Lob der Disziplin?
Fritz B. Simon
Es ist doch erstaunlich, welch großer Beliebtheit bei den Medien sich immer wieder ziemlich schwachsinnige Konzepte des Menschen und des Umgangs miteinander erfreuen. Zu den auffälligsten und m.E. ärgerlichsten gehört in den letzten Monaten das “Lob der Disziplin” von Bernhard Bueb, dem ehemaligen Leiter des “Elite”-Internats Salem.
Hier werden Schlichtmodelle des Menschen und der Menschenführung propagiert, die eigentlich nicht ernst zu nehmen sind. Wären sie nicht in jeder zweiten Talkshow diskutiert worden, so würde das wahrscheinlch ja auch keiner. (Aber vielleicht ist solch eine Nicht-Auseinandersetzung nur Ausdruck meines elitären Hochmuts.)
Jetzt ist auf jeden Fall ein Buch erschienen, das sich sachlich mit den Buebischen Positionen auseinanderzusetzen versucht, und dem hoffentlich dieselbe Medienaufmerksamkeit beschieden ist, wie dem Pamphlet aus Salem: “Aberglaube Disziplin” von Rolf Arnold (Carl-Auer-Verlag). Allerdings ist das zu bezweifeln, da schon wieder irgendwelche “anderen Säue durchs Dorf getrieben werden” (zum Beispiel Eva Hermann).
Was mich immer wieder verwundert, wie simpel das Welt- und Menschenbild vieler Lehrer (auch in meinem engeren Bekanntenkreis) ist. Verstehen kann ich ja, dass man diese Art Arbeit nicht ewig ausführen kann, irgendwann ausgebrannt ist usw. Aber das dann den Kindern und Jugendlichen statt der Institution Schule anzulasten, ist m.E. ziemlich daneben. Auch der Rückgriff auf steinzeitliche Vorstellungen vom Funktionieren der Autorität ist nicht ein Zeichen von sonderlicher Aufgeklärtheit.
Gibt es eigentlich irgendwelche Untersuchungen, was aus den Schülern von Salem wird/geworden ist?
Mein generelles Problem mit der Schule (und ich oute mich hier als “Schulhasser”) ist, dass man da eh nicht viel Anderes lernt als Disziplin (von Lat. discipulus = der Schüler). Man lernt im besten Fall, sich in eine hierarchische Organisation einzufügen, in der man entweder mit Leuten auf derselben Hierarchieebene zu tun hat oder mit Über- und Unterordnungsverhältnissen umzugehen hat. Meine Vermutung ist, dass man das in Salem ganz besonders gut lernt. Und da man – von der finanziellen Grundausstattung der Herkunftsfamiline her – im späteren Leben eher zu denen gehört, denen andere sich unterzuordnen haben, hat man auch wenig am impliziten Lehrstoff dieser Einrichtung auszusetzen. Zumindest ist das meine persönliche Erfahrung mit ehemaligen Absolventen… (aber – auch das ist meine Erfahrung – es funktioniert nur sehr begrentzt).
12 Kommentare
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Trivialisierungsinstitute eben. Ich erschrecke auch oft wenn ich mich mit den Weltanschauungen der Lehrer in meinem Bekanntenkreis auseinandersetze. Neben der Idee der Disziplin (“Die müssen sich eben mal zusammenreissen…) sind die völlig unreflektiert gebrauchten Normalitätsbegriffe und die Vorstellung, dass die “Erfahrung” des Lehrers (ich rede hier zudem von Menschen die mitte 30 sind und erst ein paar Jahre “im Amt”) gewissermaßen die objektive Realität ist. Dieser haben sich nicht nur die Schüler unterzuordnen sondern am liebsten auch die Freunde und Bekannten…
Es gibt aber auch Gegenbeispiele. Ich bin tatsächlich kein Schulhasser, weil ich das Gefühl hatte, dass mir v.a. die Oberstufe geholfen hat mich aus meiner “dörflichen Herkunft” zu individuieren und (Selbst-)Reflexive Prozesse anzuregen.
Kommentar by Mathias Wölfelschneider — 27. November, 2007 @ 10:32 Uhr
da fehlt was am Ende des Satzes….
Neben der Idee der Disziplin (”Die müssen sich eben mal zusammenreissen…) sind die völlig unreflektiert gebrauchten Normalitätsbegriffe und die Vorstellung, dass die “Erfahrung” des Lehrers (ich rede hier zudem von Menschen die mitte 30 sind und erst ein paar Jahre “im Amt”) gewissermaßen die objektive Realität ist, immer wieder erschreckend.
Ich brauche eine Editierfunktion…
Kommentar by Mathias Wölfelschneider — 27. November, 2007 @ 10:33 Uhr
Sie sprechen mir da aus der Seele lieber Herr Simon,
Als ich in meinem, sowieso schon viel zu stätem und verregneten Herbsturlaub, am letzten Urlaubstag an einer Tankstelle wartete (meine Partnerin tankte und bezahlte), und mir dann im Radio diesen Quatsch von diesem Elitepädagogen anhören musste, war mir die Petersilie vollens verhagelt.
Da hat er nämlich, in dieser Radiosendung, sein Buch vorgestellt und für seine Trivialkonditionierungen geworben.
Auch ich bin/war ein Schulhasser und früherer sog. “Schulversager” – interessanter Weise sind LehrerInnen und ErzieherInnen jetzt meine Hauptkundschaft in der Mobbingberatung, weil ihnen der Systemmüll in/aus diesem Schulgebilde um die Ohren fliegt!
Die oft gottgleichen Direktoren wollen auch in der Binnenperspektive (Personalarbeit) alles, oder eben nix, mit Disziplin regeln und bekommen nix geregelt.
Wenn ich eins absolut Ablehne sind es absolute Polarisierungen, wie eben autokratisch vs. lezessfaire, die jetzt wieder voll im gesellschaftlichen Trend zu liegen scheinen, wobei das erstere wohl überwiegt.
Und was hat dann Horst Kasper als reputierter Fachmenschlehrer dazu zu sagen?
kollegiale Grüße
Thomas Kirchen
http://www.arbeitswelt-lebenszeit.de
Kommentar by Thomas Kirchen — 27. November, 2007 @ 11:26 Uhr
Off-Topic aber eben entdeckt:
http://www.carl-auer.de/aktuelles/?p=188
Kommentar by Mathias Wölfelschneider — 27. November, 2007 @ 18:20 Uhr
Ja, lieber Herr Kirchen, ich war schon versucht, das Thema in den Blog zu bringen, als es im letzten Jahr rauf und runter diskutiert wurde, aber da war ich nicht an der Reihe. Ich bin ja, wie Sie wissen, in über 41 Jahren des Aufenthalts im System Schule als Lehrer und Schulleiter nicht von diesem erdrückt oder sonst wie dauerhaft geschädigt worden, wie das all zu vielen meiner Kolleginnen und Kollegen schon passiert ist und immer wieder passiert. Die allzu banalen Lösungswege Buebs sind mir alle aus Anschauungen von und Kämpfen mit deren Vertretern vertraut, die sich in jedem Kollegium, in jedem Schulamt, also im ganzen System Schule finden. Ich war – und bin es bis heute – immer ein wenig stolz darauf, dass an meiner Schule in den 25 Jahren, die ich sie geleitet habe, nie ein Schüler aus der Schule ganz ausgeschlossen worden ist. Im ersten Jahr meines Ruhestandes haben sie das fertig gebracht. Ein Zehntklässler hatte im Hause Handzettel „fallen lassen“, auf denen seine (ihm offenbar zutiefst verhasste) Englischlehrerin irgendwie mit dem Tod bedroht worden war. Er hat dann auf den Nachbarschule in einigen Kilometern Entfernung seine Abschlussprüfung gemacht. Und hat diese Kollegin aus diesem Vorkommnis gelernt? Sie war noch Jahre später glücklich darüber, dass hier endlich einmal durchgegriffen worden war (zu ihrem Schutz), sie sie meinte. Dabei waren mir Jahr zuvor schon andere Fälle von „Disziplinproblemen“ zwischen der gleichen Kollegin und anderen Schülern unter gekommen, in denen mir der blanke Hass von Mädchen und Jungen gegen die Lehrerin auffiel. Um das Thema Disziplin kommt kein Schulmensch herum. Hat er keine klare Position, droht ihm das Scheitern. Hat er eine Position, aber die falsche, droht ihm dasselbe. Das ist das Dilemma (oder ist es eher ein Tetralemma, Herr Simon?). An der tradierten Meinung zur Disziplin hat sich ihm Grunde seit der Antike oder gar seit der Steinzeit nicht viel geändert, nun wäre es Zeit für eine qualifizierte Standortbestimmung. Die Fixierung auf die Disziplin endet mit Ungerechtigkeit, Machtmissbrauch, starren Regelwerken usw. Sie kann nur im Zusammenhang mit dem Geschehen im System richtig verortet werden und im Verständnis als sekundäres Phänomen. Sobald sie zur Hauptsache wird, richtet sie sich gegen diejenigen, denen sie im Grunde zum Erfolg verhelfen sollte, gegen die auf der schwächeren Seite.
Nun hat also Ihr Autor ein Buch gegen die Buebsche Schlichtheit in dieser Frage verfasst, und das ist gut so.
Also die Disziplin ist wirklich ein weites Feld, lieber Herr Simon. Ich habe während meiner verflossenen Dienstzeit zunehmend versucht, die wirklichen Probleme hinter den Disziplinkonflikten zu erkennen, mich auf eine gute Lernkultur für unsere Schüler zu konzentrieren und Fälle von Machtmissbrauch durch Erarbeitung konstruktiver Lösungswege und Regelvereinbarungen (auch und gerade mit Kollegen, die manches „nach alter Väter Sitte“ – was auch immer das ist – behandelt sehen wollten) anzugehen. Das Dümmste, was wir in der Schule tun können, ist die Erstellung von Strafkatalogen (wie bei Bueb) mit einem fest installierten Rigorismus. Das garantiert viel Zoff und jede Menge Frust bei denjenigen, die sich im Einzelfall an den schulischen Autoritäten abarbeiten müssen, also den künstlich unter den Deckel gedrückten, sich unverstanden fühlenden starken Charakteren, auf die es in Zukunft ankommt.
Ich grüße Sie alle,
Horst Kasper
Kommentar by Horst Kasper — 27. November, 2007 @ 23:47 Uhr
Lieber Herr Kasper,
sonst bin ich immer für den Nachwuchs/Nachrücken der “jungen Hüpfer” – doch finde ich das Sie der Schulwelt besser noch erhalten geblieben wären.
Zur Disziplin:
“Sobald sie zur Hauptsache wird, richtet sie sich gegen diejenigen, denen sie im Grunde zum Erfolg verhelfen sollte, gegen die auf der schwächeren Seite.”
= genau das ist das in meinem Arbeitskontext häufig anzutreffende Problem, das die Disziplin heufig als “Selbstzweck” statt als “Mittel zum Zweck” in Institutionen/Organisationen eingesetzt wird, und dann auch meist, wenn man sich anders nicht mehr zu helfen weis, was dann häufig in unkantollierbare Übersteigerung führt.
So verhällt es sich auch mit allen möglichen psychoogischen Schulen, Methoden und Technken – sie sind, zumindest in mener Arbeit, kein Selbstzweck – sogar und gerade die Philosophie nicht!
Die Art “Disziplin”, wie ich sie auch noch kenne, (Jahrgang 1972), war in den Schulen und auch in anderen Gesellschaftsbereichen, bis Mitte/Ende siebziger Jahre eine andere.
Zur interessanten und lustigen Belegung/Darstellun des Lebensgefühls der Kinder dieser Zeit, kenn Sie vielleicht ale den Text der schon länger im Internet kursiert: “Wir waren Helden!”. Dort nennt der unbekannte Autor auch ziemlich genau den Jahrgang auf den seine Schilderung zutreffen soll.
Sie war noch geprägt von tradierten Restriktionen, unhinterfragbaren Regeln usw.
Auch die Lehrer/Eltern die sie rezeptierten,kamen aus diesem Geiste. Meine Eltern 1933 und 1934 gebohren hatten dad Dritte Reich als Kinder miterlebt.
Auch habe ich noch einige Lehrer gehabt die Offiziere in der Wehrmacht waren.
Wenn es nun im kürzlich erschienen Sternleitartikel heißt “Die 68er, …was sie alles geschafft haben…” oder so ähnlich, dann muss auch bedacht werden, dass sich durch diese und andere soziale Bewegungen die Gesellschaft sehr gewandelt hat und ich dann nicht mit der “alten “Art” Disziplin” komen kann, sondern ich eine neue, eben “passendere” Form mit allen maßgeblichen Akteuren im Dialog entwickeln muss.
Denn, dass ist für mich eine der herausragensten Leistungen der sog. 68er, das der Dialog in der Geselschaft gefördert wurde – nur erscheint er mir derzeit, v.a. für die Kiddis zu unbegrennst und übersteigert, sodass sie damit, d.h. mit ihrer Freiheit, entwicklungspsychologisch vollends überfordert sind – eben wieder eine Übersteigerung die zu Polarisierungen führt.
Praktisch erlebe ich das zur Zeit, wenn ich ein mal in der Woche in einer offenen Ganztagsschule hier in Aachen mit Kiddis der 4 Klassen einer Grudnschule, “Mobbingprävention” mache (möchte), um sie auf dieses gehäuft auftretende Phänome an weiterführenden Schulen vorzubereiten/zu sensibilisieren.
Dieses Potential, diese Entgrenzungen unter denen die Kidds leiden, ist enorm.
Was ich sagen will ist, das die Art füherer “Disziplin” auf den Entwicklungsstand der damaligen Gesellschaft gepasst hat – heute aber eben nicht mehr!
Gerade ausgewiesene Pädagogen sllten es dann wirklich lassen sich mit solchen profanen und medienwirksamen Proglamationen profilieren zu wollen.
In der ollen Kamelle “Unfähigkeit zu trauern” beschreiben M. und A. mitscherlich, ganz toll diesen gesellschaftlichen Prozess, natürlich sehr strah aus der PSA-Sicht..
Lösungen zu entwickeln, die inhaltlich etwas hergeben, brauchen halt in der Entwiclung u.U etwas länger und snd auch evtl. nicht so pupulär, wodurch der Narzis dann natürlich nicht seine erhoffte Befriedigung bekommt – so kommt es dann zu diesen Werken und Schnellschüssen aus PISA und CO.
kollegiale Grüße
Thomas Kirchen
http://www.arbeitswelt-lebenszeit.de
Kommentar by Thomas Kirchen — 28. November, 2007 @ 09:33 Uhr
Nachfolgend den Text, den ich beim kurzen recherchieren sofort im Netz gefunden hat der zeigt was damals möglich war, dabei geht es mir nicht um die Glorifizierung einer “guten alten Zeit”, sondern um der Darstellung der berühmten “Differenz” mit der man agieren muss, wenn man in Erziehung und pädagogik “wirklich” etwas verändern will!
Viel Spass beim lesen:
Wir waren Helden
Was machte meine Kindheit aus und warum war sie anders als die heutiger Kinder? Dieser Text bringt es auf den Punkt.
“Wir waren Helden. Wenn du nach 1978 geboren wurdest, hat das hier nichts mit dir zu tun.
Kinder von heute werden in Watte gepackt!
Wenn du als Kind in den 70er oder 80er Jahren lebtest, ist es zurückblickend kaum zu glauben, daß wir so lange überleben konnten!
Als Kinder saßen wir in Autos ohne Sicherheitsgurte und ohne Airbags.
Unsere Bettchen waren angemalt mit Farben voller Blei und Cadmium. Die Fläschchen aus der Apotheke konnten wir ohne Schwierigkeiten öffnen, genauso wie die Flasche mit Bleichmittel. Türen und Schränke waren eine ständige Bedrohung für unsere Fingerchen und auf dem Fahrrad trugen wir nie einen Helm.
Wir tranken Wasser aus Wasserhähnen und nicht aus Flaschen. Wir bauten Wagen aus Seifenkisten und entdeckten während der ersten Fahrt den Hang hinunter, daß wir die Bremsen vergessen hatten. Damit kamen wir nach einigen Unfällen klar.
Wir verließen morgens das Haus zum Spielen. Wir blieben den ganzen Tag weg und mußten erst zu Hause sein, wenn die Straßenlaternen angingen.
Niemand wußte, wo wir waren und wir hatten nicht mal ein Handy dabei!
Wir haben uns geschnitten, brachen uns Knochen und Zähne und niemand wurde deswegen verklagt. Es waren eben Unfälle. Niemand hatte Schuld außer wir selbst. Keiner fragte nach “Aufsichtspflicht”. Kannst du dich noch an “Unfälle” erinnern?
Wir kämpften und schlugen einander manchmal grün und blau. Damit mussten wir leben, denn es interessierte die Erwachsenen nicht besonders. Wir aßen Kekse, Brot mit dick Butter, tranken sehr viel und wurden trotzdem nicht zu dick. Wir tranken mit unseren Freunden aus einer Flasche und niemand starb an den Folgen.
Wir hatten nicht:
Playstation
Nintendo 64
X-Box
Videospiele
64 Fernsehkanäle
Filme auf Video
Surround Sound
eigene Fernseher
Computer
Internet-Chat-Rooms
Wir hatten Freunde!!!
Wir gingen einfach raus und trafen sie auf der Straße. Oder wir marschierten einfach zu deren Heim und klingelten.
Manchmal brauchten wir gar nicht klingeln und gingen einfach hinein.
Ohne Termin und ohne Wissen unserer gegenseitigen Eltern. Keiner brachte uns und keiner holte uns.
Wie war das nur möglich?
Wir dachten uns Spiele aus mit Holzstöcken und Tennisbällen. Außerdem aßen wir Würmer. Und die Prophezeiungen trafen nicht ein: Die Würmer lebten nicht in unseren Mägen für immer weiter und mit den Stöcken stachen wir auch nicht besonders viele Augen aus.
Beim Straßenfußball durfte nur mitmachen, wer gut war. Wer nicht gut war, mußte lernen, mit Enttäuschungen klarzukommen. Manche Schüler waren nicht so schlau wie andere. Sie rasselten durch Prüfungen und wiederholten Klassen. Das führte damals nicht zu emotionalen Elternabenden oder gar zur Änderung der Leistungsbewertung.
Unsere Taten hatten manchmal Konsequenzen. Das war klar und keiner konnte sich verstecken. Wenn einer von uns gegen das Gesetz verstoßen hat, war klar, daß die Eltern ihn nicht automatisch aus dem Schlamassel heraushauen. Im Gegenteil: Sie waren oft der gleichen Meinung wie die Polizei! So etwas!
Unsere Generation hat eine Fälle von innovativen Problemlösern und Erfindern mit Risikobereitschaft hervorgebracht. Wir hatten Freiheit, Mißerfolg, Erfolg und Verantwortung. Mit alldem wußten wir umzugehen.
Und du gehörst auch dazu.
Herzlichen Glückwunsch!
Kommentar by Thomas Kirchen — 28. November, 2007 @ 09:38 Uhr
Finde das auch schwierig (vielleicht weil 1979 geboren bin…:) ). Hier wird ja Statik suggeriert und zur Romantik verklärt. Insbesondere diese technophoben Äußerungen “älterer” Generationen ärgern mich. Die Gesellschaft entwickelt sich weiter und neue Medien, Kommunikationswege und entsprechende soziale Wirklichkeitskonstruktionen können nicht wegdiskutiert und/oder gar pathologisiert werden.
Die Kernaussagen kann ich (emotional) schon irgendwie verstehen. Für mich klingt es aber sehr nach “früher war alles besser”. Wenn man sich z.B. in odenwälder Dörfern umhört, kann man solche Äußerungen aber auch für die Zeit zwischen 1933 und 1945 hören…
Das erinnert mich an einen Vortrag eines Hamburger Kinder- und Jugendpsychiaters aus Hamburg von letzter Woche, der sich mit “Internetsucht” und “Online-Spielsucht” befasste, dabei natürlich Phänomene wie Myspace, Skype, Chatrooms, Weblogs (“psychopathologisch hochinteressant! Da schreiben Leute ein Tagebuch. Im Internet! Das ist Exibhitionismus in Reinform!”) und vor allem MMORPGs, primär “World of Warcraft”, im Fokus hatte. Dass es unter den 8 Millionen Spielern auch Menschen (nicht nur Kinder) gibt, die exzessiv spielen und dabei Probleme im psychosozialen Kontext auftreten ist ganz klar. Aber er hat so garnicht verstanden, dass es nicht ausreicht eine “Pathologie” im Individuum zu suchen. Jedenfalls haben die “älteren” Herrschaften im Auditorium scheinbar gar keinen Einblick in die Realitäten der jüngeren Generation bekommen wollen. Alles wurde belächelt und als pathologisch (am besten noch Pathologie der Gesellschaft) gesehen. Übrigens nicht zuletzt von den anwesenden Medizinstudenten.
Herr Kirchen, irgendwann würde ich mich total gerne mal mit Ihnen über das Thema “Mobbing” unterhalten. Aber an anderer Stelle.
Kommentar by Mathias Wölfelschneider — 28. November, 2007 @ 10:07 Uhr
gerne Herr Wölfelsschneider, können wir das tun – meine Schwester wohnt mit ihrer Familie in Seeligenstadt, zwischen Frankfurt und Würzburg, vielleicht lässt sich bei einem meiner Besuche dort mal eine Zusammenkunft organisieren. Oder wir telefonieren auch mal vor ab!?
Zum Thema:
Aha – noch ein jünger Hüpfer, na…, 1979??.. geht gerade noch so, ab 1980 kam dann die “Nutella-Generation” – nun aber Scherz beiseite!
Wie ich ja schon geschrieben habe, ist die “Romantik” bei dieser Darstellung nicht mein Fokus und ich glaube auch gar nicht so sehr der des Autors, was zu behaupten natürlich hier nur reine Spekulation sein kann.
Ich wollte mit diesem Beispiel eine mögliche Belegung der These anführen, dass wir heute etwas anderes brauchen wie diese Disziplinorgien, die der genannte Autor fordert.
Und unabhängig von dem historischen Charme dieses anonühmen Pampfletes, finde ich diese Feststellung gar nicht so sehr aus der Luft gegriffen.
Vielleicht könnte sich auf Grundlage und natürlich norwendigwerdender weiterer Ausdifferenzierung seiner Thesen, Z.B. eine soziologische Forschungsfrage entwickeln lassen, v.a. weil er gerade 1978 als “Grenze” anführt, wäre doch ggf. interessant?!?
kollegiale Grüße
Thomas Kirchen
http://www.arbeitswelt-Lebenszeit.de
Kommentar by Thomas Kirchen — 28. November, 2007 @ 16:02 Uhr
Bißchen wie “Generation Golf”, oder?
“…dass wir heute etwas anderes brauchen wie diese Disziplinorgien, die der genannte Autor fordert…”
Ich glaube sogar, dass Disziplin auch schon Generationen zuvor zwar dazu verhalf zu “funktionieren” i.S. von gesellschaftskonformer Wirklichkeitsanpassung oder einer Trivialisierung, aber sonst eben nichts leistet. In den gesellschaftlichen Kontexten der Vergangenheit(die klarer zu definieren waren als in einer vernetzten, globalisierten Welt) mag das nur einer größeren Zahl von Menschen adäquat vorgekommen sein.
Gerade frage ich mich, wie eigentlich eine Definition von “Disziplin” lauten könnte (jenseits der reinen Übersetzung)?
Oha. In der Wikipedia gibt es sogar einen Artikel über “Schulische Disziplin” (ist das jetzt eine Tautologie?):
http://de.wikipedia.org/wiki/Schulische_Disziplin
Geht das nur mir so oder ist das Phrasendrescherei unter Rechtfertigungsdruck? Schade, dass es keine zugehörige Wikipedia-Diskussionsseite gibt.
Kommentar by Mathias Wölfelschneider — 28. November, 2007 @ 17:55 Uhr
ja zumindest bei der Selbstzweck- vs. Mittel zum Zweck-Argumentation, gibt es ja mit meiner Argumentation Überschneidungen.
Ich find es für einen Wikipediabeitrag schon recht ordentlich – ordentlicher jedenfalls als diese “Drillanleitungen”
Übrigenz, genau .. “Generation Golf – gibts ja in Buchform!” is mir auch noch später eingefallen!
Bei uns waren es eher die Moppeds, die sog. 80er, v.a. die MTX von Honda, war der Traum aller Minnirocker – damit erhöhten sich die Chanchen, bei den Mädels auf den Dorfdiskos zu landen, schlagartig!
Bin vor einem Jahr regrediert und hab mir gleich zwei Moppeds – sprich Mottorräder – gekauft, aber ohne Mädels!
kollegiale Grüße
Thomas Kirchen
http://www.arbeitswelt-lebenszeit.de
Kommentar by Thomas Kirchen — 28. November, 2007 @ 18:09 Uhr
Ja, die Moppeds kenne ich auch gut….
Kommentar by Mathias Wölfelschneider — 28. November, 2007 @ 19:08 Uhr