Simons Systemische Kehrwoche

Razzia

Fritz B. Simon

Gestern konnte ich mal eine Polizeiaktion live miterleben. Die Tür zu einer Wohnung in meinem Haus wurde von der Polizei aufgebrochen. Es war wie in den alten Ritterfilmen, wo Leute mit einem Rammbock das Tor zur Burg einzurennen versuchen. Nur dass der Rammbock hier aus Eisen war und nicht erst zurecht geschnitzt werden musste. Es gab einen furchtbaren Lärm, und ich dachte, das Haus bricht zusammen. Hätte nie geglaubt, dass es so lange dauert, solch eine Tür aufzubrechen. Der Putz bröckelte, die Mauern waren erschüttert, und trotzdem brauchte das halbe Dutzend Polizisten mehr als ein Viertel Stunde, um in die Wohnung zu kommen. Deutsche Wertarbeit diese Türen. Ich bin jetzt wirklich beruhigt.

Der Wohungsbesitzer war offenbar nicht bereit, seinen Schlüssel heraus zu geben. Er – bzw. der Schlüssel – war verfügbar, wurde aber nicht genutzt. Bevor ich ihn sah, habe ich – angesichts so vieler vermeintlicher Polizisten, die meine Nachtruhe stören (kann ja jeder kommen, sich als Polizist verkleiden und Wohnungen stürmen) – erst einmal die Polizei angerufen. Das hatten offenbar noch andere Hausbewohner gemacht, denn ausser den zwei Mannschaftswagen, die vor der Tür standen, kamen jetzt noch mehr Streifenwagen, deren Besatzungen auch mal schauen wollte, was da los ist…

So viele Polizisten habe ich sonst eigentlich nur bei Demos am 1. Mai gesehen. Mindestens 20 Mann. Wenig Frauen. Ein Hund (Drogen?).

Was mir bei den Polizeieinsätzen im Fernsehen besser gefällt als bei diesen Live-Auftritten, ist, dass ich die Dialoge der Hauptdarsteller besser verfolgen kann. Irgendwie hatte ich das Gefühl, die Regie oder der Drehbuchautor hätten da Mist gemacht. Schließlich sind die ja dafür verantwortlich, dass ich als Zuschauer den Sinn des Ganzen nach spätestens anderthalb Stunden verstanden habe. War hier nicht der Fall.

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5 Kommentare

  1. Vieleicht gibt es Fritz B. Simon ja wirklich.

    Kommentar by Max Liebscht — 19. Februar, 2010 @ 16:34 Uhr

  2. Herrjeh, das klingt ja fast nach Berlin. Ein Hund bedeutet in der Regel Drogen, Sprengstoff oder Druckerfarbe. Zwei (große) Mannschaftswagen wären bei ersterem ungewöhnlich, außer, es handelt sich um einen wenigstens halbwegs dicken Fisch im Kokain/Heroin Business oder einen “Mafioso”. (“Mafia” ist ja auch so ein Wort, das in der Regel völlig falsch aufgefasst wird, bzw. Strukturen suggeriert, die so in ihrer Form nicht oder nur vereinzelt vorliegen.)
    Viele Grüße : – )

    Kommentar by pascal — 19. Februar, 2010 @ 19:28 Uhr

  3. Im Fernsehen kann so manches besser gefallen als im Leben – die Liebe (die wird ja um ein vielfaches aufgeblasen), der Tod (der digitale Schmerz erreicht ja nicht mal annähernd den Grad des Echten Verlustes (für den lebendiggebliebenen)), ein Leben nach dem Tod (plötzlich nicken alle und haben überhaupt keine Einwände….), eine Geburt – (da soll sich jeder sein eigenens Liedchen zu singen!).
    Tauschen wöllt’ ich trotzdem nicht. Der Live-Auftritt fühlt sich einfach besser an. Die Kurven schlagen höher / tiefer aus.

    Kommentar by jochen heiner — 19. Februar, 2010 @ 21:05 Uhr

  4. Lässt sich Herr Simon am nächsten Tag z.B. vom Tatort von gestern abend genauso beschäftigen, wie der Live-Auftritt im Pyjama? – Wir zumindest haben so auch etwas davon! Danke Leben!

    Kommentar by jochen heiner — 19. Februar, 2010 @ 21:12 Uhr

  5. Movie get´so happy when we die.
    http://www.youtube.com/watch?v=wa4fdGK8s9o&feature=related
    Natürlich muss man es so oder so nehmen, wie es kommt.
    Aber es kann schon einen ziemlichen Unterschied machen,
    von wem man Besuch bekommt.
    Vielleicht hat Herr Simon einfach noch mal Glück gehabt.
    http://www.youtube.com/watch?v=teufz17PqoY&feature=related

    Kommentar by Max Liebscht — 19. Februar, 2010 @ 23:26 Uhr

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