Simons Systemische Kehrwoche

Kommunikation = Unter-Haltung?

Fritz B. Simon

Ist das wirklich so? Kommunikation = Unter-Haltung? Im besten Falle, wahrscheinlich: ja. Man kommuniziert und stellt am Abend, nachdem die Gäste weg sind, fest: Es war ein unterhaltsamer Abend, anregend, inspirierend, und keine verlorene Zeit, d.h. nicht langweilig. Also umgekehrt stimmt die Formulierung ja auf jeden Fall: Unterhaltung = Kommunikation.

Aber es passt ja auch wirklich im umgekehrten Sinne. Es bedarf der Kommunikation, um seinen Unterhalt zu sichern. Unterhalt leitet seine Bedeutung tatsächlich, wenn man den etymologischen Wörterbüchern glauben darf, von “stützen”, “darunter halten” o.Ä. ab. Das passt, wie ich finde, gut zur Definition von Kommunikation, die Humberto Maturana liefert, und die gefällt mir eigentlich am besten. Denn er definiert Kommunikation durch ihre Funktion, die er in der Koordination von Verhalten sieht. Und Sprechen bzw. der Gebrauch von Sprache (“Languaging”) ist für ihn dann die Koordination der Koordination von Verhalten.

Um seinen Unterhalt zu sichern muss man sich verhalten. Und eigentlich muss man auch das soziale System als dessen Teilnehmer von seinen Unterhalt findet am Leben erhalten. Unterhaltung erhält soziale Systeme, manchmal schafft es sie auch erst.

Das ist nicht die Luhmannsche Definitiion von Kommunikation, soweit sie bei den Selektionen von Information, Mitteilung und Verstehen durch die Teilnehmer an der Kommunikation ansetzt (obwohl dabei natürlich auch Verhalten koordiniert wird). Die Bewältigung des Problems der doppelten Kontingenz scheint mir eher in die Richtung zu weisen, die auch Maturana vorschlägt.

Ich mag Maturanas Sicht so gern, weil sie herrlich konkret ist und jedermann verständlich gemacht werden kann. Es geht beim Kommunizieren, mit anderen Worten, nicht darum, Informationen mitzuteilen und zu verstehen (vom Transportieren ganz zu schweigen), sondern die Teilnehmer an der Kommunikation soweit ruhig zu stellen, dass sie sich in ihrem Verhalten nicht ins Gehege kommen (oder umgekehrt: zu beunruhigen oder gar den Konflikt zu provozieren, die Auseinandersetzung usw., was ja auch immer Auswirkungen aufs Verhalten hat).

Wenn man einen Bekannten trifft und ihn fragt, wie es ihm geht, so erwartet man nicht, dass er seine Krankengeschichte erzählt, und wenn man ihm zum Abschied “Alles Gute” wünscht, so ist das auch nicht wörtlich zu nehmen (denn manches Gute will man vielleicht ja für sich behalten). Der Wunsch dient als Beschwichtigungsformel, wie all die anderen Formeln der Konvention, die “gutes Benehmen” ausmachen. Und das gilt auch für nicht-verbales kommunizieren: Man versichert sich des gegenseitigen Wohlwollens, indem man sich die Hand gibt und damit zeigt, dass man keine Waffe in der Hand hält usw. Man beginnt einen Brief mit “Sehr geehrte(r)…”, auch wenn man den Betreffenden für einen unehrenhaften und verachtenswerten Strolch hält, aber dies nicht zum Thema machen will…

Was mir an Maturanas Definition besonders gefällt, ist, dass sie beim Verhalten anfängt, das für unterschiedliche Beobachter beobachtbar ist, und nicht bei den unterstellten Zuschreibungen von Information, die durch die mitteilenden oder verstehenden Teilnehmer an der Kommunikation vollzogen werden (was nicht zu beobachten ist). Denn so lernen wir ja wahrscheinlich alle unsere Muttersprache: Wir unterscheiden Verhalten und interpretieren (=verstehen) es als Mitteilung irgendwelcher Informationen. Aber rein sinnlich wahrnehmbar ist erst einmal nur das Verhalten. Und dann richten wir unser eigenes Verhalten danach. Auf diese Weise kommt es zur Koordination des Verhaltens unterschiedlicher Akteure (z.B. Mutter, Kind, Vater etc.) und aus Interaktion wird so Kommunikation.

Wenn man Texte produziert (hier z.B.), dann beteiligt man sich an der potentiellen Koordination von Verhalten. Sie sind als Einladungen zur Koordination von Verhalten zu verstehen. Wer sie liest, nimmt diese Einladungen an. Und wenn man sich auf diese Weise perturbieren/irritieren (= anregen/stören) lässt, so besteht stets die Gefahr/Chance, dass man sich eine Meinung bildet.

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17 Kommentare

  1. Ich habe mich ja nun hier wirklich schon bemüht, Ihnen das zu erklären, dass diese Idee, dass es so etwas Kommunikation gäbe, eine ziemlich fixe Idee ist. Worum es geht, das ist Resonanz (Strukturaspekt) und Lernen (Prozessaspekt). Wenn Sie hier so zu tun versuchen, als ob Sie kommunizieren könnten bzw. wollten, stellen Sie im Grunde die Frage, inwieweit Sie noch am Leben sind. Unterhalten also eher im Sinne von sich bei jemand, einer community unter halten bzw. einhalten: Bin ich noch dabei und Ihr noch mit mir? Oder muss ich schon etwas lauter nach “mehr Licht!” rufen? Dass Sie bzgl. Erleuchtung nun eher auf einen Biologen als auf einen Beamten hoffen, bedeutet immerhin, dass Sie gewisse Fortschritte machen.

    Kommentar by Max Liebscht — 6. Dezember, 2009 @ 11:47 Uhr

  2. Übrigens ist heute Nikolaus.
    Da gewesen, mein ich?

    Kommentar by Max Liebscht — 6. Dezember, 2009 @ 11:49 Uhr

  3. Lieber Fritz,
    dann will ich doch mindestens für die Berliner hier eine moderne Form der Kommunikation weitergeben, die es sich zum Ziel gemacht hat: “Wir können die Welt ein Stück besser machen. Jetzt bitte für den kleinen Blumenladen an der Ecke spenden. (http://bit.ly/7Ii8fH)”
    iss ja Nikolaus

    Kommentar by Ingo Scholz — 6. Dezember, 2009 @ 15:54 Uhr

  4. Lese gerade mit Vergnügen Ihr (hoffentlich in mehrfacher Hinsicht unterhaltsames) Buch “Radikale Marktwirtschaft”. Im Grunde ist da wohl alles schon gesagt. Wer handelt, der handelt. Oder führt es am Ende doch noch etwas weiter, zwischen Verhalten und entscheidungsbestimmtem Handeln systematisch zu differenzieren?

    Wenn eine innere Einstellungsänderung infolge Interpretation erfolgt, so muss diese verkörpert werden. Egal, inwieweit der Interpret sich dessen bewußt sein mag oder nicht, geht die Unterschiedsbildung als für andere eindrucksvolles Signal in den Diskurs/Tanz ein – schlicht weil die Verkörperung zur Selbstverständigung unentbehrlich ist. Einem geübteren Beobachter mag eine Einstellungsänderung aufgrund des ungewohnten Verhaltens vom anderen eher bewußt werden als einem ungeübteren Beobachter, der sich unreflektiert beeindrucken läßt…

    Die Gesellschaft eignet sich das Individuum an und das Individuum eignet sich die Gesellschaft an. Womöglich macht es Sinn, zu unterscheiden, von wo aus man gerade seine so-als-ob-Konstruktionen vornimmt.

    Aus der Sicht der Gesellschaft kann man sich zunächst auf den Aspekt der Form der Struktur konzentrieren. Die Fokussierung auf konkretes, mehr oder weniger formgebundenes Verhalten “reicht”, um bspw. Sanktionen oder Gratifikationen zuzuweisen.
    Nun stehen (und schauen) wir aber alle nicht nur auf Seiten der Gesellschaft, wie sehr wir uns das via als-ob auch einbilden mögen und wie sehr das die auszuhandelnden Fragen auch verübersichtlichen mag.

    Aus der Perspektive des Individuums interessiert stärker der Prozessaspekt; Lernen. Es möchte sich die Spiele der Gesellschaft aber nicht nur aneignen sondern die Kultur der Gesellschaft auch mitgestalten. Aus dieser Perspektive, interessieren Interpretationen, Verstehensleistungen (allerdings ebenfalls über die unvermeidliche Verkörperung), e.t.c. welche infolge Selbstgewahrsamkeit zugänglich erscheinen.

    Womöglich ist es von daher nützlich, diese beiden Perspektiven, also die Identifikation mit dem WIR und die mit dem konstruierten und immer wieder zu aktualisierenden ICH auseinanderzuhalten bzw. sorgfältiger Buch zu führen, wenn die Ebenen der Struktur-Konstellation gewechselt werden. Anläßlich solcher Reflektionen meine ich, dass sich ein gewisser Bedarf nach einer Systematisierung systemischer Perspektiven abbildet.

    Kommentar by Max Liebscht — 7. Dezember, 2009 @ 09:14 Uhr

  5. Verhalten ist genauso entscheidungsbedingt oder nicht-entscheidungsbedingt wie Handeln. Es ist dasselbe: “man” trifft eine Unterscheidung….ob “aktiv” oder “passiv”….”Ich” – “verkörpert” als Grenze.

    Ein Unterscheidung, die hier immer zu treffen ist, ist die, ob wir “psychologisch”, “strukturell”, “sozial” usw. usf. unterscheiden, – Tatsache ist, eine Unterscheidung ist immer eine Konstruktion in der Umwelt der Unterscheidung von System/Umwelt. Wir unterscheiden immer jetzt. Also kein Lernen. Wir kommunizieren immer jetzt – in Übereinkunft der Anschlussmöglichkeiten – so kreieren WIR gemeinsam System und Umwelt….Das Ich ist die (jeweilige) Grenze, das Du das “Andere”, das Wir (hier) das Dritte – eine rekursive Triade

    Kommentar by Sylvia Taraba — 7. Dezember, 2009 @ 14:15 Uhr

  6. “Ich” – verkörpert als Grenze.
    Zeichen verkörpert als Grenze. D’accord.
    Aber bei dem “wir unterschieden immer jetzt” komm ich nicht mit.
    Unterscheiden verändert doch. Wir lernen unvermeidlich.
    Und nicht nur wir. Auch der Kaffeelöffel in der Tasse (Gravitation bspw.) bildet Gedächtnis, memoriert und vergißt und auch die kränklich blasse Frau, die gleich wieder im Nachbargarten erscheinen wird mit der Zigarette inklusive Hund.
    Wir können uns im sozialen Sinne halbwegs ungestraft einbilden, wir könnten ein sog. System diskrimnínieren. Im ökologischen Sinne ist das unhaltbar. Weil Grenze eben auch Verbindung ist.
    Wir können den einen Aspekt betonen und den anderen. Betonung der Grenze ermöglicht zu sprechen und rechnen. Betonung des Aspektes der Verbindung ermöglichst Einfälle, Ergriffenheit, Staunen, Bewegung e.t.c.

    Was Sie über ICH, DU und WIR schreiben, erinnert mich an die vier Quadranten von diesem Ken Wilber, auf die ich hier paarmal zaghaft aber bislang resonanzlos hingewiesen hab. Ist das korrespondent?

    Kommentar by Max Liebscht — 8. Dezember, 2009 @ 09:43 Uhr

  7. Es gibt keine Zeit – es gibt nur ein Jetzt – wir unterscheiden immer jetzt. Unser Gehirn, dieses Wunderding, hat -je nach Kultur, Kontext und subjektiver Konstruktion – , ALLES dabei, was es benötigt, um an Alles, was der Fall ist, jetzt reell unterscheidend anzuschließen. Das ist meine Interpretation des Imaginären der Gesetze der Form

    In meinem Buch “Das Spiel, das nur zu zweit geht” dient eine logologische Quaternio bestehend aus vier Triaden (Graphiken im Anhang), die sich fallweise isoliert betrachten lassen, als Vorstellungshilfen, wie Ich/Du/WIR/Geist – rekursiv operierend – strukturell gekoppelt sind.

    Kommentar by Sylvia Taraba — 8. Dezember, 2009 @ 12:21 Uhr

  8. …zur Unter-Haltung von Welt – das heißt: der gemeinsamen Konstruktion “Welt” als Unterhalt dienend

    Kommentar by Sylvia Taraba — 8. Dezember, 2009 @ 12:23 Uhr

  9. ….die Betonungen, Grenzen, Verbindungen – sind Unterscheidungen, die wir treffen. Wir bewegen uns mit unseren Unterscheidungen auf den diversen theoretischen, fachlichen, praktischen usw. Ebenen 1. und 2. Ordnung. Selten, nur bei momentaner Erleuchtung: 3. Ordnung. Diese Ebenen sind nur Unterscheidungshilfen – es gibt sie nicht. Eine Unterscheidung (Existenz) ist, was das Ding ist, was es nicht ist und die Grenze dazwischen….

    Kommentar by Sylvia Taraba — 8. Dezember, 2009 @ 12:28 Uhr

  10. “Es gibt keine Zeit” … “nur ein Jetzt”, “meine Interpretation des Imaginären der Form”. Dadurch dass wir einige sozial übliche Konstruktionen radikal zusammenkürzen gewinnen wir Übersicht über die uns zugänglichen Zusammenhänge diverser Welten. Zeitlosigkeit gibt es in meiner bescheidenen “Kosmologie” zwar auch … ich bringe sie auf die Formel x(t1)+ x(t2) = x(t0) und meine damit die Relativierung von Zeiterleben, Synchronizität, die sich in dem Maße ergibt, als zwei Strukturen zueinander in Resonanz gehen. Wenn Sie mit jemandem tanzen z.B., der einigermaßen das Pacing hinbekommt, bevor er seine annähernd 50% Führungsansprüche einzulösen sucht. Zeit und Raum um sie herum scheinen bedeutungslos zu werden, das Zeiterleben verändert sich, sie bilden – für Beobachter von aussen eindrucksvoll zu betrachten – gleichsam ein Universum für sich mit eigener Zeitrechnung.

    Aber auf Zeit verzichten, so wie Sie das vorzuschlagen scheinen? Nee, als Psychofritze sind für mich Lernen, Assimilation, Akomodation von essentiellem Interesse, sei es, dass es um die Restrukturierung der Copingstrategien von Persönlichkeitsanteilen, ihren mehr oder weniger integrierten Verbänden oder um die Degenerationsprophylaxe von Teams oder Institutionen geht. Vielleicht, dass sich der Unterschied daher ergibt, dass die philosophische Betrachtungsweise es sich leisten kann die Zusammenhänge zweckfreier und daher unvoreingenommener zu rekonstruieren (deuten)?

    Aber Philosophie hin und Psychologie her – mir erscheint es auch im allgemeineren Sinn als nützlich, davon auszugehen, dass alles, was irgend ist, über Gedächtnisfunktionen verfügt, genauer: Gedächtnis ist, dadurch es mitschwingt e.t.c. Zu diesen quasi zeitgebundenen Funktionen gehört neben dem Memorieren infolge struktureller Veränderung eben auch das Vergessen infolge Überlagerung, weissem Rauschen e.t.c.
    Dass nun bspw. Ihr Schneidezahn oben links in den meisten Begegnungen etwas eingeschränkter resonanzfähig ist, kann man von ihm in den entsprechenden Situationen auch nicht allzuviel als Erinnerungsleistung erwarten. Aber bspw. bei einer Ameise oder Herrn Meier von nebenan kann man ansatzweise schon ein spezifischeres Erinnern voraussetzen – bspw. in Begegnungen, zu denen es eine gemeinsme Vorgeschichte gibt. Bei dem mit Spray attaktierten Müller mehr, bei der gleichermaßen behandelten Ameise weniger. Daher rührt andererseits auch der autopoeitische Eigensinn dieser Strukturen.

    Ich komme leider nur flüchtig dazu, mich auf derlei Überlegungen einzulassen – aber irgendwann muss ich das wohl doch mal durchdenken. Da werd ich auch noch mal zu Ihrem Buch greifen.

    Kommentar by Max Liebscht — 9. Dezember, 2009 @ 09:18 Uhr

  11. Die Typentheorie (Russel/Whitehead) erlaubt eine Unterscheidung von logischen Ebenen.
    Zeit ist eine Beobachtung bzw. eine Unterscheidung auf der Ebene 1. Ordnung.
    Eine solche Unterscheidung treffe ich als Unterscheider(in) immer augenblicklich Jetzt – also in der Nicht-Zeit.
    Psychologie, Lernen, Assimilation, Akkomodation, sind Unterscheidungen in der Zeit, und mittels der Unterscheidung von Zeit.

    Ich schlage NICHT vor auf Zeit zu „verzichten“ – das ist gar nicht möglich. Nicht nur, weil es keine Zeit gibt, sondern weil ohne die Unterscheidung von Zeit EXISTENZ nicht möglich ist. Sein in Vergangenheit/Gegenwart/Zukunft ist die Bedingung der Möglichkeit von Existenz. Indem wir Unterscheidungen treffen, besonders natürlich die von gestern/heute/morgen, erzeugen wir überhaupt erst Zeit. Sie ist für Existenz (Das So-als-ob) nicht einfach nur „nützlich“, sondern logisch notwendig. Die klassische Logik – das Nützliche der Sprache – erzeugt Existenz.

    Memorieren (Gesetz des Nennens) und Vergessen (Gesetz der Aufhebung) sind die Gesetze der Form – das ist der autopoietische Eigensinn dieser Strukturen auf der Ebene 1. Ordnung. Auf der Ebene 2. Und 3. Ordnung kann ich diese beobachten und nach philosophisch-theoretischem Bedarf relativieren… wie ich auch durch die Quanteninformation (2. u. 3.Ordnung) die klassische Physik (1. Ordnung) relativieren kann, selbstredend ohne diese aufzuheben: wie gesagt, ohne Unterscheidungen 1. Ordnung keine Existenz.

    Philosophie und Quantenphysik, sind den anderen Wissenschaften insofern „übergeordnet“ als diese durch jene beiden überhaupt erst (auf den Ebenen 2. Und 3. Ordnung) beobachtbar werden…. so kurz und so gut….

    Kommentar by Sylvia Taraba — 9. Dezember, 2009 @ 19:19 Uhr

  12. Oh Gott – wenn ich hier von “Philosophie” rede, rede ich natürlich von der Mathematischen Logik ausgeführt in den Gesetzen der Form (Spencer Brownsche Algebra und Logik der Imaginären Zahl i) und von der Hegelschen Logik, welche die Paradoxie als Lösung des Ant…inomienproblems nimmt

    Kommentar by Sylvia Taraba — 9. Dezember, 2009 @ 19:27 Uhr

  13. So kann ich das gut einordnen.

    “Systemisches Mangement ist Management mit System”
    Systemische Beratung und Therapie ist B&T mit System u.s.w.
    Wenn ich davon spreche, dass ich noch Systematik zur Handhandbarkeit systemischer Zusammenhänge vermisse (und ein Versprechen solches zu liefern müssen ihren auf irgendeinen Mehrwert erpichten Kunden auch Baecker & Friends machen) so meine ich das: Kenntlichmachung;
    a)aus welchem Kontext, für welche Perspektive ich zu sprechen mir anmaße und
    b) welche Dimensionen mehr oder weniger selbstbewußter Phänomene ich dabei fokussiere, in behauptete Beziehung zu setzen.

    In letzterem Sinne chargiert die “existenzialistischste aller Disziplinen” Mathematik und Logik wohl vor der Physik, diese vor der Chemie, diese vor der Biologie, diese vor den Sozialwissenschaften, diese vor den Geisteswissenschaften, bis hin zu den mehr oder weniger systematischen “Wissenschaften” des Imaginären, menschenmöglich Vorstellbaren an Zweifeln können und Vertrauen (Glauben müssen).

    Dieses systemische Selbstbewußtsein und Vermerken unserer Ausgangspunkte und Prämissen verlangt zunächst immens Disziplin, will mir scheinen. Befleißigen wir uns dessen aber nicht, riskieren wir Degeneration bis dahin, dass ein vergeichsweise primitiveres Konstruktsystem die Power bekommt, uns samt verkünstelter Komplexität wie nebenbei wegzuputzen. Wir generieren als Kultur, Kunst, Religion (wie bspw. Kapitalismus) keine aktuell viable Antwort mehr auf ökologische Fragen, weil unserer Fundus möglicher Antworten den Motten zum Fraß geworden ist.

    Das Geschichtsbewußtsein der neuen Generation künftiger Afganisthanveteranen, die Erinnerung an den Reichtagsbrand oder die Zusammenhänge des schwarzen Freitags, sind nur ein paar Beispiele dafür, dass die Masse der Gesellschaft hinsichtlich ihrer kulturellen Gewordenseins ausgesprochen dementielle Züge aufweist. Das schreit nach Lernschleifen, in denen die Kuturgemeinschft die geschichtlichen Lektionen von damals noch einmal repetiert.

    Kommentar by Max Liebscht — 10. Dezember, 2009 @ 09:04 Uhr

  14. Den Kontext dessen, was Konstruktion ist, setze ich hier als kenntlich gemacht voraus (Beobachtung 2. Ordnung) und natürlich – aus Spencer Brownscher Sicht – das entsprechende Selbst-Bewusstsein (Beobachtung 3. Ordnung).

    Geschichtsbewusstsein, Lernen und nun Ökobewusstsein sind Fragen der Kybernetik 1. Ordnung, – beobachtbar auf der Ebene 2. Ordnung ((Systembewusstsein, Lernbewusstsein) – und werden ständig neu verhandelt….

    Kommentar by Sylvia Taraba — 10. Dezember, 2009 @ 10:02 Uhr

  15. Glaube nicht mehr zweifeln zu müssen,
    verstehen zu können also.
    Wie es gemeint ist.

    Kommentar by Max Liebscht — 10. Dezember, 2009 @ 12:32 Uhr

  16. Oh, da waren Sie ja eh schon einmal so weit.

    Kommentar by Sylvia Taraba — 10. Dezember, 2009 @ 18:44 Uhr

  17. Für mich stellt sich einfach auch die Frage nach der Anwendbarkeit und dem praktischen Nutzen bspw. für ein Handlungs- und Entscheidungsspielräume erweiterndes Verständnis von Lernen und Führung. Dass sich Grundlegendes ableiten läßt für Verantwortungsvergewisserung okay, aber darüber hinaus scheint mir diese Differenzierung nicht viel mehr herzugeben(?)
    Da komm ich ja selbst mit den asbachuralten 4 Grundformen des Lernens weiter. Bzgl. der Kritker monieren, dass die ersten, also Konditionieren streng genommen gar kein Lernen seien.

    Vgl. vielleicht auch noch mal:
    http://www.inke-jochims.de/system.html

    Und wie sich gar eine Kategorie wie Wille mathematisch rekonstruieren lassen soll, also da fehlt mir wohl einfach die mathematische Phantasie.

    Kommentar by Max Liebscht — 11. Dezember, 2009 @ 15:05 Uhr

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