Rauchen
Fritz B. Simon
Neulich habe ich einen alten Bekannten getroffen (d.h. so alt ist er auch wieder nicht: so um die 40). Er hat aufgehört zu rauchen. Der Effekt ist erstaunlich. Er beginnt sich mit Sinnfragen zu beschäftigen. Wenn er früher keine Richtung in seinem Leben verspürte oder wenn er mit etwas beschäftigt war, das ihn langweilte, dann zündete er sich eine Zigarette an.
Diese Möglichkeit hat er jetzt nicht mehr. Auf einmal fällt er in ein Loch, und in diesem Loch beginnt er nachzudenken… Eine der Folgen, die auf das Nicht-Rauchen zurückzuführen ist (meine Interpretation), ist sein Entschluss zu heiraten. Kinder wären gut…
Wahrscheinlich sind alle demographischen Probleme in Deutschland dadurch zu lösen, dass ein generelles Rauchverbot eingeführt wird.
15 Kommentare »
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Je nach dem: Auch die freiwillige Kontingentierung des TV-Konsums, des zeitlich unkontrollierten Surfens im Internet und das Einschränken des suchtartigen Konsums von diversen sich haltlos vermehrenden Hochglanzmagazinen könnten ähnliche Sinn und Leben steigernde Effekte haben. ..
Kommentar von Sylvia Taraba — 29. Mai, 2008 @ 11:57 Uhr
Das mit dem Sinn finden wird schon wieder.
Für alle, die nicht lesen können:
http://www.leap2020.eu/GEAB-in-Deutsch_r27.html?PHPSESSID=3e5895102d34a6788a414d5a7c31bcd9
Kommentar von Max Liebscht — 29. Mai, 2008 @ 17:07 Uhr
Surfen, suchtartiger Konsum, TV, Hochglanz, Brot und Spiele. Sinnsurrogate – okay. Aber sie funktionieren hinreichend. Und sie könnten womöglich ewig hinreichend funktionieren, wenn die Ausbeutungsmöglichkeiten anderer und die Ressourcen der Erde unendlich reichten. Das hat auch was Arrogantes, darüber abzulästern, wenn die Leute in ihren Fickzellen infolge Fernsteuerung vertieren. Ich schließ mich da getrost mit ein. Aber wahrscheinlich muß man das Phänomen auf andere Weise ernst nehmen und das tun wir als Elite nicht. Zumindest solange die Tastaturen statt der Tatsachen fortlaufend Eindrücke machen.
Kommentar von Max Liebscht — 29. Mai, 2008 @ 18:07 Uhr
Wir = Elite?
Elite gehört zu den Worten, die sogar meinem passiven Wortschaft nur am Rande zuzurechnen sind, da ich bis heute nicht wirklich weiss, was damit gemeint ist.
Eigentlich finde ich es immer sehr, sehr komisch, wenn dieser Begriff verwendet wird.
Interessanterweise wird er ja meist zur Selbstbeschreibung verwendet.
Kommentar von Fritz B. Simon — 29. Mai, 2008 @ 18:37 Uhr
Bloß, daß Sie Bescheid wissen: ich rechne Sie dazu!
Nett auch was ich noch gefunden habe:
http://nuoviso.de/filmeDetail_firewal.htm
Grüße
Kommentar von Max Liebscht — 29. Mai, 2008 @ 22:37 Uhr
Ich bin nicht geil darauf, dazu zugehören.
Ich glaube auch, Ihre Skepsis nachvollziehen zu können angesichts dessen, daß komplexe Systeme zwischen Eu- und Disstress kaum ordentlich zu führen sind.
Aber wir können Rahmenbedingungen schaffen dafür, daß sich Substrate eingermaßen in kalkulierter Richtung entwickeln.
Sie tun das ja nicht allein hier.
Sie realisieren Macht, Beziehungen zu fördern, zu hemmen sicher auch sonsten mit Freude.
Wir geben oft genug unser “Bestes” in derlei Spielen.
Sie verfügen über Einfluß, wie sehr Ihrem Feminismus auch Minimalismus und das Siegen ohne Kampf imponieren mag, und sicher realisieren Sie diesen Einfluß auch.
Unter welchem Label wäre Ihnen das denn lieber?
Wie auch immer.
In dem Maße als wir unseren Einfluß anerkennen, dürften wir derzeit freilich wenig Anlaß haben, zufrieden zu sein.
Im Spiel Family – Marktwirtschaft sieht es derzeit schlecht für biologische + kulturelle Reproduktion aus.
Bei Schneehasen und Luchsen stehen häßliche Marktbereinigungen an.
(Von der Organisation der Wahrnehmung find ich das auch immer wieder verblüffend, daß ich hier in Pampaloosien von dem ganzen Kram eigentlich kaum was mitkriegen dürfte, da ich den Infos nicht hinterherhaste. Gleichwohl habe ich den Eindruck, alles Wesentliche erreicht mich dennoch.)
Die Form Radikalrationalistischer Wirtschaftsweise, Kapitalismus scheint regelmäßig nur ein Vorwort zu faschistoiden Formen darzustellen. Funkt Kapitalismus nicht mehr, orientieren wir uns (so wie just hier so ein bißchen im gruppendynamischen Szenario) an Rudelstrukturen. Der Reset zur Gesellschaftsstufe, die sich recht und schlecht, aber eben scheinbar doch noch besser als das krisenhafte Aktuelle bewährt hat, führt uns wie die Motten in die Lampe von Feudalismus; Putinismus, Mc Carthy, Hitler und bla.
Mögen wir als Schlaumeier vorzüglich die Wahl zwischen Aristoteles und Alexander haben, daß wir uns im Schicksal intellektueller Nutten bescheiden, kann´s doch wohl aber auch nicht sein? Fragen Sie doch mal den Geist Ihrer verehrten Oma. Die Girls mögen natürlich für gewöhnlich schnelle Entscheider in Uniform. Aber manche sehen infolge ernüchternder Erfahrung doch irgendwann auch soweit durch, daß sie einen Führertyp zwischen Alex & Aristo als Muse beflügeln mögen. (Auch wenn ich Zweifel bekomme, wenn ich an das Geeifer einer an sich sonst ja vorbildlich reflektierten Dame denke.)
Das stimmt mich selbst etwas nun ja.
Aus meinem dollen Metamodell, das Ich u.a. Dank dem Palaver mit Ihnen derzeit auf die mir fachfremden Fragen von Organisationsformen grundsätzlich zu übertragen suche, also ich komme da nicht so auf diesen amerikanischen Optimismus von Don Beck, Ken Wilber & Co heraus sondern ärgerlicherweise eher auf diese zyklischen Verläufe von Aufbau und Verfall.”Ein Eigenbrötler weiß wenigstens noch wie man Brot macht.” Hab immer gehofft, daß dies nicht so verdammt aktuell wird. Schöne Sch.
Und Sie selber, soweit ich das scannen konnte und so neugierig nett bspw. dieser Rahmen hier ist, Sie scheinen mir da auch ein ziemlicher Fatalist zu sein. Das hier also ein Nebenprodukt prominenter Ratlosigkeit? Ja hallo, willkommen im Club auch.
HG
Kommentar von Max Liebscht — 29. Mai, 2008 @ 23:40 Uhr
Hallo Herr Liebscht, Ihre Ausdauer und Ihr Stehvermögen – Respekt. Welches Ziel verfolgen Sie mit Ihren Beiträgen? Obwohl Sie das schon mehrfach gefragt wurden, eine schlüssige Antwort von Ihnen habe ich nicht gefunden. Bitte eine Antwort, die ich verstehe.
Kommentar von Elisabeth B. Farack — 30. Mai, 2008 @ 07:11 Uhr
Ich will das Innovationspotentail von Ideen im Feld testen, weil ich hier in meinem Elfenbeinturm grenzwertig zu Nirgendwo wenig Referenzen habe. Vielleicht kennen Sie ja Arno Schmidt.
Nützliche Hinweise provozieren zu den Problemen, die Sie unter den Links angesprochen finden.
Ein bißchen Satire in den Pausen hilft die Arbeiten leichter zu nehmen.
Gemäß life is stranger than fiction aber das, was ich tagtäglich an Verblüffendem erlebe finde ich eben interessanter als Brot und Spiele.
Daher mach ich jetzt wohl auch erst mal eilig die Biege bis es wieder interessanter wird und wünsche einen bezaubernden Abend.
Vielleicht noch ein netter Spruch:
Am schärfsten wird die Ausbeutung der Ressourcen unserer Erde und die Erniedrigung des Menschen durch den Menschen von denen kritisiert, die zu wenig Gelegenheit dazu haben.
Kommentar von Max Liebscht — 30. Mai, 2008 @ 18:56 Uhr
Was Sie nicht sagen und auch nicht besonders schlüssig.
Kommentar von Sylvia Taraba — 30. Mai, 2008 @ 21:32 Uhr
Sie nun wieder mit Ihren Tranceinduktionen!
ja auch anders umgehen können, aber so liegt das wohl doch zu nahe, und man kommt nicht umhin darauf anzuspringen.
In letzter Zeit haben Sie ein paar Autorität in Frage gestellt.
Zumindest mich hat das gefreut.
Obwohl mir das wahrscheinlich nicht groß zusteht, Ihrem Empfinden nach.
Mein lieber Vater wurde auch immer irgendwie nervös, wenn es um Autoritäten ging.
Ich fand das zuweilen doch etwas schade, weil er z.T. recht originelle Gedanken entwickelte.
Gegen Ende fand er freilich zu Souveränität ja Weisheit.
Wenn ich aber den geschichtlichen Kontext von Krieg und Nachkriegszeit in seiner Prägungsmacht mitberücksichtige, würde es für mich wohl genau eine solche Herausforderung darstellen, Autorität, Rang infrage zustellen.
Auch wenn es mir mitunter diebische Freude macht, ein wenig zu lästern, erkenne ich an, daß dieses Szenario, kaum beschadet seiner Künstlichkeit, hier offenbar doch wichtige Lernerfahrungen ermöglichen kann.
Natürlich würde das der Gevatter nie zugeben, daß er sich womöglich mal so etwas dabei gedacht haben könnte, als er dieses Album gruppendynamischer Poesie gekauft und angelegt hat.
Schon das Sinnieren, was und wie jemand, der in so etwas wie in der Position eines Gründers gesehen wird, nur um Himmels willen an Hocherhebendem denken mag, wenn er sich die Flusen aus dem Bart fummelt, da sind wir wirklich mitten drin im gruppendynamischen Loboratorium.
Womöglich werden ungeachtet der speziellen Form sogar noch solche Polarity – Responder wie meinerseel integriert.
Obwohl bei den letzten Kommentaren m.E. doch ziemlich deutlich wurde, wie sehr wie die alten Affen sind, was das Primat der Orientierung an Rudelstrukturen gegenüber dem Rationalen Kalkül angeht.
Man hätte mit Provokationen
Zeigt ja die Aufstellungsarbeit inzwischen tausendfach.
Und hier wurde es nun noch mal in einem recht nüchternem Rahmen abgebildet.
Hat jemand mal hinter den empfohlenen Links geguckt?
Es mag viel Spinne dabei sein, aber es kracht ganz schön im Gebälk, nicht wahr?
Es wundert mich ein wenig, daß hier so verhältnismäßig viel über rote Heringe gerätselt wird, wie sie auch die Bildzeitungskunden fabelhaft beschäftigen und relativ wenig über Inflation und artverwandte Phänomene.
Daß hier ein Ungewitter aufzieht, krieg ich ja sogar hier auf meinem Außenposten mit.
Kommentar von Max Liebscht — 31. Mai, 2008 @ 06:56 Uhr
Hallo Herr Liebscht, vielen Dank für Ihre Antwort. So ganz habe ich Sie nicht verstanden, aber ein bisschen schon. Arno Schmidt habe ich nicht gelesen – eine meiner Bildungslücken – weiß also nicht, was Sie mir mit dem Hinweis sagen wollen.
Deshalb werde ich hin und wieder nachfragen, z.B.
mit welcher Methode testen Sie Ihr “Innovationspotential in diesem Feld”, wie testen Sie es in anderen Feldern und zu welchen Ergebnissen sind Sie bisher gekommen?
Das mit dem Elfenbeinturm, den mangelnden Referenzen und dem Außenposten nehme ich Ihnen nicht ab. Ich weiß von zwei klugen Leuten, die in Görlitz leben und arbeiten. Und ich wette, es gibt noch mehr. Außerdem sind Sie doch in einer reichlichen Stunde in Dresden und in nur drei Stunden in Berlin!
Wussten Sie schon, dass in bildungshungrigen Westberliner (!) Kreisen die schlesische Oberlausitz mit Bautzen, Görlitz und dem Fürst-Pückler-Park Muskau ein heißer Tipp für Kurzurlaube ist? Ganz zu schweigen vom sorbischen Brauch des Osterreitens durch die Dörfer zwischen Kamenz und Bautzen?
Das mit dem armen Ossi ist doch schon zwanzig Jahre her, eine ganze Generation. Die Landschaften blühen viel schöner als je zuvor, trotz allem.
Jetzt kommt sicher eine bissige Bemerkung, oder?
Kommentar von Elisabeth B. Farack — 2. Juni, 2008 @ 14:41 Uhr
Wieviel Schmidt’sche Zettel haben Sie denn gelesen, herr Liebscht?
Was, so viele, alle Achtung!
Die erste bissige Bemerkung kommt von mir: “… Die [Ossi] Landschaften blühen viel schöner als je zuvor, …”
Das kann sich ja nur aufs Drittte Reich beziehen, und wer hat die damalige Landschaft denn selbst gesehen?
Was das Osterreiten anbetrifft: bei Bautzen denke ich zuerst und immer an den Knast, da können sie dort reiten, wie sie wollen. Man hätte Bautzen umtaufen sollen, vielleicht in Karl-Marx-Stadt. Der Name wurde frei, er ist gut auch fuer positive Assoziationen und hät6te fuer etwas kontinuität gesorgt.
Und wer bezahlt das blühende Paradies?
Wenn man in Görlitz sitzt, koennte die Nähe zu Polen den Blick weiten, nicht schärfen, wg. der Wässerchen.
Kommentar von duscholux — 2. Juni, 2008 @ 17:23 Uhr
Tut mir leid Frau Farack,
es war ein wenig flüchtig letztens.
Wahrscheinlich haben Sie eine Ausbildung in Gesprächspsychotherapie gemacht.
Oder es liegt an dieser Art von paradoxer Intervention von Ihnen.
Irgendwie haut das nicht hin mit dem bissig.
Aber wozu sollte ich Sie auch beißen wollen?
Ich hab von Arno Schmidt auch keine Ahnung und muß deshalb wohl andauernd selber Zettel schreiben. Dieser Tage sowas bspw.:
Sozialpädagogen sind Menschen, die von einer besseren Welt träumen und sich diesen Traum von Vater Staat bezahlen lassen.
Liebe ist eine Form der Frechheit gegenüber dem Gewohnten.
Manchmal ist es soweit gekommen, daß eine Gesellschaftsform nur insgesamt aus Ihren Verfehlungen was lernen kann.
Normalität nennt man es, wenn sich zwei Irre auf eine fixe Idee geeinigt haben.
Eine an sich mildere, in der Konsequenz aber um so verheerendere Form der Dummheit ist die Dummheit, die Dummheit nicht rechtzeitig erkennt.
Ein Mann wird schön durch das, was er tut.
Gute Arbeit ist wie ein zweites Zuhause.
So kann man sich eben verzetteln.
Er, Arno eben, kam nur hier aus der Gegend und hat sich dann für ein paar Jahrzehnte irgendwo verkrochen. Hat wohl irgendwie so eine Art ökologischen Kompromiß gegenüber seiner Mitwelt hingekriegt, nur daß er es eben doch nicht ganz lassen konnte, massenweise irgendwelches Zeug zu schreiben. Als das Landei dann komischerweise berühmt wurde, ich hatte es hier schon mal davon, bekam er andauernd dolle Einladungen nach Ach wie reizend. Ich find einfach den Spruch von ihm souverän: “Was soll ich denn in Paris? Ich war doch schon zweimal in Hannover.”
In Westberlin bin ich gerne. In der Uhlandstrasse rumfressen, nachts am Schlachtensee pennen, Savinyplatz und bla. Ihr Westberliner in Eurer eingesessenen Bürgerlichkeit habt irgendwie so was Beruhigendes, finde ich. Wahrscheinlich, weil man schon vieles kommen und auch wieder gehen gesehen. Das Ostexperiment hat ja sonst auch kaum einer richtig mitgekriegt, das kommen mir die meisten Westler irgendwie wie dusselig vor. Zumindest, wer nicht groß gereist ist, dem fehlt da wohl irgendwie was, über das manch schusseliger Ossi zufälligerweise verfügt. Im Prenzelberg und Friedrichshain sind die Leute so hysterisch. Das bin ich selber schon und geht mir eher auf den Keks. Meine Heimatstadt Dresden meide ich schmerzlicher Erinnerungen wegen.
Sennett empfiehlt das Leben in Städten mit ca 60 000 Inhabitants.
Ich hab mir hier einen Beobachtungspsoten aufgebaut, dreißig Meter hinter dem Rathaus und bau hier mit unverschämt wenig einen Laden auf. Ich werd hier auch Berliner und Meckersachsen wie mich herholen. Der Großstadttinnef geht den Leuten doch selber auf die Eier. Die Berliners kommen ab und zu rum und ich suche meinen Teil dazu zu tun. Die Stadt ist exorbitant bizzar. Denkmal funktionierender Bürgerlichkeit. Die hiesigen Abonorigines in ihrer Eigenschaft als ehemalige Mondbewohner entwickeln selbst erst langsam einen Sinn für Ihr Gehäuse. Von der Stadtveraltung mal ganz abgesehen. Im Grunde ein Flächendenkmal, kaum daß irgend eine Substanz gelebter Kultur enthalten. Die lokale Politik schildbürgermäßig. Vielleicht sprießt noch was. Man sieht das nicht in zwei Tagen, da man verträumt durch die Gassen schlendert und über menschliches Maß sinnt.
Wenn das Fließgleichgewicht in einem Körper gestört ist, zeigt sich das oft zuerst an der Haut, wie die Homöopathen meinen. Manchmal habe ich den Eindruck, hier an der Grenze nimmt man anders mehr wahr. Wenn ich die Freunde in Berlin aller halben Jahre mal supervidiere, habe ich den Eindruck, die leben wie im Traum in ihrem Reizsturm. Ein Bürgermeisterkandidat meinte, hier sind nur noch Alte, Arme und Dumme gebleiben. Und Freaks wie ich. Sicherlich, in Wedding ist es auch nicht sonderlich kuschelig. Aber wir haben hier allmählich überproportional viel … ja Übriggebliebene. Die Schulen und Firmen kriegen allmählich Probleme. Sicher gibt es hier einige Genossen, die so schweinereich durch den verfickt eingeschädelten Wechsel geworden sind, daß es einem schlecht werden kann. Sonsten aber Junge, Junge! Sollten demnächst Brot und Spiele unseres Bildsystems nicht mehr hinhauen, werden wir hier reichlich Anschaung haben, was das häßliche Wort Mob betrifft. Ich freu mich über die Ulme und den blühenden Holunder vor der Türe und über mein olles Häuschen zwischen Bautzen und Görlitz und sonsten bin ich etwas beunruhigt.
Wer nicht zum Lesen kommt, muß selber denken.
Die letzten zwei, drei Jahre hab ich immer wieder mal Ideen eingeworfen und getestet bspw. bzgl. meiner Wahnvorstellung, daß Organisationen auch bloß wie mehr oder weniger normale Leute sind, es weder Systeme noch Kommunikation gibt, wir uns in den Dingen wiederfinden u.s.w. Bin da wohl irgendwie bei Bateson gelandet, ohne ihn noch sonst jemand groß zu kennen, und manche der bislang heißgeliebten Positionen konstruktivistisch – systemischer Denke unpräzise. Wenn der St. Gallener Manegement – Ansatz sagt Evolution is everywhere, glaube ich mich vollständiger wiederzufinden. Wenn man sich mit Psychiatern einläßt kommen einem verrückte Sachen irgendwann normal vor. Fritz Simon hat mich mit so einem Buch in perfider Weise dazu provoziert, meine laienbrudermäßigen jakobböhmereien bzgl. einer Art Logik der Psyche zu verallgemeinern und mich damit vor der Weltöffentlichkeit lächerlich zu machen. Wenn keiner der paar dutzend Insider hier was damit anfangen kann, lohnt sich womöglich die Zeit was zu schreiben, war die Überlegung. In letzter Zeit, wenn ich mich ignoranterweise über den Internetexplorer reinwähle, gleichen sich auch die verhandelten Themen immer mehr, so daß ich mich zunehmend als Fehlbesetzung among bourgeoiser Artverwandter fühle. Die frivolen Sprüche von dem Carl Aua, sind wohl einfach der pubertären Frühphase dieses zunächst anarchistisch anmutenden Verlages zuzuordnen. Jetzt sind die frommen Geister sicher eher gesettelt und beschäftigen sich lieber mit regelmäßiger Sexualität und Bioküche. Inzwischen hab ich (Autodidakt) anderweitig mitbekommen, daß es die meisten Ideen, wie zu vermuten, so ähnlich schon gibt. Nur eben ziemlich verstreut. Derzeit hänge ich gerade einer Art Jahreszeitenhypothese an, die mich beunruhigt. Geschichte die sich nie wiederholt aber reimt. Unvermeidlichkeit kollektiver Amnesien dadurch autopoeitische Strukturen Jahresverlaufsmäßige Zyklen von Aufbau und eben auch Verfall durchlaufen. Im Sommer nach Notenschluß hab ich sagenhafte 6 Wochen, da krach ich die ganze Spinnerei endlich hin und bei Belieben können Sie das dann hier vielleicht mit Vergnügen lesen.
Hoffe, mit diesen Angaben gedient zu haben.
Schöne Grüße in Ihre Welt
Hinweis: An dem Fördermittelmißbrauch, der den mehr oder weniger armen Ossis hier flächendeckend das Empowerment verhunzt, ist wahrscheinlich Herr Duschvorhang schuld.
Kommentar von Max Liebscht — 3. Juni, 2008 @ 22:29 Uhr
Herr Liebscht,
ich habe meine Frage noch mal runterkopiert. Krieg ich noch ne Antwort?
…”Deshalb werde ich hin und wieder nachfragen, z.B.
mit welcher Methode testen Sie Ihr “Innovationspotential in diesem Feld”, wie testen Sie es in anderen Feldern und zu welchen Ergebnissen sind Sie bisher gekommen?”…
Kommentar von Elisabeth Farack — 5. Juni, 2008 @ 00:12 Uhr
Können die Leute was mit den Kommentaren anfangen, sich einklinken, Anschluß nehmen weiterführen, korrigieren? Das ist als Methode vermutlich nich so dolle, wie sich zeigt. Kommentarfunktion halt. Die paar Reaktionen beziehen sich eher auf die Form, auf phantasierte Statusansprüche als auf die Ideen, welche ich ausprobieren mochte. Der Gruppenführrer fummelt sich ein Krümel aus dem Bart. Und man rätselt um die Wette, was dieses Orakel wohl für einen tieferen Sinn haben könnte. Na ja, so ist es halt. Vielleicht sollte man sich an Carl Auer ein Beispiel nehmen und sich auf´s Spuken verlegen.
Andere Felder nee, keine freie Zeit und Idee dazu. Ich fand die Idee vielversprechend vom erkenntnisermöglichendem Kontrast, bspw. von Beobachtungen aus der Randlage / Beoachtungen im Auge des Strudels.
Ergebnis: keine Entwarnung. Im Gegenteil. Vor ein paar Tagen tuckel ich durch eines dieser Gründerzeitviertl in welchen vorzüglich die sog. bildungsfernen Schichten Quartier halten. Ich wundere mich über den Lärm vor mir, komme näher. Die Stimme einer Frau und eines Mannes vom Band aus einem weißen VW – Bus schallt um die auch am tage wie gespenstisch wirkenden, halb leeren Häuserzeilen. Regelrecht aufrüttelnd. “Die korrupten Blabla – Politiker abwählen. NLP – wählen – jetzt!” Ich hab vergessen, was die noch so herumgetrötet haben, aber mir wurde klar, daß sie die Art und Weise der Menschen in diesen Häuserzeilen zu denken besser als jeder andere getroffen haben. Und mir kam eine Ahnung, wie das Anfang der Dreißiger gewesen sein mag. Ein Bekannter der sich um Opfer rechter Gewalt geküpmmert hatte, bis denen die öffentliiche Unterstützung eingestellt worden war, meinte relativ unerschüttert: Wer neu ist am Markt tritt halt stärker auf.
Mich hat das also etwas ja … also das ist einfach auch son etwas Beunruhigendes. Zumal das wirklich gut gemacht war, wenn man an die Lebenssituation und Interpretationegewohnheiten dieser Leute hier den sog. Ghettos denkt. Ich seh so was und schreib es hier hin. Aber da kommt nix groß an Resonanz. Vielleicht sind die Leute samt Ihrer aufgeklärteren Perspektiven in den großen Städten schon am Einkochen und Büchsenstapeln. Vielleicht sind sie, das ist mein Verdacht, eher so zugedeckelt von all dem bunten Firlevanz aus dem Brot – und Spiele – Programm , daß sie dergleichen für abseitige Halluzinationen eines randständigen Querulanten halten.
Neulich meinte eine sehr engagierte Person zu mir, wieso ich denn nicht zu diesen Atac – Leuten gehe, die würden auch so komisch denken. Im Zuge der schier unvermeidlichen Metamorphosen der Macht werden diese wenigstens z.T. ja durchaus sympathisch auftretenden Leute m.E. aber sicher auch den Gang aller Innovationsträger nehmen. Die Grünen waren das wohl desillusionierendste Beispiel dafür, daß Geld selbst die größten Geister müde macht. Aber okay, Sie wollten ja eigentlich auch nur eine Antwort auf Ihre Frage.
Kommentar von Max Liebscht — 7. Juni, 2008 @ 12:23 Uhr