Simons Systemische Kehrwoche

MacLobster

Fritz B. Simon

Amerika ist ja das Land der Standardisierung. Das hat wohl (weiß ich nicht wirklich) mit dem Ford-T-Modell begonnen („Sie können es in jeder Farbe haben, solange es schwarz ist“) und zeigt sich jetzt in der Verkettung der Wirtschaft. MacDonalds, BurgerKing, Wendys, TacoBell, KFC, Tim Horton’s usw. Bei den Hotels ist es nicht anders, dem Einzelhandel. Der Trend ist ja jetzt weltweit zu beobachten, und auch jede deutsche Fußgängerzone gleicht der anderen. Hier geht die Uniformierung noch einen Schritt weiter. Jede Großstadt (mit Ausnahme von New York, San Francisco, Boston und New Orleans (vor Katrina wenigstens) sieht gleich aus. Ein weiter Radius bebaut mit kleinen Holzbuden, und plötzlich schießen dann Hochhäuser aus dem Boden.

Diese Standardisierung sorgt für die Ökonomie der großen Zahl. Massenproduktion. Ich frage mich, ob sie nicht auch eine Folge der Einwanderung ist. Wenn es schon keine gemeinsame, alle verbindende Kultur gibt, die für Berechenbarkeit und Zuverlässigkeit sorgt, so können die Erwartungen wenigstens auf der Konsumseite gesichert werden, wenn Normierung dafür sorgt, dass keine Überraschungen zu befürchten sind. Man wählt die Hotelkette und weiß, welche Betten man zu erwarten hat. Standardisierung als Mittel, Variation (= Problem) zu beseitigen…

Allerdings geht diese Standardisierung über die Kettenbildung hinaus. Geht man in Nicht-Ketten-Restaurants, dann muss man feststellen, dass die sich an den Ketten orientieren: Auf der Speisekarte steht dasselbe, was es auch in den Ketten gibt, und egal, was man bestellt, es schmeckt alles gleich. Zum Beispiel Fisch und andere Meeresfrüchte. Hier in der Gegend gibt es Haddock (weiß nicht, wie dieser Fisch auf Deutsch heißt), Scallops (der französische Name ist Cocquilles St. Jacques, das sind die mit der Muschel, die als Markenzeichen von Shell dient) u. Ä., aber was immer man bestellt, es wird frittiert und schmeckt dann mehr oder weniger gleich. Das mag mit der Normierung des Geschmacks zu tun haben, die inzwischen auch stattgefunden hat. Die Gäste sehen dementsprechend auch ziemlich ähnlich aus: Männer alle mit Baseballkappe und Übergewicht, Frauen mit Turnschuhen und Übergewicht.

Nur gut, dass wir alte Europäer angesichts der Uniformierung von Amerika in der Lage sind, differenzierte Beschreibungen zu liefern.

Ach ja, etwas gibt es hier in unserer Gegend, was es – trotz Ketten – wohl sonst nirgends in der Welt gibt: den MacLobster bei MacDonalds. Ein weiches Brötchen mit Hummer drauf. Allerdings empfehle ich jedem, der nach Maine (USA) oder Nova Scotia (Kanada) kommt, wo es diese Delikatesse gibt, gleich in ein beliebiges Restaurant zu gehen und dort ein Lobster-Dinner zu bestellen. Der Hummer wird in der Regel einfach gekocht und mit flüssiger Butter und Kartoffeln serviert. Er kann nicht wirklich gut frittiert werden, da dies den Arbeitsaufwand erhöhen würde und er schon standardisiert und tischfertig aus dem Meer gefischt wird.

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12 Kommentare

  1. Herrlich! Danke

    Kommentar by Markus Mall — 19. August, 2006 @ 14:05 Uhr

  2. In der DDR konnt man sich aussuchen, ob man bei der HO (“Handelsgenossenschaft”) oder bei Konsum kaufte. Bei Konsum war man evtl. sogar Mitglied und konnte je nach gemachtem Umsatz seine Kinder Marken kleben lassen, für die man was wieder bekam.

    Nach dem irren Taumel, der uns (ich komme aus dem Dresdener Elbkessel, also dem Tal der Ahnungslosen wo Westfernsehen schlecht zu empfangen war)angesichts der enormen Vielfalt der Angebote erfaßt hatte, hatte man nach einigen Jahren den Eindruck, als ob die DDR – Uniformierung durch die Hintertür wieder zurückkehren würde.
    Dieselbe Problemlösestrategie, auf die gesetzt wurde. Für welches Problem eigentlich?

    Wenn wir unsere aggressive Art nicht durch Expansion nach außen hin leben können, leben wir die primatenhafte Urangst, den Kontrollzwang, die zu externalisierenden internen Inkosistenzen im Binnenland aus. Die Welt ein verschissener Park. Mein Kumpel ein Automat. Vermutlich waren die Menschen früher genauso automatisiert unterwegs. Nur gab es weniger Alternativen. Das ist die Ironie der Entwicklung.

    Ich vermute diese Standardisierung hat etwas damit zu tun, daß die Grenzen des beherrschten, kultivierten Raumes infolge Globalisierung und infrastruktureller Vernetzung ähnlich nahe rücken, wie sie es in der geographisch winzigen, durchgestylten DDR gewesen sind.

    Viele erfolgreiche Menschen, nicht nur Ostalgiker, sind allerdings sehr froh über das Ausmaß an Berechenbarkeit ihrer Lebenswelten.
    Sie spüren wohl, daß TV und Internet nicht wirklich vermitteln können, was es braucht, Dschungel kontrollieren zu können.
    Es wird sicher spaßig, wenn die Leute angesichts matter Scheiben entdecken wieviel Dschungel, sie in sich haben gehenüber den gar zu Dressierten, weniger Fitten im Nachbarkäfig.

    Ärgerlich aber auch irgendwo spaßig (mit Verlaub!) muten auch andere Kontrollversuche an, bspw. daß ein psychoanalysierter Mensch, der Bücher über Krieg schreibt, sich also Gedanken über größere Zusammenhänge macht, sich womöglich infolgedessen eine Datscha in den Kanadischen Wäldern zurecht legt für den Fall der Fälle. Und daß ausgerechnet dieses Haus am A. der Welt dann ganz in Frieden abfackelt.

    Grützi auch an den Grizzly

    Kommentar by Max Liebscht — 19. August, 2006 @ 17:31 Uhr

  3. Tja, so ist das, mit dem Abfackeln. Obwohl die Datsche nicht gegen den Atomkrieg gedacht war, sondern nur wegen meiner Menschenscheu…

    Gruss, FBS

    Kommentar by Fritz B. Simon — 19. August, 2006 @ 22:32 Uhr

  4. Nach dem Lesen der Texte stellte sich mir die Frage, ob diese Standardisierung wohl auch zu Identität führt?

    Gruss

    Rainer Isermann

    Kommentar by Rainer Isermann — 20. August, 2006 @ 00:56 Uhr

  5. Zu mindestens würden dieses Wissen, das alles irgendwie normiert und standardisiert ist, alle Amerikaner teilen. Selbst nicht standardisiertes möchte sich anscheinend dem Standard annähern. Jeder weiß, wo er was, wann und wie bekommen kann. Das könnte für eine gemeinschaftliche Bindung sorgen. Und über Gebäude, die nicht älter als 350 Jahre sind, können wir doch nur müde lächeln, oder?

    Nächtlicher Gruss

    Rainer Isermann

    Kommentar by Rainer Isermann — 20. August, 2006 @ 01:44 Uhr

  6. Sage mir, was du isst, wo du schläfst, und in welchen Ketten du deine Pullover kaufst, und ich sage dir, wer du bist….

    Aber das ist ja nichts Neues oder Verwerfliches: Identitätsbildung erfolgt immer über Zugehörigkeit. Nur eben hier weniger zu Nationen, Ethnien, Religionen, politischen Gruppen und Parteien, sondern zur Internationale der XY-Konsumenten. Das will ja Markenbildung auch erreichen… – oder aber, das ist der nicht-intendierte Nebeneffekt, die Identitätsbildung erfolgt durch die Abgrenzung gegen…

    Beste Grüsse, FBS

    Kommentar by Fritz B. Simon — 20. August, 2006 @ 11:02 Uhr

  7. Über Zugehörigkeit. So so. Na endlich sagt das mal einer!
    Ich dachte, sie könne ebensogut über so versus so hierarchisierte Werte einer Persönlichkeit bzw. eines PSK – Anteils konstruiert werden.
    Und diese über in einer Begegnung aktualisierte Glaubenssätze.
    Und diese über Metaprogramminteraktion … u.s.w.

    Kommt darauf an, von welcher Seite mentaler Repräsentations- bzw. Lernebenen her man ausgeht.
    Man stelle sich einfach als graphische Entsprechung des Konstruktes ein X vor in dessen Zentrum die gewünschte / befürchtete Identität eines PSK- Anteils, einer Persönlichkeit, eines Kollektivkörpers über die verschiedenen Lernebenen hin generiert wird. Bis da in der Mitte was zu ´ner Identität Verarbeitbares ankommt, müssen wohl einige Transformationsebenen angenommen werden, auf welchen die Repräsentationen störender Umweltreize erst mal zwischenverarbeitet werden.

    Natürlich braucht es sensu Buber dazu immer eine realisierte oder imaginierte Begegnung: >< Sonst kann im Medium der Wahrnehmung keine Reflektion, geschweige überhaupt irgendeine Resonanz entstehen. Klaro oder?

    Und selbstverständlich können wir nur über die Wahrnehmung der imaginierten / realisierten Begegnung sprechen. Begegnung von aktualisierten PSK – Anteilen, von Ensembles solcher Anteile als sogenannte “Persönlichkeit” oder adäquat eben von einem Gruppenorganismus, der assoziiert bzw. dissoziiert ja auch erst mal wahrgenommen werden muß. Und außerhalb des Wahrnehmbaren hat uns sensu Wittgenstein ja eh nüscht zu interessieren.

    Trotzdem scheint mir das nach beiden Enden (der allgegenwärtigen Ökologie) hin offene “X” als Symbol grundlegender Unterscheidung zwischen dem, wovon wir sprechen können und dem worüber wir unsere Babber zu halten haben, ziemlich okay und adäquater als bzw. die geschlossene Brezel des Unendlichkeitssymbols.

    Wie es sich für ein systemisch – ökologisches Modell gehört, gehen die offenen Enden des “X”, sprich die Ökologie, auf deren Launen wir u.a. mit hoffentlich stressreduzierendem Verhalten reagieren, ineinander über. Ob als psychosomatischer Solotänzer oder in der Choreographie eines psychsozialen Vereins, dem wir zugehören – auf jeder Seite des “X” ist unser Spiel, auf Zeit glücklich zu scheitern, auf die mehr oder weniger (über unsere Lebensanforderungen) inFORMierte Ökologie hin ausgerichtet.
    Synergie versus Entropie.

    Auch wenn wir die Zwischenverarbeitungsstätten unser Kollektiv- versus Individualidentitätserfindung normalerweise nicht vor die mentale Linse kriegen, ist die Wahrnehmung notwendig in Ebenen strukturiert anzunehmen. Qua emergenter In – Beziehung – Setzung (bzw. bei SySt i.d.R. In – Beziehung – Stellung) ergibt sich die Qualität der nächst höheren Ebene als Voraussetzung der nächsten.

    Man könnte also von der psychosomatischen Selbstwahrnehmung her die herzallerliebste Identität konstruieren, spiegelbildlich dazu aber auch über die entsprechenden psycho- logischen Lernebenen eines Gruppenorganismus, zu dem eine Persönlichkeit, ein Persönlichkeitsanteil befürchtet / wünscht, zugehörig gezählt zu werden.

    Entsprechend den für´s Sinnerleben eines Solotänzers relevanten Werten wären das die Subkulturstandards seines Ensembles.
    Entsprechend den Glaubenssatzsystemen wären das die Regelfolgen und Normen, die ungeschriebenen Ausgleichprinzipien versus verbrieften Verkehrsregeln.
    Entsprechend den Wahrgebungsroutinen (im NLP- Jargon: “Wahrnehmungsfilter”) wären das die Formen Symbolischer Interaktion, Rituale zur Orientierung bzgl. Rollenverteilung & Ausgleich wie Gesten & Tänze, Geld- o. Gutscheintransfer (Aktien), Prozeßarbeit u.s.w. mit den zueinander entsprechenden Repräsentation-bzw. Lernebenen von und durch einen sozialen bzw. psychosomatischen Organismus.

    Eine Ebene gibt die FORM für das, was sich an Strukturbildung auf der nächst niederen Ebene generieren kann. Wobei nichtsdestotrotz bzw. auf einer anderen Ebene der Betrachtung die Bäume natürlich den Wald bilden. Und bla.

    Wird Zeit, daß mal irgendein Superheld eine konsistente Bastelanleitung für so ein Identitätsdingsbums auf den Markt der von Herrn Simon öffentlich beklagten Eitelkeiten wirft. Weiß es Herr Isermann? Wie sieht es auf dem vorgeblich misanthropischen systems peak aus? Hat dieser offenbar quasireligiös verhandelte Herr Luhmann die phänomenale Welt schon fertig erklärt? Wie generiert sich bei dem so ein Existenzial – Kunststückwerk sogenannter Identität?

    Was gehört zu so einem Bausatz an Mindestbestandteilen dafür?
    Ätsch, ich weiß es. Wer noch?
    Welche Teile passen wie funktional – pardon ! – sinnhaft zusammen? Und wenn es Knatsch gibt, wie orte ich den Knackpunkt, den Attraktor gebundener Konflikt”energie” (für Leute mit Unbehagen am esoterisch okkupierten “Energie” – Begriff: “Bereich von Des – inFORMation”) und löse das Symptom von der höchstrelevanten Lernebene der psycho – LOGISCHEN Repräsentation her ökologisch auf? Wie sieht die Karte aus, die mich beim Aufstellen, zirkulären Fragen oder Akupressieren geführter Imaginationen geleiten könnte?

    Natürlich gibt es paar Konstrukte dazu, von denen sogar ein Dreikäsehoch wie ich im trauten Görlitz mal was hab leuten hören: Ken Wilber u.s.w. mutet aber eher wie ein psychologisch nicht so logischer Salata mista an. Grawe und Kuhl sind nicht praktikabel. Eigentlich müßte Bateson nur differenzierter als durch Dilts differenziert werden + mit entwicklungspsychologischen, evolutionsbiologischen, systemisch kybernetischen Matrioschkamodellen zusammengedacht und zur Methodenintegration oder bspw. auch Gesprächssequenzanalyse angewandt werden.

    Natürlich hätte ich da was. Wer hätte das nach solchem Anlauf aber auch gedacht. “X” – Das Metamodell der psycho – logischen Lernebenen des M. als Hilfe zur systematischen Strukturierung systemischer Therapie und Beratung” – Aber interessiert das irgendeine Sau? Das tät mich nun wieder interessieren! Die böse Ökonomie. Und ich kommt leider nich so zum Lesen. Gibt es dergleichen nicht schon en masse bspw. für Fragekonstellationen der OE? Auch bspw. die Mindell – Leute, die ja auch in dem Bereich unterwegs sind, müssen doch halbwegs systematisch irgendeiner Landkarte folgen, wenn es mal duster wird im Gelände psychosozialer Repräsentationen. Nü?

    Stimmt schon: als psychologische Lernebene is die Ebene der Zugehörigkeit der psychologischen Lernebene der Identität über (geordent anzunehmen). (Etwas irritierend für´s Ego,zugegeben) U.a. deswegen mutet es so zauberhaft an, was die Aufsteller tun, wenn sie so eine Gruppe ahnungsloser Simulanten zu einen Bio – Supercomputer zur fuzzy – logik – mäßigen Verrechnung komplexer Wirkfaktoreninteraktionen in irgendeinem BeziehungsstrukturENsystem zurechthypnotisieren.

    Aber da wir gewohnheitsmäßig eh nur auf die Lernebene mehr oder weniger musterhaften Verhaltens, sonntags vielleicht auch mal focusingmäßig auf die Lernbene der Empfindungen (als unternehmensintern kommunizierte Bewertung mehr oder weniger glücklicher Organkooperationen innert eines Kollektivkörpers oder Privatorganismus auch “Emotion” genannt) fokussiert sind, sollte man sich als hoffentlich halbwegs systematisch vorgehender Psychoschrauber in der hoffnungsfrohen Begegnung Dank Außenperspektive auch mal auf die anderen jeweils 9 relevanten Lern- bzw. Resonanzebenen individuellen versus kollektiven Lernens kaprizieren können. Nich wahr?
    Denne isses och nich mehr so mysteriös wie Homöopathen und Allopathen sich vertragen könnten. Reiche, reputierte Verhaltenstherapeuten, die heimlich mit von Systemikern geklautem Know How werkeln und arme Hypnotherapeuten. FeldenkraisFreaks und Logotherapeuten, Fans von POP, NLP, EFT,TA, PA, SySt, Ego – State, PD, VT, U.S.W. …

    Im Grunde überleg ich mir gerade, stellt so ein naseweises Konstrukt bzgl. Identitätskonstruktion wohl schlicht eine Formalisierung des Hypnosystemischen Ansatzes + SySt dar. Insofern redundanter Kaas?

    Es schweigt das All gar dückisch.
    Ich bin mal zuversichtlich, das Mißverständnis wird als konstruktiv empfunden.

    PS: Da “Kommunikation” unmöglich scheint und als Begriff allgemein noch immer zu Mißverständnissen verführt, schreib ich gleich von “Lernen”, da es im Medium der Wahrnehmung und seinen Ebenen möglicher Resonanz eh immer um Akomodation / Assimilation mehr oder weniger ähnlicher Strukturen geht. Außerdem fetzen die Ideen Batesons immer noch am meisten.

    Kommentar by Max Liebscht — 21. August, 2006 @ 11:02 Uhr

  8. Herr Liebscht, Sie lesen eindeutig zu viel Deshalb haben Sie wahrscheinlich mit der Identitätbildung Schwierigkeiten (Frage der Zugehörigkeit).

    Beste Grüsse, FBS

    Kommentar by Fritz B. Simon — 21. August, 2006 @ 13:26 Uhr

  9. Na ja, die üblichen Anlaufschwierigkeiten revolutionärer Theorie, da haben wir es mal wieder.
    Um die Identitätsbildung begreifen zu können, MUSS man außerdem erst mal Schwierigkeiten mit ihr haben. Von daher geben Sie bloß nich so an!

    Ihr Verständnis is offenbar nach wie vor einseitig aber wahrscheinlich auch nicht von schlechten Eltern,
    wenn Sie sich samt Ihrer Ambivalenzen bspw. bzgl. aktualisierter Umgebung jetzt schon irgendwo dort im Unterholz verstecken mögen.

    Luhmann und all die vielen Kollegen haben jedenfalls Sie gelesen und nicht ich.

    Und außerdem: die Identität eines Kollektivkörpers, einer Organisationseinheit – wie bestimmen wir die denn bitte schön? Eben nur in einem sehr allgemeinen Sinn über die Zugehörigkeit zu umfassenderen Systemen und durchaus etwas konkreter über die strukturellen Verhältnisse der enthaltenen S.

    Das Blöde is wohl einfach,
    daß man hier keine Visualisierungen reinbeamen kann,
    die mehr als 1000 Worte sagen würden.

    Das umfassendere System is im Subsystem strukturell enthalten.
    Daß die 9 Zwischenverarbeitungsstufen von Umweltreiz bis hin zur geglückten Identitätsproduktion einer Persönlichkeit so perfekt adäquat zu den 9 … eines Kollektivs scheinen, findet meinermuttersohn in der Tat noch faszinierend.
    So wie Sie reagieren, isses aber womöglich ein alter Schlappen.

    Wo bitte finde ich den dann aber ausformuliert?
    Auch wenn Sie nicht zu viel gelesen haben mögen – der Organisationsonkel sind – der Verantwortung für Ihre öffentliche Rolle nach – schließlich Sie.

    Kommentar by Max Liebscht — 21. August, 2006 @ 15:23 Uhr

  10. Wenn ich gesagt habe, dass Sie zu viel lesen, dann meinte ich, dass Sie nicht umhin kommen, Ihr Modell selber zu formulieren.

    Man muss sich immer entscheiden, ob man liest oder schreibt. Denn die Mühe, all die Ideen anderer Leute zu integrieren, verhindert, eigene Ideen durchzudenken und zur Konsistenz zu bringen. Dabei hilft schreiben, auch wenn es dann kein Schwein publiziert oder gar liest…

    Beste Grüsse, FBS

    Kommentar by Fritz B. Simon — 21. August, 2006 @ 17:23 Uhr

  11. Okay.
    Also laß ich es mal krachen.
    Wennschon auf Verdacht.

    Das mit der Entscheidung hab ich selbst mal in einer Art krassen Selbstexperiments durchexerziert. Ich hab nur geschrieben, was mir so einfiel und die Leute um mich rum gefragt, was so los ist. Fast 10 Jahre eine Handvoll Bücher, mal eine im Zug liegengelassene Zeitung, kein TV, News an einer Leuchtreklame – irgendwann erwischte schließlich auch mich das Internet. Noch heute wirk ich sicherlich deshalb reichlich verschroben. Aber mich interessierte, was passiert. Gerät man womöglich leichter ans Wesentliche trotz allgegenwärtigem Informationsgau oder kommt man unter die Räder des Zeitgeistes, weil man lebensnotwendige Hinweise in eigener Sache nicht empfing?

    Mit dem leer werden hat es jedenfalls nicht geklappt. Der von Ihnen geschätzte Herr Zappa hat seinerzeit die Esos ja schon auf die ökologische Dimension hingewiesen, daß bei uns einfach nicht die Gegend dazu da is, abzuspacen. Die Lösungsmodelle der Teppichflieger bringen es für uns Bleichgesichter nur sehr bedingt. Selbst wenn man den designten Wahnsin künstlich auf Abstand zu halten sucht, wie ich es tat – die Leute sind sowas von dicht, daß einen doch so ziemlich alles erreicht. Wesentliches habe ich offenbar nicht verpaßt, von einigen Entwicklungschancen womöglich abgesehen. Aber so wie so, ist das ein ziemlich unsicherer Eindruck, Wissen schlecht möglich. Na ja. Und am Ende bin ich offenbar irgendwie Systemiker geworden, was immer das ist.

    Und ich komme (leider !!!) tatsächlich nicht zum Lesen all der unterhaltsamen Leute. Würde vielleicht gern was nachholen an Diskursrezeption. Aber scheinbar geht es auch so. Von der Etikette sicherlich abgesehen. Ich mach mir bei Gelegenheit so meine Gedanken und stelle, wenn ich mir den Luxus erlaube, doch mal hier und da hastig reinzuillern, immer wieder fest, daß die Heimwerkerbasteleien verblüffend gut hinhauen, es den ganzen Schmonzens indes schon so ähnlich gibt. Ich wüßt gern, ob es diesmal wieder so ist oder ob ich statt schreiben oder nachlesen lieber mit den Angehörigen meines wesentlichst identitätsstiftenden Kollektivs Enten füttern gehen sollte. Auch Geld verdienen wäre ´ne verdammt gute Idee.
    Vielleicht, weil ich IS & MVvK mal kurz zugucken durfte, möchte ich es eigentlich sogar anders formulieren. Ich möcht also vermutlich wissen, wieviele vor mir schon an diesem Aussichtspunkt in der Landschaft des Möglichen gewesen sind und die von da aus möglichen Impressionen formuliert haben. Man kann sich ja nichts ausdenken, wie ich mal glaubte, sondern kommt mehr so in der Gegend rum, wie andere auch und wird einfach von Einfällen heimgesucht, die andere an der Stelle auch hätten. Da mich die Konsistenz des Zusammengedachten selber überrascht, werd ich mich nu aber mal auf den Allerwertesten setzen. Jetzt hab ich ja jemanden, der im Zweifelsfall dran Schuld ist.

    Kommentar by Max Liebscht — 21. August, 2006 @ 18:45 Uhr

  12. Herr Liebscht, ich habe schon viele zum Schreiben verführt. Diese Schuld trage ich locker. Schließlich ist ja niemand zum Lesen verpfllichtet.

    Und vergessen Sie nie: Wer nicht schreibt, denkt schlampig! Ich vermute, das werden Sie bei sich selbst auch diagnostizieren, wenn Sie anfangen…

    Viel Spass bei der Reise (und nicht lesen zwischendrin- zumindest nichts Fachliches), FBS

    Kommentar by Fritz B. Simon — 22. August, 2006 @ 12:17 Uhr

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