Simons Systemische Kehrwoche

Radikale Christen

Fritz B. Simon

Am Samstagabend, Primetime, d.h. zur besten Sendezeit, auf drei Sendern gleichzeitig: Eine Befragung der beiden Präsidentschaftskandidaten der USA durch einen Pastor.

Auf die Inhalte will ich hier gar nicht eingehen. Der eigentlich interessante Befund (und ich verwende hier bewusst eine medizinische Terminologie) ist, dass sich beide Kandidaten offenbar nicht der Notwendigkeit entziehen können, radikalen Christen Rechenschaft zu geben, wie sie denken, wie sie ihre Politik zu gestalten gedenken, was ihre größten persönlichen moralischen Verfehlungen in ihrem Leben waren usw.

Dass solche Fragen an Kandidaten gerichtet werden, von dieser wie auch anderen Interessengruppen ist ja okay. Aber dass beide sich vorführen lassen, auf dem Territorium des Predigers, d.h. in seiner Kirche, das ist symbolträchtig. Nichts gegen Christen, auch nicht gegen Gläubige und Religionsgemeinschaften. Aber die Trennung von Staat und Religion war ein Merkmal der Aufklärung. Offenbar ist das vorbei…

Der Niedergang Amerikas ist wohl doch nicht mehr aufzuhalten.

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5 Kommentare

  1. Simon als privath ausgehaltene Kriseneingreiftruppe in Amerika?
    Wenn Sie so weitermachen, werden Sie nicht einmal den Papst coachen dürfen!
    Überhaupt scheint auf dem Systems Peak wohl mal wieder ganz schön der Snobismus ausgebrochen.
    Io gredo, Sie sollten sich besser mal mit dem Anselm Grün unterhalten! Ein persönliches Gespräch wäre in Ihrem Fall zwar geboten. Aber vielleicht reicht es auch schon, wenn Ihre Frau erst mal hin geht.
    Religion ist einfach wieder im Kommen.
    (Nicht nur “Religion für Psychologen”.)
    http://de.youtube.com/watch?v=ONOGueB5-u4&feature=related
    oder je nachdem:
    http://de.youtube.com/watch?v=5sps7YxLeYM
    (Damit niemand glaubt, ich glaubte, es kommen nur anale Killersublimate von den Cowgirlboys.)

    Aber rock to the post:
    Wenn wir uns in feudalistischen Verhältnissen miteinander einrichten wollen, also ich mein’, da können wir das klerikale Mittelalter doch im Sinne Familienpack gleich mit dazu nehmen!?
    Es hat funktioniert.
    Auf die spirituellen Nöte so etwa zwischen IQ 80 bis 100
    braucht man gar nicht so dümmlich abgehoben herabzusehen.
    Die gilt es zu nutzen!

    Zitat verschwendeter Jugend:
    “Naivität ist grenzenlos. Gerade deshalb ist sie so schön.”
    Tatsächlich ist es mir aber lieber,
    die saucoolen Fighter lassen irgendwo Across the Border (keine Anspielung auf den Fred Frith und den wundervollen Film)
    ihre ballistischen Superpimmel vom Regimentspharisäer segnen,
    als daß sie hierzuland bei mir den Kühlschrank plündern kommen.

    Und die Hochschulen und UNIs mitsamt ihrem innovationsfeindlichem Milieuinzest – was sind sie denn weiter als die Kirchen unser aller heutigen Zeit?

    Die Studien belegen: wer noch an irgendwas Erhebendes glauben kann (an irgendwas muß man ja sowieso glauben und sei es an Carl Auer) realisiert bspw. Genesungsprozesse schneller. Creditability.
    Wer auch immer uns gerade veralbern will, hat also eigentlich nur sein und dann unser Bestes im Sinn.

    So durchgestylt der schwarze Mann und sein Kollege Mc Cain sein mögen, das mit der sozialhygienischen Bedeutung von glaubensbedingter Resilienz (für die Volksgesundheit) haben sie jedenfalls gerafft.
    Bei den beiden selber mag das zwar nicht weit reichen,
    aber sich öffentlich ins reuevolle Schlüpferchen gucken zu lassen, das ist doch vorbildlich!
    Dazu das Ganze dann noch im sportlichen Wettbewerb. (Is ja zur Abwechslung eh immer mal interessant, wie es bei farbenfrohen Menschen da so aussieht.)

    Die Moral solcher Veranstaltung lautet jedenfalls:
    Egal, was für eine Sauerei sie von nun an veranstalten werden – von nun an dürfte klar sein:
    es kam irgendwo von Gott.

    Und wenn die fetten Amis sich mit dem schlechten Sex
    ein bißchen mehr zurückhalten, werden vielleicht auch die Sublimationsleistungen wieder ein bißchen origineller.
    Um eine Art Schnackeln geht es ja in jedem Fall – welche Form von Oszillation davon nun die Komorbidität von Herrschaftszynismus und Bigotterie etwas abbauen hilft, wäre einfach mal zu klären bzw. an Kontrollgruppen zu kontrollieren.

    PS: Ich hab früher gerne H.G. Wells, Lem und so was gelesen.
    Aber zum Thema life is stranger than fiction is das hier eigentlich auch recht unterhaltsam gemacht:

    http://www.pentagonstrike.co.uk/pentagon_ge.htm

    Zur Beruhigung dann wieder noch eine etwas andere Empfehlung von der Front der Witzelnschaft:
    Julius Kuhl: “Der kalte Krieg im Kopf: Wie die Psychologie Naturwissenschaft und Religion verbindet”

    Kommentar by M.M.M. Liebscht — 19. August, 2008 @ 04:36 Uhr

  2. Ach so. Wer sich tiefer mit Gegenmitteln gegen allzu alltäglichen Wahnsinn beschäftigen möchte, kann sich bei Eugen Chadbourne natürlich auch noch tiefer legen lassen.
    Bspw. “Country Music in the world of Islam” ahnte wohl Kommendes Jahre vorweg – bei den Amis könnte man sie sicher noch krieg
    en.

    Kommentar by M.M.M. Liebscht — 19. August, 2008 @ 04:44 Uhr

  3. Ich kann eine Beschäftigung mit der Religion des “Flying Spaghetti Monster” dazu sehr empfehlen:

    http://www.venganza.org/

    http://de.wikipedia.org/wiki/Fliegendes_Spaghettimonster

    Kommentar by Mathias Wölfelschneider — 19. August, 2008 @ 11:55 Uhr

  4. Hier an dieser Stelle dürfen Paradoxien wohl vorkommen.
    Soll heißen, ich fühle mich (selten) verstanden; meine es einerseits satirisch und andererseits dennoch ernst mit der Religion. Beides.

    Wissenschaft, die das Prinzip Religion nicht anerkennt, ist nichts weiter als Manierismus. Wissenschaft ist die Voraussetzung für Religion. Religion ohne die Voraussetzung Wissenschaft verdient gleichfalls nicht den Namen sondern ist Ritual, das seinen Sinn – im Sinne kollektiven Gedächtnisses – verloren hat, ist Fanatismus, der sich in der Anmutung seines Sinnverlustes um so wütiger gebärdet. Siehe “Flatland” (Abboth).

    Nicht als Bekehrungsbla vielmehr als Anregung zu verstehen: “Gott alles in allem – Religiöse Perspektiven künftigen Menschseins”. So Sie den Faden aufgreifen, finden Sie von da alles weitere – soweit Sie das wollen. Netterweise lassen sich von da aus auch die Bezüge zu Chaostheorie und die Begrenztheit von Begriffskonzepten wie “System” und “Kommunikation” aufschließen. (Für mich persönlich war das super, mal den Rückhalt durch ein paar Autoritäten zu finden, auf daß mir die Entwicklung meines Denkens nicht mehr ganz so exotisch vorkam.)

    Kommentar by M.M.M. Liebscht — 19. August, 2008 @ 21:40 Uhr

  5. Habe noch mal bei Robert Anton Wilson nachgeguckt. Ich finde das mit dem Kreationismus zwar gemeingefährlich, aus herrschaftspolitischer Sicht aber dafür eigentlich nur konsequent.

    Ich erinnere mich immer wieder auch noch mal an … also ja; zu DDR – Zeiten… da gab es mal eine Statistik, die starkes Befremden gegenüber den Brüdern und Schwestern jenseits der Grenze ausgelöst hat bei mir. Wieviele Menschen da an Hexen, Geister und dergleichen glaubten. Wohl an die 35 Prozent in der BRD. Wobei von der Architektur her die de luxe ausgeführten Glaubenssysteme ja nichts anderes bedienen aber gar nicht mit zu gerechnet wurden. Zu DDR – Zeiten war das natürlich speziell für jene suspekt, die schon eine Religion hatten. Die hieß halt damals noch nicht Kapitalismus. Eine der lustigsten Sachen in diesem ganzen Übernahmeprozess ist für mich immer noch, all diese Ulfs und Elkes zu sehen, die heut mit tiefer Brunst ihren sinnhaften Bedürfnisse auf esoterischen Pfaden nachgehen.

    Wenn man entsprechend sozialisiert ist, sieht man ja den Leuten das FDJ- Hemd noch an. Was haben diese armen Menschen nur früher gemacht als es noch keine Offenbarungen von Seth und dgl. gab, weil Marxens Einschätzung bzgl. Opium fürs Volk Doktrin war? Logisch: Die hatten einfach was anderes. Und jetzt ist das im Grunde selbe schicker verpackt. Nichts aber is nicht. Deswegen kommt Zen zunächst auch nicht ganz so sexy rüber und is bloß was für die, welche von allem anderen schon zu viel hatten. So wie für unseren Mann in Amerika. (Hoffentlich endet er nicht wie Wilhelm Reich!)

    Kommentar by M.M.M. Liebscht — 19. August, 2008 @ 22:04 Uhr

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