Simons Systemische Kehrwoche

Obamas Paradoxie

Fritz B. Simon

In einer Nachwahl, um den vakanten Senatssitz von Edward Kennedy zu füllen, hat ein unbekannter Republikaner gewonnen. Eine Protestwahl.

Damit wird es auch unwahrscheinlicher, dass die Gesundheitsreform eine Mehrheit bekommt, die Reduzierung der Treibhausgase voran gebracht wird, und all das gemacht wird, was wir Europäer uns von den Amerikanern wünschen (Guantanamo etc.).

Dass jetzt die Obama-Regierung, die mit so viel Vorschusslorbeeren versorgt worden war, abgestraft wird, ist nicht verwunderlich. Erstens ist die wirtschaftliche Lage immer noch prekär, und zweitens hat sich die Regierungspartei bzw. haben sich deren Repräsentanten bescheuert verhalten.

Es ist nicht gelungen deutlich zu machen, dass die Wirtschaftskrise Ergebnis der Bush-Regierung – bzw. anderer Vorgängerregierungen bis hin zu Reagan, die alle dereguliert haben – ist. Also wird die aktuelle Regierung bestraft, obwohl sie einige ganz intelligente Entscheidungen getroffen hat. Allerdings war sie wohl zu sehr auf Konsens bedacht und nicht mutig genug in ihrer Stimuluspolitik. Der rührende Versuch Obamas, ein überparteilicher Präsident zu sein, ist gescheitert. Derartige Beziehungsdefinitionen kann man eben nicht einseitig vornehmen.

Der zweite, wohl wichtigere Grund ist, dass die Demokratische Partei zerstritten ist und Senatoren wie Nelson oder Lieberman ihre Partikularinteressen an die erste Stelle setzen, d.h. sich ihre Stimmen abkaufen lassen. Das wirkt korrupt, das ist korrupt.

Und so blöd sind nicht einmal die Amerikaner, um das nicht zu merken.

Da die Republikaner mangels inhaltlicher Konzepte auf reine Obstruktion umgeschaltet haben und das kriegerische Freund-Feind-Schema anwenden und verkünden, liegt es nahe, dass sie die Gewinner sind, wenn gegen das Establishment gestimmt wird, auch wenn sie die ganze wirtschaftliche und ökologische Misere zu einem guten Teil zu verantworten haben.

Obamas Paradoxie besteht darin, dass er jetzt das Washington repräsentiert, gegen das er seinen Wahlkampf geführt und gewonnen hat..

Bin sehr neugierig, wie das weiter geht.

Bookmarken bei
Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • Facebook
  • TwitThis
  • Colivia
  • MisterWong
  • Y!GG
  • Webnews
  • Digg
  • del.icio.us
  • StumbleUpon
  • Reddit
  • Wikio DE

2 Kommentare »

  1. Welcher Mensch, der sich und andere zu führen hat, sucht nicht paradoxen Anforderungen zu entsprechen?
    Aber gut gut, wir sind wohl gerade wieder jenseits rationaler Betrachtung.
    Rettet den Hero!

    Kommentar von Max Liebscht — 21. Januar, 2010 @ 07:30 Uhr

  2. “,,, und all das gemacht wird, was wir Europäer uns von den Amerikanern wünschen ….”

    http://www.youtube.com/watch?v=c4aQCiRjvZY&feature=topvideos

    Hitler Finds Out Scott Brown Won Massachusetts Senate Seat

    Kommentar von duscholux — 22. Januar, 2010 @ 00:30 Uhr

RSS-Feed für Kommentare zu diesem Artikel.

Einen Kommentar hinterlassen

September 2010
M D M D F S S
« Aug    
 12345
6789101112
13141516171819
20212223242526
27282930  
Systemische Kehrwoche

nach Stichwort
Carl-Auer LebensLustCarl-Auer CompactCarls Klassiker-BibliothekCoachingFamilientherapie und FamilienforschungHypnose und HypnotherapieKinder- und JugendlichentherapieManagement / OrganisationsberatungOrganisations- und StrukturaufstellungenPaartherapiePhilosophie / Systemtheorie / GesellschaftPsychiatriePsychologie/PsychotherapieSystemaufstellungenSystemische MedizinSystemische PädagogikSystemische Soziale ArbeitSystemische TherapieTherapie und HumorVerlag für Systemische Forschung
HörBarLesBarBuchBar
AnsprechpartnerCarl Auer – Geist or Ghost?Jobs & PraktikaVerlag für Systemische ForschungSo finden Sie uns
Für AutorenBuchhandelPartnerbuchhandlungVeranstaltungenLinksProspektanforderungNewsletterGeschenkgutscheinE-Cards
AktuellesRezensionsexemplareUnsere VorschauVerlagsgeschichte