Klitschko vs. Haye
Fritz B. Simon
Boxen gehört nicht zu meinen favorisierten Sportarten. Und ich bin auch kein Fan der Familie Klitschko, obwohl sie ja von ganz Deutschland adoptiert zu sein scheint. Aber ich habe auch nicht wirklich etwas gegen die beiden.
Was mich am Boxen interessiert, ist die Faszination, die es offensichtlich auf das Publikum ausübt. Hier zeigt sich etwas Archaisches: die Inszenierung des Überlebenskampfes – Mann gegen Mann – das Duell, die Hoffung (oder Befürchtung?), dass der Stärkere gewinnt, die kollektive Angst, ein paar in die Fresse zu bekommen, oder auch die Identifikation mit dem, der dazu in der Lage ist, seinen Gegner zu vermöbeln – die Grundlage guten Entertainments (vgl. auch die Freude am Krieg – wenn er nicht zu lange dauert und man nicht selbst dabei ist)…
Spannend war gestern beim o.g. Weltmeisterschaftskampf die Phase vor dem Kampf. Erstens gab es ein paar taktische Show-Spielchen, die den Zuschauer im Ungewissen lassen sollten, ob der Engländer nicht vielleicht die Flucht ergriffen haben könnte (er erschien nicht pünktlich zum Kampf, trotz 150 angeschlossener Fernsehsender – was ich ja erst mal sympathisch fand), und dann wurden, zweitens, noch kleine Filmchen eingespielt, die auf das genannte archaische Muster verwiesen (wahrscheinlich um den Geschäftscharakter der Veranstaltung des ganzen Events zu verhüllen oder darüber weg zu trösten).
Der eine, der Engländer, sagte: “Ich werde ihn bestrafen”, und der andere (Klitschko) war ganz die Theatralik: “Er hat meine Ehre beleidigt, meine Familie, ich werde mich rächen!”
Offenbar ist Zivilisation zu langweilig, so dass immer wieder solche urzeitlichen Prüfungen inszeniert werden müssen…
4 Kommentare
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Unterscheidung ist perfekte Be-Inhaltung
oder:
split screen:
http://vimeo.com/25451551
Kommentar by es — 3. Juli, 2011 @ 14:12 Uhr
Besonders eindrucksvoll: Gewaltfreie Kommunikation – angewandt von einem, der sehr wohl in der Lage wäre, ziemlich gewalttätig zu werden.
Eine hübsche Variation des Prinzips “Sieg ohne Kampf”.
Im Hinblick auf Claire Graves Spiral Dynamics besteht die Ironie des Lebens vorzüglich darin, einen gelegentlich daran zu erinnern, dass man – so schön es auch sein mag, einer der höheren, aber eben leider auch verletzlicheren Kulturstufen anzugehören – man auch im Stande sein und bleiben muss, mit den Vertretern bodenständigerer Kulturstufen tit for tat um den Ring zu kommen. Ansonsten kommen die Barbaren einem dumm und holen Einen herunter vom hohen Ross der ach so differenzierteren Wertehorizonte. Leitkultur adé.
Vermutlich ist das einer der sozialedukativen Aspekte dieses Herumgeklitsches: “Gleichwohl Du es soweit gebracht hast, die die Tür Deines Kühlschrankes freihändig bedienen und MoPo von BILD unterscheiden zu können, bedenke oh Kulturträger, dass Du Dich wappnen möchtest für den Fall, dass die Afghaner eines Tages auf die unschöne Idee kommen sollten, irgendwo bei uns zwischen Parkhaustür und Kühltheke ihre Heimat verteidigen zu wollen.”
Kommentar by Max Liebscht — 4. Juli, 2011 @ 13:47 Uhr
Warum läßt du dich darauf ein, solche Prügeleien “Sport” zu nennen, bei denen sich Menschen gegenseitig in Gesicht und Bauch schlagen, bis sie umfallen? Ich kenne keine Sportart, wo Menschen sich vorsätzlich verletzen.
Kommentar by Lou — 4. Juli, 2011 @ 21:29 Uhr
“Ich [Lou] kenne keine Sportart, wo Menschen sich vorsätzlich verletzen.”
Fussball!! Vielleicht regelwidrig, aber doch vorsätzlich.
Kommentar by duscholux — 4. Juli, 2011 @ 22:47 Uhr