Simons Systemische Kehrwoche

Niedersachsen

Fritz B. Simon

Von Hannover ist ja in Deutschland nicht viel die Rede. Und wenn schon, dann in bösartigen Sätzen wie “Nichts ist doofer als Hannover”.

Wenn man sich hingegen die deutschen Spitzenpolitiker anschaut, dann kommen überdurchschnittlich viele aus Niedersachsen bzw. aus Hannover (nach Insiderinformationen: weil sie da alle weg wollen).

Der gegenwärtige Bundespräsident Christian Wulff, Philip Rösler, Sigmar Gabriel, Gerhard Schröder (erinnert sich noch jemand?).

All diese Politiker hatten/haben ein enges Verhältnis zu Wirtschaftsführern. Das ist wahrscheinlich in anderen Städten auch so, aber in Hannover fällt es mehr auf – warum auch immer.

Gerhard Schröder verstand sich immer gut mit Ferdinand Piech, von dem er sich auf den Opernball nach Wien einladen ließt, und auch Herr Maschmeyer soll sein Geld ja für den Kanzlerwahlkampf eingesetzt haben…

Bei FDP-Politikern gehört solch eine “Nähe zur Wirtschaft” ja zum Programm, deswegen sei ihnen hier nichts vorgeworfen…

Das Problem ist halt, dass jeder Inhaber eines öffentlichen Amtes, wenn er einigermaßen klug ist, persönlich jeden Anschein der Korrumpierbarkeit vermeiden sollte.

Wenn Herr Wulff wegen ein paar Euro ersparter Kreditkosten oder wegen nur wenig besserer Sitze in einem Flugzeug riskiert, als korrupt zu erscheinen (“Vorteilsnahme im Amt”), dann ist das natürlich problematisch – nicht nur, weil seine Integrität in Frage gestellt ist. Viel schlimmer ist, dass wir offenbar einen Mann in das höchste deutsche Staatsamt befördert haben, dem der Sinn für Stilfragen fehlt und der nicht weise genug ist, auf kleinliche, kurzfristige ökonomische Vorteile zu verzichten etc.

Auf der anderen Seite: Er repräsentiert wahrscheinlich ja ganz gut ein Wahlvolk, das auch Herrn zu Guttenberg “super” fand/findet…

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4 Kommentare

  1. Neben den erwähnten Christian Wulff, Philip Rösler, Sigmar Gabriel, Gerhard Schröder gibt oder gab es noch viel mehr, z.B. Frank-Walter Steinmeier, Patrick Döring, Peter Struck, Ernst Albrecht, Walther Leisler Kiep, Jürgen Trittin, Thomas Oppermann, Hubertus Heil und Gottfried Wilhelm Leibniz mit seinem Keks.

    Frauen nicht zu vergessen: Ursula von der Leyen, Brigitte Zypries, Birgit Breuel.

    Ich habe einen Kollegen aus Niedersachsen, der kann alle dortigen Erbfreundschaften und -feindschaften und deren Effekte und Auswüchse mit den jeweiligen Religionszugehörigkeiten erklären.

    Ich selbst erlebe immer einmal wieder ein “Upgrade” im Hotel oder beim Fliegen, sogar bei der Staatsairline. Muss ich mir da Gedanken machen?

    Das gute beim fliegenden Upgrade sind weniger die Sitze, als die Anzahl der Toiletten.

    Beim Bundespräsidenten hätte ich aber gedacht, dass der schon aus Sicherheitsgründen von Amts wegen upgegraded wird. Allergings, neben wem hat man nicht schon alles gesessen auf Flügen von und nach Berlin. Ich erinnere mich an Senatoren, Gewerkschaftschefs, Bundesminister, Staatssekretäre (richtige und auch parlamentarische), DSK, Olympioniken, Fernsehfuzzis, Schauspieler, Tennisspielerinnen, Ruderer, etc. pp.

    Kommentar by duscholux — 19. Dezember, 2011 @ 09:19 Uhr

  2. Rom, Byzanz, Berlin …
    Nachkriegszeit,Vorkiegszeit.
    Kulturstandards kommen und gehen.

    Kommentar by Max Liebscht — 19. Dezember, 2011 @ 10:29 Uhr

  3. Hannover, Hannover, wo ist Hannover….
    http://vimeo.com/32001208

    Kommentar by es — 20. Dezember, 2011 @ 09:40 Uhr

  4. Überall. Für Kulturflüchtlinge ein bißchen eine Herausforderung.

    Im zum Neofeudalismus regredierten Kapitalismus (Konzerne als Kleinstaaten, Binnenwährungen, Zollschranken, Embargos, Vasallentum in Behörden, absolutistische Herrschaft der Monopoleigner, rücksichtslose Umweltzerstörung und Ausbeutung der Mitgeschöpfe zugunsten der Stützung überholter Produktions- und Wirtschaftsweisen e.t.c.) bedeutet Wettbewerb weniger sportliches Ereignis unter regelgeleiteten Kämpfern (Businessheros) und Förderung allgemein erfreulicher Produktdiversität als vielmehr, dass derjenige als am erfolgreichsten gilt, der seine Umwelt am schnellsten und nachhaltigsten schädigt und seine Mitmenschen übervorteilt – ohne sich dabei erwischen zu lassen, belangt werden zu können.
    Nun findet sich gelegentlich, dass es heißt, die Businesscowboys seien allesamt boshafte Sünder und durch und durch verderbt. Wenn man mit denen redet, stellt sich regelmäßig heraus: die wüßten es selber gerne besser und trauen sich nur nicht aus den vertrauten Gleisen heraus. Wer so was nicht kennt, sollte für deren Seelenheil beten.

    Als Kulturgemeinschaft gleichen wir einem russischen Neureichen: Substanzverlust im Inneren durch zu schnelles Wachstum nach außen. Das schreit nach Berichtigung durch die Ökologien.

    Kommentar by Max Liebscht — 22. Dezember, 2011 @ 11:17 Uhr

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