Simons Systemische Kehrwoche

Metaphern

Fritz B. Simon

Gestern war ich bei einer Autorenlesung des Carl-Auer-Verlags im Berliner Außenministerium.

Das erste, was mir auffiel, war, dass es keinen Fahrradständer am/im Außenministerium gibt. Wo stellt der Außenminister sein Rad ab? Nimmt er es mit nach oben? (Den Kalauer, er sei möglicherweise radlos, verkneife ich mir.)

Der zweite auffallende Punkt war, dass diese Veranstaltung (u.a.) von der Buchhandlung im Außenministerium organisiert war. Wozu braucht ein Ministerium eine Buchhandlung? Können die Leute da während der Arbeitszeit lesen? Haben die nichts zu arbeiten?

Mit Laufkundschaft darf dieser Buchladen wohl kaum rechnen, schließlich muss man erst durch eine Sicherheitskontrolle, wie an einem größeren Flughafen (Metall aus den Taschen usw.), wenn man in das Ministerium will…

Na ja, alles eigentlich nicht mein Problem. Trotzdem: Ich habe eben ein mitfühlendes Herz mit dem Buchhandel.

Es waren ziemlich viele Leute da, die Elisabeth Wehling hören wollten, die aus ihrem mit G. Lakoff verfassten Buch “Auf leisen Sohlen ins Gehirn” vorlas und anschließend mit den Zuhörern diskutierte.

Lakoff ist der Metaphern-Papst. Wohl keiner hat sich so fundiert wissenschaftlich mit der Logik von Metaphern und ihren Auswirkungen auf unser Denken beschäftigt. Linguistische Kognitionsforschung.

Darüberhinaus ist er ein leidenschaftlicher Kritiker der gegenwärtigen Amerikanischen Regierung. Am Beispiel der von den USA zur Rechtfertigung und Durchsetzung des Irakkriegs genutzten Metaphern illustriert er, wie Metaphern wirken.

Auch wenn wir vieles schon vorher wussten oder ahnten: Sprache ist kein unschuldiges und neutrales Mittel der Übermittlung von Information, sondern eine Gestaltungselement von Wirklichkeitskonstruktionen. In der politischen Diskussion wird deutlich, dass Metaphern strategisch genutzt werden. Sich deren Wirkung bewusst zu werden und sie kritisch zu reflektieren, ist eine Frage der politischen Verantwortung.

Vielleicht könnten wir ja ein Internet-Forum initiieren, in dem die jeweils in der politischen Diskussion aktuell gebrauchten Metaphern kritisch reflektiert werden. Ohne Metaphern können wir Menschen nicht denken und entscheiden. Aber wir können auch entscheiden, welche Metaphern wird wann und wo und wie verwenden.

Mein Vorschlag an den Auer-Verlag:

Auf der Auer-Website eine Rubrik einzurichten, Arbeitstitel: “Metaphor-Watch”. Vielleicht könnten Frau Wehling und Herr Lakoff die Schirmherrschaft übernehmen und das Ganze redaktionell betreuen…

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15 Kommentare

  1. “Bewußtseinswandel” könnte dann mal ge”watcht” werden…

    Kommentar by CW — 19. Juni, 2008 @ 14:46 Uhr

  2. Methodisch etwas schwierig…

    Kommentar by Fritz B. Simon — 19. Juni, 2008 @ 15:27 Uhr

  3. Dass Sprache kein unschuldiges und neutrales Mittel der Übermittlung von Information, sondern eine Gestaltungselement von Wirklichkeitskonstruktionen, dessen bin ich mir so sehr bewusst, dass ich es nicht bleiben lassen kann, im Alltagsgebrauch darauf hinzuweisen. Sprache ist, so meine These, für eine spätere Arbeit, nicht nur ein Gestaltungselement, sondern das Werkzeug der Schöpfung schlechthin. Aber da dies momentan noch im Bereich der Spekulation liegt, habe ich heute das Buch bestellt zur Materialsammlung und um meine Argumentation zu überprüfen.

    Kommentar by Sylvia Taraba — 19. Juni, 2008 @ 17:16 Uhr

  4. Zu empfehlen ist auch: Lakoff/Johnsen: Leben in Metaphern (auch bei Auer), die “Bibel” der Metaphern-Forschung.

    Lakoff hat auch noch ein Buch mit einem Mathematiker (Nunez) geschrieben, in dem dargestellt wird, dass/wie alle Mathematik auf einigen – nicht miteinander kompatiblen – Metaphern beruht (leider nur auf Englisch: “Where Mathematics Comes From”).

    Kommentar by Fritz B. Simon — 19. Juni, 2008 @ 17:31 Uhr

  5. Danke! Wo ist denn letzteres verlegt?

    Kommentar by Sylvia Taraba — 20. Juni, 2008 @ 14:07 Uhr

  6. Worte lösen bei uns Menschen oft so unterschiedliche
    Vorstellungen aus.

    Oft genug habe ich schon erlebt und mich dann gefragt, woher kommt es, dass Menschen, die eine Methapher hören, es auf ganz verschiedene Weise wahrnehmen, hören, und dann oft sehr unterschiedlich reagieren. Von Lachen, über AHA, Zustimmung, Kopf schütteln, Ablehnung etc.

    Seitdem ich mich mit den Erkenntnissen vom Psychologen Prof. Dr. Steven Reiss aus der Motivationsforschung beschäftige, kann ich es viel besser nachvollziehen, warum Menschen so unterschiedlich reagieren. Jeder Mensch ist ein Individuum, mit unterschiedlichen Werten, Motiven und Zielen….

    Kommentar by alexander reyss — 20. Juni, 2008 @ 16:36 Uhr

  7. “Where Matematics Comes From” ist bei Basic Books verlegt.

    Kommentar by Fritz B. Simon — 21. Juni, 2008 @ 19:13 Uhr

  8. “Metaphor-Watch” wäre wirklich eine gute Idee. Nimmt das jemand in Angriff?
    Wir sollten Carl Auer direkt fragen…

    Kommentar by Holger Huckfeldt — 25. Juni, 2008 @ 13:38 Uhr

  9. Lieber Herr Huckfeld, wollten Sie nicht hilfreich sich an der “Peinlichkeitsforschung” beteiligen? Ich wollte gestern hierzu eine Frage stellen, nämlich ob schon geheime Geschichten eingetroffen sind, aber meine Frage kam per Dämon zurück? So will ich meine Gedanken dazu, sollten sie noch reifen, später öffentlich anhängen. Es scheint das offene Sprechen, doch weniger peinlich zu sein und das Thema “peinlich” vielleicht ausgereizt?

    Zu “Metaphorwatch” möchte ich (um den Kreis zu schließen) die harmlose oft gehörte Metapher beisteuern: “Ich glaub ich hab schon Alzheimer” -Bzw. die Frage, was ist der Unterschied zwischen Metapher und Selbsterfüllender Prophezeiung. (Die Bücher vom Auer-Verlag sind schon eingetroffen – Danke!)

    Kommentar by Sylvia Taraba — 26. Juni, 2008 @ 11:36 Uhr

  10. Es is also mal wieder planmäßig verlaufen.
    Wie peinlich!

    Kommentar by Max Liebscht — 26. Juni, 2008 @ 18:23 Uhr

  11. Liebe Frau Taraba,
    ich wäre ja gerne hilfreich, aber die Resonanz auf den Vorschlag mit der Gruppe bei Yahoo war bisher sehr gering. So ein Forum wäre z.B. hier auf der carl-auer Seite besser aufgehoben. Wenn sich sowas arrangieren ließe, würde ich auch dort gerne einen (konstruktiven) Beitrag leisten.

    FBS eignet sich als Schirmherr doch bedeutend besser als HH. Ich werde wohl an meinem Image arbeiten müssen.
    Für die Peinlichkeitssache gebe ich aber die Hoffnung nicht auf. Wenn sie was haben, dann meilen Sie es mir, ich werde es dann in die Grußße stellen.

    Meine Mailadresse geht mittlerweile wieder, ich hab keine Ahnung, was da los war.

    Kommentar by Holger Huckfeldt — 27. Juni, 2008 @ 10:37 Uhr

  12. Peinlich diese Mittelmäßigkeit, sogar in technischen Dingen.
    Erst extern so einen Peinlichkeitswettbewerb ausrufen und dann tote Hose. Ich hoffe, die Verantwortlichen gehen da wirklich mal in sich und es wird ernsthaft daran gearbeitet.

    Kommentar by Max Liebscht — 27. Juni, 2008 @ 16:08 Uhr

  13. Herr Liebscht, obwohl viele Beiträge von Ihnen direkt in die Kategorie “Peinlich” kommen könnten, möchte ich sie als vermeindlichen Experten doch herzlich zur Mittarbeit einladen.

    Kommentar by Holger Huckfeldt — 28. Juni, 2008 @ 12:24 Uhr

  14. Wetter-Sandwich-Metapher

    Heute morgen Wetterberichtzusammenfassung im ZDF:

    “… richtiges Sandwichwetter: in der Mitte besstes Sommerwetter, und links und rechts haben wir den Salat.”

    Bei welchem Sandwich ist der Salat aussen?

    Warum ich das hier Schreibe?
    Am 1. Dezember 2007 hatte ich hier den Eindruck gewonnen FBS waere auch Sandwichexperte.

    Kommentar by duscholux — 30. Juni, 2008 @ 10:20 Uhr

  15. Danke, Herr Huckfeldt! Wie gesagt, Peinlichkeiten zähle ich zu den Höhepunkten meines exhibitionistischen Schaffens. Ich halte sie im besten Sinne für erkenntnisleitend. Von daher ist mir aber in gewissem Sinne nie etwas peinlich und ich experimentiere mit Grenzwertigem gleich öffentlich statt im Separée. Aber mehr als diese Pausenclownerien hier krieg ich arbeitsbedingt nicht hin.
    Im NLP nennt man das Colombo- Technik. Nach diesem Serienfuzzy.

    Kommentar by Max Liebscht — 3. Juli, 2008 @ 22:03 Uhr

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