Simons Systemische Kehrwoche

Hungeraufstände

Fritz B. Simon

London brennt … und Manchaster, Birmingham usw.

Die ” kriminellen Randalierer” – wie Premierminister Camoron sie nennt – haben wahrscheinlich genug zu essen. Aber trotzdem scheint mir hier das Schema von Hungeraufständen als Erklärung zu passen.

In einer Gesellschaft, in der die (beobachtbaren und erlebbaren) Unterschiede zwischen den Oberschichten, Eliten etc., d.h. denen, die haben, und denen, die nicht haben, d.h. den ungelernten Jugendlichen, den Menschen ohne Perspektive, wenn diese Unterschiede zu groß werden, dann wird die bestehende soziale Ordnung, die diese Unterschiede hervorgebracht hat und erhält, massiv in Frage gestellt. Es kommt zum offenen Konflikt, der Umsturz wird gerprobt.

Nun ist es sicher noch ein weiter Weg zu einer Revolution in Groß Britannien. Aber wenn sie plündern, dann begehen, diejeinigen, die nicht Haben, mal eben so etwas wie “Mundraub”, wenn sie z.B. die iPads etc. aus den Läden holen…

Interessant ist das Organisationsprinzip der Plünderer. Sie nutzen Messaging (d.h. Handys haben sie), um nach dem Prinzip der Flash-Mobs unberechenbar für die “die “Gang auf Zeit” (oder wie immer man das nennen mag).

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7 Kommentare

  1. es könnte auch um Macht gehen, wer das Sagen hat ….
    Familien mit heranwachsenden Kindern ( zwischen 16 und …)berichten über solche KOnflikte; wenn Söhne handgreiflich werden und Töchter nicht zu bändigern sind.
    Wenn dann noch politische, soziale Unterstützung dazu kommt brennt das Haus.

    Kommentar by o.werner — 10. August, 2011 @ 15:42 Uhr

  2. Interessant ist, dass die Unruhen in China, Iran, den arabischen Ländern, Stuttgart und jetzt London alle mit “Handys” organisiert und koordiniert werden. Es scheint um die Beteiligung an Entscheidung und die Teilhabe an Macht zu gehen, gleich ob die Staatsform als Diktatur oder Demokratie etikettiert wird.

    Kommentar by es — 10. August, 2011 @ 18:33 Uhr

  3. Es wird Zeit, dass da mal besser kontrolliert wird.
    Bei einer Ausbildung “Systemischer Schutzmann” würden dann nicht nur Prinzipien von Crowdsourcing, Crowdscience e.t.c. sondern auch Bankrobbery in the cloud reflektiert.

    Kommentar by Max Liebscht — 10. August, 2011 @ 20:40 Uhr

  4. Schon in den 90er-Jahren organisierten sich bei Unruhen in Karachi die Massen per Handy. Reaktion der pakistanischen Regierung:
    Handynetze einfach abgeschaltet.

    Vermutlich hat die Staatsmacht auch noch andere Methoden im Köcher, um selektiv die Kommunikation einzuschränken.

    Interessant zur Zeit in Grossbritannien: im ganzen Vereinigten Königreich gibt es nur sechs (6) Wasserwerfer und die wurden noch nie ausserhalb ,Nordirlands eingesetzt.

    Das ist vielleicht die Fortsetzung des Prinzips des unbewaffneten Bobbys.

    Was ich nicht verstehe, ist die Kommentierung durch deutschen Poltiker, wie etwa z.B. im Tagesspiegel:

    [...] In der deutschen Hauptstadt kann sich die Berliner Sozial- und Integrationssenatorin Carol Bluhm (Linke) Krawalle nach britischem Muster nicht vorstellen: „Wir haben hier nicht eine solche soziale Spaltung wie in englischen Städten oder auch in den französischen Banlieues.“ Zwar gebe es auch in Berlin soziale Probleme; dennoch „wirken Integrationsmaßnahmen auf allen Ebenen“, sagt Bluhm. Ähnlich äußert sich Innensenator Ehrhart Körting (SPD). Die Situation in Berlin sei mit der in London derzeit nicht vergleichbar. „Auch wenn es hier zweifellos soziale Ungerechtigkeiten gibt, schafft es unsere Gesellschaft und unser sozialer Staat doch noch, die Leute aufzufangen und an der Gesellschaft teilhaben zu lassen“, sagt Körting.<<
    http://www.tagesspiegel.de/politik/europas-verlorene-jugend/4486172.html?p4486172=4

    Wer aufmerksam schaut, sieht gerade in Berlin soziale Spaltung und die Wirkung von Integrationsmaßnahmen scheint zu verpuffen.

    Wenn Sarrazin nicht mehr durch Kreuberg gehen kann, ist es wohl an der Zeit, sich mehr Gedanken zu machen als sich auf die Bereitschaftspolizei aller Länder und die Berliner Wasserwerfer zu verlassen.

    In Babelsberg stehen übrigens noch einsatzfähige Exemplare von 1968.

    Wenn es jedoch zu großen polizeilichen Lagen, ähnlich den Ausschreitungen von London käme, wäre nach den Worten des Innensenators die deutsche und auch die Berliner Polizei auf solche Lagen vorbereitet. „Die Bundesrepublik verfügt über eine hohe Polizeidichte, und außerdem gilt das System der sich gegenseitig unterstützenden Bereitschaftspolizeien der Länder und des Bundes, so dass bei Vorfällen dieser Art in Deutschland in kurzer Zeit Unterstützung von anderen Bundesländern und der Bundespolizei bereit stehen würde“, ist sich Körting sicher.<<

    Kommentar by duscholux — 11. August, 2011 @ 10:24 Uhr

  5. Hatten wir alles schon.
    Wenn die Schutzmänner keinen Auszahlungen bekommen bzw. für ihre Blüten im Supermark mit den eingeschmissenen Scheiben und stromlosen Kühltruhen auch nicht mehr zu beißen kriegen für ihre Brut, dann würde es sportlich.

    Kommentar by Max Liebscht — 11. August, 2011 @ 15:46 Uhr

  6. “So verkehrt sich, was das größte Glück dieser eurer Insel auszumachen schien, dank der ruchlosen Habgier weniger Menschen ins Verderben. Ist doch diese Teuerung der Lebensmittel einer der Gründe, weshalb ein jeder soviel Dienerschaft als möglich entlässt: wohin, frage ich, wenn nicht zur Bettelei oder, was ritterlichen Gemütern vielleicht besser eingeht, zur Räuberei?…So viel ist gewiss: solange ihr diese Übel nicht heilt, rühmt ihr euch vergebens eurer gerechten Strafen gegen den Diebstahl! Sie nehmen sich gut aus, aber gerecht und nützlich sind sie nicht. Denn wenn ihr die Menschen in jämmerlicher Erziehung aufwachsen, ihre Charakter von zarter Jugend an verderben lasst, um sie dann hinterher zu bestrafen…Ich bitte euch, was tut ihr anderes, als dass ihr selber sie erst zu Dieben macht und dann den Richter spielt?”

    Thomas Morus, nicht über die aktuelle Lage, sondern über die Zustände im England Heinrichs VIII.

    Kommentar by es — 16. August, 2011 @ 18:16 Uhr

  7. G. reimt sich immer wieder.
    Sind nun die Eliten im Rahmen erfolgreicher Emanzipation von den Ökologien so pervertiert oder die Kastenniederen einfach nur dämlich bis hin zur Schlachtbank für ausgemelkte Rindviecher?

    Kommentar by Max Liebscht — 24. August, 2011 @ 21:01 Uhr

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