Ohne Ansehen der Person ohne Ansehen
Fritz B. Simon
Ich fand immer, es waren Peanuts, deretwegen der Rücktritt von Christian Wulff gefordert wurde. Und ich fand – die andere Seite der Ambivalenz – es ziemlich jämmerlich, dass jemand, der seine Integrität wegen solcher Peanuts aufs Spiel setzt, Bundespräsident werden kann.
Jetzt aber, nachdem ein Ermittlungsverfahren gegen ihn eröffnet wurde, ist er zurück getreten. Das finde ich richtig. Und mir scheint es ein gutes Zeichen, dass die Staatsanwaltschaft Hannover (endlich mal was Positives aus Hannover zu berichten), den Antrag auf Aufhebung der Immunität gestellt hat. Das System, dass vor dem Recht alle gleich sind (oder sein sollten), hat eine Prüfung bestanden (sicher nicht die letzte). Ein gutes Zeichen, das zu Optimismus Anlaß gibt, was diesen Staat bzw. seine Rechtsstaatlichkeit betrifft.
Nun also das neue Problem: Wer soll neuer Bundespräsident werden. Ich kann es nicht machen, weil ich schon Urlaub im Ferienappartment von Freunden verbracht habe (Cote d´Azur und Gran Canaria). Also muss sich ein anderer zur Verfügung stellen.
Mein Vorschlag lautet: Otto Rehhagel. Er wäre in der Lage, das deutsche Ansehen in Griechenland wieder herzustellen (schließlich hat er mit der griechischen Nationalmannschaft die Europameisterschaft gewonnen).
Und Christian Wulff könnte dann das Training von Hertha BSC übernehmen (da macht es eh keinen Unterschied mehr).
14 Kommentare
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Ja, das wäre was …
Der neue Bundespräsident als so eine Art Nationaltrainer im weitesten Sinne des Wortes.
… ein Trainer muss ja immerhin nicht selber Tore schießen …
Kommentar by Arnd Kulow — 19. Februar, 2012 @ 13:34 Uhr
Erstens: Sie mögen glauben sich durch derlei Zynismen unangreifbar machen. Als Vorbild für die Jugend aber disqualifizieren Sie sich schwerstens. Mickey Mouse Obama und attraktive russische Nutten – welche Ideale haben systemische Vordenker noch im Portfolio?
Zweitens: Dass die selbstverklärten Eliten nicht mal mehr so viel Integrität zusammenzukratzen vermögen, einen Repräsentanten aufzustellen, der diesem Land, wenn schon keine Ehre, so doch wenigstens keine Schande macht … bedenklich, soweit wir als systemisch augebuffte Mitdenker dem sozialen Vergessen noch nicht so weit anheimgefallen sind, nicht zu erinnern, dass der Verfall der ethischen Intelligenz historisch immer den Verfall der materiellen Werte nach sich gezogen hat.
Drittens: Vielleicht haben Sie ein bißchen Recht. “Ohne Ansehen der Person ohne Ansehen” sounds wie a Rose is a rose is a rose…
Kommentar by Max Liebscht — 19. Februar, 2012 @ 13:52 Uhr
Danke, ich habe Tränen gelacht.
Ein bisschen mehr Mitgefühl mit Hertha – wäre das möglich? So als Berliner!
Kommentar by TPunkt — 19. Februar, 2012 @ 14:50 Uhr
“Als Vorbild für die Jugend aber disqualifizieren Sie sich schwerstens.”
Diesen Kommentar kann ich in keiner Weise nachvollziehen. Mir scheint es insofern eher so zu sein, dass dieser Kommentar vor allem einen, nämlich den Kommentator selbst, – schwerstens – disqualifiziert….
Mich hat dieser Beitrag von Fritz B. Simon angeregt und auch erheitert.
Kommentar by Jan V. Wirth — 19. Februar, 2012 @ 14:52 Uhr
Wulff & die Erbfreunde haben es jedenfall geschafft, Hannover anders auf meiner inneren Landkarte zu verankern.
Ich muss zugeben, ausser auf der Messe*, die meiner Erinnerung nach auf einem Acker stattfindet, war ich noch nie dort. Es gibt aber wohl keine deutsche Grossstadt, an der ich schon so oft vorbeigefahren bin – bisher immer mit dem Gedanken: Noch anderthalb Stunden (bis Berlin).
*) In Braunschweig war ich immerhin öfter, aber nur, weil in der Vorautobahnzeit der direkte Weg Richtung Frankfurt durch die Stadt führte. Und in Hannover gibt es nichts, was Dankwarderode, Dom oder Löwen das Wasser reichen könnte.
Ach ja: auf dem Flugplatz war ich auch öfter, um Mitreisende aufzunehmen, die nicht durch die Zone fahren durften.
Kommentar by duscholux — 19. Februar, 2012 @ 17:37 Uhr
Schön, wie Sie Justitia streicheln. Ich frage mich, wer aus dem Kanzleramt die Staatsanwaltschaft angeschupst hat. Eine Meister-leistung in Mikropolitik. Es wird leer im Olymp.
Kommentar by es — 19. Februar, 2012 @ 18:20 Uhr
Diese Simonischen Urlaube zählen nicht, da sie nicht im Zusammenhang mit einem politischen Amt standen – alle erhaltenen Vorteile sind also annehmbar. Konsequenz: mach et!! Lass Otto trainieren und und Christian seinen Ehrensold.
Kommentar by Matthias Ohler — 19. Februar, 2012 @ 21:04 Uhr
Er mag mehr im Köpfchen haben. Aber vielleicht ist das gerade der Hinderungsgrund?
Neben einer Frau, die 1A Managerin ist, würde er sich ja sogar auskennen, okay.
Aber er hat sich höchstselbst wiederholt nicht nur als illusionsanfällig sondern auch verantwortungsscheu und Zyniker bzw. gescheiterter Moralist geoutet. Hat man zudem je von einem Oberpavian in repräsentativer Funktion gehört, der wirklich witzig gewesen wäre?
Das ist ein ernstes Problem; die was in der Birne haben, wollen immer nur die Steigbügelhalter sein.
Leute, die sich nicht zu dämlich sind, von Geradlinigkeit zu reden und währenddem Peanuts mitzunehmen hingegen mimen den Alpha für die Menge nahezu schwindelfrei.
-> zum Thema nachdenklich machende Ambivalenzen: Was auch immer das ist, wenn jemand eine Satire auf eine Satire schreibt, ernst ist das nur insoweit als ein Empfänger es so verstehen mag. Hi..
Kommentar by Max Liebscht — 19. Februar, 2012 @ 21:56 Uhr
Ja, das wärs! Prof. Simon als Bundespräsident! Dann gäbe
es gewiß soziale Gerechtigkeit in diesem Land…! Gibt
es nicht so etwas wie ein Simonisches Urteil? Oder
bezieht sich das auf Heide Simonis? Ist es gar aus der
Bibel?
Kommentar by elle elle — 20. Februar, 2012 @ 14:27 Uhr
@ 8.
“Das ist ein ernstes Problem; die was in der Birne haben, wollen immer nur die Steigbügelhalter sein.”
Na, ob “nur Steigbügelhalter” weiß ich nicht so genau….
“Du willst die Dummheit stürzen und dem Geist
die Macht, obwohl er sie nicht mag, verleihen?…..
Du willst, dass man der Macht die Macht entreißt?….”
Was Erich Kästner 1932 im “Ohnmächtigen Zwiegespräch” sonst zur Macht und .. “der Person ohne Ansehen” formuliert, findet sich hier:
http://paulinchen-ist-allein-zu-haus.blogspot.com/2009/12/das-ohnmachtige-zwiegesprach.html
Systemische Poesie genug?
Kommentar by deaXmac — 20. Februar, 2012 @ 16:22 Uhr
Der alte Moralist aus Dresden, in der Tat Systemische Poesie.
Mutet ein wenig paradox an; Macht kann man am ehesten noch denen anvertrauen, die sich persönlich nichts aus ihr machen.
“Zen und die Kunst …” ein soziales “System” zu warten.
Die freilich arbeiten eher gemäßigt darauf hin.
Kommentar by Max Liebscht — 20. Februar, 2012 @ 19:22 Uhr
@ 11.
“Macht kann man am ehesten noch denen anvertrauen, die sich persönlich nichts aus ihr machen.”
Gesetzt den Fall unser alter Moralist hätte Recht, sollte man dann den Begriff “Macht” nicht vielleicht durch Autorität ersetzen? Zur Unterschiedsbildung: Amtsautorität und persönliche Autorität als Gütesiegel?
Ich finde Gauck hat Beides und ihm gebührt m.E. auch Respekt und Vertrauen. Er hat’s einfach nicht nötig, korrumpierbaren Klamauk zu machen. Wer aus sich heraus wirkt, braucht keine Macht. Wozu auch?
Ich vermute mal, Merkel wollte ihn deshalb nicht so gerne, weil er so souverän, unabhängig und unbequem ist und dem Einfluß der Hannover-Connection, s.a. “Operation Röschen” -ihr Plan nach Köhler- einen Strich durch die Rechnung macht.
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,698235,00.html
Gaucks Grundhaltung gegenüber Freiheit, Verantwortung und Toleranz müssen unsere machtgeilen, korrumpierbaren, an Sessel klebenden, lobbyabhängigen Alphatiere als Pappkameraden mit Quaksprech-Showauftritten jetzt schon etwas an Profil entgegensetzen. Gauck pustet sie unter Umständen mit einem Satz bereits vom Parkett.
“Bei vielen Menschen aber, die mir im Land begegnen, vermute ich eine geheime Verfassung deren Artikel 1 lautet: “Die Besitzstandwahrung ist unabtastbar.”
Wunderbar.PUNKT!
Uuups? Wo laufen bzw. wo kleben sie denn?
“Ich werde, allerdings gestützt von meinen Amt und einem Apparat, weiter als ein solcher unterwegs sein, und kann Sie nur bitten, die ersten Fehler gütig zu verzeihen, und von mir nicht zu erwarten, dass ich ein Supermann und ein fehlerloser Mensch bin. Aber wie wir alle wissen, kann man ganz gute Dinge auch machen, wenn man nicht von Engeln umgeben ist, sondern von Menschen.”
Verziehen!
Endlich wieder ein endlicher Mensch, der mit seinen Fehlern und Grenzen umgehen kann! Schöne Aussichten, endlich einen Repräsentanten “arschlochfreier Zonen” auf dem politischen Parkett zu sichten. Klartext statt Quaksprech…was für ein Segen! Engel sind nicht erforderlich. Menschsein reicht völlig.
Superman bzw. KT-Kerner-Christmas-Show-Kandidaten
mit Schmalzlocke, mit und ohne Intellektuellen-Brille, brauchen wir nicht.
Ent-Sorgt sein von nervtötenden, dampfplaudernden Arschlöchern und virtuelle Schuld(enberge) tragenden, technokratischen Sparfüchsen, die ihre eigenen Probleme inclusive ihrer Grabenkämpfe im kleinen und großen Parteiensandkasten zu unseren machen…
Das nenne ich Freiheit. “Prinzip Hoffnung”.. Land in Sicht?
Kommentar by deaXmac — 20. Februar, 2012 @ 23:04 Uhr
Mir hängt ja mein Pessimismus gelegentlich selber zum Halse raus. “Pessimist als Optimst, der zu Verstand gekommen ist” … haaa haaaa; “Sei schlau, bleib dumm.” … und all diese Dinger. So begeistert mann keine Frauen und Kinder.
Von daher, wie Bukowski auf der Pferdewettbahn: Toi toi, dass der alte Klepper das Land vor der moralischen Totalpleite und Kollapsovertüre bewahren wird und all uns sündige Mitgesellschafter – frei nach Dilts – “das Versprechen einer Welt vorlebt, der wir zugehören wollen.
Ich muss das irgendwie üben mit dem zuversichtlich sein, merk ich gerade, weil mir rein gewohnheitsmäßig schon wieder in den Sinn kommt, dass das in diesen Stellvertreterkulturen so seine Tücken hat mit dem Rocken der trägen Massen. Also noch einmal: “Zum Optimismus gibt es keine Alternative!” Das war jetzt schon geradliniger irgendwie, nich?
Kommentar by Max Liebscht — 21. Februar, 2012 @ 00:20 Uhr
Deutlicher: Da die vakante Funktion sowieso die eines Hanswurst ist, hätte ich natürlich lieber diesem drolligen Onkel das Pöstchen zugeschanzt; http://www.youtube.com/watch?v=EUJ9Wdf3fl8
War wohl klar, nich?
Kommentar by Max Liebscht — 21. Februar, 2012 @ 01:20 Uhr