Simons Systemische Kehrwoche

Mißbrauch

Fritz B. Simon

Mißbrauch hat in Deutschland Konjunktur. Erst waren es die katholischen Schuljungs, jetzt ist es Hartz IV.

Der Wittgensteinsche Satz, dass der Gebrauch die Bedeutung eines Begriffs bestimmt, scheint seine Umkehrung zu finden: Der Mißbrauch bestimmt die Bedeutung…

Denn es wird ja wenig oder selten über die positiven Auswirkungen von Hartz IV oder katholischer Schulen geredet, sondern nur über all das, was nicht im Sinne der Erfinder ist.

Bezogen auf Hartz IV ist hier natürlich Westerwelles altrömische Dekadenz an erster Stelle zu nennen.

Aber ich weiss gar nicht, was der Junge eigentlich hat und was ihn so aufregt. Denn wenn jemand die Möglichkeiten, ohne zu arbeiten zu überleben, die unsere Gesellschaft (Gott und den anderen Gesetzgebern sei Dank) eröffnet, tatsächlich nutzt, dann folgt er doch nur der Suggestion, die dem kapitalistischen System inhärent ist: Wer clever ist, kann es sich gut gehen lassen, ohne sich anstrengen zu müssen. Die gute Geschäftsidee, das richtige Investment… All das sind Anreize zur Kreativität. Und diese Kreativität kann sich eben auch darauf beziehen, wie man Geld vom Staat bekommt, ohne dass es einem formal zusteht.

Ich persönlich lebe jedenfalls lieber in einer Gesellschaft, in der ein paar Tausend Leute das System der gegenseitigen Solidarität ausnutzen, als in einem Kontrollsystem, in dem Leute zu Arbeiten gezwungen werden, weil niemand essen darf, der nicht arbeitet.

Die Lösung: Ein Grundrente, kombiniert mit einem Mindestlohn. Auf diese Weise wird viel Geld an Verwaltungskosten gespart und wer sich der Muße hingeben will, darf das; wer vor der Glotze den Tag verbringen will, ebenfalls; und wer mit dieser Art Leben nicht zufrieden ist, der kann auch arbeiten und bekommt dafür einen Lohn, der sich wirklich lohnt. Volkswirtschaftlich macht das durchaus Sinn, gesellschaftspolitisch m.E. auch.

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22 Kommentare »

  1. Wessen Brot ich eß
    dessen Lied …

    Kommentar von Max Liebscht — 2. März, 2010 @ 22:02 Uhr

  2. Ich bin mir da nicht so sicher. Gehirnforscher Hüther schreibt von einem Wurm, der langsam sein Gehirn auffrisst, wenn er einmal ein schönes Fleckchen gefunden hat. Er, der Wurm, braucht es dann ja nicht mehr.

    Und es scheint ja auch einigen Menschen schwerzufallen, sich wieder an regelmäßiges Aufstehen und Arbeiten zu gewöhnen, wenn es mal einige Jahre nicht mehr nötig gewesen ist. Unser Gehirn formt unser Handeln formt unser Gehirn.

    Wollen wir ein Sozialsystem als ein Netz, in das man fällt, um dann wieder auf das Trapez zu steigen, oder eines in dem man auch gern liegen bleiben und sein Gehirn auffressen kann?

    Und wie robust wäre ein System des Liegenbleibens gegen Umweltveränderungen und Krisen?

    Kommentar von Wolfgang — 3. März, 2010 @ 08:24 Uhr

  3. “Menschen treffen innerhalb ihres Modells von der Welt grundsätzlich die beste ihnen mögliche Wahl.”
    und
    “Jedes Verhalten ist durch eine positive Absicht motiviert.”
    und
    “Widerstand beim Klienten bedeutet mangelnde Flexibilität auf Seiten des Beraters.”
    und
    “Der Sinn jeder Kommunikation ist nicht die Absicht, sondern die Reaktion, die sie beim Gegenüber auslöst.”
    und zu guter Letzt:
    “Menschen haben alle Ressourcen in sich, um jede gewünschte Veränderung an sich vorzunehmen.”

    So, wie zur Zeit mal wieder die mit Hartz4 etikettierten Menschen in der Presse dargestellt werden, ist es kein Wunder, dass sich in das propagierte Klischee passende Einzelne in den gängigen Talkshows melden, um diesen Feedbackkreislauf zu verstärken.

    Der “Junge” macht einfach konsequent “mehr desselben”…

    Kommentar von Tom — 3. März, 2010 @ 10:41 Uhr

  4. Dass eine ganze Menge Leute mal etwas aus der Hüfte kommen möchten und sich mit primären, sekundärem, tertiärem Symptomgewinn aus divers inszenierten psychosozial-psychosomatischen Problemlagen geruhsam eingerichtet haben, ist das Eine.
    Was der irre Gockel da herumkräht, ist etwas anderes.
    So künstlich die Aufregung auch sein mag, ist sie aber dennoch bemerkenswert.

    Was dieser Mensch da guidolant von sich gibt, sind Leitsignale, die den längst ausgemachten, forcierten Abbau des Sozialstaats einleitend markieren.
    Infolge dieses Abbaus werden wir in den nächsten 1 bis 5 Jahren erleben, dass zig tausende Spontanheilungen stattfinden werden.
    Und aus den sozial engagierten Weltverbesserern von einst werden natürlich lauter Sozialwirtschaftler werden. Müssen (?)

    Der Mensch ist ein Kind seiner (mitgestaltbaren) Umstände.
    Wenn Sie die Versorgung einer Psychiatrieeinrichtung mit Lebensmitteln unterbrechen, werden Sie nach krisenhaften Übergangsreaktionen erleben, dass ein enormer Schub bei vielen scheinbar hoffnungslos verkrachten Existenzen einsetzen wird. Ein enormer Schub an Realitätsorientierung.
    Die Leute beginnen, sich zu kümmern.
    Implizit Knowledge wird explizit in die Reorganisation einer atavistischen Sozialkonstruktion umgesetzt. Resilienz findet neue Ausdrucksformen für soziale Skulpturierung.

    Wer an derlei nicht glaubt, kann die heilsamen Effekte mit etwas ernsthafterem Fasten auch selber nachvollziehen. In Kriegszeiten und Hungerperioden gibt es nahezu keine Neurosen.
    Konzentration auf´s wesentlichste angesagt. Mentale Luxuskonstrukte auf Kosten wohlmeinender oder zwangsverpflichteter Anderer adé. Wer in solchen Zeiten verrückt spielen will, muss psychosozial und sozioökonomisch wirklich viel riskieren bzw. aufgeben aufgeben, um sozial überzeugend zu wirken und dekompemsiert i.d.R. trotz geringem Blutzuckerspiegel stufenlos ins Traumatische hinein.

    Daraus zu schließen, dass wir den Leuten nichts mehr zu futtern geben, wäre natürlich eine Schlußfolgerung, die gut in die Renaissance des Manchesterkapitalismus hineinpassen mag. Lebensmittelgutscheine gegen Nachweis gemeinnützig geleisteter Arbeitsstunden im öffentlichen Gelände. Oder marsch ab als 1 Euro – Kräfte in die Wirtschaft. Unser Problem sind doch immer die schlimme Arbeitslosigkeit und die noch viel schlimmeren Lohnkosten. 2 Probleme = 1 Lösung. Gewußt wie, schafft Synergie!: Wenn wir endlich eh alle Sozialwirtschaft geworden sind, können folgerichtig die gesellschaftlich verwöhnten Individualtrantuten auch auf Staatskosten für den Profit der verbliebenen Steuerzahler anschaffen gehen. Das wäre u.a. auch die Lösung, um das enorm erfolgreiche Konzept Schwarzarbeit zu entkriminalisieren durch Legalisieren. Mittelfristig werden diese FDP- mäßigen- Kalkulationen sogar funktionieren. Längerfristig haut es um so heftiger den Vogel aus der Weltzeituhr.

    Langfrist betrachtet, wird es natürlich zu einem Frühling des Prinzips Familie und sozialer Werte kommen. Da wird FBS garantiert Recht behalten. Aber vorher, müssen wir wohl als Kulturgemeinschaft erst mal durch einen längeren Winter und die Hypertrophierung des Prinzips Kompetition hindurch. Das ist, woran die neoliberalen Labertaschen zwangsläufig arbeiten. Als Sprachtuten des Großkapitals kann man ihnen diese rhetorische Linie noch nicht mal verdenken. Jeder tut, was er kann, wenn er will, was er muss.

    Das ist auch, was all die ch so christlich wie sozial demokratischen Schafe gewählt haben; ihre eigene Enteignung. Entweder in Raten, also so, wie man einen Frosch kocht (Temperatur unmerklich erhöhen) und ein Medikament ausschleicht oder durch eine quasi naturgesetzliche Finanzkatastrophe (Einsturz im Fußgängerbereich durch blasenhafte Unterhöhlung und Zersetzung staatstragender sozialer Elemente) zwecks Absahnen der Realwerte mittels der Waffe rein symbolischen Geldes.
    Natürlich wird der neoliberalistische Staatsabbau (Der Staat wird durch die Neoliberalen ja als eine Form institutionalisierter Sozialismus innerhalb marktwirtschaftlicher Umwelt gesehen.) dermaßen, was von nach hinten losgehen…

    Als Lösungsansatz für die steigende Unfähigkeit zur Leistung + Mitnahmementalität die altbackenden Manchesterparolen wieder aufzuwärmen, ist so ziemlich das Letzte, was die Gesellschaft mitsamt ihren mehr oder weniger gut betuchten Sozialparasiten insgesamt weiterbringen wird. Das beschreiben die Herren Sennett und Rifkin aber auch der Herr Prof. Heinsohn recht überzeugend.

    Solang aber die Privatmeinung keine spürbare Korrektur erlebt, dass die Konsequenzen der Barbarei sowieso nur die anderen Dussel treffen werden und das Prinzip “Absahnen und Abhauen” für den einzelnen obersmarten Funktionär noch hinreichend funktionieren kann….
    Genauso wie wie die kognitiv verirrten Leistungsverweigerer müssen die situierten Neoliberalen Cleverles offenbar erst mal fühlen und emotional relevante Erlebnisse machen, um nachdenklich zu werden. Aus der letzten Spieltischblamage aber haben die Zocker nur gelernt, dass sie den Rückzug nach vorn antreten müssen. Genau wegen diesem Projekt ist unser Schniegel Westerwelle emotional so aus dem Häuschen. Er will ein guter Junge sein und die Erwartungen bedienen, die an ihn von maßgeblicher Seite gestellt werden.

    Letztlich machen die sich gesellschaftlich ausgegrenzt fühlenden Schnarchnasen nur nach, was die Oberturner voraffen:
    Verantwortung möglichst konsequent vermeiden! Verlustrisiken Solidarisieren und Gewinnmöglichketen privatisieren!
    Die tageszeitabhängig mehr oder weniger breiten Massen, von deren Desintagration Richard Sennett und Jeremy Rifkin schreiben, sind ausgegrenzt, wollten selbst aber gar nicht ausgesourct sein. Good Will, gesellschaftlich lieb zu sein, war i.d.R. irgendwann mal da.

    Die Haute de Volée, um die Gunst, deren Interessen verkaufen zu dürfen FDP & Co buhlen müssen, ist allerdings auch gesellschaftlich ausgegrenzt!! Da gibt es also Gemeinsamkeiten! ((Nicht, was den Good will angeht. Da werden Unternehmerkinder eher nach dem “Hilf Dir selbst, so hilft Dir Gott.” sozialisiert. Die Idee von Vater Staat als Familiengarantie, auf dessen mütterliche Fürsorge man sich als einzelner Wohlfahrtsberechtigter verlassen kann, wird sozialisationsstrategisch von vornherein als absurder Denkfehler ausgemerzt.))

    Natürlich sind die Oligarchen gesellschaftlich ausgegrenzt, weil sie zwar vom Staatwesen der Gesellschaft profitieren möchten aber ansonsten nichts zu tun haben wollen mit der notgeduldeten lästigen Pöpelverwaltung. Sozialdarwinstisch betrachtet, gilt der Exclusion und der Minimierung aller mit ihr verbundenen Risiken ja gerade all ihr Streben. Wer will schon mit jedem – das egoistische Gen auf seinem Aufstieg in dynastische Eliten.

    Wer von den mehr oder weniger desinegrierten Leistungsverweigerern nun mehr schmarotzt am Gesellschaftskörper, das gilt noch nicht ausgemacht; die FDP- Lobby in schwarz – grau oder die medial surrogat- integrierten Vollzeitphilosophen in ihren Tarnanzügen? Vielleicht kann man sich darüber ja bei einer gemütlichen NPD- Veranstaltung verständigen. Auch über die gemeinsame Sympathie für Afganisthan – Einsätze könnte man reden.

    Im Verhältnis zu dem,
    wie die gedopten Casinobanker & Wirtschaftskriminellen Dank den Politborderlinern und der Masche mit dem virtuellen Geld im sozialen Netz aufgefangen wurden,
    liegen die Gemeinkosten für die Aushaltung der Rauschbrüder aus dem Stadtpark und halbstarken Taugenichtse vom Aldiparkplatz wohl eher im Promillebereich.

    Die Vermögensumverteilung realer Werte, die hier so schleichend betrieben wird, ist wirklich gigantisch.
    Das Hin- und Hergerechne mit dem symbolischen Geld ist zunehmend substanzleeres Ritual im Spielbetrieb einer real längst geplünderten Wirtsorganisation.
    Immerhin, so ähnlich wie FBS es unter “Griechischer werden” beschreibt: Wenn all die Penner bzw. Wähler der Staatstragenden und Rechte – schaffenden Parteien mal auf den Trichter kommen, wie perfide ihnen hier ihr jammervoll zusammengeluchstes Tafelsilber verscheppert wird, dann … ja dann wird es wohl zum Potlatch kommen. Die damit korrspondierende gesellschaftliche Anpassungsreaktion würde ich mir gern auf Abramowitschs Jacht übertragen lassen!

    Kommentar von Max Liebscht — 3. März, 2010 @ 11:09 Uhr

  5. So sehr ich Ihnen, Herr Liebscht, im Wesentlichen auch rechtgeben muss, tut es mir doch Leid, zu lesen, mit welcher Radikalität Sie Ihre Thesen vortragen. Wie ich es schon bei “Griechischer werden” zu Herrn Simon gesagt habe (durchaus ernst gemeint): Sie torpedieren sich selbst ins Off, wenn Sie sich zu sehr vom Common Sense (selbst wenn er zum Teil von reaktionären Hintermännern konstruiert wird) absetzen. Sie könnten mehr erreichen, wenn Sie in viele hässliche Ärsche kröchen. : – ) (Nebenbei muss ich bemerken, dass Sie vermutlich das Glück haben, dass die Personen, die sie besser nicht lesen sollten, ohnehin nicht verstünden.)

    Das Beispiel der mentalen “Gesundung” in Krisenzeiten ist zutreffend, jedoch kann man daraus m.E. keine Schlüsse ziehen. Die Aktivitätszunahme des adrenergen Systems bedingt dabei die Fokussierung auf das Wesentliche, das Gehirn befindet sich also keineswegs in seinem chemischen Durchschnittszustand. Zusätzlich wird ein Gefühl der Gemeinschaftlichkeit geschaffen, das emotionalen Aufwind gibt. Sie würden ja auch niemals statuieren, dass Nachts bedeutend weniger Stromnetze aus Überlastung ausfallen. (Gewiss ein Vergleich mit Holzbein.)

    Bzgl. der proklamierten Renaissance der Familie bin ich sehr skeptisch. Eine Familie bedarf in der Regel einer Sicherheit, die in der heutigen Zeit immer seltener gegeben wird. Dies wird zunehmen, und das potenzierte Problem des Rekordschuldenbergs der auf der Rekordunterschicht lastet, das uns in 30 Jahren erwartet, wird dazu führen, dass diese Unsicherheit um sich greift und sogar in den wohlhabenderen Ständen zunehmen wird.

    Bzgl. Ihrer Formulierung der “kognitiv verirrten Leistungsverweigerer” bin ich unsicher, ob Sie dies verallgemeinern (general-attributiv), oder nicht (selektiv-attributiv). Ich bin selbst Leistungsverweigerer, sehe mich aber nicht als kognitiv verirrt an. Der allgemeine Zuspruch, den ich diesbezüglich von außen erhalte, gibt mir dabei Hoffnung, dass ich richtig liege…

    Zuletzt: Die Idee der Grundrente gefällt mir (schon lange). Ich sehe sie aber nicht mit dem derzeitigen Wirtschaftssystem vereinbar.

    Herzliche Grüße!

    Kommentar von pascal — 3. März, 2010 @ 16:45 Uhr

  6. Freue mich sehr, hier von Fritz den Vorschlag einer Grundrente zu lesen. Ich interpretiere das als die Idee des bedingungslosen Grundeinkommens (einen guten Eintrag dazu gibt es bei Wikipedia: http://de.wikipedia.org/wiki/Bedingungsloses_Grundeinkommen. Damit könnte mittelfristig in der Tat viel Verwaltungsaufwand vermieden werden. Interessanter Weise findet diese Idee in fast allen Parteien ihre Verfechter.

    Kommentar von Anno Stockem — 3. März, 2010 @ 18:24 Uhr

  7. Erinnert mich an Serres “Mißbrauch kommt vor dem Brauch”.

    Kommentar von es — 4. März, 2010 @ 13:09 Uhr

  8. Grundeinkommen ist völliger Käse.
    Durch zusätzlich eingeschränkte Möglichkeiten zur Unterschiedsbildung würden die Systeme weiter degenerieren.
    Und dusselig genug sind sie wohl schon.
    Es wäre nur ein weiterer Beitrag zur Verkastung der Gesellschaft.

    Entschieden lohnenswert hingegen ist, über Mindesteigentum nachzudenken!
    Und ruhig etwas länger nach- bzw. vordenken.
    Auf den ersten Blick mag es ja nicht plausibel erscheinen, mit dem Unterschied.
    Der den Unterschied macht.
    Eigentum schafft Verantwortung.
    Wer das nicht begriffen hat, muss in Deutschland nur mal die Brille abnehmen.
    Die Schrebergärtnerbewegung war ein Erfolg.
    Oder das Platzhirschgebahren der Sitzenbleiber in Städten wie Guben, Hoywoy e.t.c. (Statistisch flüchten die – hinsichtlich ihres “Lifeinvestments” auf mobile Netzwerke wettenden Frauen im erwerbs- und gebährfähigen Alter in die großen Städte während Sven, Uwe und Thomas auf ihren Bierkisten vorm Netto hocken bleiben und die Überfremdung abzuwehren suchen.)
    Wer also Philosophen fördern will und auf die normalerweise geradezu zwanghafte Kreativität des Menschen setzt, sollte da ansetzen. Territorial orientiert, wie männliche Säuger trotz all dem medialen Mummenschantz oft immer noch sind, wird hier seit Jahrzehnten ein enormes Potential zur Übernahme gesellschaftlicher Verantwortung systematisch verspielt.
    Die utopischen Energien kommen niemand zunutze und verpuffen als Mindfuck im Nirgendwo.
    Diese Ressource der territorialen Orientierung gilt es zu utilisieren.
    Natürlich hat man gerade wegen dieser Orientierung hier die Leute wie kaum irgendwo sonst am Sack angepflockt.
    Das Verhältnis der Leute zu den ihnen leihweise auf zeit überlassenen Karnickelzellen zu Heimat ist im besten Fall exotisch i.d.R. aber massiv überfremdet, just wie das zu einer bestellten Nutte.
    Was herauskommt aus solchen Verhältnissen ist für alle Beteiligten i.d.R. unerfreulich.
    Mindesteigentum, im Guten wie im Schlechten gesichert.
    Das wäre ein Ansatzpunkt, damit die verwahrlosten Seelchen wieder Wurzeln und Erdreich bilden anstatt von den Fürzen der Casinowetter wie Müll durch die Gassen gewedelt zu werden.
    Ran ans goldene Kalb!

    Einen Schuldenberg wird es in 30 Jahren nicht mehr geben.
    “In 30 Jahren”! Da muss ich wirklich grinsen, wenn ich so was lese.
    Wie Entschuldung als quasigesetzliches Naturereignis inszeniert werden kann, müßten die paar Leute, die noch über ein bißchen Geschichtsbewußtsein verfügen, leicht erinnern können.
    Und einmal mehr: Die Frage Inflation / Deflation ist dabei pupsegal.
    Was wir haben werden, ist, dass sich ein Kastensystem differenziert und stabilisiert hat.
    Für uns ist das ungewohnt. Aber das ist auch (fast) alles.
    Solche Systeme sind sehr stabil und Menschen haben damit offenbar “nicht wirklich” Akzeptanzprobleme.

    Das Gehirn braucht offenbar ebenso wie Unternehmen und Gesellschaften verkraftbare Ausnahmezustände, um Resilienz ausbilden und seine Immunkraftbildung auf die ökologischen Paramater hin updaten zu können.
    Fasten Sie mal 14 Tage!
    Sie können auch mal, wenn sie das sonst nicht tun, 14 Tage Trashfood zu sich nehmen.
    e.t.c.
    Vielleicht auch, dass die Popen deswegen so überzeugend gegen die Häßlichkeiten sexuellen Verkehrs eifern, weil sie ihre Art Entschuldung bzw. Entladung ihres Humors (“Saft”) unter derart extremen Konditionen realisieren.
    Der Blick auf die Gauss´sche Normalverteilung zeigt, dass es extreme und sich hartnäckig positionierende Spitzen braucht, um den großen Puddingsberg am Auseinanderlaufen zu hindern.

    Menschen sind keine Ratten und die Ergebnisse von Laborversuchen zu verallgemeinern natürlich so eine Sache.
    (Bei Drosselung der Futterzufuhr steigt die Kopulationsrate an.)
    Immerhin hat es schon eine gewisse Ironie.
    So viel Bemühen all die Jahre um die Anhebung der Geburtenrate.
    Und siehe da: die ökonomischen Frames verschlechtern sich drastisch und die Geburtenrate steigt.

    Ansonsten: Unbedingt weitermachen mit dem Leistungsverweigern!
    a.) Solange es Spaß macht. b) Solange sich noch jemand für den Handelwert dieser Art von Verhaltensbeitrag (i.S. von Zurückhaltung) interessiert.
    Wichtig ist natürlich, den günstigen Zeitpunkt zum Wiedereintritt in den Markt nicht zu verpassen. Radikale Marktwirtschaft läßt grüßen.

    Kommentar von Max Liebscht — 4. März, 2010 @ 15:20 Uhr

  9. Wenn ich als Unternehmer Arbeiten an Mitarbeitende delegieren will, hab ich in Deutschland einfach ein Problem mit den Lohnnebenkosten.
    Das läuft daraufhin hinaus, dass immer weniger Leute immer produktiver sein müssen. Da liegt unser schickes Bunny wirtschaftlichen Aufschwungs inkl. sozialer Verteilungsgerechtigkeit im selbstgemachten Pfeffer. Daran gehen kleine Gründer und KMU reihenweise krachen und große Läden flüchten wohin sie irgend können.
    Was dazwischen noch hierzuland verwiesen ist, ortgebunden herumzuwursteln, sucht mit so wenig Leuten auszukommen als möglich. Und argumentiert gegen inzwischen chronisch korrupte Gewerkschaften e.t.c.
    Um genau diese Größe geht es! One-Man-Power und deren z.T. unsinnige Multiplikation durch Rationalisierung von Sorgfalt und Originalität.
    Lösen kann ich Unternehmer das Problem teilweise, indem ich bspw. indische Programmierer ransetze oder mir meine Markenmaßanzüge in Bangkok schneidern lasse.
    Aber die wasser- bis betonköpfigen Behörden hier?
    Auch die Qualität der meisten Arbeiten hier ist ein Witz im Vergleich zu dem, was unsere Großeltern noch zustande brachten. Erst recht, wenn wir bedenken, was wir im Unterschied zu denen heute für technische Möglichkeiten einsetzen können. Die krebsgeschwürartige Architektur, mit der wir unsere Landschaften verhunzen ist das augenfälligste Beispiel für unsere ästhetische Verrohung. Häuser, die aussehen wie mutierte aufgeblasene Kühlschränke. Aber für uns ist eben Masse statt Klasse angesagt.
    Und statt, dass wir Muße lernen, Slow Food pflegen und uns in der hohen Kunst der Bedachtsamkeit und Präsenz für einander üben (das ist ja eine schön Idee von Herrn Simon, das gebe ich gern zu) hasten die einen wie die Gaskranken ohne Sinn und Verstand höher, schneller, weiter von einer Rekordmarke zur nächsten, während dem sich die anderen zwischen Playstation, Arbeitsamtformular und Supermarktgewinnspiel fragen, ob es überhaupt einen Unterschied macht, dass es sie gibt. Lebensqualität und Arbeitszufriedenheit in Euro umrubeln und mal raten?

    Gegenüber diesem letztlich organisatorischen Schwachsinn nun herzugehen und zu sagen, es gibt nicht genug Arbeit für alle, das ist in der Tat römisch dekadent bis oberflächlich. Schon die Formulierung „Arbeit geben“, ist Ausdruck gewordener Dummfug. Wenn Arbeit da ist, müssen alle in der Gemeinschaft mit anpacken. Denken wir systemisch oder tun wie nur so als ob? Statt dessen läuft der Wettbewerb im dumm tun samt Krönung darauf hinaus, wen das To Do am wenigsten angeht. Arbeit ist da. Für uns alle ist diese Arbeit da. Mehr als genug. Wenn wir schon mal systemisch denken wollen. Solange wir noch nicht müssen. Und diese Arbeit wird täglich mehr durch den Schaden, den wir in der Welt mit unseren Patentlösungen noch immer anrichten.

    Wer den Blick über Deutschland, Europa hinaus richtet, dahin, wo für unsere Dusseligkeiten für fast nichts schwer gearbeitet wird, der sieht die Arbeit infolge ökologischem Schaden und infolge kultureller Degeneration (speziell die Zersetzung der Familie und die volkswirtschaftlich komplett wahnsinnige Substituierung ihrer Funktionen durch gewinnorientierte Dienstleistungsunternehmen) auch deutlich genug.
    Dass nicht genug Arbeit da wäre, ist nicht das Problem. Allein Alten- und Krankenpflege sowie Erziehung unserer Zukunftsbringer. Aber auch viele andere gesellschaftliche Bereiche sind drastisch unterbesetzt. Auch dort führt dies zu mehr und mehr an Quantität statt zur notwendigen Qualität. Man kann auch Verblödung der Verhältnisse sagen. Oder „Trivialisierung“ wie Heinz von Förster.

    Sicherlich ist es auch ein bißchen schwierig, dass Schule a) nicht über das psychologische Know How verfügt, um Erziehung bedarfssgemäß zu realisieren, geschweige b) gegenüber den konkurrierenden Sozialisationsinstanzen der Medien zu bestehen und c) als Behörde außerstande ist, den Bedarf zu realisieren, auf den hin sie Leute ausbilden soll.
    (Damit eine Behörde möglichst störungsfrei ihre geregelten Abläufe einhalten kann, muss sie sich nach außen abschotten. Wenn das keine Koorektur von hierarschisch übergeordneter Instanz findet, resultiert zwangsläufig eine solche Vertrottelung, wie wir sie in unseren Erziehungsinstitutionen erleben.)

    Die Aufteilung der Arbeit aber ist die entscheidende Herausforderung!
    Der rechte Mann am rechten Platz als Form funktionaler Verkastung – pardon! – gesellschaftlicher Differenzierung.
    Mit geeigneteren und ökologisch unschädlicheren Substituten für die Deplatzierten.
    Second life tut den bildungsfernen Fliesenlegerkindern lt. Prof. Spitzer, Bauer, Hüther nicht gut.

    Zum Einen spielt bei der offenkundigen Fehleinschätzung der Handlungschancen und Verzögerungsrisiken unserer Lage hinein, dass wir uns als Kulturgemeinschaft in der Festung Europa schon ähnlich abgeschottet haben wie eine Behörde gegenüber den Bedenkenträgern und Problembürgern, die von außen her randrängen und Regelungsbedarf anmahmen. Wir wurden noch immer nicht geneigt, wahrzunehmen, welch immenses Maß an Arbeit außerhalb unserer medialen Käseglocke draußen auf uns längst wartet, wartet und weiter anwächst. Totalitäre Systeme kapseln sich wie Metastasen ab. Statt Mauerbau wie in der DDR oder in Israel regeln wir die Mindcontroll über die Sendervoreinstellung unserer berlusconisierten Massenmedien.

    Wir Gesellschaftsclubmitglieder verwechseln nach wie vor soziale Fragen und Antworten mit den immer dringlicher zu lösenden ökologischen Fragen. Wir bilden uns ernsthaft ein, es gäbe nicht genug Arbeit für alle! Grotesk, grotesker, am gro … Genau! Gleichsam, als ob wir nicht systemisch derart verwoben wären in wechselseitiger Abhängigkeit mit denen, die für uns außerhalb unserer Festung Europa vor der in den Vorstellungswelten errichteten Betonmauer schwerer arbeiten, als wir es je mußten, geschweige uns vorstellen können.

    Daran, dass immer weniger immer mehr leisten müssen, damit die Lohnnebenkosten den Gewinn möglichst wenig schmälern, DA ist in jedem Fall anzusetzen, wenn sich an der Arbeitsverteilung und den Zahlen effektiv was ändern soll.
    Dann gäbe es eine gewisse Chance, Muße zu lernen. Aber doch nicht vorher, bevor die unübersehbare Hausaufgaben für die unvermeidlich kosmopolitische Lerngemeinschaft gemacht worden sind.
    Da die politische Wahrnehmung der Interessen des Gemeinwohls inzwischen einen ähnlichen Wert hat wie demnächst das noch immer angebetete Geld (rein symbolisch), wird aber genau dieser zentrale Punkt der Konstruktion am allerwenigsten angetastet werden. Und genau das ist, was in den Zahlen auch klar zum Ausdruck kommt. Die Arbeitsgemeinschaften aus Casinozockern, Politborderlinern, Blackwaterperversen und Recht schaffenden Wirtschaftskriminellen, welche sich an den Psychiatrien vorbei an die Spitze geschauspielert haben, geben damit als Leitsignal indirekt aber deutlich hinaus: „Wir sind gewillt, genau so weiter zu machen mit unserer kosmetischen Symbolpolitik wie bisher. Für uns läuft es bestens. Und wenn die Lösung der demographischen versus ökologischen Probleme gar zu dringlich angemahnt wird, sitzen wir die Marktbereinigung von Angebot und Nachfrage einfach auf unseren Jachten und schwimmenden Inseln aus!“ Die Leuchtbojen sind hintenrum mit Fragen der Vorratswirtschaft befaßt. Mit Politik soll sich befassen, wer will oder wähnt, dafür noch Zeit übrig zu haben. Von Merkel und Co aus kann das Wasser steigen, wie es will. Die Funktionäre des Status Quo schwimmen immer oben. Das Projekt, um das es den gesellschaftlich Excludierten privatim eigentlich nur gehen kann, heißt Konserven und Nutten sammeln für die Proviantkammern und Unterhaltungsdecks ihrer Archen.

    Torpedo? Wovon denn weg? Much more off als in der Fata Morgana Görlitz, 15 Meter entfernt von der Grenzmarkierung zu Polen, …. geht ohnehin nicht. Höchstens vielleicht noch im Wendland oder irgendwo da, kann man in Deutschland noch weiter draußen sein als hier in Dreigernegroß. Der Güte der Beoabchtung, von der es die Systemiker immer so haben, kommt dies möglicherweise einigermaßen zu Gute.
    Um die Wahrscheinlichkeit für den Erhalt brauchbarer Ergebnisse intersubjektiv zu optimieren, braucht es beides: a) eine Beobachterposition, von der aus man das Geschehen ohne Handlungszwang distanziert überblicken kann. Und b) die Möglichkeit, sich mit jemandem die Bälle zuzuspielen, der als teilnehmender Beobachter voll involviert und spürbar von Besinnungslosigkeit bedroht ist.
    Gerade in den großen Städten mit der viel höheren Dichte suggestiver Angriffe auf den unvoreingenommenen Menschenverstand, in München, Berlin,Wien, da sich die Leute den ganzen Tag dermaßen extatisch bis verzweifelt in ihren Ansichten von der Richtigkeit sozialen Lebens trotz ausgeblendeter ökologischer Falschheit solange und intensiv hin und her bestätigen müssen, bis der Eindruck von Realität entsteht, da ist kaum ein Auskommen und Einsehen in die Verirrtheit unserer Life- Investments.
    Wenn man vom Lande kommt und sich mit seinen Wahrnehmungsmöglichkeiten diesem Irrlichtgewitter für ein paar Tage aussetzt, erscheint das natürlich phantastisch. Gleichwohl ist klar, dass all die sich beeindruckenden Geister schon lange nicht mehr alle Bälle im Tor haben. “Und was heißt schon New York? Großstadt ist Großstadt; ich war oft genug in Hannover.” (Arno Schmidt)
    Auch hier in diesem, meist von Metropolisgeist erfüllten Forum – das kann man ja noch mal nachschauen – das hat auch sehr lange gedauert, bis darauf eingegangen wurde, dass die Auseinandersetzung mit einer „neuen“ (lang nicht gehabten) Form von Phänomen wirtschaftlicher Transformation ins Haus steht. Kein avantgardistischer Antizipationsvorlauf. Stattdessen zeigten sich auch die Systemiker damit wohl ausgefüllt, banale Schlagzeilen für Bandarbeiter polemisch auszudeuten. Die Dringlichkeit wirtschaftlicher Themen wurde hier nicht früher thematisiert als anderwo auch. In Betracht darauf, dass sich systemische Organisationstheoretiker für bei aller Bescheidenheit durch die Blume als schlicht kompetenter einschätzen denn die traditionellen Mainstream- Management- Moden- Verkäufer, ist das zumindest erstaunlich.

    Wovon soll ein Feuermelder schon träumen?
    Cassandra wird man nicht, weil man sich dafür beworben hat sondern, weil man verflucht, heimgesucht und bezeichnet wurde.
    Wer kein Professor ist oder sonstwie mit intellektuell denunzierenden Statussymbolen als zu beachtende soziale Größe gekennzeichnet wurde …. dem bleibt ohnehin nur die Literatur oder eine Art Zettels Traum. Die Folks hören so oder so nur in homöopathischen Dosen auf den Propheten im eigenen Land. Rechtzeitig. Einsichtslernen findet nur im Notfall statt. Schon im alltäglichen Individualbetrieb sind das unter 5 %. Kommen noch die Überlagerungen durch Gruppendynamik und die Massenhypnose kraft medialer Resonanzverstärker dazu, geht es ganz ins Blödselige. Um soziale Resonanz und Innovationsbereitschaft zu bewirken, braucht es nicht nur hinreichend Ähnlichkeit mit dem Mainstream. Manchmal reichen homoöpathische Dosen tatsächlich.

    In 30 Jahren ächzt wer auch immer unter unserer Schuldenlast. Welche biedere Annahme! Vor ca 30 Jahren war ich anhand der Verwurstung von Landschaften von der Eingebung furchtbar beeindruckt, unsere gewohnte Welt müsse an der Umweltzerstörung unaufhaltsam kaputtgehen. Artenvernichtung, Wetter, Winde, Versteppung, Wasser- und Ackerbodenvergiftung. Ich erinnere mich, dass ich mir nicht sicher war und darüber rätselte, ob es nun 30 oder vierzig Jahren brauchen würde. 10 Jahre länger leben und Zeuge sein… Selbst aus DDR – Perspektive war es für einen dummen Schuljugen immerhin absehbar, dass etwas gravierend schief lief mit dem Projekt Humanisierung der Welt. Die prognostische Treffergenauigkeit erscheint mir aus heutiger Perspektive für einen 7 – Klässler gar nicht so schlecht. Was läßt sich heute für in dreißig Jahren absehen? Das könnte m.E. hier wirklich öfter mal beleuchtet werden. Würde mehr „Sinn machen“, als manche Schlagzeilenexegese. Von der ungebrochenen Fortsetzung bürgerlicher Verhältnisssmäßigkeiten auszugehen, erscheint mir immerhin schon für die nächsten 5 bis 8 Jahre recht kühn. Warum nicht Faschismus 2.0 ? Es gibt ja doch ein paar neue technische Möglichkeiten zum sozialen Rearrangement. Wenn das mit der Vernetzung gar zu dynamisch wird, kann man immer noch die Leitung kappen wie in Myanmar.

    Was mich privat nervös stimmt, ist bspw., wenn mir mein an sich biederer Bankberater mit großen Augen genau die Dinge über Wirtschaft, Gesellschaft und Geld erzählt, für die ich vor drei Jahren noch für bekloppt erklärt worden bin. So was bin ich all die Jahre des Cassandra-Daseins nicht gewohnt. Es beunruhigt mich und deutet darauf hin, dass die Allgemein“gut“ gewordene, bislang aber diffuse zynische Vernunft sich konkreter verdichtet und ihren Aggregatzustand demnächst wechseln könnte.

    Kommentar von Max Liebscht — 5. März, 2010 @ 12:33 Uhr

  10. 6 Mrd. transderivational Verwirrte bei 105441 km/h Eigenbewegung suchen den archimedischen Hebel. Keep up, Cassandra! Apollo liebt dich.

    Kommentar von es — 5. März, 2010 @ 17:24 Uhr

  11. Okay, ich seh es ein, wir brauchen was Optimistisches dazu;
    http://www.youtube.com/watch?v=K4FaGacwtd4&feature=fvst

    Kommentar von Max Liebscht — 5. März, 2010 @ 21:20 Uhr

  12. Is das mit dem Mindesteigentum wenigstens rübergekommen?

    Kommentar von Max Liebscht — 5. März, 2010 @ 21:29 Uhr

  13. Eine Konnotation der Zentralrede.
    Unter Zentralrede verstehe ich (nach Debrod) „die ununterbrochene Rede, die die gegenwärtige Ordnung über sich selbst hält.“

    Kommentar von es — 6. März, 2010 @ 11:23 Uhr

  14. Eine Konnotation der Zentralrede.
    Unter Zentralrede verstehe ich (nach Debrod) „die ununterbrochene Rede, die die gegenwärtige Ordnung über sich selbst hält.“

    Kommentar von es — 6. März, 2010 @ 11:23 Uhr

  15. “Eine Konnotation der Zentralrede.
    Unter Zentralrede verstehe ich (nach Debord) “die ununterbrochene Rede, die die gegenwärtige Ordnung über sich selbst hält.”"
    Hurschtengewichtelsappenduss? Trewolt krama wodinu lech zwelf ruppendurr?
    Ach so, jetzt hab ich´s! Ja okay, glaube zu verstehen.
    Da haben wir ihn also mal wieder, den Arthus P. Feldmann.
    Inzwischen sogar zum Doktor geworden.
    Fetzt!

    Ich weiß nicht, ob die “Zentralrede” durch Schramm & Co nicht ungewollt, indirekt oder kalkuliert unterstützt wird. Vielleicht läßt sich die Frage so auch gar nicht sinnstiftend stellen. Bei den ins Meinungsoff torpedierten Omegas haben wir ja so Phänomene wie bei Isolationshaftopfern, die irgendwann anfangen zu hoffen, dass ihr Folterer sich wenigstens mal zeigt oder sie gar mal eines Schimpfwortes würdigt.

    Ich glaub, beim Antwortversuch auf diese spannend erscheinende, aber zumindest doch auch ziemlich schwierige Frage, ob Kabarett oder schöngeistiges Herumgehocke-und-Geblogge eine nützliche Form von „Was tun“ ist, kommt man sehr weit ins Religiöse hinein bzw. ist zack schon drin. Und mit Godot zu kalkulieren, ist immer so eine Sache. Wenn man ihn wirklich mal braucht, haben ihn meist grad schon andere gemietet.

    Ein in seiner Funktion aufgehender Omega jedenfalls bzw. der sozial funktionale Feuermelder kann alleine weder Revolution machen noch das Schlimmste verhindern. Eine Leber sieht man auch eher selten allein an der Bar sitzen, soweit ich mich erinnere. Vielleicht, dass es für´s erste wenigstens bei den Spendenbeträgen der Mienenopferwohltätigkeitsbälle einen schönen Unterschied macht, wenn das Sudoku der Oligarchen vor zahlendem Publikum ausgedeutet wird. Immerhin sind die sich auch nicht ganz grün. Im „Jeder macht, was er kann und Gelegenheit macht Diebe – Miteinander Gegeneinander – Spiel“ wird man Außenübertragung eines lustigen Sherlock Holmes sicher zu schätzen wissen. In umfänglicherer Führungsverantwortung würde ich meinem Omega aber auch nicht bloß zu beißen geben und in Form sondern auch in Ehren halten. So viel sollte man wohl doch über Führung wissen. Auch die Steuersünderdatensachen sehe ich eher als Service und Zusatzfeature an im Spielspaß der sportlichen Rechenkünstler um die Macht.

    Ich selber nutze die Mitschnitte als eine Art Nachrichten, um trotz Elfenbeinturmlage wenigstens einigermaßen abschätzen zu können, was sich hinter dem medialen Irrgelichter gerade für Konstellationen aktualisieren. Das lechz und rings der Paulskirche ist doch schon eine Weile her und vorbei, nicht wahr? Oder kreiseln wir etwa doch immer noch in den Ehrenrunden? Im Wesentlichen sind die Stücke und Lieder, die gespielt werden, ja irgendwie allesamt schon mal gelaufen. Aber Geschichtsbewußtsein ist ja wahrscheinlich sowieso eher was für Besserverdienende. Es zieht sich aber auch mit der sozialen Evolution! Aber es hat auch niemand gesagt, dass man etwas schon muss, bloß, weil man es noch kann: Lernen zum Beispiel. Das ist bei Teams und Orgas schon so eine Sach. Geschweige im gesellschaftlichen Maßstab. Internet statt Goebbels- Schnautze. Die Leute scheinen es zu mögen. Hasen und Luchse.

    Wenn ich mir die leutselig lächelnden Berufsganoven und Hofstaatslakaien, die mitunter ja geladen im Publikum sitzen, ansehe, so scheint denen das Reentry (?) jedenfalls durchaus von Interesse zu sein. Es hat was Sportliches, wie man da mit den sozial mitzudenkenden Spielkarten öffentlich observierbar herumsitzt, äugt und zu raten sucht, wie gut man denn nun schon miteinander bekannt ist. Der Meinungsisolierte hat endlich seine Sonne und die Selbstbewußten mal einen Blick in den Außenspiegel. Zumal, man leibhaftig nicht mit ansehen muss, was bspw. der Herr Wagenhofer an unappetitlichen Konsequenzen der Globalkleptokratie geschmackloserweise zu zeigen sucht. Die Spitzbuben, die bei Schramm und Rether sitzen, spitzen freilich – das glaube ich als berufssozialisierter Psychofritze jedenfalls – selber auf Leitsignale, wie es anders ginge, bzw. auf ein besseres Angebot, wie man sich appetitlicher arrangieren könnte. Zumindest ist das auch mein subjektiver Eindruck, wenn ich ab und an mal hierzuland mit „Spitzen der Gesellschaft“ zu reden komme.. Ich nehme kühn an, der Unterschied zu den weitläufiger organisierten Raubrittern erschöpft sich vornehmlich darin, dass hier auf Kreisklasseniveau gepokert und geblöfft wird. Prinzipiell aber greift man hier wie da auf Herrenmenschenfolklore zurück. “Wir reizen ja nur das aus, was mit und ohne Euch möglich ist.” Von Zeit zu Zeit übernimmt die Ökologie als Alpha die Regie über das ganze Theater und einige der Besucher im Realkabarett erinnern sich, es schon lange kommen gesehen zu haben.

    Im besten Fall kann Harlekino ja genau auch nur das bemerken, was andere längst wissen über ihren mehr oder minder ausgeprägten Einfallsreichtum. Und aus lösungsorientierter Sicht reicht das eben nicht aus für erstklassige Kollektiv -Tansformationen. Von daher … „Herrscher des Wörterbuchs“ – ich weiß nicht. Ich glaub eher Einfallslosigkeit und fraktale Beschränktheit zu sehen statt Verschwörung Überblicksbegabter. Vielleicht von wegen Rogers und meiner eitlen Erfolge vor kleinem Publikum. Deformation professionelle. In meinem Bekanntenkreis habe ich bspw. einen ultrarechten alten Hasser und einen traditionskonservativen Linken: Unabhängig voneinander bedauern beide aufrichtig die gering ausgeprägte Gewaltbereitschaft der Leut in ihren Zellen. Aus meiner Sicht eher eine der guten Seiten an der Degeneration.

    Kommentar von Max Liebscht — 6. März, 2010 @ 14:34 Uhr

  16. Lieber Herr Liebscht, vielen Dank für Ihre Kommentare. 30 Jahre sind in der Tat eine eine kühne Voraussage. Lassen Sie mich korrigieren mit “20-30 Jahren”. Denn ich sehe wirklich nicht, dass allzu schnell etwas passieren wird. Die von Ihnen angedachten Möglichkeiten zur Schulden-Vernichtung (wahrscheinlich verstehe ich aber gar nicht richtig, was sie meinen) sind glaube ich keine, die von der derzeitigen herrschenden Klasse befürwortet werden würden, oder? Ich glaube nicht, dass die ihre Macht so schnell abgeben werden.

    “Was mich privat nervös stimmt, ist bspw., wenn mir mein an sich biederer Bankberater mit großen Augen genau die Dinge über Wirtschaft, Gesellschaft und Geld erzählt, für die ich vor drei Jahren noch für bekloppt erklärt worden bin.”

    Sehr gut. Verärgert Sie das nicht? Ich habe vor 10 Jahren (in der 9. Klasse) gegen eine Wand in Form meiner Biolehrererin argumentiert, weil ich gesagt habe, dass die rein zufällige genetische Varianz und zufällige Selektion (also der radikale Darwinismus) überhaupt keinen Sinn ergibt, und dass Lamarck zu Teilen recht gehabt haben muss. Ich gestehe, ich hätte bis vor einigen Jahren sicher auch nicht geglaubt, dass der “Stand der Wissenschaft” in dieser Hinsicht so schnell korrigiert wird.

    “die Ergebnisse von Laborversuchen zu verallgemeinern natürlich so eine Sache. (Bei Drosselung der Futterzufuhr steigt die Kopulationsrate an.)”

    Das ist sicher auch bei Menschen so. Entspringt aber eher dem spontanen Wunsch nach Verbesserung der Gefühlslage, also mehr ein Trieb, denn überlegtes Handeln. Darüber hinaus funktioniert die Regulation des Essbedürfnisses und die des Fortpflanzungsbedürfnisses z.T. über das selbe Rezeptornetzwerk (HTR2C). Und bedenken Sie bitte, in welchem Maße auch die Abtreibungsrate zunimmt, und wie diese im Verhältnis stehen.

    “Ansonsten: Unbedingt weitermachen mit dem Leistungsverweigern!
    a.) Solange es Spaß macht. b) Solange sich noch jemand für den Handelwert dieser Art von Verhaltensbeitrag (i.S. von Zurückhaltung) interessiert.
    Wichtig ist natürlich, den günstigen Zeitpunkt zum Wiedereintritt in den Markt nicht zu verpassen. Radikale Marktwirtschaft läßt grüßen.”

    Ich komme manchmal mit Ihrer vordergründigen Ironie nicht so ganz klar… aber Sie haben ja Recht. Aber zu a): Es macht mir sicher keinen Spaß! Im Gegenteil, ich laboriere daran. Ich würde mich gerne sinnvoll einbringen, sehe aber wenige Möglichkeiten. In die Politik kann ich nicht, ohne mich irgendeiner idiotischen Partei unterzuordnen und in ihr unterzugehen. In die Wissenschaft oder in einen anspruchsvollen Bereich in dem ich mich sinnvoll einbringen könnte (und dabei anständig entlöhnt würde) kann ich nicht, da ich keinen Wisch über ein abgeschlossenes Magisterstudium vorweisen kann. Der ist ziemlich viel wert, so ein Wisch! Das mit dem Studium habe ich versucht, aber nach zwei Jahren hatte ich wirklich keine Geduld mehr, bei soviel Verblödung in unseren Universitäten! Also bleibt mir vorerst keine Wahl, als mich als Künstler zu versuchen, und nebenbei einen Gesellschaftsentwurf zu kreieren, den zu veröffentlichen dann irgendwann in der gutgläubigen Hoffnung, dass er erhöhrt würde, ich hoffe.

    Ich habe jetzt gewiss vieles vergessen oder nicht erwähnt…

    PS: Ihr Grundbesitz ist angekommen und in der Tat eine schöne Partiallösung. Aber ebenfalls zu utopistisch, glauben Sie nicht?

    Kommentar von pascal — 6. März, 2010 @ 17:42 Uhr

  17. Da die liebe Frau Taraba die Carl Auer UNI schwänzt und Herr Simon sich als Führungskraft leider immer wieder als chronisch verantwortungsscheu erwiesen hat, ist es offenbar an mir armen Sünder, theologische Aufklärungsarbeit und Seelenrettung zu leisten. Man kann es natürlich nur versuchen.

    Zunächst aber der schöngeistige Nachtrag zur Rückgängigmachung der Rückgängigmachung der Bodenreform:
    Wer über reale Werte verfügt und diese auch zu bevorraten und schützen vermag, der verfügt über die Macht zu geben und zu nehmen (Arbeits- und Kampfkraft sind zwar phasenweise auch überschüssig neben Wasser, Acker, Strom, Speck, Sprit e.t.c. aber dennoch einigermaßen wertbeständig.). Das ist schon jetzt so. In welchem Maße aber wird das so sein, wenn wir zum Semmelnkaufen mit Schubkarre statt Portemonnaie anrücken müssen? Die realen Werte verleihen diese Macht dann um so mehr. All der Mindfuck interessiert in solchen Zeiten ausgesprochen wenig. Mieser Wechselkurs.

    Die Leute rätseln immer noch über das Wörgl- Experiment und tun wichtig mit ihren Regionalwährungen. Was viele liebe Leute nicht begriffen haben, dass Wörgl längst läuft. Wer innerhalb der bemessenen Frist seine Chips nicht eingetauscht hat, kann sich sein Phantasiegeld in den Allerwertesten stecken.

    In den Größenordnungen jedenfalls, in denen die letzten Jahre reale Werte umverlagert und gegen zunehmend symbolische Werte eingetauscht wurden, da ist Deflation nicht die wesentlich schlechtere Variante für wirklich Vermögende. Was die billigen Chips immerhin betrifft – selbst eine Ruine in der Post – DDR stellt einen realen Wert und nice to have dar anstatt nur Zettel und poesievolle Kontoziffern. Wer über reale Werte verfügt, wird so oder so noch dazu gewinnen. Inflation wäre einfacher, naheliegender, um in dieser Schafsverarsche wieder auf 0 zu kommen. Das ist aber auch alles. Im Krieg sind wir ja schon – soweit dss überhaupt einen noch wundert oder irgendwie stört. Inflation hat oft genug funktioniert und wird wieder funktionieren. So dall wie die Leute Dank Multimedia inzwischen sind, wird sich das Gezappel in Grenzen halten. Weder die Welt noch Oma klein Häuschen retten wir durch Tastaturengeklapper.
    D i e Einsicht aber hatten wir bisher nicht zu erbringen gehabt. Hausaufgabe lautet: a) Geld oder besser was Äquivalentes einhandeln, b) in eine bevorratbare Form bringen, da Sie und ihre Lieben mal davon was abbeißen können und c) die Werte schützen lernen. Von Vermehren ist da noch nix gesagt.

    Solange die “Leistungsverweigerung” nicht existenzbedrohlich wird, stellen sich bei manchen Bohemiens die existenziellen Fragen nicht in der Weise, dass Kreativität als Form von Resilienz hinreichend vitalisiert würde. Das ist bei vielen Künstlern m.E. der Hintergrund: Irgendeine Oma, von der man zumindest intuitiv weiß, dass es mal was zu erben gibt, als letzte Ausfahrt. “Schrei wenn Du brennst!” (Bukowski) fällt mir dazu nur ein oder “Kunst ist das, was man tut, wenn einem gar nichts anderes übrig bleibt.” Ich persönlich kann die bürgerlichen Leistungsverweigerer daher in aller Regel nur bedingt ernst nehmen. Der Bäcker, die einsame Omi von schräg gegenüber, der Weihnachtsmann vom Arbeitsamt. Wer von denen macht keine Kunst? Nach Beuys ist das unausweichlich. Die einen machen mehr Kompromisse dabei, die anderen weniger. Manche Leut kommen gar nicht aus der Kunst heraus. Mir hängt das dauernd Kunst machen müssen zum Halse heraus.
    Aber Kompromisse machen, gute Kompromisse machen, ist eben auch schon wieder eine Kunst für sich. Und Ansonsten: Konsequentes Versagen ist auch irgendwo ein Erfolg. Ein Grund mehr, bspw. die Kunst von diesem Künstler zu lieben; http://www.youtube.com/watch?v=gOCMosXIG-g&feature=related &
    http://www.youtube.com/watch?v=Hijq1pWNXL8&NR=1

    Bei den Unis ist es ja womöglich wie mit gruppendynamischen Veranstaltungen oder Äpfeln. Die Unis, Orgas, Gruppen sind mehr oder weniger blöde bis genial. Die Äpfel mehr oder weniger schmackhaft oder nur noch für die Maden genießbar. Gerade an den allerblödesten Unis wird die Blödheit nicht von alleine weichen. Man wird ein bißchen nachhelfen müssen. Und eine Vorläufigkeit durch die nächste ersetzen. Bis andere wieder was auszusetzen haben. Wenn Ihnen das als künstlerische Herausforderung zu groß angelegt ist, gibt es ja womöglich welche, die ein ganz klein bißchen weniger blöde sind… In der Richtung wäre wohl die lösungsorientiertere Herangehensweise. Die Sie sicher kennen oder im Zweifelsfall nachlesen und anwenden können.

    Ansonsten scheint mir mit Verlaub, dass es Ihnen beliebt, die Verhältnisse zu trivialisieren. A) Fragen, die alltäglich immer wieder neu zu beantworten sind, versuchen Sie ein für alle Mal zu beantworten. Was meinen Sie, auf welcher Art Veranstaltung Sie sind? Müssen Sie kämpfen oder reicht es, lieb zu sein? http://www.frauenzimmer.de/cms/html/de/pub/diaet-gesund/2010-02/galerie/raucher-schock-kampagne.phtml
    Ist die Gesellschaft ein Art familiäres Gemeinwesen mit Solidarverpflichtung Ihnen gegenüber oder gilt „homo homini lupus est“? Wenn Sie letzteres als versuchsweise Arbeitshypothese annehmen wollten, was würde das ändern? Das Wort „Leistungsverweigerer“ scheint mir auf eine Verwechslung der Rahmendefinitionen hinzudeuten, die durch Begriffe wie “Mutterland” und “Vater Staat” befördert wird. Niemand fordert etwas von Ihnen. Es macht in einer Massengesellschaft keinen Unterschied, ob es Sie gibt, wenn Sie selbst den Unterschied nicht zwingend nahelegen.

    Was wäre, wenn Sie von lauter leckeren Menschenfressern umgeben wären? Die würden Sie mögen, rein um ihrer selbst willen. Oder vielleicht sind Sie von lauter Menschenaffen umgeben? Das würde es immerhin erklärlicher machen, dass Sachargumente speziell im Schulkontext nur im absoluten Notfall geeignet sind, Ihnen Geltung und Anerkennung ein zu bringen. Beziehungsaspekt first. Falls Sie das trösten kann: Die schlimmsten Betonköpfe und Oberpaviane an den UNI´s “von heute” sind die zornigsten jungen Männer von einst. Selbst in einer Gemeinschaft von Heiligen werden Sie sich Ihren Platz erkämpfen müssen. Make love not Peace.

    Mit derart archaischen Erwartungen, wie Sie an Ihr psychosoziales Integrationsprojekt heranzugehen scheinen, das ist sympathisch aber – möglicherweise – weltfremd. Wir sind keine Stammesgemeinschaft mehr, die auf sie angewiesen wäre – noch Sie unbedingt auf diese. Die Gemeinschaft der Mitgesellschafter braucht Sie offensichtlich nicht, sonst hätte sie sicher schon mal bei Ihnen an der Türe gekloppft und bitte, bitte gesagt.
    Sie haben es bei dieser Form von Gesellschaft, UNI- Betrieb leider nicht mit einem familiär aufgelegten Indianerstamm zu tun. Die würden Ihnen gegenüber vielleicht nicht nur bitte, bitte sagen sondern auch rabiat werden und Ihnen in den Hintern treten, wenn Sie den mehr oder minder beschränkten Rules Ihrer Ursprungsgemeinschaft die Gefolgschaft versagen.

    Je kompromissloser Sie die Beschränktheit der Gemeinschaft potentieller KundInnen für Ihre mehr oder weniger kompromissbehaftete Gebrauchskunst ablehnen, desto weniger bzw. später wird man umgekehrt geneigt sein, Sie samt Ihrer originellen Perspektiven anzuerkennen. Posthum kriegen Sie dann totsicher ihren Master, Ehrendoktor, Heiligenscheinorden für besondere Verdienste an der künstlerisch aufgeschlossenen Weltöffentlichkeit. Dafür können Sie sich noch nicht mal ein Ohr wieder annähen lassen. Was wollen Sie jetzt?

    B) Aus Verhältnissen, die sich realiter vorzüglich über analoge Mehr- oder- weniger Abbildungen erschließen dürften, behagt es Ihnen, entweder / oder zu machen. Blöd oder nicht blöd. Politisches Engagement 100% oder 0 %. Wisch oder nicht Wisch. Sinnvoll einbringen oder Fuck You! Ich selber verfalle gern in so ein Schwarz/weiß- denken, wenn ich mich übertrieben ärgere. Ärger muss man zwar manchmal auch genießen, um was draus lernen zu können. Zu wundern aber brauche ich mich nicht, wenn ich zu trivialen Ergebnissen komme folgedessen ich die Verhältnisse trivialisiere. Stattdessen: Was ist der erste kleinstmögliche Schritt, den ich schon jetzt tun kann? Es steht Ihnen doch völlig frei, 10 000 Leute zu mobilisieren, die mit Ihnen bspw. in die FDP eintreten! Bei wem fangen Sie an? Oder die allerblödeste UNI scheinheilig zu unterwandern. Auch das könnten Sie in Angriff nehmen. Nehmen Sie sich an Jojo Fischer ein Beispiel: In der Zielgerade können Sie ja versuchen, das Ganze etwas anders zu gestalten als das alte Schwabbel.

    Mit dem lästigen Wisch ist es wie mit jeder anderen Eintrittskarte auch. Es ist Mist, wenn man so Sachen grad nicht am Mann hat. Aber wenn man erst einmal drin ist im exclusiven Club, interessiert sich ohnehin keine S. mehr dafür. Wenn Ihnen das Schlange stehen und an der Eintrittskasse bezahlen zu albern ist, erfinden Sie was eigenes! Machen Sie Ihr eigenes Curriculum, Kokolorum e.t.c. und geben dafür Eintrittkarten, Ablassbriefe und all die Wische heraus. Und bereiten Sie sich und Ihren Lehrbetrieb gut vor! Denn mit geradezu gesetzmäßiger Wahrscheinlichkeit wird eines passieren: Eines fernen Tages wird jemand bei Ihnen vor der Tür stehen und zeigt Ihnen den Stinkefinger. Vielleicht erinnern Sie sich dann gar nicht mehr daran, dass Sie auch einmal so eine Nervensäge waren.

    Von daher: Biolehrerin hin, Lamarque her. Auf wen warten Sie? Wenn die Schulen, Unis als Organisationen schlauer und innovationsfreundlicher wären, wären Leute wie Herr Simon oder auch meine Wenigkeit arbeitslos oder müßten noch schlimmeren Zumutungen nachgehen. Im Meer bspw. umgeben sich die großen Bestien mit so Putzerfischen. Selbst dass Biolehrerinnen und Masterstudiengänge mitunter etwas schlicht gestrickt sind, hat in der Regel seinen guten Sinn. Finden Sie heraus welchen? Welchen Sinn es FÜR SIE machen könnte, dass die Verhältnisse imperfekt aber vorläufig noch am Leben und mitgestaltbar sind. “Probleme sind Lösungen!” sagen die Systemgläubigen – kriegen Sie heraus, a) für wen das, was Sie ärgert, eine Lösung ist und für wen es ein Problem ist und dann, b) wo für Sie eine günstige Position dazwischen ist, von wo aus Sie sich wichtig machen und vermitteln können. Es ist furchtbar einfallslos aber die erwachsenen Leute machen das alle so.

    Klar ist dabei, für das Spiel von Angebot und Nachfrage der mehr oder weniger kompromissbehafteten künstlichen Verhaltensbeiträge vom Bäcker, Organisationsberater, Wischaussteller bzw. Wischverweigerer, Darwin-InterpretInnen und Ihnen selbst gelten natürlich die Spielregeln der Radikalen Marktwirtschaft. Die Chancen für Ihr einzigartiges Life – Investment werden im Wartezimmer nicht besser. Wer ist nicht einzigartig? Womit können Sie sich wichtig machen? Kultivieren Sie Bodenbakterien, welche die Schwermetalle aus verseuchten Ackerboden binden, machen Sie einen lustigen Film http://www.youtube.com/watch?v=QnQX09DZLYE oder erfinden Sie einen unerhörten Handyklingelton für die Sedierten. Je nachdem was Sie mögen …. Watzlawick schreibt irgendwo so was wie; Wenn einer 20 ist und noch nicht viel geleistet hat, dann sagt man: „Das ist aber ein vielversprechender junger Mann!“ Wenn einer dann 30 ist und noch nicht viel geleistet hat, dann sagt man: „Das ist ein viel versprechender junger Mann. Der weiß das aber und läßt sich Zeit.“ Nur wenn einer 40 ist, dann – anders als im Märchen – sagt man das irgendwie nicht mehr. Nicht mit dem vielversprechend, nicht mit dem jung und nicht mit dem ganzen Rest der noch dranhängt.

    Nachdem es Ihnen offenbar gefällt, sich die Fragen in genau der Form zu stellen, dass sie mit höchster Wahrscheinlichkeit nicht sinnvoll beantwortbar sind, kommt es auf ein paar weitere solcher verkehrt gestellten Fragen sicher nicht an.

    http://www.youtube.com/watch?v=00CTHH92AYg
    Stellen Sie sich vor, Sie hätten nur noch eine halbe Stunde zu leben. Das ist ja wirklich nicht allzu viel. Gott hat Sie gerade aus einer eilig zusammengescharrten Handvoll Staub geformt und probeweise mit seinem göttlichen Hauch beseelt. „Du bist aber eine komische Nummer!“, wundert er sich selbst und schüttelt seinen Kopf. „Willst Du es denn überhaupt drauf ankommen lassen auf die halbe Stunde und draußen Dein Glück versuchen?“ Wahrscheinlich winken Sie stolz ab und lassen sich wieder auseinanderlegen und mit dem anderen Matsch verrühren. Ein halbe Stunde Leben. Das ist ja wirklich nicht viel. Wozu erst damit anfangen.
    Immerhin, es gibt Geschöpfe, für die gilt ein Tag wie ein Leben. Vielleicht kommen Sie als Eintagsfliege zur Welt. Während Sie durch ein Gebirge wandern aus angedauten Apfelresten, erscheint märchengleich eine wunderschöne Fee hinter einer Spelze. In Gestalt einer Fruchtfliege bietet sie sich ihnen dar und fragt Sie, ob Sie noch einen halben Tag leben wollen oder sich mit ihr unter einem Erdrutsch aus Kartoffelschalen begraben lassen wollen. Einige tausend Sekunden wären das immerhin.
    Sie können sich aber auch ganz einfach vorstellen, dass Sie ein ganz normaler Mensch mit landesüblichem Zeitempfinden sind. Sie kommen gerade vom Fluss um ihrer unter Bleivergiftung leidenden Mutter Wasser für Ihre Hirsepampe zu bringen. Sie haben überhapt keinen Bock mehr auf all den Dreck und das versiffte Wasser. Da grinst Ihnen ein zahnloser Bettler durch seinen Haarfilz zu: „Dich kotzt es voll an, was! Zieh Dir doch einfach eine Plastiktüte über den Kopf. Das kickt voll krass und das Schlimmste, was passieren kannst, ist, dass das ganze Elend endlich aufhört und vorbei ist.“ Also, man kann sich der existentiellen Frage ja mal in so einer Form stellen. Will ich überhaupt leben unter so scheiss Konditionen? Komischerweise wollen viele. Bis ums Verrecken klammern, die sich an jede Minute, die noch irgendwie was hergeben könnte. Falls das Letzte jetzt Ihr Vorstellunsgvermögen zu sehr gefordert hat, können Sie sich auch einfach in ein ganz alltägliches T-Raumbild vertiefen und sich ausmalen, die von Ihnen für am wenigsten blöd eingeschätzte Schönheit würde „Natalie“ heißen und George Michael hören. Derart schreckliche Grausamkeiten kommen immer wieder vor unter weiblichen Säugern. Sie werden deshalb wahrscheinlich bitter leiden. Aber Sie werden aufgrund des überzeugenden Hüftschwungs dranbleiben, Kompromisse eingehen, innere Konflikte ausstehen und darauf hoffen, dass es sich mit George noch verwächst. Quasi so was wie kämpfen. Stellen Sie sich nun einfach noch vor, die am wenigsten blöde UNI würde “Natalie” heißen. Dann stellt sich die Frage nämlich nur noch derart WIE sportlich Sie sind und nicht, OB.

    LG

    Theologe ist bestimmt auch ein schöner Beruf.

    Kommentar von Max Liebscht — 8. März, 2010 @ 00:06 Uhr

  18. Aus kleines Licht!
    Leben ist nur ein wandelnd Schattenbild;
    Ein armer Komödiant, der spreizt und knirscht
    Sein Stündchen auf der Bühn’ und dann nicht mehr
    Vernommen wird, ein Märchen ist’s erzählt
    Von einem Dummkopf voller Klang und Wut,
    Das nichts bedeutet.
    Macbeth

    Kommentar von es — 8. März, 2010 @ 09:32 Uhr

  19. “Ansonsten scheint mir mit Verlaub, dass es Ihnen beliebt, die Verhältnisse zu trivialisieren. A) Fragen, die alltäglich immer wieder neu zu beantworten sind, versuchen Sie ein für alle Mal zu beantworten.”

    Nein, naja, jein. Ich trivialisiere vielleicht gerne die Verhältnisse. Das ist doch eigentlich normal, das machen Menschen am laufenden Band, um einfacher schlussfolgern zu können, oder auch die Schlussfolgerungen nur einfacher darzustellen. Man tut damit den funktionalen Wirklichkeiten doch nicht unrecht, so lange man die Umgebungsvariabeln/Rahmengrenzen im Hinterkopft hält. Die menschliche Sprache ist darüber hinaus sehr beschränkt und eine gängige Formulierung lässt in dieser Hinsicht kaum andere spontane Rückschlüsse zu, als dass jemand trivialisiere, so er sich denn keine riesige Mühe gibt, einem solchen Schluss im Vorhinein so gut es geht entgegenzuwirken. Aber habe ich Lust, mich in jedem Satz zwölf Mal zu relativieren? Ne ne, dann lieber business as usual. Ich hätte ja auch nicht Unrecht, wenn ich sagen würde, dass Fernsehen verblödet. Ich wäre bloß ein Idiot, wenn es deswegen ein Verbot des Fernsehens fordern würde. Dass ICH “in Entweder/Oder-Kategorien denke” (zu allen Zeiten oder was?), war Ihre Schlussfolgerung, die ich durch meine Formulierungen vielleicht nahegelegt habe. Dennoch haben Sie falsch geschlussfolgert. Menschen denken nicht systemisch.

    “Nachdem es Ihnen offenbar gefällt, sich die Fragen in genau der Form zu stellen, dass sie mit höchster Wahrscheinlichkeit nicht sinnvoll beantwortbar sind, kommt es auf ein paar weitere solcher verkehrt gestellten Fragen sicher nicht an.”

    Welche Fragen stelle ich MIR denn? Warum schließen Sie aus einer Veröffentlichung reduktionalistischer Probemstellungen, dass MICH genau diese Dinge beschäftigen? Vielleicht möchte ich bloß Sie beschäftigen! Trivialisierungen sind unvermeidbar. Ankerfehler sind unvermeidbar. Auch für Sie. Sie lesen diesen Text und gewichten automatisch die Kommunikationskomponente zu hoch. Der Anteil der direkten Erwiderung. Diese beiden meine Absätze lesen sich wie ein stümperhafter hilfloser Rechtfertigungsversuch, nicht wahr? Aber sie lassen sich auch anders lesen.

    “Es steht Ihnen doch völlig frei, 10 000 Leute zu mobilisieren, die mit Ihnen bspw. in die FDP eintreten! Bei wem fangen Sie an? Oder die allerblödeste UNI scheinheilig zu unterwandern.”

    Es steht mir völlig frei, aber ich schränke damit meine zukünftigen Handlungsmöglichkeiten ein (Foersters Imperativ!). Mal davon abgesehen dass die 2. Idee auf mich wenig vielversprechend wirkt.

    Auch glaube ich, dass meine Formulierung der “Verblödung der Uni” falsche Interpretationen nahe gelegt hat. Ich meinte damit gar nicht so sehr die von Ihnen (allen) gerne angesprochene Blödheit (i.d.R. ja nur Starrheit) von Organisationen (vielelicht auch ein bisschen), sondern vielmehr die Menschen. Die Form der Wissensübermittlung wie sie in der Uni stattfindet, war für mich einfach äußerst zeitraubend und ineffizient. Das heißt ja nicht, dass Sie es generell ist. Darüber wollte ich gar keine Aussage treffen. Vielen Leuten hilft es, oder sie lernen genau dabei das Wesentliche, wenn sie in (überfüllten, das ist sicher zu kritisieren) Seminarräumen sitzen und sich zwei Stunden lang über irgendein Pseudoproblem das Maul fusselig reden. Mir hat das nicht geholfen. Darüber hinaus weiß ich mittlerweile auch, welchen Weg ich gehen möchte, brauche also keine Hilfestellung mehr von Ihnen (wie ich sie vor zwei Jahren noch nötig gehabt hätte [schon wieder so eine gefährliche Formulierung, denn ich hätte sie ja nicht nötig gehabt, wenn nun doch alles glatt gegangen ist]). Dennoch danke ich für Ihre Erwiderungen. Vor zwei Jahren hätte ich sie wahrscheinlich überhaupt nicht verarbeiten können, da die Labilität meines Egos Ihrem forschen Schreibstil (gewiss auch häufig eine Überinterpretation des Rezipienten) nicht standgehalten hätte. Oh, eine Stilblüte!

    Kommentar von pascal — 8. März, 2010 @ 16:07 Uhr

  20. Standhalten? Labiles Ego? Blühen Sie, blühen Sie!
    Bzgl. der Frage nach der Integration klingen Sie jetzt ja schon viel gesetzter. Aufatmen.

    Der Imperativ von Försters bedeutet nicht, dass wir ohne Entscheidungen; End – Unterscheidungen auskommen können. Als Führungskraft und Entscheider für Ihr eigenes Leben kommen Sie an der Dialektik von Information und Entscheidung nicht vorbei. Ich natürlich auch nicht. Am Verhältnis von Kontext, Fokus und Ziel entscheidet sich, ob wir gerade mehr an Trivialisierung (bspw. Verbalsprache) oder mehr an Aufladung mit informativen Unterschiedsbildungen brauchen. Sie werden Entscheidungen treffen und sich und andere beschränken müssen.

    Sowohl an den Leuten wie an den Strukturen der Problembearbeitung läßt sich arbeiten.
    Zumindest hab ich bei meinem Kram den Eindruck, dass trotz übelster Verkrustung doch bissel was geht. . Früher hab ich mich mehr geärgert über Systemaffen und Rahmenstrukturen. Ganz oder gar nicht! Heute fällt mir die sportliche Sichtweise auf die Herausforderung leichter. Wo sich der Hebel ansetzen läßt, sieht man am besten von nahem. Coole Mentoren und Vorarbeiter sind wichtig.

    Menschen denken m.E. ansatzweise durchaus “systemisch”. Unvermeidlich scheint mir das. Es ist nur so eine Sache, sich daran zu erinnern und dann das dafür geeignete Sprachspiel zu inszenieren.

    In nomine Patris, et Filii, et Spiritus Sancti

    Kommentar von Max Liebscht — 9. März, 2010 @ 01:25 Uhr

  21. Salute :-) ,

    “Der Imperativ von Försters bedeutet nicht,…”

    Nein nein, ich hatte mich eher auf die expliziten Beispiele bezogen, bzw. all jene möglichen Beispiele, mit denen ich mich politisch oder ideologisch in meinen jungen Jahren schon zu sehr positionieren würde, was mir späterhin (wenn ich dann Mitglied der CDU, politischer Berater, Diplomat im Außendienst oder Führungskraft im BKA werden möchte) eventuell zum Verhängnis werden könnte. Es gibt ja sicher auch Dinge, die Sie im Verborgenen halten. Zum Beispiel falls Sie ab und zu mal gerne einen Joint rauchen. Das würden Sie hier vermutlich auch nicht zum Besten geben. Wäre zumindest nicht zu empfehlen.

    Menschen systemisch…. also naja. Vielleicht mal in einem Zustand überirdischer Ausgeglichenheit und Zufriedenheit. Oder bei größter Niedergeschlagenheit, da sehen sie dann mal die andere Seite, aber das macht es ja noch nicht systemisch. Also in aller Regel, finde ich, sind Menschen äußerst unreflektiert und absolutierend. Macht biologisch ja auch irgendwie Sinn. Sogar wir selbsternannten Alltagsgenies neigen ja in den falschen Momenten (womit man fast die Menge der emotional bewegten Momente meinen könnte) noch zu Stumpfsinnigkeiten (wie Sie selbst bemerkt haben).

    Gute Nacht! Und auf bald.

    Kommentar von pascal — 9. März, 2010 @ 02:43 Uhr

  22. Ich hab es tatsächlich nicht so mit Joints rauchen, habe aber grundsätzlich nichts dagegen, wenn Leute sich damit in Maßen regulieren. Sollen wir etwa die europäischen Brüder und Schwestern in Holland oder neuerdings auch Tschechien kriminalisieren?
    Aber wenn jemand gern ein Tüt´chen schmökt, dann könnte man dazu sicher auch hier aus dem Nähkästchen plaudern, das auf dieser sozialen Bühne inszenieren. Fritz B. Simon hat sich in seinen Anfängen offenbar gern mit solchen Themen befaßt. Wer will wie überprüfen, ob der mitteilsame Zeitgenosse nicht einfach deliriert, phantasiert, gern lustigs Zeug erzählt? So oder so ist das nicht sauber möglich. Schon zu DDR – Zeiten war das ein Problem, das Wesentliche vom Unwesentlichen zu unterscheiden. Ich glaube nicht, dass hier groß was verschwiegen / unbedingt mitgeteilt werden müßte.
    Glauben aber ist das, was den Menschen von einer Sortiermaschine noch immer unterscheidet. Auch wenn die Fuzzys und Prof. Kruse daran arbeiten, ist es schon noch ein Stück bis zur elektronisierbaren Mindcontroll. Eine Maschine kann nur wissen. Ein Mensch kann glauben, sich seinen Teil denken, verharren und sich verhalten – ohne die Unterschiedsbildung über einen Schwellwert hinaus in eine sozial relevante Entscheidung bzw. Handlung umsetzen zu müssen. Was ich sage, gilt in dem Maße, als wir uns noch nicht in eine totale Institution zurückentwickelt haben. In einem mehr oder weniger faschistoid organisierten Irrenhaus reicht der Verdacht und die mißverständliche Bewegung. Eine Gruppe unter Stress kann sehr schnell zu so einem faschistoiden Verein werden.

    Der Begriff “systemisch” selber ist natürlich schon an sich reichlich albern. Keine Gestaltbildung ist definit beschreibbar. Laut Sparrer und Varga von Kibéd können wir uns dem bestenfalls annähern, “systemisch” zu denken. Es ist angemessener von systemischer statt von systemisch zu sprechen.
    Von daher heißt mein Laden auch so wie er heißt und von daher möcht ich auch lieber als Gelegenheitssystemiker und Strukturanthropologe gelten. Der Glaube an DAS oder mein dolles System wäre ein wenig na ja. Jeder gechlossene Raum ist ein Sarg. Distiction is perfect continence.

    Gleichwohl hat das Viech in uns mit seinen analogen Verrechnungsweisen da noch eher ein Händchen göttlich allgegenwärtig und allwissend zu sein als die auf verbalsprachliche Trivialisierung und entscheidungsmäßig digitale Handhabbarkeit hin orientierte Ratio. In Gruppenkörpern wie im Gehirn brauchen wir Analog – Digital- Wandler und Digital- Analog- Wandler. Ab und an müssen wir ja doch mal etwas tun und sozial Standpunkte samt beschränkter Perspektiven beziehen. Die Pragmatik hilft die Chose klären; wann bringt mich die analoge Repräsentation eher weiter / wann komm ich an Versprachlichung, an in künstliche, an in beobachterabhängige Systeme bringen, an in Entscheidungen Transformieren nicht vorbei?

    Wenn ich mir bspw. ganz grundsätzlich die Frage stelle, ob ich anderen Menschen vertrauen kann oder mißtrauen muss, dann stelle ich mir diese Frage in einer Form, die es nicht hergibt, zu sinnvollen Ergebnissen zu kommen. Es ist eine Frage, die von Kontext zu Kontext immer wieder neu a) gestellt (also aufstellungsmäßig gesprochen: Ich stelle mich samt meinem Körper als Resonanzorgan ins “Kraftfeld” einer mentalen Repräsentation der Fragekomponenten und lass mich überraschen, was mir unter dem Eindruck der Verkörperung dieser Konstellation in mein Bewußtsein “einfallen” wird) und b) bzgl. aktualisiertem Kontext immer wieder neu zu beantworten ist.
    Im Zweifelsfall einfach den Satz noch mal lesen.
    Diese Form der Trivialisierung wäre dann also eine eher ungeeignete. Wobei ich mir damit natürlich schon anmaße, dass ich über ihre Ziele Bescheid wüßte. Wenn Sie es sich vorgenommen haben, partout unglücklich zu werden, sind solche Formen unglücklich gestellter Fragen natürlich sehr gut geeignet, damit Sie Ihr Leben konsequenzlos im zusammengesonnenen Nirvana verdrieseln können. Sollten Sie freilich auf das Erleben von Selbstwirksamkeit, soziale Integration in diversen Gutmenschen- Communities aus sein, so steht es Ihnen bspw. auch völlig frei, Führungskraft mit CDU – Führerschein im BKW zu werden, um es dann eines Tages um so zuverlässiger in die Luft sprengen zu können. Das ist einfach Ihre Entscheidung und Verantwortung – auch wenn Sie es dann vergessen und Ihren Ansprüchen, mit denen Sie ursprünglich angetreten sein mögen, nicht gerecht, ja untreu werden und Sprengsicherungen in ihr schönes BKA einbauen lassen gegen solche solchen subversiven Kiffer wie Sie jetzt vielleicht einer sind. Bloß von vornherein ein für alle Male zu sagen; Ich werd Führungskraft im BKA oder Widerstandskämpfer im Untergrund und sonst gar nichts – das ist doch eher langweilig und ein bißchen kindisch gedacht. Das sind doch Fragen und Entscheidungen, die eher von der Art sind wie “Steh ich heute auf oder stehe ich nicht auf?” statt “Bin ich schwanger oder nicht?” In diesem Sinne viel Spaß im BKA! Mal sehen, ob das wirklich so einfach ist mit dem Führungskraft werden und wie lange das Ding Dank Ihrer noch steht.

    Kommentar von Max Liebscht — 9. März, 2010 @ 10:53 Uhr

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