Muskoka Lakes
Fritz B. Simon
Die Gegend, in der ich mich gerade aufhalte, heißt Muskoka. Dass es eine traumhafte Landschaft ist, habe ich gestern schon dargestellt. Inzwischen habe ich auch ein wenig mehr Informationen über sie erhalten.
Zum Beispiel, dass hier die höchste Grundsteuer in ganz Kanada zu zahlen ist. Das kann ich verstehen und schon der Neid sagt mir, dass es richtig ist. Denn mit Ausnahmen von zwei Hotels sind alle (!) Grundstücke Privateingentum.
Touristen haben nur eine Chance, etwas von der Landschaft zu sehen: Es gibt ein restauriertes altes Dampfschiff, auf dem man eine Tour machen kann. Das ist eben die Kehrseite der Traumhaftigkeit: Sie ist reserviert für wenige Wohlhabende (obwohl die Zahl der Häuser zeigt, dass es so wenige auch wieder nicht sind). Auf jeden Fall gibt es hier keine öffentlichen Fahrrad- und Wanderwege, die das Ufer der Allgemeinheit zugänglich machen. Für diejenigen, die es genießen können (mich z.Zt.) ein ästhetischer Gewinn, ohne Zweifel.
3 Kommentare
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Mal mehr
mal weniger
mein Haus
die Welt
Kommentar by Max Liebscht — 22. August, 2008 @ 21:35 Uhr
Lieber Fritz,
Deine Beobachtung lässt mich an einen Aufsatz von Barbara Ehrenreich in den Dallas-News denken, den ich vor einigen Wochen gelesen habe: ” If a place is truly beautiful, you can’t afford to be there”. Sie beschreibt darin die Teilung des Landes zwischen Arm und Reich, die in Kanada noch nicht so weit fortgeschritten sein dürfte wie im Nachbarland: “Of all the crimes of the rich, the aesthetic deprivation of the rest of us may seem to be the merest misdemeanor”, und: We are used to thinking that poverty is a ‘social problem’ and wealth is only something to celebrate, but extreme wealth is also a social problem, and the super-rich have become a burden on everyone else.” Immerhin kriegen die Reichen aber auch in ihren abgeschiedenen Superhomes allmählich Probleme, weil der Arbeitsweg für das Personal immer länger wird. Hier ist der Link: http://www.dallasnews.com/sharedcontent/dws/dn/opinion/points/stories/DN-ehrenreich_27edi.ART.State.Edition1.af2a20.html.
Herzlich
Tom
Kommentar by Tom Levold — 23. August, 2008 @ 21:55 Uhr
Das Buch, lieber Tom, aus dem dieses Zitat stammt, habe ich – Zufall? – am Tag, bevor ich dieses Paradies betreten durfte, gekauft: “This Land Is Their Land”.
Barbara Ehrenreich ist ja eine der interessantesten Autoren zu Fragen der (nicht nur) aktuellen Politik. Ihr Buch über Krieg fand ich auch ganz toll (“Die Torheit der Regierenden”).
Und Du hast recht: In Kanada ist diese Spaltung noch nicht so gross. Hier gibt es z.B. ein Gesundheitssystem, das zwar auch nicht perfekt ist, aber jedem die Versorgung sichert, ohne dass er im Krankheitsfall sein Haus verkaufen muss. Und das Schulsystem ist offenbar auch vorbildlich (Pisa-Sieger). Und die Integrationsbemuhungen für Zuwandererkinder umfassen z.B. für jedes Kind Unterricht in seiner Muttersprache.
Kommentar by Fritz B. Simon — 24. August, 2008 @ 12:02 Uhr