Simons Systemische Kehrwoche

Mitt Romney (aber lieber ohne)

Fritz B. Simon

Heute Nacht habe ich die Akzeptanz-Rede von Mitt Romney anlässlich seiner Nominierung als Präsidentschaftskandidat gehört.

Er wirkte nicht sonderlich locker, aber das ist nicht mein Qualitätskriterium. Romney versuchte sich “menschlich” zu zeigen, indem er von seinen Eltern erzählte: dass sie über 64 Jahre verheiratet waren, dass der Vater seiner Mutter jeden Morgen eine Rose gab, die sie auf ihren Nachttisch gestellt hat und dass sie (erst) am Fehlen der Rose gemerkt hat, dass er tot ist… usw.

Seine Polemik bezog sich darauf, dass Obama versprochen habe, etwas gegen die Erderwärmung zu tun (rise of the ocean), während er 12 Millionen neue Jobs verspreche; dass er nichts gegen den Iran und dessen Nuklearprogramm unternommen habe (was denn? Krieg führen?).

Folgt man den Kommentatoren von MSNBC, dann war seine Rede eine Zelebration des Opportunismus, d.h. ein Aufgeben aller politischen Positionen, die er als Gouverneur von Massachussetts vertreten hatte, zugunsten der radikalen Positionen der extrem Rechten in seiner Partei.

Was er nicht gesagt hat, Versprechen hin oder her, ist, was er als Präsident konkret tun will…

Mir ist nicht wirkich wohl bei dem Gedanken an diesen Präsidenten, vor allem, wenn ich an seine engstirnigen Mitarbeiter, an die Wissenschaftsfeindlichkeit seiner Partei, die Erderwärmung usw. denke…

Warum will solch ein Mensch Präsident werden? Warum überhaupt jemand?

Obama wollte wenigstens die Welt retten.

Was mich an den Amerikanern ja immer wundert, ist, mit welcher Überzeugung sie vertreten, ihr Land sei “the graetest country in the history of the world”. Bar jeden Selbstzweifels.

Man kann ja über uns Deutsche heute sagen, was man will, aber solch eine Überzeugung äußert niemand mehr öffentlich – und es glaubt wohl auch keiner…

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4 Kommentare

  1. To big to fail? Man wird sehen. – Jedenfalls hoffe ich, dass meine Lebensbegleiterin nicht erst an ner fehlenden Rose merkt, dass jetzt rosigere Zeiten anbrechen … Oder gar denkt: oh, eh noch nie eine bekommen morgens, ist da überhaupt jemand? Immerhin der, der den Tee kocht.

    Comment by Matthias Ohler — 31. August, 2012 @ 12:02 Uhr

  2. Romney sprach an, dass er die USA mehr einzigartig machen möchte und es nicht anderen Staaten ähneln sollte, was Obama unterstellt wurde. Es ist in der Tat besonders, wie aus der (noch weißen) Mitte der Gesellschaft dieser Traum lebendig ist: die Chance, Millionär aus eigener Kraft zu werden und sein Leben zu gestalten. Mathematisch mag die Chance etwas größer als in Europa sein, aber immer noch und eher zunehmend unrealistisch, wenn man die vielen Verzerrungen berücksichtigt. Woher die unterschiedliche Mentalität? Die USA ist immer noch und mit weitem Abstand Führungsnation und Speerspitze der globalen Wirtschaft. Deutschland mag Exporterfolge mit seinen Porsches und Audis feiern, Apple, Amazon, Adobe, Cisco, ebay, Facebook, Google, Intel, Microsoft, und Co. geben den Takt vor. Vereinfacht ausgedrückt steckt in jedem von Deutschland exportieren Auto mehr und mehr ein Stück Software, der einem Zahlungsfluss in die USA entspricht. Der Preis für die USA: mehr Unternehmertum, mehr Innovation, radikaler und brutaler Wandel – nur irgendwie ertragbar, wenn man reicher und freier ist. Europa verzichtet darauf. Der volkswirtschaftliche Wohlstand zwischen den USA und Europa ist ausgeglichener, da der öffentliche Sektor in Europa größer ist, der die tiefe Kluft genauso verdeckt wie institutionell vertieft. Europa, besonders Deutschland, sonnt sich im Schatten der unternehmerischen Energie, hat vielleicht noch Kraft für eine Energiewende, die den Wettbewerbsvorteil der einheimischen Industrie ausbauen sollte, aber weder die Ressourcen noch den Willen, sich neuen wirtschaftlichen Herausforderungen zu stellen.
    Selten war ein politischer Richtungsstreit derartig polarisiert zwischen dem Sozialarbeiter Obama und Private Equity Manager Romney, zwischen einem Abfedern des Marktprozesses und dem Setzen auf Innovationen, zwischen einer Schumpeterscher Balance von Kreativität und Zerstörung. Es wird interessant, es wird wichtig, viel wichtiger als die 20 % GDP Anteil der USA an Welt GDP suggeriert. Wir sollten uns einen Wahlsieg der Republikaner wünschen, denn sie haben mehr Kapazität und Legitimität die offensichtlichen und existentiellen strukturellen Missstände – siehe Vermögenskonzentration – zu heilen, als die Demokraten. Es war Kanzler Schröder, nicht die CDU, der nach vielen vergeblichen Anläufen Arbeitsmarktreformen initiierte, auf die die heutige Stärke Deutschlands beruht, unabhängig davon, wie politisch absurd dies auf den ersten Blick auch klingen mag.

    Comment by Stefan Siewert — 31. August, 2012 @ 12:09 Uhr

  3. Na damit weiß man doch Bescheid, was Sache ist, oder?
    “dass der Vater seiner Mutter jeden Morgen eine Rose gab, die sie auf ihren Nachttisch gestellt hat und dass sie (erst) am Fehlen der Rose gemerkt hat, dass er tot ist… usw.”

    Bei uns wird das Ganze nämlich etwas anders gespielt: ECHT LIEBE.PUNKT.
    Und nun?
    “Schau mir in die Augen, Kleiner.”
    Too big to fail?
    Zu dieser daily soap bleibt nur zu sagen (analog GSB “Wahrscheinlichkeit und Wissenschaft”)
    “Der Grundirrtum einiger ..”Politiker” besteht darin, sich als “edle und mächtige Retter der Menschheit” zu gerieren, die Mysterien als solche zu reizen, doch das brandmarkt sie nur als Schafe in Wolfspelzen.”
    Pussy Riot läßt grüßen aus Putinistan.
    Der Wahlkampf ist doch nur absurdestes Kasperle-Theater auf niederstem Niveau.

    Der Subtext von Bedeutung erschließt sich nämlich aus den “Nebensächlichkeiten”.
    http://www.zeit.de/digital/internet/2012-08/protest-internet-komen

    Wenn die Ami’s von/nach Ramstein nicht wieder forcierte Truppeneinsätze fliegen würden, hätte ich überhaupt keine Sorge. Vielleicht sollte man daher die Israel/Iran-Inszenierung genauer unter die Lupe nehmen und zwar unter diesem Blickwinkel:
    http://www.zeit.de/2012/36/Syrien-Krise-Iran.
    Vor allem darauf, was auf der anderen Seite des Zauns von “Only two” geschieht. Die Herren der Schöpfung scheinen weitestgehend noch Tomaten auf den Augen zu haben:
    http://www.zeit.de/gesellschaft/zeitgeschehen/2012-08/frauenrechte-iran-shirin-ebadi

    Wie aktuell mit jüdischen Intellektuellen umgegangen wird, findet sich in der aktuellen Zeit.
    http://www.zeit.de/kultur/literatur/2012-08/judith-butler-kritik-israel-antwort
    http://www.zeit.de/kultur/literatur/2012-08/butler-adorno-preis
    Das erinnert auch unmittelbar an:
    http://www.literaturblatt.de/heftarchiv/heftarchiv-2009/22009-inhaltsverzeichnis-der-gedruckten-ausgabe/in-unerschuetterlicher-undankbarkeit-ein-portraet-von-ruth-klueger.html
    http://www.spiegel.de/panorama/ruth-klueger-wien-schreit-nach-antisemitismus-a-434150.html
    Damit sind wir auch bei den Literaturwissenschaften samt “Besuch der alten Dame” letzten Sonntag bei Jauch.

    Für Kommunikationswissenschaftler und Linguisten hier auch noch eine Buchempfehlung
    http://www.amazon.de/Verletzende-Worte-Grammatik-sprachlicher-Missachtung/dp/3899425650/ref=sr11?ie=UTF8&qid=1346413845&sr=8-1
    Die Adornopreisträgerin wird nämlich darin zitiert.

    Vielleicht sollten wir doch alle mal dazu übergehen, uns an das zu halten, was atmosphärisch ohnehin längst in der Luft liegt und auf Umschwung der Großwetterlage wenn nicht gar Transformation hindeutet:
    http://www.atmosphaeriker.de/pages/topics/spinner.php

    Wir fangen nämlich demnächst wieder bei Adam und Eva an.
    Und zwar mit Genesis 2.0, wie es der alte Bloch am Ende seines “Prinzip Hoffnung” beschrieben hat.
    Wen dann apokalyptische Visionen befallen, dürfte mittlerweile ziemlich klar sein. Ich stelle meinen Diwan schon mal westöstlich, warte auf Eos bis Aphrodite den Schaumkronen der Aegeis entsteigt.

    In diesem Sinne: vita brevis, ars longa.

    Comment by deaXmac — 31. August, 2012 @ 13:15 Uhr

  4. Ach nee, was sind das denn für Merkwürdigkeiten?:
    Kennt sich jemand mit diesem “Speilverderber”, genannt IAEA aus?
    “Der Spielverderber ist die Internationale Atomenergie-Agentur (IAEA) mit Sitz in Wien”
    http://blog.zeit.de/ladurnerulrich/2012/08/31/der-gefahrliche-uberlebenskampf-der-mullahs/
    und dann das?
    http://www.zeit.de/politik/ausland/2012-08/usa-romney-putin
    Absurdes Theater?
    Versteht das irgendeiner?

    Da lobe ich mir doch Clint Eastwoods “Möbeltheater”
    http://www.zeit.de/politik/ausland/2012-08/glosse-eastwood-ionesco
    Wenn aber Aufstellungsarbeit mit Obama samt Stühlerücken langweilig wird bzw. so -in echt- republikanischer Hollywood-Version dann doch noch zu “(aber lieber ohne)” führt?

    Dann gibt’s doch immer noch Beckett, oder?
    Findet sich hier nicht die ultimative systemische Lösung, wenn garnichts mehr geht? Außer zirkulärem Fragen vielleicht?
    http://www.youtube.com/watch?v=-TpVXlBcwQk
    Aber was ist dann, wenn wir mit Umfokussieren den Dreh nicht so schnell mitkriegen? So einfach mal aufstellungs- und stühlerückenmäßig gedacht…

    Ich schlage mal vor: Wir warten gleich auf Godot!
    Dann kann wenigstens nichts passieren.
    Und außerdem, zum diesem “stand up” hab ich keinen Bock:
    http://www.youtube.com/watch?v=bxch-yi14BE

    Comment by deaXmac — 1. September, 2012 @ 00:14 Uhr

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