Simons Systemische Kehrwoche

Kinogangsgter

Fritz B. Simon

Was mich bei der Lektüre von Savianos “Gomorra” unter vielem anderen fasziniert hat, ist seine Analyse, wie das Kino – z.B. Film “Der Pate” – die kriminelle Szene verändert hat. So ist deutlich feststellbar, dass sich die Alltagssprache, die Kleidung, die Wahl der Waffen etc. im Milieu an der Darstellung im Film orientiert. “Padrino” – ein Begriff für Pate – wurde vor dem Film nicht verwendet, sondern “compare”. Nach dem Film war es “padrino” usw. Quentin Tarantinos “Kill Bill” war absolut kulturprägend etc….

Das Interessante an der Angelegenheit ist aus konstruktivistischer Sicht, dass man ja lange meinte, einen Film danach beurteilen zu können, ob er der Realtität gerecht wird. Jetzt wird die Realität daraufhin beobachtet, ob sie filmreif ist bzw. den dort verbreiteten Bildern entspricht. Nicht nur zirkulär, sondern wahrscheinlich selbstverstärkend, dieser Prozess…

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2 Kommentare

  1. Sind ähnliche Phänomene nicht auch in anderen Bereichen zu beobachten? Als seinerzeit (ich weiß nicht mehr wann, aber es war wohl vor etwa 40 Jahren) die ersten Punks in den Medien in Erscheinung traten, führte ihr schrilles Auftreten sofort zu einer massenhaften Nachahmung in den Städten der ganzen westlichen Welt. Trotz (oder wegen) Negativimage bei den Massen. Die Medien transportieren, was “in” ist, und wer dazu gehören will, kleidet sich, schminkt sich, spricht, lacht, singt usw. wie diejenigen, die den neuen Trend prägen. In Berlin gibt es deutsche Jugendliche, die – der prägenden Mehrheit folgend – mit türkischem Akzent sprechen, um dazu zu gehören. Wie ist wohl mit der Auswirkung von Gewalterscheiunungen, wie sie in den allgegenwärtigen Fernsehkrimis und im Kinofilm zum Ausdruck kommen? Die Brutalität nimmt zu (die Dosis steigt) und die Verbrecher werden der Fantasie der Filmemacher folgen. Eine ziemlich bedrückende Vorstellung! Morgen jährt sich der Amoklauf von Erfurt. Und was hat er seitdem ausgelöst!

    Kommentar by Horst Kasper — 25. April, 2010 @ 10:48 Uhr

  2. “Life is stranger than fiction.”
    Wenn wir dem Fictiven mehr Aufmerksamkeit widmen denn dem, was schon “real” ist, so besteht gerade bei den Visionen, die primitiver angelegt sind als das Gegebene, erhöhte Wahrscheinlichkeit,
    dass sie “wahr” werden.

    Fakt ist inzwischen, dass die Kids mitsamt ihren Familien durch die Medien an 1. Stelle bestimmt, ja “erzogen” werden und dann erst durch Schule e.t.c.
    Eine Gemeinschaft, die ihre Propaganda den martwirtschaftlichen Möglichkeiten einer Nachfragesituation von schlechtem Geschmack an asozialen Vorbildern unterstellt, degeneriert zwangsläufig.

    Kommentar by Max Liebscht — 26. April, 2010 @ 22:08 Uhr

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