Neuhardenberg
Fritz B. Simon
Die letzten zwei Tage habe ich in Schloss Neuhardenberg gearbeitet. Es liegt irgendwo im Osten von Berlin. Wo genau, weiss ich nicht, denn der Kollege, der mich in seinem Auto mitgenommen hat, besaß ein sogenanntes Navigationssystem. Das sind Maschinen, die so an jeden gewünschten Ort führen, dass man findet, ohne die geringste Ahnung zu haben, wo man eigentlich ist. Während man früher eine Landkarte verwendete, sich orientierte, Bezüge zwischen Start- und Zielposition herstellte, um einen guten, schnellen, schönen (was immer) Weg zu finden, und Herr seiner Handlungen blieb, wird man mit diesen Apparaten zum blöden Befehlsempfänger – ohne jede Übersicht, ohne die geringste Idee, in welchem Kontext man sich bewegt. Diese Gerate sind die Perfektionierung der Hierarchie, um Auto zu fahren, braucht man einen “autoritären Charakter”. Sag mir, was ich tun soll!” In 200 Meter rechts abbiegen!”
Soviel zur Vorrede. Wenn man dann wunderbarerweise in Schloss Neuhardenberg ankommt, erwartet einen ein sehr geschmackvoll und stilsicher renoviertes Schinkelschloß und eine neu erbauetes, dazu passendes 5-Sterne Hotel. Es gibt schlechtere Orte zu arbeiten. Wer sagt, in Ostdeutschland gäbe es keine guten Arbeitsplätze?
Auch die Küche ist hervorragend. Ich bekenne hier öffentlich, dass ich noch nie (!) einen so guten Rehrücken gegessen habe (wenn auch die dazu gereichte Schokoladensauce etwas ungewöhnlich war).
Die Zimmer des Hotels waren sehr gediegen, alles vom Feinsten. Auch das Frühstücksbuffet ließ keine Wünsche übrig (außer vielleicht: Es gab kein bereits am abend zubereitetes, gut durchgezogenes Bircher-Müsli, wie man das schon in durchschnittlichen Schweizer Hotels bekommt). Ansonsten keine Details, an denen gespart worden wären. Und zu alledem ein traumhafter Schlosspark, angelegt von Linné.
Ein gewisser Luxus, so könnte man sagen.
(Übrigens hat hier die Bundesregierung die Agenda 2010 beschlossen.)
4 Kommentare
RSS Feed für Kommentare zu diesem Artikel.
Entschuldige, das Kommentarformular ist zurzeit geschlossen.











Jedem das Seine.
Kommentar by Max Liebscht — 1. Dezember, 2007 @ 11:00 Uhr
Lieber Herr Liebscht,
Sie machen sich…, d.h. Ihre Kommentare gewinnen an Prägnanz.
Beste Grüsse, FBS
Kommentar by Fritz B. Simon — 1. Dezember, 2007 @ 11:53 Uhr
Ich dachte nur, wenn der Schwung weng nachläßt, könnte man ja wieder die Nazis auftreten lassen. Ich gönn Ihnen ja Ihre, meiner Meinung nach, hoch verdienten Freudentage.
Sonsten ein schöner Kommentar zum Diktum des berühmten sächsischen Heimatdichters Max Liebscht: Was das Bleede is an der Intelligenz, das is, daße versucht, sich von sich selbst zu emanzipieren.
Kommentar by Max Liebscht — 2. Dezember, 2007 @ 18:45 Uhr
Und was macht man abends in Neuhardenberg?
Und damit hier doch noch jemand erdährt wo es liegt:
von Berlin Mitte Richtung Königsberg und nach einer Stunde etwa links ab.
Kommentar by duscholux — 29. Dezember, 2007 @ 09:47 Uhr