Simons Systemische Kehrwoche

Intelligenz/Rationalität

Fritz B. Simon

Intelligenz lässt sich m.E. durch die Rationalität des Verhaltens definieren. Wie der Ursprung des Wortes nahelegt (von Lat. inter = “zwischen” und legere = “auslesen”), geht es dabei darum, eine Auswahl zu treffen zwischen unterschiedlichen Möglichkeiten. Abzulesen ist Intelligenz daher für den Beobachter eines Systems (das dieses System selbst sein kann) an dessen Verhalten abzulesen. Sei es, dass Denksportaufgaben gelöst werden, sei es dass Entscheidungen über die Luftverschmutzung getroffen – und umgesetzt oder nicht umgesetzt – werden. Und üblicherweise geht es, wenn Intelligenz nicht nur als Oberbegriff für diesen Selektionsprozess, sondern für das Ergebnis genommen wird (Unterscheidung; intelligent/unintelligent), um eine Bewertung (“bekoppt” vs. “weniger bekloppt” zum Beispiel).

Rationalität bezieht sich ebenfalls auf eine Unterscheidung bzw. – wie ebenfalls wieder die Wortherkunft nahe legt – auf ein Verhältnis zweier Größen: die zwischen System und Umwelt. Ob ein System sich in Beziehung zu seinen Umwelten rational verhält, kann es an deren Reaktionen ablesen. Wenn sie das Überleben des Systems gefährden oder die Qualität dieses Überlebens, so können sie als “nicht-rational” bewertet werden. Hier fungiert das System – welches auch immer – als Beobachter, der bewertet. Das geht natürlich nur, wenn es ein re-entry der System-Umwelt-Unterscheidung vollzogen hat und intern zwischen System und Umwelt bzw. der Wechselbeziehungen unterscheiden kann und zur Selbst- und Fremdbeobachtung fähig ist.

Luhmanns Definition von Systemrationalität ist hier ganz gut zu gebrauchen:

“Übersetzt man die Idee in eine kausaltheoretische Sprache, dann besagt sie, daß das System seine Einwirkungen auf die Umwelt an den Rückwirkungen auf sich selbst kontrollieren muß, wenn es sich rational verhalten will.” (Luhmann, 1984: 642)

(Ob der Ausgang der Klimakonferenz in Kopenhagen ein Beleg für Intelligenz ist oder nicht, werden wir an den Folgen ablesen können.}

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4 Kommentare

  1. Ja das leuchtet ein.

    Man kann davon ausgehen, dass im Grunde (also autopoietisch) ein Gleichgewichtsverhältnis von System/Umwelt angedacht und angestrebt ist, auch wenn aus unserer Beobachtung als psychische Systeme ( als der Umwelt jeglichen Systems (auch des eigenen)), Ausgleichung und Homöostase sich „von selbst“ aus sich selbst herstellen. Dabei ist es nicht immer gegeben, dass wir das, je subjektiv, auch erleben werden. Wie lange eine „Krise“ oder „Katastrophe“ dauert – liegt nicht unbedingt immer im Bereich des für uns subjektiv Überschaubaren, aber durchaus im Bereich des Machbaren…..

    Die Unterscheidung intelligent/unintelligent lässt sich einerseits als unsere je subjektive Unterscheidung ausmachen und spielt autopoietisch nicht unbedingt dieselbe Rolle, wie wir sie gern hätten. Das ist die eine Seite.

    Die andere aber ist, dass jeder Beobachter mit seinen Beobachtungen und Unterscheidungen in das System eingreift. Also Autopoiesis durchaus mit unseren intelligenten Handlungen im wahrsten Sinn des Wortes rechnet….

    Kommentar by Sylvia Taraba — 19. Dezember, 2009 @ 16:04 Uhr

  2. Unser Beobachten und Unterscheiden (Eingreifen) kann also rational oder irrational sein. Rational wäre aus meiner Sicht die Überzeugung, tatsächlich subjektiv eingreifen zu können; irrational ist für mich die Überzeugung, nur eine Marionette zu sein, die keinerlei Einfluss nehmen kann.

    Kommentar by Sylvia Taraba — 19. Dezember, 2009 @ 16:13 Uhr

  3. Wenn man nun wieder vom nicht freien Willen ausgeht, (z.B. weil aus der ersten Unterscheidung alles folgt, was der Fall ist), dann ist es rational, das zu tun, was man nicht lassen kann, und – so – immer schon den je möglichen Einfluss genommen zu haben. Irrational wäre dann, zu denken man hätte einen freien Willen und hätte es anders machen können, als so, wie man nicht lassen konnte, es zu tun.
    Autopoiesis now. Die Unterscheidung Vergangenheit /Zukunft das sind die Fern-Bezugspunkte der Konstruktion. Sie dienen dazu, dass daraus eine Erzählung gemacht werden kann..
    Die erste Unterscheidung, aus der alles folgt, was der Fall ist, treffen wir immer jetzt.
    Das, was wir uns jetzt erzählen, das ist der Fall. Also erfolgt unser “Eingreifen” und “Einflussnehmen” immer als augenblickliche Entscheidung, diese oder eine andere Unterscheidung zu treffen
    Davon ausgehend liegt der freie Wille immer im gegenwärtigen Augenblick. Und jeder muss tun, was in diesem Moment zu tun ist. Das ist unsere Verantwortung. Die Autopoiesis rechnet damit.

    Kommentar by Sylvia Taraba — 20. Dezember, 2009 @ 14:21 Uhr

  4. “Insofern sich die Sätze der Mathematik auf die Wirklichkeit beziehen, sind sie nicht sicher, und insofern sie sicher sind, beziehen sie sich nicht auf die Wirklichkeit.” (A. Einstein)

    Es gibt kein richtig und kein falsch. Es gibt nur zu früh oder zu spät. (aus “Poesie für Zyniker”)

    Kommentar by Max Liebscht — 20. Dezember, 2009 @ 18:42 Uhr

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