Pharmaindustrie
Fritz B. Simon
Im letzten Jahr hat die Pharmaindustrie in den USA einen Umsatz von 290 Milliarden $ gemacht.
Selbst wenn man in Rechnung stellt, dass wahrscheinlich ein paar Milliarden auf das Konto von Michael Jackson gehen: So krank kann eigentlich keine Nation sein, dass sie dermaßen viele Pillen braucht.
6 Kommentare
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am “putzigsten” finde ich im US-TV die tausenden werbungen für haustier-pharmazeutika.
die spots sind so toll gemacht, dass man sich fast selbst diese pillen kaufen möchte, damit man nachher auch so glücklich und dynamisch aussieht wie Fluffi & Minka.
Kommentar by Jan A. Poczynek — 22. Juli, 2009 @ 22:39 Uhr
und wahrscheinlich haben diese Haustiere dann auch eine Kreditkarte und bestellen direkt per Mausklick.
Aus diesen Krediten lässt sich sicher ein prima verbrieftes Produkt machen und einer deutschen Landesbank andienen….
Kommentar by Olaf Hinz — 23. Juli, 2009 @ 12:01 Uhr
klar, weil ja amerikanische haustiere grundsätzlich auch AAA ratings haben
)
Kommentar by Jan A. Poczynek — 23. Juli, 2009 @ 16:16 Uhr
Gestern kam in der Berliner Abendschau auch ein Bericht über den Pillenkonsum in Berlin. Auch bei uns nimmt der durchschnittliche Berliner wohl 490 Pillen im Jahr zu sich.Wer einmal ein Altersheim bei uns besucht hat, der sieht Kolonnen von Pillendosen auf den Nachttischen…..da gehen wohl die meisten Profite hin..
Kommentar by Wolfgang Libera — 24. Juli, 2009 @ 10:31 Uhr
Als ich (zugegeben: unregelmäßiger) Leser von Simons Systemischer Kehrwoche wurde, fand ich Ihre Gedanken und Sichtweisen meist charmant, bedenkenswert und durchdacht. Aber irgendwie komme ich in der letzten Zeit nicht mehr so mit. Ich habe den Eindruck, es geht nur noch um’s Schimpfen, auf “die da oben” oder auf “die da drüben”. Ich wundere mich auch ein bisschen, wie ein Blog, der das Wort “systemisch” im roten Kopfbalken zur Schau trägt, Sachverhalte manchmal bis zur Unerträglichkeit vereinfacht. Ich dachte immer, Systeme seien komplex und kompliziert (nochmal zugegeben: meine Vorstellungen speisen sich nur von Sekundär-Luhmann und Küchen-Gödel).
Diese Veröffentlichung hier fand ich mal wieder ärgerlich vereinfacht. Zum einen, weil sie offenbar die “Schuld” für die hohen Pharmakonzerneinnahmen nur im Umgang der US-Amerikaner mit Medizin sieht, ohne die Preispolitik eben dieser Konzerne in Betracht zu ziehen. Zum zweiten, weil ein “unreflektierter Antiamerikanismus” durchscheint – im Gegensatz zum “reflektierten Antiamerikanismus” eines Volker Pispers. Ich glaube, dass man zu tieferen Einsichten zum Pharmakonsum käme, wenn man mehrere Länder vergliche und nach kulturellen und systemimmanenten Gründen für unterschiedliche Einstellungen zur Medizin suchte. Da eine Hälfte meiner Familie chinesisch ist, hatte ich z.B. ausreichend Gelegenheit, solche Einstellungen in Hongkong und der VR China zu beobachten. Man mischt dort meist “westliche” mit traditionell chinesischer Medizin, verordnet sich auch schon mal selbst Antibiotika, weil man dafür keine Verschreibung braucht und gibt in meinen Augen horrende Summen für irgendwelche Wurzeln und Pillen aus – ich könnte mir vorstellen, dass die Medizinausgaben der Chinesen deutlich höher sind als die der US-Amerikaner, wenn man sie in Prozent vom Durchschnittseinkommen angibt. Es gibt dort sogar so skurrile Dinge wie Ärzte, die Ihren “Kundinnen” versprechen, dass sie mit einer bestimmten Medizin garantiert bis zum Alter von 68 Jahren Kinder kriegen können.
Nur ein Versuch zu etwas Erweiterung des Blicks, und nur beispielhaft. Ich würde mir wirklich wünschen, dass Sie wieder differenziertere Vergleiche anstellen würden als sich nur im Schimpfsystem zu bewegen.
Kommentar by Kai Weber — 29. Juli, 2009 @ 21:45 Uhr
Lieber Herr Weber,
mein Antiamerikanismus ist doch vollkommen offensichtlich. Ich weiss gar nicht, wie Sie da irgendwelchen Zweifel haben können. Und diesen Blog verfasse ich doch, damit ich endlich mal irgendwo nach Herzenslust schimpfen kann…
Die Systemtheorie beschreibt ja im Wesentlichen Wirkungszusammenhänge. Das enthebt ihren Anwender oder Nutzer aber nicht davon, sich sein eigenes, seine Handlungen leitenden Urteile zu bilden und parteilich zu agieren. Und deswegen sage ich auch, was ich für dumm, idiotisch usw. halte.
Da ich mich jedes Jahr mehrere Monate in Nordamerika aufhalte, fühle ich mich eingeladen, die US-Verhältnisse mit unseren zu vergleichen, und ich komme zu dem Schluss, dass das alte Europa gar nicht so schlecht abschneidet (inkl. der europäischen Pharmaindustrie).
Dass ich den hohen Medikamentenverbrauch für schädlich halte, hat natürlich damit was zu tun, dass ich meine Sozialisation als Arzt nicht einfach abschütteln kann. Gerade eben habe ich in CNN eine Statistik gehört, dass 31% aller Amerikaner regelmäßig Schlafmittel nehmen…
Was die Chinesen angeht, so muss man sich da wohl ein wenig auf das chinesische Denken einlassen, wo es weniger um das Kurieren von Krankheiten als um das Herstellen von Gleichgewicht geht…
Kommentar by Fritz B. Simon — 30. Juli, 2009 @ 16:55 Uhr