Simons Systemische Kehrwoche

Nichts gilt mehr

Fritz B. Simon

Die alten Klischees taugen nicht mehr. Wenn man nach Italien fährt, um mediterrane Atmosphäre zu schnuppern, so wird man – von einigen, für Touristen aufbereiteten Reservaten abgesehen – enttäuscht sein. In Neapel, zum Beispiel, gibt es kaum eine Gelegenheit, an irgendeiner Piazza zu sitzen und seinen Campari zu trinken. Kommt man hingegen nach Berlin, so gibt es kaum eine Strasse – in welchem Kiez auch immer – in dem nicht das Gefühl aufkommt, an der Costa Brava zu sein. Tische, so weit das Auge reicht, italienische, spanische, griechischen usw. Spezialitäten, Wein, Weib, (kein Gesang) aber Easygoing überall. Deswegen fahren all die Italiener nach Berlin, und auch die Spanier, Franzosen usw.

Und jetzt auch noch im Fußball: Eine deutsche Mannschaft, die spielt, als sei sie voll südländischen Temperaments… spielerisch leicht, technisch gut, jugendlich, Kompetenz ohne Großkotzigkeit.

Wunderbar.

Vielleicht ist der Glaube an Fortschritt doch nicht so irre, wie ich immer dachte.

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5 Kommentare

  1. Schön, und anders.
    Aber Fortschritt?

    Kommentar by es — 27. Juni, 2010 @ 21:13 Uhr

  2. Selbst in der Saure- Gurken- Zeit hält des Fußballers Lauf
    nicht den Sturzkampfflug der Zeitungsenten auf.
    Während man sich im Luftschutzbunker geistig um Erdung bemüht,
    singen die Sponsoren der Einsatzstaffel endzeitlich ihr Lied
    vom Segen gesellschaftserfrischender Marktbereinigung
    und dem Überleben der Sportlichsten.
    Wer zu blöd ist, selber mitzuspielen oder Brot und Spiele – Manöver zu managen, soll mal hübsch ordentlich zahlen für das Tickett am Gesellschaftsspiel.

    Kommentar by Max Liebscht — 28. Juni, 2010 @ 10:46 Uhr

  3. Das deutsche Team in seinem Lauf, hält weder Ochs noch Esel auf! Jawoll.

    Kommentar by Holger Huckfeldt — 30. Juni, 2010 @ 15:04 Uhr

  4. Anstatt sich über die Poesie schreibender Proletarierkinder lustig zu machen, können Sie sich ja lieber der Frage stellen, warum sich so viel mehr Menschen für Fußball ereifern statt für Handball! Da können Sie als Vertreter einer dekadenten Klasse mal glänzen hic et nunc.

    Kommentar by Max Liebscht — 2. Juli, 2010 @ 05:11 Uhr

  5. Ggü. Handwurf durch Fußkraft angetrieben größere ballistische Reichweite, größere Spielfelder, mehr menschliche Säuger, die sich zusammenpferchen und rudelgleich rythmisch synchronisieren lassen?

    Kann der Mensch mit irgendeinem seiner Körper- oder Geistesteile noch größere Reichweiten erzielen, noch größere Spannungsfelder bespielen?

    Meditationen über mögliche Vergrößerungen von Spielfeldern als Formen aus Langeweile und Zwang:

    Kommentar by Max Liebscht — 18. Juli, 2010 @ 09:08 Uhr

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