Simons Systemische Kehrwoche

Koreanischer Familiensinn

Fritz B. Simon

Kim Jong Il ist tot. Er war der geschäftsführende Gesellschafter von Korea. Ich erinnere mich noch gut an seinen Vater, Kim Il Sung. Der hat bereits 1948 Korea billig aus der Konkursmasse Japans – wenn ich das recht erinnere – erworben, das Anfang der 40er Jahre durch eine vollkommen verfehlte Expansionspolitik einige feindliche Übernahmen vollzogen hatte, die allesamt rückabgewickelt werden mussten.

Jetzt kommt also die dritte Generation an die Macht und übernimmt den Laden. KimJong Un, einer der Enkel des Firmengründers, wird Nachfolger seines Papas.

Dass Korea eigentlich pleite ist, scheint diesen Nachfolgeprozess nicht zu stören. Das zeigt deutlich, dass es sich eben nicht um ein Familienunternehmen handelt. Denn solch ein Unternehmen hätte nicht bis heute überleben können, ohne einen Markt, auf dem es irgendwelche Produkte absetzen kann, um Einnahmen zu generieren, die dafür sorgen, dass die Mitarbeiter (Bürger) genug zu essen kaufen können usw. Bei einem Unternehmen, das seine Arbeiter und Angestellten nicht bezahlt, würden die Leute die Flucht ergreifen… usw.

Dieser schüchterne Vergleich möge deutlich machen, dass Staaten eben ziemlich anders funktionieren als Unternehmen. Im Falle Koreas würden mir wahrscheinlich auch all diejenigen zustimmen, die sonst gerne Nationen wie Unternehmen gesteuert sehen wollen. Aber die Unternehmens-Metapher stimmt für Nationen nie. Deswegen sind erfolgreiche Unternehmer und Manager auch so gut wie nie gute Politiker. Und Politiker, die sich zu nah mit Top-Leuten aus der Wirtschaft umgeben, laufen Gefahr, sich an falschen Modellen zu orientieren…

Neben all dem ist hier natürlich noch mal zu betonen, dass solch ein dynastisches Modell der politischen Führung, wie es in Korea praktiziert wird, mittelalterlich ist, keine Zukunft hat und sicherlich bald auseinander knallen wird.

Wetten werden wieder einmal angenommen…

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4 Kommentare

  1. Angesichts dieser – wieder mal zum Himmel schreienden – politischen Naivität halte ich selbstverständlich dagegen! Feudalistische Modelle bekommen Konjunktur.

    Infolge Globalisierung – oder wie auch immer man diese Form von Metastasenbildung nennen mag – regrediert das Modell des eurokanischen Kapitalimus. Verfall materieller Werte kann zwar durch Masse, sprich: Ressourcenverheizung noch ausgeglichen werden. Wenn die erbeutbaren Ressourcen weiter abnehmen und es bei den Basics zu Ärger, sprich Verteilungskämpfen annähernd gleichstarker Kleinstaaten (Konzerne) kommt, wird es nicht nur für Krethi und Plethi vor ihren Surroundmattscheiben ungemütlich. “Programmänderung!” Die Predigten der Politpharisäer treten getrost in den Hintergrund, denn die Kleinstaatenfürsten heuern ihre Samurai an und die Verwüstung der Ressourcen potenziert sich.

    Für das Symptom des Verfalls kultureller Werte gibt es schon jetzt keinerlei Ausgleich bzw. Ausreden. (“Der Zweck heiligt die Mittel.” und dgl. Rhetorik; Vgl. Horst Köhler) Hier sind die Ressourcen schon längst aufgebraucht. Der Zynismus von dem Sloterdijk in seinem Sturm und Drang einst schrieb, ist Kulturstandard für die ziemlich breite Masse geworden. Der Vorteil der Geisteshaltung des Zynismus ist; er verpflichtet zu nichts. Im Hinblick auf das pädagogische Potential erweist sich diese kulturell unterstützte Degeneration von Mitgefühl, Gemeinschaftssinn und Verantwortungsbereitschaft als gravierender Nachteil. “Mobilisierung wozu?” (in Ergänzung zu Herrn Baeckers bekanntem Zyklus). Man mag über die versprochenen Jungfrauen im Jenseits lachen solange man nicht selbst mitexpodiert. Immerhin aber sind die Kämpfer für die Märchen aus 1001 Nacht aber bereit, sich ehrenamtlich zu engagieren. Ohne Moos lassen sich die Blüten unserer Schöße hingegen noch nicht mal dazu motivieren, sich fortzupflanzen geschweige irgendwelche nicht mit ihnen vorher abgesprochenen Generationenverträge einzulösen. Folge des gefühlten Bankrotts der moralischen Werte verblödelt die Hoffnung der Kultur; die Jugend wird unfruchtbar, kann im Vergleich zu Vertretern “primitiverer” Kulturgemeinschaften schlechter arbeiten, schlechter kämpfen – nicht nur im Sport. So haben wir nach dem Verfall der moralischen und dem Verschleiß der materiellen Werte nichts mehr aufzubieten. Während die Wagenrennen und Gladitorenkämpfe noch laufen, drängen die Vandalen längst herein. Ein Glück alles in allem, schlimmer wär, es interessierte sich gar keiner mehr für uns taube Nüsse. Von daher: Korea, das ist die Zukunft.

    Kommentar by Max Liebscht — 19. Dezember, 2011 @ 20:44 Uhr

  2. Ich wett das gleiche, vielleicht findet sich ein Gegen-Partner? Man fragt sich schon, woher diese fatale Attraktivität für die schiefe Metapher sich erklären könnte. Lotsen verlassen Schiffe (Bismarck, Schmidt), und Kapitäne regieren Konzerne – schon hat man die Nähe. Ein Heldenmodell, das seine Vorbilder realistischerweise nicht mal aus der alten Ilias holen kann. Darin lese ich grad mal wieder – worum man sich so alles streiten kann.

    Kommentar by Matthias Ohler — 19. Dezember, 2011 @ 23:55 Uhr

  3. Bei diesem “koreanischen Familiensinn” http://youtu.be/pSWN6Qj98Iw kann man auf den häretischen Gedanken kommen, die seien alle bei Hellinger zu einem Aufstellungs-Workshop gewesen…

    Aber vielleicht ist in einer Diktatur wie Nordkorea dieser Anlass die einzige Chance, öffentlich Wut und Elend – wie die mit den Fäusten auf den Boden schlagen(!) – zum Ausdruck zu bringen?
    Ich wette auch auf koreanischen Frühling plus Nord-Süd-Hochzeit.

    Kommentar by Far — 20. Dezember, 2011 @ 09:35 Uhr

  4. Soweit hat es der Ratzinger immerhin noch nicht gebracht.

    Hellinger verabsolutiert, dass wir uns trotz schlappen paar tausend jahren Zivilisationsgeschichte sozial wie Hordenmenschen orientieren und Tendenzen zu Sklavenhalterei, Feudalimsu, Bürokratismus e.t.c. in uns tragen als Maßstab für uns und andere. Damit hat er, das darf man ja duchaus mal sagen – Recht. Wir sind auch so. Aber wir sind nicht nur so. Das bekannte “Mich interessiert nicht wer Du bist, sondern wer Du sein könntest.” kommt hier etwas zu kurz. Im Hinblick auf Historischen Materialismus bzw. Spiral Dynamics (bspw. in Kontrast zu Baeckers Zivilisationsgeschichte als Mediengeschichte) leugnet der gute Mann (Anton Suitbert Hellinger) die Optionen der kulturellen Weiterentwicklung und Vertrauensbildung von Gemeinschaften inkl. inneren Teams, Familien, ja Parlamenten. Was spiral dynamics freilich auch zeigt: Abwärts kompatibel sind wir immer. Das erklärt ein Stück weit die Anziehungskräft von Welterklärungsansprüchen wie denen des Jesuiten – gerade in Zeiten von Information Overload.

    Kommentar by Max Liebscht — 22. Dezember, 2011 @ 11:01 Uhr

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