken, was nicht irgend niet- und nagelfest ist. Allein in dem Haus, wo ich just sitze, sind einige Tausend Schaden entstanden, weil die Jungs Schrott brauchten, um sich ein paar Cent zu verdienen. Aber ehrlich gesagt, ich würde es auch so machen wie “die blöden Hunde”, wenn ich in deren Situation wäre. Heiner Müller sprach von “Inseln der dritten Welt”, die sich hier bilden würden.

    Mir tun aber vor allem die Alten leid, die in den Papierkörben stochern. Da haben es die, die im rationalistisch organisierten Heim für 2 1/2 Riesen monatlich gemobbt werden, mitunter doch irgendwie noch besser. Genau genommen, paßt die Neofeudalistische Kapitalismusvariante noch nicht mal hier in die Gegend. Zumindest nicht, wenn man den Maßstab der Aufklärung selbstverschuldeter Unmündigkeit zugrunde legt. Aber vielleicht ist das ja verkehrt. Sind die Verhältnisse in Afrika heute eigentlich unappetitlicher als während der vielen Dreißtigjährigen Kriege in den Jahrhunderten zuvor oder sind wir einfach nur ästhetisch anspruchsvoller geworden?

    Kommentar by Max Liebscht — 27. April, 2008 @ 20:50 Uhr

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