Mehdorn, die x-te…
Fritz B. Simon
Wieder einmal Grund, über meinen Lieblingsmanager zu schreiben.
Wohl keiner symbolisiert den Realitätsverlust von manchen (nicht allen, das sei angemerkt) Topmanagern so wie Herr Mehdorn. Er trifft nicht nur selbstherrlich Entscheidungen, die sich ganz offensichtlich gegen die Interessen seiner Kunden (die ja zum allergrößten Teil auch die Eigentümer seines Unternehmens sind) richten, sondern vollzieht auch noch uneinfühlbare Preiserhöhungen, ruiniert die Bahninfrastruktur der Bundesrepublik Deutschland, korrumpiert Politiker und Gewerkschafter, indem er ihnen Vorstandsposten aufdrängt usw. Zu alledem will er jetzt auch noch mehr Geld für sich und seine Vorstandskollegen. Prämien für den Börsengang der Bahn, der eh umstritten ist.
Out of touch – so lautet eines der Urteile des Kandidaten Obama über den Kandidaten McCain. Eine schöne Formulierung, die auf Mehdorn auf jeden Fall anwendbar ist.
Aber hat er wirklich die Realität verloren?
Systemtheoretisch gesehen muss das wohl verneint werden. Denn er ist ja nicht nur noch im Amt, sondern sein Vertrag ist verlängert worden. D.h. die für ihn relevante Umwelt – sein Aufsichtsrat – ist offenbar mit ihm einverstanden. Die Kunden als Umwelt liefern ihm, genauso offensichtlich, keine bindenden Entscheidungsprämissen. Sie bilden keine relevante Umwelt. Das ist die Folge der Quasi-Monopolstellung des Unternehmens.
Kann man ihm vorwerfen, dass er macht, was geht…? Das ist eine ethische Frage, mit der ich mich hier nicht beschäftigen möchte. Mir geht es eher um die Frage, wie man hier intervenieren kann. Als Vorsitzender des Hartmut Mehdorn-Fanclubs finde ich ja schon seit Jahren, dass er sich mehr schonen sollte. Er ist offenbar vollkommen überfordert.
Hier ist die Fürsorgepflicht des Aufsichtsrats, genauer der Politiker, deren Aufgabe es ist, die Eigentümer – die Bürger der BRD – und ihre Interessen zu vertreten, gefragt. Herr Tiefensee als Minister hat hier kläglich versagt und versagt weiter. Er sollte endlich aktiv werden und Herrn Mehdorn aus Gründen der Gesundheit (unser aller Gesundheit) in den Ruhestand schicken, wo er in aller Ruhe und unbelästigt durch Quertreiber in der Öffentlichkeit und in seinem Unternehmen über den Börsengang nachdenken kann.
Wenn er das nicht tun, dann sollte unser Verkehrsminister selbst den Hut nehmen. Schnell.
4 Kommentare
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Die Kunden bilden für Herrn Mehdorn “keine relevante Umwelt”. Herr Mehdorn für seine Kunden dagegen schon. So ungerecht ist die Welt.
Als Kunde könnte man direkt gekränkt sein!
Wenn die Entfremdung so weit geht, läuft etwas neben den Gleisen. Ich stimme Ihnen zu: Da sollte der Lenker auf die Bremse treten. Sonst beweist er, das er kein passender Lenker ist und gefährdet den ganzen Zug, samt Insassen.
Kommentar by Thomas H. Lemke — 31. Oktober, 2008 @ 20:37 Uhr
http://www.brandeins.de/ximages/540255_014b11207w.pdf
Mehdorn in Zahlen
Kommentar by duscholux — 31. Oktober, 2008 @ 20:53 Uhr
Tiefensee hat nicht versagt.
Er ist doch Kumpel von diesem Psychopath.
Sie können eine eigene Welt definieren.
Ich finde es gut, daß es Typen wie Mehdorn gibt.
Schülern kann man an solcherlei Beispielen anschaulich die Vorzüge des z.T. stark nachteilsbehafteten demokratischen Führungsstiles erklären. Solange sich die Möchte-gern- allein- Herrscher ab und an untereinander in die Wolle kriegen können, sind die gröbsten faschistoiden Entgleisungen derart egomanischer Aufsteiger im Rahmen des sozial Verträglichen einigermaßen balancierbar.
Kommentar by M.M.M. Liebscht — 1. November, 2008 @ 14:41 Uhr
Die Basisprämie, die Mehdorn beim Verkauf der Bahn bekommen soll(te) heisst übrigens “Event-”Prämie. Die Wortwahl weckt Assoziationen.
Warum hat er damals beim Streik seinen Lokpiloten keine Eventprämie angeboten, immer zu zahlen bei Abfahrt des Zuges?
Kommentar by duscholux — 3. November, 2008 @ 17:53 Uhr