Politikberatung
Fritz B. Simon
Heute und morgen werde ich an einer Tagung über Politikberatung teilnehmen. Die Frage, die sich mir aus systemischer Sicht stellt, ist, wie die Rolle von politischen (besser: politologischen) Experten in einem demokratischen System sein kann, wenn jeder Einzelne die gleiche Stimme hat.
Denn es hat sich ja nicht wirklich bewährt, ein Zweiklassenwahlrecht einzuführen, die einen Leute für kompetent, die anderen für nicht kompetent zu erklären, über ihr/unser gemeinsames Schicksal zu entscheiden. Chance und Risiko der Demokratie liegen ja gerade darin, dass Experten keine privilegierte Beobachterposition zugebilligt wird und auch sie stets im Sinne eines Freund-Feind- Schemas auf heimliche oder unheimliche Interessen, die sie vertreten, beobachtet werden. Denn auch die Experten sind Teilnehmer am System und haben keine “objektive” Außensicht auf die Dinge (es sei denn, sie beraten fremde Politik – und das geht ja meist auch in die Hose, s. die westlichen Berater der Russen nach Ende der Sowjetunion).
2 Kommentare
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Leider kann ich die Überlegungen zur Politikberatung nicht recht nachvollziehen – vielleicht liegt’s ja an meiner spezifischen Beobachterposition als Politologe. Vielleicht spielt aber auch meine persönliche Einschätzung eine Rolle, dass politische Systeme sich gerne das Label der Demokratie zuschreiben, im politischen Betrieb aber eher pragmatisch damit verfahren. Warum also soll dem Politikberater im demokratischen System nur schwerlich eine Bedeutung zukommen? Er will doch nicht über eine Privilegierung via Wahlstimmen beratend wirken. Warum werden Politikexperten nach dem Freund-Feind-Schema beurteilt bzw. wieso ist das relevant? Und warum spielt ausgerechnet im politischen System die Involviertheit der Experten eine so gewichtige Rolle, wenn doch (systemisch geschulte) Unternehmenssberater mit ökonomischem Background (erfolgreich) tätig werden können? Kann es also keinen (systemisch geschulten) Politikberater geben, der Parteien oder einzelne Politiker wirkungsvoll beraten kann? Oder liegt hier einfach nur ein riesiges Mißverständnis meinerseits vor?
Kommentar by Reimar Winkler — 28. März, 2008 @ 21:50 Uhr
Systemiker sind verkappte Anarchisten. Ist Ihnen das nicht aufgefallen? Alle diese understatementmäßigen Statements hier, das ist doch doppeldeutig bis ins Letzte! Aber Leute wie Simon & Co müssen ja auch auf unauffälig machen. Pacing gegenüber dem System. (Daher auch der Begriff. Denn, wenn es wirklich nach wissenschafttheoretischen Aspekten ginge, so wie die immer tun, mit ihrem Konstruktivismus und dem ganzen Mimikry, dann wäre Struktur ja adäquater) Und irgendwann, wenn sie halbwegs etabliert sind, dann lassen sie es krachen! (Später Ausdruck von Kompromißleistung aus Loyalität und Individuation ihren nazional geprägten Erziehungsberechtigten gegenüber.) Wenn Sie die also ins Unternehmen oder in Politzirkel holen, können Sie gleich die RAF engagieren!
Kommentar by Max Liebscht — 11. April, 2008 @ 22:49 Uhr