Nächste Autos
Fritz B. Simon
Auf der “x-mess”, deren dem Thema die “Nächste Gesellschaft” war, hat heute Günther Dueck einen Vortrag gehalten. Obwohl Herr Dueck seinen Beobachtungen und Überlegungen wahrscheinlich keine explizite Theorie zugrunde legt, hat mir vieles an seinen Ausführungen gefallen. An erster Stelle steht dabei, dass er extrem witzig war (was bei Mathematikern nicht so häufig zu finden ist – wahrscheinlich kenne ich nur die falschen); an zweiter Stelle kommen manche Beobachtungen über die Wirkungen der Digitalisierung und Verinternetzung, die in immer mehr Bereichen festzustellen ist.
Was die Folgen bzw. die daraus zu ziehenden Konsequenzen angeht, so sehe ich größeren Diskussionsbedarf.
Auf alle Fälle: gute Unterhaltung, well wasted time, wie wir Amerikaner sagen.
Er gab Beispiele dafür, dass immer mehr Berufe überflüssig werden, und er sagte ganzen Branchen das Ende voraus (z.B. den Verlagen in ihrer heutigen, Papier verkaufenden Form).
Als anderes Beispiel schilderte er (unter vielen anderen) das Ende der vielen Konstrukteure und Lehrstühle, die sich mit der Herstellung und Optimierung von Verbrennungsmotoren beschäftigen. Wenn das Elektroauto kommt – dessen Konstruktion nach seiner Ansicht technisch trivial im Vergleich zu der des Elektroautos ist – so werden sie keine Arbeit mehr haben. Auch all die anderen Ingenieure, die sich mit den Nebenwirkungen des Verbrennungsmotors beschäftigen (wie zum Beispiel der Beseitigung des motorbedingten Vibrierens) werden keinen Job mehr haben…
Ich bin davon nicht so überzeugt. Denn eigentlich ist ja erklärungsbedürftig, warum das Elektroauto sich bislang nicht durchgesetzt hat, wenn es technisch so trivial ist. Ich habe mir erzählen lassen, dass Daimler schon zu Beginn des 20. Jahrhunderts ein marktfähiges Elektro-Auto hergestellt hat, sich aber schließlich gegen die Vermarktung entschieden hat.
Es muss also andere als technische Gründe geben, solch ein Auto nicht zu produzieren. Welche das sind, überlasse ich der jeweiligen Phantasie. Ich bin auf jeden Fall fest davon überzeugt, dass bei Herstellung eines vibrationsfreien Elektroautos Ingenieure dafür eingestellt werden, die sich mit der Frage beschäftigen werden, wie man wieder das vertraute Vibrieren ins Auto bekommt, obwohl es technisch nicht nötig ist.
Virtuelles Vibrieren. Simuliertes Vibrieren. Eventuell auch noch halluzinierter Benzingestank…
6 Kommentare
RSS Feed für Kommentare zu diesem Artikel.
Entschuldige, das Kommentarformular ist zurzeit geschlossen.











Irgendwas tuckert falsch in der kapitalistischen Planwirtschaft.
Ansonsten sei verraten, was die überlebenden Verlage in Zukunft verkaufen werden: e-books und all den Plunder? Mitnichten! Gespräche werden sie verkaufen; Buber 2.0.
Kommentar by Max Liebscht — 20. November, 2011 @ 11:10 Uhr
Ich erinnere Gunther Schmidt´s witzigen Titel: „Werden wir letztes Jahr in Marienbad sein – oder war es übermorgen in Bad Orb“. Wenn wir dieses Jahr mit dem pädagogisch eine gute Figur machenden Herrn Baecker anläßlich http://www.xmess.net/index.php?id=80 auf die nächste Gesellschaft ausblicken, worauf schauen wir dann nächstes Jahr? Einfach nur ein Teaser in der Art der ewiglich wahren Ankündigung “Morgen gibt es Freibier.” (Hatten wir in der DDR: Der Kommunismus, liebe Freunde, kommt erst nach dem Sozialismus, da muss nicht nur Eure Produktivität steigen sondern auch Eurer Bewußtsein erst noch ein wenig reifen.)?
Bei Inszenierungen wie bei der X-mess frag ich mich gelegentlich, was eigentlich das Produkt ist, welches da für 1600,- bzw. “nachhaltig”-e 200…phantasie an 3 Tagen verkauft wird. Prinzipiell sind derlei Reflektion ja auch günstiger zu haben, Dank www inklusiver organisierbar. Handelt es sich um eine Art Burschenschaftstreffen?
Klare Botschaft: Wir sind diejenigen, an denen es ist, zu entscheiden, wie die nächste Gesellschaft aussehen wird. Prinzipiell stimmt das, alles in allem. Aber gerade darum geht es bei der unsichtbaren Grenze, welche durch die 1600,- markiert wird, wohl sicherlich nicht. Über die Exclusion wie Inklusion markierende Grenze ist es offenbar leichter vermittelbar, dass es Auserwählten vorbehalten sein wird zu entscheiden, wie die nächste Gesellschaft aussehen wird. Einmal mehr: “Jedes geschlossene System ist ein Sarg.” So neu ist das immerhin schon mal nicht. Wenn das Medium die Massage ist dürfen wir Zukunft als Designfrage betrachten.
Bei dem berüchtigten afrikanischen Stamm, welche immer für die Exemplifikation soziologischer und psychologischer Weisheiten herhalten muss, ist es so, dass Jugendliche, die anfangen zu spinnen, in den Busch geschickt werden. Ähnlich wie anläßlich des Laufen Lernens oder des Erreichens der Erwerbsfähigkeit kommen Menschen ja in so einen rauschartigen Zustand, wenn sie gewahr werden, dass sich mit dem Aufquellen ihres jugendlichen Körpers bzw. sozialen Ansehens der potentielle Kontrollbereich ziemlich erhöht. Grenze, wo bist Du?
Eines der Dilemmata erwachender Geister in dieser Gesellschaftsform besteht sicherlich darin, dass sie einerseits gewahr werden, dass die Kultur dieser Gesellschaft vorzüglich darauf beruht, dass krasser Raubbau an den natürlichen Ressourcen betrieben wird und unser Wohlstand sich wesentlich dadurch regeneriert, dass andere Seelen auf´s viehischste ausgebeutet werden. “I AM WHAT I AM” Trotz den dazugehörigen Machiavelli-Reflexen – “Immer noch besser, wir beuten die aus, als die uns!” -resultiert jene Art von Unbehagen, welche die Einordnung in diese wenig ehrenhafte, weil zu ihren proklamierten Werten in tiefstem Widerspruch stehende Kulturveranstaltung als ehrenrührig erscheinen läßt. Persönlich wünschen wir uns jung wie alt hartnäckigerweise Charisma als Einheit von Wort und Tat. In kleineren Horden hat sich diese Sichtweise überwiegend bewährt. Nun wird unseren Halbstarken zugemutet, all der verheißenen Begehrlichkeiten wegen in dieses krass widersprüchlich organisierte Kulturprogramm miteinzusteigen, für diese Kultur permanenten Selbstwiderspruches nichts weniger als ihr Leben hinzugeben. Wie cool ist das denn?
Für distingierte Weisheitsdienstleister zeichnet sich hier eine hübsche Marktnische ab. Wenn bei dem berühmten arfrikanischen Stamm die Heranwachsenden in ihrem Sturm und Drang auf die Spießer wettern, Banden bilden, sabotieren, dann werden ihnen freundlich bis nachdrücklich die Grenzen des Systems gewiesen. Nach mehreren Tagen Daseinskampf im Dschungel kehren sie i.d.Regel zurück und haben verstanden, weshalb es sich lohnt, ein Spießer zu sein. Sie erkennen die Paradoxielösungen der Stinos an und nehmen aus der Auswahl der ihnen offerierten Plätze einen an. Endlich einen Platz im Leben gefunden, der Freiraum mit Halt verbindet. Wer also Bedenken hat, seine Kinder zum Praktikum in die Entwicklungshilfe zu schicken ist mit den exklusiven 1600,- bzw. für Doktoranden 500,- Inklusivitätsentgelt für zirkuläre Luhmannexegese gut bedient.
Verschiedentlich wurde kritisiert, dass sich Sozialpädagogen und andere ökologische orientierte Stützen der Gesellschaft von morgen in den letzten Jahren immer weniger für die politischen Dimensionen (und Voraussetzungen) ihrer Arbeit interessiert haben. Möglicherweise hat sich das Wechselspiel zwischen den Mentoren ihrer Klinetel und den Budget-zuweisenden und verwaltenden Institutionen mit dem in die Jahre gekommenden Sozialstaat auch dahingehend entwickelt, dass die Kritik auf die Hilfe leistenden und von Hilfeleistungen mit lebenden Fachkräfte und deren e.V., gGmbH e.t.c. selbst zutrifft: Wir haben uns eingerichtet und sind selber Sachzwang geworden. Andernfalls wäre es schwierig zu erklären, dass die akademische und praktische Sozialpädagogik dieser Tage derart ratlos ja panisch auf den nicht mehr zu übersehenden Abbau bzw. ratenweisen Zusammenbruch des Sozialstaates reagiert. Offenbar waren darauf die wenigsten vorbereitet. Das können DIE doch nicht machen!
Für Menschen und Maschinen, die am Suchen sind, ein Begleitheft im Geiste des brausenden Goethe und jungen Wagner, das die Unruhen unseres aktuellen Durcheinanders fast anmutig vertont. Der naiven Perspektiven wegen handelt es sich sicherlich um ein eher literarisches Zeugnis. Der hoffentlich immer neuen Jugend wegen werden ich Du er sie es sich und uns mit derlei auseinandersetzen müssen;
Kommentar by Max Liebscht — 21. November, 2011 @ 12:34 Uhr
Ich glaube Kommentator von Blog-Einträgen o.ä., das wird ein neues Berufsbild oder zumindest eine beliebte wenn auch vermutlich zeitraubende Freizeitbeschäftigung.
Kommentar by hanswurst — 21. November, 2011 @ 17:20 Uhr
http://twitter.com/
Kommentar by Max Liebscht — 21. November, 2011 @ 18:45 Uhr
“Wenn das Elektroauto kommt – dessen Konstruktion nach seiner Ansicht technisch trivial im Vergleich zu der des mit [verbrennungskraftmaschinengetriebenen Autos] ist”
Entgegen dem Glauben unserer Politiker sind Photovoltaik, Solarstrom anderer Art und Windmühlen auch trivial und nicht etwa Hi-Tec im Vergleich zu Dampf- und Gasturbinen und den angekoppelten Generatoren. Aus der Branche kommen dann die nächsten Arbeitslosen.
Allerdings sind die Vibrationsprobleme bei Windmühlen auch nicht ohne und auch Elektroautos haben damit zu kämpfen. Im grösseren Massstab kann man das bei einer Berliner S-Bahn-Baureihe hören: ein nervenzerfetzendes Frequenzspektrum beim Anfahren und Bremsen.
“Es muss also andere als technische Gründe geben, solch ein Auto nicht zu produzieren. Welche das sind, überlasse ich der jeweiligen Phantasie.”
Tatsache, schon in den 60er Jahren hat ein Institut der TUB einen Fiat 600 zu einem Elektroauto umgebaut. Seither kaum nennenswerter Fortschritt, abgesehen von den Leistungshalbleitern, die damals sozusagen am Anfang standen.
Knackpunkt bis heute: die unschlagbare Leistungsdichte von Benzin und Treibstoff. Und natürlich die dazugehörige ubiquitäre Infrastruktur. Man versuche einmal per Elektromobil nach Peking oder ans Nordkap zu fahren. Wahrscheinlich wäre schon vor dem ersten Grenzübertritt Schluss mit der Nachlieferung von Elektronen.
Kommentar by duscholux — 23. November, 2011 @ 09:59 Uhr
Allmächt! Ich konnte die Diskussion anfangs gar nicht recht einordnen. Aber klar! Nach Verebben der Massenfliegerei muss Ballermann auf dem Festland errichtet werden. Das Elektroauto ist der Vorläufer für den nur bedingt flugtauglichen Volkswagen “Trabi R” (“R” für reloaded) und Nachfahre von “Trabant de luxe”. Was man als Gelegenheitssystemiker alles lernen kann!
Kommentar by Max Liebscht — 25. November, 2011 @ 06:09 Uhr